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Schneeschuh-Tour zum Feldberg-Pass

3 Februar 2012 5 Kommentare

Achtung: Diese Schneeschuh-Tour ist von uns ausdrücklich nicht zur Nachahmung empfohlen!
Nach reiflicher Überlegung haben wir uns aber entschlossen, das Erlebnis trotzdem online zu stellen, um allen Schneeschuh-Freunden vielleicht einmal etwas besser verdeutlichen zu können,
womit man auf Schneeschuh-Wanderungen eigentlich immer rechnen sollte..!

Diese Tour haben wir uns bereits im letzten Herbst für diesen Winter vorgenommen, sie dann aber – mangels Schnee – immer wieder verschoben. Nun schien uns aber der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein, zumal Menzenschwand auch noch im Süden des Feldberg-Kammes liegt und wir dort eigentlich vor dem derzeit kräftigen Nord-Ostwind geschützt sein sollten, der oben über den Gipfel bläst.

Albtal und Krunkelbachtal schneiden nördlich von Menzenschwand, tief in das Naturschutzgebiet Feldberg ein. Damit sollte man vor jeder Schneeschuhtour in diesem Gebiet auch unbedingt zuerst einmal einen Blick in das Faltblatt Winterwege im Naturschutzgebiet Feldberg werfen (zu erhalten im Haus der Natur)! Da uns der Naturschutz sehr am Herzen liegt, haben wir das natürlich getan und so auch schnell in Erfahrung gebracht, dass unsere geplante Tour diesbezüglich freigegeben ist.

Unser Aufstieg sollte von Menzenschwand aus, rechts der Albschlucht und unterhalb der Ziegenweiden, hinauf zum Feldbergpass erfolgen. Über den sogenannten „Alpinen Pfad“ (nicht der am Feldberg!) wollten wir zuerst die Hochkopfhütte erreichen, und dann von dort aus – über den Westweg – ebenerdig hinüber ziehen, zum Caritashaus. Vom Caritashaus führt dann wieder ein (im Winter ebenfalls freigegebener) Waldweg hinunter, in die Albschlucht und an den Muränen vorbei zum Parkplatz, am Skilift in Menzenschwand.

Als wir unser Auto in Menzenschwand parken, zeigt das Außenthermometer -14,0°C. Der Himmel ist grau, und es schneit ganz sachte. Gut eingepackt tragen wir unsere Schneeschuhe so ein paar Meter in den Ort hinein und dann am Richtungsschild „Zweiseenblick“ u. „Hochkopf“, links hinauf.
Am Ende der Häuserreihe legen wir die Schneeschuhe dann an und folgen dem Schmalen Weg zwischen den Elektrozäunen, nach Norden. Hier weiden im Sommer die Menzenschwander Ziegen.

Die Schneeverhältnisse sind wunderbar, es liegt feiner Pulverschnee. Wo er vom Wind zusammengeweht worden ist, sinken wir manchmal sogar bis über die Knie, in den feinen, weißen Staub ein. So fein, kann der Schnee natürlich auch unseren wirklich guten MSR-Lightnings keinen nennenswerten Widerstand bieten und oft bewahren uns dann auch nur unsere Stöcke davor, im weichen Puder zu stürzen. Solche Touren daher bitte keinesfalls ohne Stöcke und Gamaschen angehen. Nur Gamaschen können Euch nämlich bei diesen Bedingungen auf Dauer vor nassen (und damit bald auch kalten) Füßen bewahren!

Dann teilt sich der Weg, aber eigentlich sehe ich das nur auf dem Garmin. An einer Sitzbank führt unser Trampelpfad nun etwas steiler aufwärts und schon bald müssen wir beim Aufstieg kräftig schnaufen. Der tiefe Schnee ist schon jetzt sehr anstrengend zu gehen, und die Verwehungen werden immer noch tiefer. (Bitte habt Verständnis dafür, wenn ich da nicht immer fotografieren konnte!)
Bald erreichen wir dann auch das erste Ziegengatter, das unseren Weg versperrt. Normalerweise sind das Tore, die sich leicht öffnen lassen, um dem Wanderer Durchgang zu gewähren. Nun ist es aber völlig zugefroren und erst ein paar kräftige Rüttler lassen es aufspringen.

In diesem Bereich nimmt jetzt auch der Wind langsam zu, und damit gleichzeitig auch die Höhe der Scheeverwehungen. Wir sind hier unten also wohl doch nicht ganz so tief im Lee, wie wir und das erhofft haben.
Was meinst Du..,“ schmunzelt Claudia daher auch irgendwann, „wie es wohl jetzt erst ganz oben, am Feldberg-Gipfel pfeift..?“ Noch sind wir richtig guter Dinge!
(Der Feldberggipfel wäre unsere Alternative für heute gewesen.)

Dann liege ich plötzlich im Schnee und konnte überhaupt nichts dagegen tun: Mein linker Schneeschuh war einfach durch den völlig pudrigen Pulverschnee hindurch gesackt, ins Leere..! Im letzten Augenblick konnte ich mich im Fallen dann noch etwas auf die Seite drehen und bin natürlich auch sehr weich gelandet. Und da ich zu dem auch noch völlig trocken geblieben bin, liege ich nun einfach nur im tiefen Schnee und lache mich – über mein eigenes Missgeschick – halb tot!

Claudia hilft dem alten Mann dann wieder hoch und klopft mich von hinten auch noch sauber ab.
Pass‘ doch besser auf..!„, rügt sie mich dann noch zu allem Überfluss – danke für’s Gespräch..!

Da ich fast immer vorausgehe, bin ich nun doch etwas vorgewarnt. Denn so etwas habe auch ich bisher noch nicht erlebt. Es war, als ob ich in metertiefem Schnee plötzlich überhaupt keinen Schneeschuh mehr angehabt hätte! Ab sofort sehe ich mir die Schneewehen daher etwas kritischer an..!

Inzwischen haben wir den Bereich der Ziegenweiden verlassen und ziehen nun halbrechts, weiter aufwärts. Ohne unseren Garmin hätte ich diesen „Weg“ aber wohl kaum wiedergefunden. In weiser Voraussicht habe ich gestern noch unseren Track vom Sommer geladen, für alle Fälle.
Die Schneehöhe beträgt hier nun bestimmt schon mehr als einen Meter und verdeckt somit auch alle Anhaltspunkte, die man im Sommer zusätzlich zur Orientierung zur Verfügung hat. Und nur die Himmelsrichtung alleine, mit dem Waldrand vor uns, reichen so nicht mehr aus, um den Eingang in den Schmalen Waldpfad zu finden, der uns da vorne zum Pass hinaufführen soll!
Ab und zu sehen wir für einen kurzen Augenblick sogar unser Zwischenziel, das Caritashaus, links oben zwischen den Wolken hervorblinzeln. Dort wollen wir hin, aber noch liegt der Feldbergpass sehr weit über uns, und zudem auch noch in einer ganz anderen Richtung, als wir derzeit gehen..!

Dann erreichen wir endlich den breiten Wirtschaftweg, von dem aus unser „Alpiner Pfad“ steil durch den Wald hinauf führt.

Eigentlich haben wir erwartet, dass die Schneehöhe auf dem etwas geschützter daliegenden Waldweg nun etwas geringer sei, doch das war ein Irrtum. Ganz im Gegenteil, mit jedem Höhenmeter scheint nun die Schneehöhe sogar noch weiter zuzunehmen! Und es kommt noch ein ganz anderes Hindernis auf uns zu, mit dem wir überhaupt nicht gerechnet haben: Warmes Wasser! (Kein Witz!)

Durch die hohe Temperatur (ca. +4°C) des hier überall aus dem Berg austretenden Quellwassers, bleibt in den Wasserläufen kein Schnee liegen. Die Schneeflocken schmelzen also, sobald sie das Wasser erreichen.
Das führt aber dazu, dass wir uns nun teilweise etwa 1,50m über den frei gebliebenen Wasserläufen befinden, die dort unten über den Waldweg fließen (und nicht zugefroren sind!). Wir stehen also immer wieder vor richtig tiefen, etwa einen Meter breiten „Schluchten“, die quer zu unserem Weg verlaufen! Und jede einzelne von ihnen gilt es nun zu überwinden.

Um aber einfach nur einen großen Schritt über sie hinweg zu machen, fehlt auch mir oft der Mut. Zumal gleich schon der erste Versuch, etwa einsfuffzig tiefer, im (Gott sei Dank!) sehr seichten Wasser endet. Nur mit den abgespreizten Ellenbogen konnte ich mich dabei an den Wänden noch einigermaßen abfangen und lande auf den Füßen!

Der tiefe Pulverschnee, direkt auf den Rändern der „Schluchten“, ist zum Springen viel zu weich. Selbst mit den Schneeschuhen findet man auf ihm keinen Halt und rutscht einfach weg. Und somit kann man weder weit genug an den Rand heran zu treten, um sich dann trittsicher abzustoßen, noch drüben beim Landen genügend Halt finden.
Und ich mag jetzt noch nicht einmal mehr raten, wie viele von diesen „Hochschwarzwald-Gletscherspalten“ (Den namen hat Claudia ihnen spasshalber gegeben) wir überwinden mussten, bis wir endlich oben an der Hochkopfhütte aus dem Wald treten. Aber es waren sehr, sehr viele! Zu viele, um diesen Weg im Winter noch ein weiteres Mal zu gehen..!
Irgendwann erreichen wir dann aber einen wunderschön anzusehenden Eisfall. Richtig dicke, große Eiszapfen überziehen hier die Felsen, bis hoch hinauf. Und dieser Eisfall flößt mir gleichzeitig auch einen ordentlich Respeckt ein, denn als ich das Foto oben schieße, stehe ich mit den Schneeschuhen direkt auf dem Eis und höre unter mir gleichzeitig laut das Wasser rauschen..!

So bin ich dann auch ziemlich froh, als wir ihn endlich hinter uns lassen und dann – über unzählige, weitere Spalten – rechts hinauf ziehen, zur Hochkopfhütte.

Dort angekommen bin ich erst mal so richtig fertig und ausgepowert! Wir machen eine kurze Pause, trinken Tee und vespern eine Kleinigkeit und für einen kurzen Augenblick überlege ich mir, ob es nicht besser wäre, mit dem Bus nach Menzenschwand zurück zu fahren.
Nein! Nicht mit meiner Claudia – die will da natürlich wieder zu Fuß runter:

Geht nun doch nur noch bergab..!„, beschwichtigt sie und muss sich diesen Spruch unterwegs dann auch noch ein paar mal von mir anhören.

Wir ziehen nach der Pause noch vollends hinüber, zum Caritashaus und suchen dort dann zuerst einmal den Wanderweg hinunter, nach Menzenschwand. Wir finden ihn auch irgendwann und fotografieren noch das Schild, aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive. Es ist nämlich recht tief im Schnee vergraben.
Hier sind wir nun unmittelbar neben der B 317, die über den Feldberg-Pass führt. Als ich den weiteren Wanderweg begutachte, bin ich zuerst einmal recht erleichtert. Er scheint geräumt, bzw. gewalzt zu sein und trägt nur eine ganz leichte Neuschnee-Auflage.

Siehst Du..!„, beschwichtigt Claudia sofort. „Ist doch alles im grünen Bereich..!

Dabei hat sie aber wohl noch nicht daran gedacht, dass der Weg hinunter nun ja nicht durchgehend so breit bleiben wird, wie er hier oben gerade ist. Was solls, wir werden sehen..!

Wir ziehen los und marschieren erst mal locker und unter optimalen (Spazierweg-)Bedingungen in Richtung Menzenschwander Hütte. Aber schon kurz darauf biegt der Weg links hinunter, in Richtung Tal. Prima, genau da wollen wir ja hin.
Ausgerechnet für diese anderthalb Kilometer habe ich nun nämlich keinen GPS-Track, da wir im Sommer über den Feldberggipfel gezogen sind. Erst etwas weiter unten werden wir wieder auf ihn zurückgreifen können. Und prompt dreht der Weg auch weiter nach links, als er sollte und wir marschieren bald wieder in Richtung Osten. Zudem führt er nun wieder aufwärts.

Sch..ße..!„, fluche ich dann auch bald lauthals, denn ich habe links über mir das Caritashaus entdeckt – wir wurden im Kreis geführt!
Mann.., für diesen Mist habe ich keine Kraft mehr übrig..!„, erkläre ich Claudia stinkig und sie stimmt mir zu: „Ich auch nicht..!

Wir machen auf dem Absatz kehrt und ziehen auf dem gleichen Weg zurück, über den wir gekommen sind. Dann sehe ich endlich den richtigen Weg links abzweigen. Von oben konnten wir ihn deswegen nicht sehen, weil der Räumdienst die Abzweigung völlig zugeschoben hatte.
Nun folgen wir aber dem richtigen Weg abwärts und sind bald auch schon völlig begeistert, von der unberührten Natur in einem völlig verschneiten Winterwald. Der ganze Frust ist schnell verflogen und wir sind beide völlig hin und weg, von diesem Erlebnis. Bis zum ersten Wasserlauf..!

Und das, was nun kommt, übertrifft die Strapazen des Aufstieges sogar noch um einiges: Der Schnee ist hier auf dem Waldweg nun nämlich noch höher, und die „Schluchten“ dazwischen daher auch noch tiefer, als schon vorhin! Teilweise weiß Claudia bald gar nicht mehr, wie sie einzelne Hindernisse überhaupt noch bewältigen soll. Sie geht immer häufiger große Umwege, durch den angenzenden Wald.

Eine Anmerkung zur Ausrüstung: Unsere MSR-Lightning Schneeschuhe sind hervorragend für alpines Gelände geeignet. Und wir haben sie beim Kauf – ganz besonders in Bezug auf unsere Trekking-Touren mit schwerem Gepäck – auch für ein recht hohes (Gesamt-)Gewicht ausgesucht. Trotzdem sind wir hier – mit all‘ unserer Erfahrung – an ihre Grenzen gestoßen! Mit den üblichen Nullachtfuffzehn-Schneeschuhen, die man sich überall leihen kann, und ohne unsere Erfahrung, wären wir hier ganz sicher nicht mehr durchgekommen..!

Irgendwann stoßen wir dann endlich auf den bereits vom Sommer bekannten Weg, der uns noch über ein hübsches Brücklein und auf den wieder gewalzten Winterwanderweg, hinunter nach Menzenschwand führt. Nun ist es eigentlich nur noch ein Klacks, bis zum Auto und ich packe die Kamera endgültig weg, denn auch das Licht schwindet inzwischen.

Etwa eine halbe Stunde später erreichen wir dann den Parkplatz und haben damit die (Tor-)Tour – nach 5 Stunden – endlich hinter uns.

Das waren 9,87 Kilometer mit 428 Höhenmeter im Anstieg, eigentlich nicht viel, oder?

Fazit: Haben wir die Tour Schlecht vorbereitet? Nein, eigentlich nicht! Vielmehr sind wir unterwegs von Bedingungen überrascht worden, mit denen wir (selbst hier im Hochschwarzwald!) nicht gerechnet haben! Und künftig werden wir wohl ganz einfach auch solche Extreme einkalkulieren müssen. Man lernt eben nie aus..!

Download Track [urldisplaymode=nomap]


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5 Kommentare »

  • Volker sagt:

    Tolle Sache,danke für die Warnung vor dem Nachwandern.Da sollte man doch schon einige Erfahrung haben und eine top Kondition noch dazu sonst wirds leicht kritisch.
    Habt noch viel Spass diesen Winter,vielleicht begegnen wir uns ja mal auf Tour.Viele Grüsse Volker

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Volker, ja wäre sehr schön, wenn wir uns unterwegs mal über den Weg laufen würden! Liebe Grüße!

  • andi sagt:

    Tach ihr beiden!

    Wir haben das hier mal ausprobiert und fanden es nicht so dramatisch wie hier geschildert. Richtig nett! Die Tour kannten wir auch schon vom Sommerwandern.

    Wir fragen uns ob wir uns am Sonntag begegnet sind, wir kamen vom Kl. Spiesshorn runter Ri. Menzenschwand und ihr hochwärts, ca. 14 Uhr. Gelbe Jacke, rote Puschelmütze, dachte das sei Claudia, und der Herr mit Bart. Das Kopftuch hab ich vergeblich gesucht .-)

    Viele Grüße, bis bald. Man sieht sich
    Ilo und Andi

  • andi sagt:

    Tach ihr beiden!

    Wir haben das hier mal ausprobiert und fanden es nicht so dramatisch wie hier geschildert. Richtig nett! Die Tour kannten wir auch schon vom Sommerwandern.

    Wir fragen uns ob wir uns am Sonntag begegnet sind, wir kamen vom Kl. Spiesshorn runter Ri. Menzenschwand und ihr hochwärts, ca. 14 Uhr. Gelbe Jacke, rote Puschelmütze, dachte das sei Claudia, und der Herr mit Bart. Das Kopftuch hab ich vergeblich gesucht .-)

    Viele Grüße, bis bald. Man sieht sich
    Ilo und Andi

    Ähhm da kommt nix
    Bitte doppelten Comment löschen. ok? Danke
    Andi

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Andi!

    Sorry, habe Deine Kommentare gerade alle aus dem Spam gefischt! (Warum die da gelandet sind, weiß ich nicht!?) Zur Tour: Die haben wir bei frischem, tiefem Neuschnee unternommen und da unsere Vorschläge gerade auch von vielen Einsteigern nachgewandert werden, warnen wir lieber einmal zu oft, als zu wenig! Ich denke mal, erfahrene Hasen wie Ihr können den Unterschied schnell erkennen!

    Solltet Ihr uns wieder Mal begegnen, dann sprecht uns doch bitte an! Wir freuen uns darüber immer sehr!

    Liebe Grüße, Rainer

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