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Rinken – Feldberg-Gipfel – Bergerhöhe – Fahl

9 Februar 2011 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 12 von 13 in der Serie Die schoensten Schneeschuh-Touren am Feldberg

Was für eine Hammer-Tour: Vom Rinken hinüber, zum Baldenweger Buck. Dort dann entlang der Ostseite hinauf, zum Mittelbuck. Anschließend weiter zum „Höchsten“ und über die St. Wilhelmer-Hütte wieder hinunter, zum Stübenwasen. Von dort aus dann weiter hinunter, zur Bergerhöhe und über den „Radwanderweg“ zum Fahler Wasserfall.

Eigentlich sollte es einfach nur eine schöne Tour, vom Rinken – über den Höchsten – nach Todtnauberg werden. Aber dann kam alles anders und wir entschlossen uns unterwegs ganz spontan, die geplante Route zu ändern. Aber langsam, und von vorne…:

Als wir gegen Neun beim Jägerheim am Rinken parken, herrscht eine auffallend friedvolle Stimmung. Es ist Freitag und außer uns ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Gerade bricht die Sonne durch die Wolken und alles deutet darauf hin, dass dies ein wunderschöner Tag werden wird.
Wir legen die Schneeschuhe an und ich blicke kurz hinüber, zum Baldenweger Buck. Völlig frei von Wolken schaut er über dem kleinen Wäldchen heraus, das uns nun noch von seinem Fuß, an der Baldenweger-Hütte, trennt.

Wir schultern die Rucksäcke und als ich ein Foto von Claudia in der Sonne schießen möchte, verschwindet diese plötzlich hinter Wolken.
„Oh-jeh..,“ meint Claudia nur, die sich spontan nach ihr umgedreht hat, „die sehen wir heute wohl so schnell nicht wieder!“
Ich nicke nur, denn inzwischen ist auch der Gipfel des Baldenweger Buck nicht mehr zu sehen.
„Das Wetter schlägt um!“, sage ich zu Claudia und mache sie auf die dichten Wolken aufmerksam, die auffallend rasch über den Feldberg-Gipfel heranziehen. Und auch die ersten Windböen erreichen uns bereits.

Unter diesen Umständen rate ich jedem, der den Feldberg nicht wie seine Westentasche kennt, die Tour zu verschieben und nichts zu riskieren!

Claudia und ich sind hingegen hervorragend ausgerüstet, kennen uns am Berg sehr gut aus und haben zusätzlich noch unseren Garmin(!) dabei. Es kann also eigentlich nicht viel passieren. Außerdem bieten sich uns unterwegs immer wieder Möglichkeiten, die Tour abzukürzen, oder auch ganz abzubrechen. So entscheiden wir uns für den Aufstieg zum Mittelbuck. Von dort aus könnten wir – sollte es noch schlimmer werden – dann immer noch über den Grüblesattel zum „Haus der Natur“ absteigen.

So stapfen wir die gut präparierte Straße (Rodelbahn) zur Baldenweger Hütte hinauf. Längst haben wir unsere Sturmhauben an und die Kaputzen der Jacken hochgezogen. Aber das nützt nur wenig, denn der inzwischen kräftige Wind kommt direkt von vorne und bläst uns Eiskristalle ins Gesicht.

An der Baldenweger-Hütte angekommen werfe ich Claudia noch einmal einen fragenden Blick zu, denn hier verlassen wir nun die Straße. Aber sie nickt nur und vom Gesicht ist ohnehin nicht viel zu erkennen. So halte ich mich links und marschiere genau südwärts, ins Gelände hinein.

Diesen Weg sind wir bisher noch nie gegangen. Er führt genau durch die Lawinenspur der großen Wechte auf der Ostseite des Baldenweger Buck. Aber von der ist im Augenblick – mangels Neuschnee – nicht viel zu befürchten. Ich bleibe kurz stehen und sehe zu ihr hinauf. Von hier aus wirkt sie aber auch so schon recht beeindruckend und selbst Claudia fühlt sich plötzlich nicht mehr wohl: „Bring mich weg von hier..!“, sagt sie nur leise, als sie mich einholt.

Das Gehen ist in diesem Bereich recht anstrengend, da wir die Schräge des Hanges queren. Jeder Fuß muss im Knöchel angewinkelt aufgesetzt werden, was auf Dauer viel Kraft kostet. Zudem bläst der Wind inzwischen so stark und direkt von vorne, dass es merklich anstrengender wird, gegen ihn anzugehen. Legt man sich beim Lastwechsel – von einem Fuß auf den anderen – nämlich  nicht weit genug nach vorne, dann wird man vom Wind einfach wieder auf den ersten Fuß zurück „geblasen“, macht also wieder einen unfreiwilligen Schritt zurück!

Über einen langen, steilen Schräghang, unter diesen Bedingungen aufzusteigen, das kostet einen richtig Kraft! Dazu kommen dann noch die vielen, feinen Eiskristalle, die uns wie Schmirgelpapier bearbeiten, wo immer sie im Gesicht auch nur einen Millimeter, freie Haut finden.

Irgendwann erreichen wir dann oben den „Gipfel“ des Mittelbuck und stellen fest, dass hier der Schnee bereits fast völlig weggeblasen worden ist. Gerade noch eine dünne Schicht bedeckt die Grasbüschel unter unseren Füßen.
Eigentlich sollte man unter diesen Bedingungen nicht mehr mit Schneeschuhen wandern, um die Natur zu schonen, aber in Luft auflösen können wir uns nun ja auch nicht. Also weiter!

Wir erreichen den Punkt, an dem wir uns entscheiden müssen, ob wir abbrechen, und über den Grüblesattel absteigen, oder weiter gehen wollen.

„Weitergehen..!, lacht Claudia nur. „Gibt ’ne gesunde Gesichtsfarbe..!“

„Danke, für’s Gespräch!“, schmunzle ich zurück und gehe wieder ein paar Meter voraus. Von rechts kommt hier nun der ausgetretene Schneeschuh-Pfad herüber, über den auch wir das letzte Mal vom Rinken gekommen sind.
Wir folgen den Weidepfählen, die teilweise gerade noch mit den Köpfen aus dem Schnee heraus ragen nach rechts, in Richtung „Höchster“. In diesem Bereich hat es nun wieder deutlich mehr Schnee. Teils ist er ziemlich verharscht, teilweise aber auch wunderschön puderig, fast wie frisch gefallener Pulverschnee.

Am Gipfel angekommen, haben wir dann keinen Sinn dafür, uns länger aufzuhalten. Der Nebel ist inzwischen ziemlich dicht und wir erwarten, dass auch der Wind gleich noch einmal kräftig zulegen wird, wenn wir die Luvseite des Gipfels erreichen. Und dort müssen wir nun einfach hinunter, wenn wir die St. Wilhelmer-Hütte erreichen wollen.

„Wenn wir etwas weiter unten sind, erreichen wir wahrscheinlich das Lee des Stübenwasen..!“, rufe ich Claudia laut zu, aber sie versteht mich nicht, obwohl ich nur zwei Meter neben ihr stehe.

Ich behalte jedoch Recht: Schlagartig wird aus dem Sturm ein laues Lüftchen, als wir noch ein paar weitere Höhenmeter, in Richtung Sattel abgebaut haben! Wir bleiben kurz stehen und lauschen fasziniert dem heftigen Rauschen über uns, das nun gar nicht mehr zu dem „Windchen“ passen möchte, das uns jetzt noch umstreicht.

Dann ziehen wir das kurze Stück hinunter, zur St. Wilhelmer Hütte, wo uns draußen schon „Emma“, der Hund von Baldur und Gabi, begrüßt. Die beiden sind ebenfalls ziemlich überrascht, uns heute schon wieder zu sehen, wo wir doch erst gestern hier waren.

Während ich an einem Jagertee nippe, unterhalten wir uns mit Baldur über unser Vorhaben und die augenblicklichen Wetterbedingungen. Er sieht darin aber auch kein größeres Problem:
„Lediglich oben, am Stübenwasen, werdet Ihr wohl nochmal  etwas durchgeblasen werden, dann erreicht Ihr aber im Abstieg ja bald wieder Wald und seid damit auch wieder etwas geschützt..!“

Nach etwa einer halben Stunde verabschieden wir uns dann wieder von den Beiden und ziehen durch den Sattel hinüber, zum Stübenwasen. Wir folgen einfach der Loipe in Richtung Notschrei (Fernskiwanderweg Schonach – Belchen) und erreichen oben dann endlich auch wieder den längst „vermissten“ Wind.

Inzwischen habe ich jedoch neue Sorgen: Der Nebel wird hier immer dichter! Wie wir aber wissen, ist der Wiesenpfad hinunter nach Todtnauberg, nicht besonders gut beschildert. Zumindest nicht so, dass man den Weg auch in dieser Suppe finden würde! Meine letzte Hoffnung waren Spuren gewesen, die uns hätten helfen können, auf dem Pfad zu bleiben.
Tatsächlich finden wir auch ein paar Schneeschuhspuren, die uns im Nebel abwärts führen. Aber leider nicht lange, denn dann biegen sie links ab und führen einfach ins „Nichts“!

„Und jetzt..?“, fragt Claudia, die zu mir aufgeschlossen hat und das Dilemma bemerkt.

Ich überlege kurz. Den Garmin kann ich mit der Schutzbrille nicht richtig handhaben, da sie Polarisations-Gläser hat, durch die man das Display nicht ablesen kann. Und wechseln wollte ich die Brillen in diesem Sturm natürlich auch nicht.
„Nein, noch lange nicht..!“, brumme ich in den Bart hinein und Claudia sieht mich verständnislos an, weil sie natürlich den Zusammenhang nicht versteht.

„Lass uns ebenfalls nach links gehen..!“, schlage ich ihr dann vor. Das würde uns zwar nicht mehr direkt nach Todtnauberg, ganz bestimmt aber sicher hinunter, zur Bergerhöhe führen. Von dort aus könnten wir dann immer noch nach Todtnauberg absteigen.
„Ganz wie Du meinst..!“, pflichtet sie mir schmunzelnd bei. „Ich laufe Dir ganz brav hinterher..!“

Nach nur wenigen Minuten schält sich dann der Wald aus dem Nebel, auf den ich gehofft hatte. In seinem Windschatten folgen wir nun einem zugeschneiten, breiten Wanderweg abwärts. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir dann die erste Skipiste und queren die Liftspur. Von hier führt uns eine gut präparierte Waldabfahrt weiter hinunter und stößt bald auf die große Wegespinne, der Bergerhöhe.

Hier kennen wir uns nun wieder richtig gut aus. Zudem haben wir die dichte Wolkendecke des Gipfels inzwischen verlassen und können uns daher auch wieder recht gut orientieren. Wir sehen hinunter auf Todtnauberg und ich frage Claudia, ob sie wirklich dort hinunter möchte, was nun kein Problem mehr wäre.

„Und die Alternative wäre..?“, grinst sie mich an.

„Über den Radweg des Schwarzwaldvereins hinunter, nach Fahl..!“, erwidere ich.

An ihm sind wir vor kurzem vorbei gegangen, als wir von Todtnau aufgestiegen waren und ich weiß genau, wo der heraus kommt. Nämlich am Versorgungs-Sträßchen vom Fahler Wasserfall, hinauf zur Todtnauer Hütte. Diese Strecke ist jetzt als Rodelbahn präpariert und auf Schneeschuhen daher gut zu gehen.

Es ist noch ziemlich früh, daher stimmt auch Claudia meinem Vorschlag zu und wir folgen der Loipe nun erst einmal abwärts, in Richtung Todtnau. An der nächsten Wegespinne biegen wir dann aber nach links ab, auf den Radwanderweg.
Dieser ist tief verschneit und völlig unberührt. Allerdings ist der Schnee, durch das warme Wetter der letzten Tage, ziemlich schwer und sulzig.

Und ausgerechnet heute haben wir keine Gamaschen angzogen, in der Annahme, sie nicht zu brauchen. So rutscht uns nun immer mal wieder etwas Schnee in die Schuhe, was nicht besonders angenehm ist. Aber keiner von uns hat Lust, deswegen die Gamaschen aus dem Rucksack zu holen, was natürlich ein Fehler ist.

Der Weg, für den wir uns hier entschieden haben, führt lange Zeit abwärts und ist völlig unberührt. Eine herrliche Ruhe umgibt uns und wir können auch immer wieder einmal eine tolle Aussicht, hinunter ins Wiesental genießen.
In diesem Bereich finden wir dann natürlich auch ziemlich viele Wildspuren. Reh-, Wildschwein-, Kaninchen-, und Marder-Fährten sind zu sehen, aber dann auch die Abdrücke zweier Auerhähne, was uns natürlich ganz besonders freut. Eine der Spuren ist dabei von deutlich größeren Füßen, als die andere, was uns auf ein Pärchen schließen läßt.

Dann kommt aber noch einmal ein langer, kräftezehrender Anstieg und in einer Kehre ergreife ich die Gelegenheit beim Schopf: Hier ist, unter einer ausladenden Tanne, ein schneefreies Plätzchen und ich nehme den Rucksack ab. Auch Claudia hat Kohldampf, so rasten wir kurz und holen das Vesper heraus. Dazu gibt es heißen, gesüßten Tee – Herz was willst du mehr?

Danach ziehen wir weiter und erreichen etwa eine halbe Stunde später die Rodelbahn, die uns vollends hinunter führt, zum Fahler Wasserfall mit der Bushaltestelle.

Dieses letzte Stück absolvieren wir nun natürlich auf einer „Backe“ und als wir unten ankommen, müssen wir nur noch zehn Minuten warten, bis uns der Bus nach Bärental bringt, wo wir in den Zug nach Hinterzarten steigen. Dort holt uns dann ein guter Freund mit dem Auto ab und bringt uns hinauf, zum Parkplatz am Rinken, wo wir heute morgen unser Auto abgestellt haben.

Was für ein toller Tag..!

Unser Fazit: 15,7 km mit 519 Höhenmeter im Anstieg und 710(!) Höhenmeter im Abstieg. Auf Schneeschuhen eine echte Hammer-Tour, für die wir bei diesen Bedingungen 7,5 Stunden benötigten! Das Höhendiagramm verdeutlicht das Verhältnis von Auf-, und Abstieg.

Die Tour erfordert Kondition und einen etwas versierteren Umgang mit Schneeschuhen. Auf die Wechte am Baldenweger Buck achten! Bei Lawinengefahr lieber im Westen umgehen! Vesper und Heißgetränk einpacken! Kompass/Garmin sollte im Gepäck auf keinen Fall fehlen.

Unbedingt auf die Loipen Rücksicht nehmen!

Einkehrmöglichkeit: St. Wilhelmer-Hütte. Es sind unbedingt zwei Autos erforderlich, da die anschließende Rückkehr mit öffentlichen Verkehrsmittel zum Auto zu lange dauern würde!

Besonderheiten: Im Winter bitte unbedingt die Wildruhezonen im Naturschutzgebiet beachten (siehe unten)! Den Plan bekommt Ihr als Faltblatt im Haus der Natur, Preis -,50 €.

Empfohlene Hintergrund-Karte für den Garmin: Topographische Karte Süddeutschland, 1:25.000

Empfohlene Winter-Wanderkarte: Faltblatt Wintersport im Naturschutzgebiet Feldberg (siehe oben) und Freizeitkarte 505, Freiburg i. Br./Kaiserstuhl, 1:50.000 ISBN-13:978-3-89021-598-3

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Hier findet Ihr die aktuellen Schneeberichte

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