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Rinken – Baldenweger Buck – Feldberg-Gipfel

31 Januar 2011 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 10 von 13 in der Serie Die schoensten Schneeschuh-Touren am Feldberg

Wir kamen am Samstag zwar erst ziemlich spät nach Hause, aber was wir sahen, weckte da bereits die Vorfreude auf den Sonntag: Es war nämlich „sternenklar“!

Beim Frühstück erzählt uns der Wetterfrosch dann noch etwas von Hochnebel, aber das musste wohl woanders sein, denn bei uns scheint bereits die Sonne! So entscheiden wir uns ganz spontan für eine große Gipfel-Runde.

Vom Rinken aus, über den Baldenweger Buck zum „Höchsten“, soll die Tour führen, und dann über Immisberg, Hüttenwasen und Zastlerhütte wieder zurück, zum Rinken.

Auf dem Parkplatz am Rinken versammeln sich um 09.30 Uhr schon viele Touren-Geher und es wird nun rasch „eng“ – zumindest für Autos. Inzwischen herrscht nämlich richtiges „Kaiserwetter“ am Feldberg, es ist keine einzige Wolke mehr am Himmel!

Wir legen gleich am Auto unsere Schneeschuhe an und gehen auf der festgefahrenen Schneedecke der Straße zum Anfang der Loipe, am Jägerheim. Schon von hier aus genießen wir einen tollen Blick hinüber, auf den Baldenweger Buck mit der Wechte. Aber auch auf den steilen Nordhang, unmittelbar über der Baldenweger-Hütte. Dort haben schon viele Tourengehern ihre Spuren in den verharschten Tiefschnee gezogen.

„Was meinst Du“, frage ich Claudia, „..schaffen wir das?“ und meine den Aufstieg über die Falllinie in genau diesem Steilhang. Inzwischen habe ich ziemlich viel Vertrauen in die Lightning-Ascent von MSR.

„Frag‘ mich wieder, wenn wir oben sind..!“, schmunzelt Claudia, ebenfalls voller Selbstvertrauen.

Auf dem gepressten Schnee des Winterwanderweges rutschen unsere Schneeschuhe, selbst im Anstieg, keinen Millimeter und so erreichen wir die Baldenweger Hütte dann auch schon nach wenigen Minuten.

Von hier unten wirkt der Nordhang nun aber doch noch einmal um einiges beeindruckender, als es drüben, vom Parkplatz aus der Fall war. Erst ganz harmlos zieht er vor uns aufwärts und wird dann immer steiler! Ich überlege noch, wo wohl der beste Punkt sein wird, um die Steighilfen aufzuklappen, da stapft Claudia schon an mir vorbei.
„Gib‘ mir unterwegs Gelegenheit, ein paar gute Fotos zu machen..!“, rufe ich ihr noch nach, dann folge ich ihr.

Kaum wird der Hang aber so steil, dass wir die Steighilfen aufklappen müssen, da bemerke ich auch schon, dass wir ihn wohl gewaltig unterschätzt haben: Der Schnee bietet den Lightnings nämlich überhaupt keinen Halt. Nur eine ziemlich dünne Harsch-Schicht, durch die wir fast bei jedem Schritt hindurchbrechen, bedeckt knietiefen Pulverschnee. So finden unsere Schneeschuhe natürlich kaum Widerstand und wir rutschen immer wieder gefährlich ab! Auch der Versuch, den Hang zu Queren bringt nichts. Erst, als ich in der alten Spur eines Skifahrers wieder in die Falllinie wechsle, greift der Lightning gut. Dieser Altschnee ist nun etwas stärker verdichtet und bietet den Harschkrallen ihren gewohnt guten Halt.

Eine ganz persönliche Anmerkung: Hier hätte auch kein anderer Schneeschuh eine bessere Traktion aufbauen können und ich kenne keinen, mit dem ich hätte tauschen wollen!

Oben angekommen bietet sich uns dann ein phantastischer Blick zurück, über die Baldenweger Hütte und den Winterwanderweg über den wir gekommen sind, bis hinüber zum Jägerheim und den Parkplätzen am Rinken. (Siehe Foto rechts!)

„Mann, hatte ich unterwegs mal Angst, abzurutschen..!“, gesteht mir Claudia nun und ich kann ihr da nur beipflichten. Auch ich hatte im Steilstück einmal richtig „Schiss“ bekommen!

Auch wenn alles gut gegangen ist, das Beispiel zeigt uns wieder einmal deutlich, wie schnell man sich in Gefahr bringen kann. Der Hang selbst ist eigentlich nicht gefährlich, aber in Verbindung mit der aktuellen Schneebeschaffenheit, haben wir die Situation völlig falsch eingeschätzt! Etwas weiter rechts, wäre der Hang deutlich flacher gewesen und immer noch außerhalb der Wildruhezone gewesen!

Der restliche Aufstieg zum Baldenweger Buck ist dann wieder Routine. Auch der eisige Wind, der uns weiter oben empfängt, kaum dass wir das Lee des Buck verlassen. Schneekristalle fegen hier wie Schmirgelpapier über die vereiste Hochfläche des Mittelbuck, was im Gegenlicht immer sehr schön anzusehen ist.

Kaum erreichen wir die Kuppe, haben wir auch eine tollen Blick, hinüber zum Höchsten mit dem Fernsehturm und der Wetterstation. Aber auch auf die große, gefährliche Gipfelwechte über dem Zastler-Loch. Claudia, selbst begeisterte Skifahrerin, kann es dann auch kaum fassen als sie sieht, wie drei Skifahrer mit Hunden diesen steilen Tiefschneehang hinabwedeln und dabei genau die Lawinenbahn queren. Einer von ihnen wird mir später in der Zastler Hütte erzählen, dass er erst unterhalb dieser großen Wechte gesehen hat, dass sie bereits „angerissen“ war!

Inzwischen begegnen wir immer mehr Schneeschuh-Gängern und Skitouren-Gehern. Aber auch einige Kiter ziehen in der Nähe vorbei und zeigen teilweise phantastische Sprünge, wenn sie sich von Wind mit „hochziehen“ lassen.

Als wir den Gipfelkamm erreichen, halten wir uns rechts und folgen der Nordkante zum Höchsten hinauf. Dabei bleiben wir jedoch in respektvollem Abstand zur Wechte, denn wer sich nun so weit vor wagt, dass er unten im Tal die Zastler-Hütte sehen kann, der steht bereits mit beiden Füßen über dem Abgrund!

An einem solchen Tag ist es einfach herrlich hier oben und manchmal liegt die Schönheit auch nur im Detail. Neben Raureiffahnen und bizarren Eisblumen bildet nämlich selbst die vom Wind geformte Oberfläche des verharschten Schnees, kleine, unglaubliche schöne Eis-Skulpturen! Man muss nur hinsehen!

Am Höchsten angekommen, trifft sich dann alles zum „Fachsimpeln“. Und heute scheinen plötzlich auch alle mal auf einer „Wellenlänge“ zu sein – Wanderer, Schneeschuh-Gänger und Skitouren-Geher. Denn jeder findet die Aussicht, von hier aus, einfach nur toll und kann diese Begeisterung auch mit allen anderen teilen! Das ist leider nicht immer so..!

Claudia angelt sich die Thermoskanne aus dem Außenfach meines Rucksacks und schenkt sich einen heißen Tee ein. „Wahnsinn..!“, sagt sie nebenher nur ganz leise und meint damit ebenfalls die Aussicht auf die umliegenden Gipfel. „Und etwas weiter unten ist wieder mal nur Suppe..!“

„Ja..!“, hakt da ein neben uns stehender Skitouren-Geher ein. „In Freiburg hat das Wetter heute morgen gar nicht so überzeugend ausgesehen!“

„Hochnebel..?“ feixt Claudia nur lachend zurück, mit einem Seitenhieb auf den Wetterfrosch des SWR beim Frühstück.

Dann verabschieden wir uns und ziehen weiter. Heute werden wir zum ersten Mal über die Westseite des Gipfels absteigen und dann über den Immisberg, zum Hüttenwasen gehen. Diese Strecke kennen wir inzwischen recht gut, den Verbindungspfad vom Hüttenwasen zur Zastler-Hütte, sind wir in diesem Winter hingegen noch nie gegangen.

Kaum haben wir den Gipfel verlassen, scheinen wir wieder völlig alleine auf der Welt zu sein und genießen auch einen tollen Blick hinunter, zu Toten Mann, Immisberg und auf die Waldlichtung des Hüttenwasen. Diese phantastische Aussicht hatten wir eben vom Gipfel aus noch nicht.

Wir passieren die kleine Hütte, an der wir letzthin windgeschützt gevespert haben und halten uns dann, links der kleinen Waldspitze, geradeaus abwärts. Das Wäldchen ist in der Karte als Wildruhezone ausgewiesen, was aber niemand zu interessieren scheint. Die meisten gehen wohl einfach durch die Schneise hindurch, wie die breite „Autobahn“ im Schnee deutlich zeigt!

Am Immisberg haben wir dann wieder etwas jungfräulichen Schnee vor uns und ich mache noch ein weiteres Foto von Claudia. Es sind nur wenige Höhenmeter, um den unscheinbaren Eintausender von dieser Seite her zu überschreiten. Er steht völlig im Schatten des Feldberges. Dann geht es über eine baumfreie Schneise aber gleich wieder weit hinunter, zum Hüttenwasen. Hier kommen uns nun einige Skitouren-Geher entgegen, die kräftig schnaufen.

„Kommt mir irgendwie bekannt vor..!“ schmunzelt Claudia gut gelaunt, während sie ihnen beim Steigen mit den Fellen zusieht. Diesen anstrengenden Aufstieg haben wir in diesem Winter auch schon ein paar mal hinter uns gebracht, beispielsweise vom St. Wilhelmer Tal aus, aber auch vom Stollenbacher Hof herüber.

Wir halten uns im Abstieg nun immer ziemlich rechts und folgen der breiten Waldschneise, die vom Hüttenwasen heraufführt. Sie ist bereits von unzähligen Skispuren durchzogen, was deutlich macht, wie stark diese Route frequentiert wird. Unten ist dann ein tolles Vesperplätzchen. Zwei Bänke mit Tisch, wo wir uns uns noch einen weiteren Schluck heißen Tee gönnen. Dann wenden wir uns aber endgültig nach rechts und folgen dem Wegweiser in den Wald hinein: Zastler-Hütte 1,0 km, steht dort zu lesen.

Nach wenigen Metern stoßen wir auf eine große Gruppe Schneeschuh-Wanderer, die hier Pause machen. Sie kommen aus dem Schwäbischen und machen nur einen Tagesausflug, bringt Claudia in Erfahrung.
Das weckt bei uns alte Erinnerungen: Auch wir sind noch vor zwei Jahren immer aus Stuttgart, zum Schneeschuh-Wandern hierher gefahren und abends dann wieder zurück. Was für ein Schlauch..!

Der schmale Waldpfad führt bald durch eine recht steile Halde und ist ziemlich anstrengend zu gehen. Da zuvor die große, schwäbische Gruppe hier durchmaschiert ist, ist der Schnee nun völlig platt getreten und erlaubt nur noch ein flaches Aufsetzen der Schneeschuhe, direkt auf den Hang. Ein Queren unter diesen Bedingungen kostet immer sehr viel Kraft, da man die Füße im Knöchel nun bei jedem Schritt, seitlich ziemlich stark „abwinkeln“ muss. Auf weniger ausgetretenen Pfaden kann man den Fuß hingegen (im tieferen Schnee)  immer etwas „waagerechter“ aufsetzen.

Je weiter wir uns nun der Zastler-Hütte nähern, umso steiler wird die Halde und der Pfad zwangsläufig auch entsprechend schmaler. Hier war die schwäbische Gruppe wohl deutlich vorsichtiger und hat die Schneeschuhe mit mehr Bedacht eingesetzt, denn der Pfad ist in diesem Bereich weitaus weniger ausgetreten.

Ein paar Meter weiter unten im Tal sehen wir schon die Zastler-Hütte, in der wir rasten wollen. Unten angekommen bin ich dann nur noch froh, die Schneeschuhe endlich ausziehen zu dürfen, denn die Füße tun mir inzwischen höllisch weh. Diese Hangquerung hat mir heute wirklich den „Rest“ gegeben! Wir wechseln noch ein paar Worte mit einigen Skitouren-Gehern (die von vorhin!) dann zieht es mich hinein. Ich möchte mich nur noch gemütlich hinsetzen und einen heißen Jagertee genießen dürfen!

Eine halbe Stunde später brechen wir wieder auf und halten uns nun unterhalb der Zastler-Hütte rechts hinauf, in Richtung Baldenweger-Hütte. Hier gilt es jetzt noch einmal einige Höhenmeter zu bewältigen, denn das Zastler-Loch wird seinem Namen durchaus gerecht und ist zudem der „tiefste“ Punkt unserer Runde.

Die Wanderwege sind hier jedoch breit und überwiegend ohne größere Seitenneigung, so dass man auf ihnen einiger Maßen gemütlich gehen kann. Der Weg führt auch hier bald wieder durch eine Waldhalde, aber dieses Stück ist nun wieder ein wahrer Hochgenuß. Bald erreichen wir dann das Naturfreundehaus und kurz darauf auch wieder die Baldenweger Hütte.

„Junge, Junge..!“ meint Claudia nur, als wir erneut unter dem Nordhang des Baldenweger Buck stehen und noch einmal hinauf sehen. „Von hier aus sieht das doch wirklich so harmlos aus..!“

Dann machen wir uns gut gelaunt auf den Weg zurück, zu unserem Auto. Der Winterwanderweg ist inzwischen ziemlich stark frequentiert denn es ist Sonntag und viele Väter sind mit den Kindern beim Schlittenfahren. So herrscht auf dem letzten Kilometer noch einmal ein buntes Treiben, bevor wir die Schneeschuhe im Kofferraum unseres Autos verstauen und nach Hause fahren. Aber „Gott sei Dank“ nicht mehr bis nach Stuttgart…

Unser Fazit: Auf Schneeschuhen eine traumhaft schöne Tour über die naturbelassene Nordseite des Feldbergs. Der Aufstieg über den Nordhang des Baldenweger Buck kann etwas weiter rechts entschärft werden! (Achtung: Dabei bitte nicht über die hier verlaufende Grenze zur Wildruhezone kommen!)

Rundwanderung: 9,14 km mit 442 Höhenmetern im Anstieg. Dauer: 4 bis 5 Std.

Gute Kondition und etwas Erfahrung auf Schneeschuhen erforderlich, da steile Anstiege/Abstiege und Hang-Querungen zu bewältigen sind.
Unbedingt an Heißgetränk und Vesper denken. Einkehrmöglichkeit: Zastler-Hütte und Baldenweger-Hütte, so wie Jägerheim am Rinken (Parkplatz).

Besonderheiten: Im Winter bitte unbedingt die Wildruhezonen im Naturschutzgebiet beachten (siehe unten)! Den Plan bekommt Ihr als Faltblatt im Haus der Natur, Preis -,50 €.

Empfohlene Hintergrund-Karte für den Garmin: Topographische Karte Süddeutschland, 1:25.000

Empfohlene Winter-Wanderkarte: Faltblatt Wintersport im Naturschutzgebiet Feldberg (siehe oben) und Freizeitkarte 505, Freiburg i. Br./Kaiserstuhl, 1:50.000 ISBN-13:978-3-89021-598-3

Hier geht’s zu den derzeit verfügbaren Feldberg-Webcams (28!)

Hier findet Ihr die aktuellen Schneeberichte

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Von Todtnau über den Feldberg-GipfelVom Notschrei zum Feldberg-Gipfel

2 Kommentare »

  • Manu sagt:

    Was macht Ihr 2 nur, wenn der Winter vorbei ist?? Bis dahin habe ich einen richtig guten Plan: Ich gehe mit, nehme auch tapfer Eure Rucksäcke ab, damit Ihr es nicht so schwer habt und schnall mich auf nem Schlitten an Euch beiden fest (muss ja gerecht verteilt sein *g*). Aber keine Angst, bergab fahr ich dann einfach runter und ihr müsst nur Euer Gewicht schleppen. Wie klingt das??? Also ich bin dabei 😉

  • Die schönsten Schneeschuh-Touren am Feldberg | Rainer & Claudia sagt:

    […] Rinken – Baldenweger Buck – Feldberg-Gipfel  9,1 km mit 442 Höhenmeter im Anstieg Vom Rinken, über den Baldenweger Buck zum “Höchsten”, und dann über Immisberg und Zastler-Hütte zurück, zum Rinken. […]

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