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“Outdoor”-Fotografie II. – mehr bessere Fotos von unterwegs..!

3 November 2010 5 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 2 von 4 in der Serie Outdoor-Fotografie - bessere Fotos von unterwegs

P1080487 580x435 Outdoor Fotografie II.   mehr bessere Fotos von unterwegs..!Schon den ersten Blog zum Thema “Outdoor”-Fotografie hatte ich bei fotokasten.de gezielt für Wanderer geschrieben, die auch mit ihren kleinen “Hosentaschen-Digicams”, gerne bessere Fotos von unterwegs mit nach Hause bringen wollen. Das ist dort so gut angekommen, dass ich mich entschlossen habe, mit einem weiteren Artikel an das Thema anzuknüpfen.

Holen wir uns dazu noch einmal den optimalen Ablauf eines Bildaufbaues (draußen!), am Foto unten in Erinnerung: Wir haben den Bildausschnitt festgelegt (Stativ) und erst danach dann unser “Modell” im Bild platziert. Damit Claudia aber überhaupt in den eng begrenzten Bildausschnitt hinein passte, mussten ich sie sogar bitten, sich doch hin zu knien.

Bis hierher ist also alles wieder, wie schon vom Teil I. her, bekannt! Nun fällt uns auf dem Foto P1080498 2 300x225 Outdoor Fotografie II.   mehr bessere Fotos von unterwegs..!aber sofort auch das schön zerflossene Wasser, der vielen kleinen Gefällstufen auf. Und wie man das (über längere Belichtungs-Zeiten) ebenfalls ganz leicht hinkriegt, erkläre ich Euch in unserem heutigen Blog über:

Das Zusammenspiel von “Zeit” und “Blende”!

Halt, hier geblieben! Nicht gleich weglaufen.., so schlimm wird das nämlich gar nicht! Natürlich weiß ich auch, dass sich Wanderer mit solchen Dingen eigentlich kaum, oder gar nicht auseinander setzen wollen. Schließlich hat man sich ja speziell dafür eine teure Digicam geleistet, die man nur auf “Auto” zu stellen braucht, damit sie das alles selbst “kann”.

Nun, sie “kann” es eben doch nicht! Zumindest nicht immer, und schon gar nicht so perfekt, wie wir es gerne von ihr hätten..! Setzen wir uns daher heute einmal selbst etwas mit dem Kleinen Einmaleins des Fotografierens auseinander, um zu verstehen warum..!.

Natürlich hat auch unsere kleine Digicam einen eingebauten Belichtungs-Messer, und ihr Prozessor verarbeitet dessen Informationen meistens auch zu ganz passablen Bildern. Aber woher soll dieser Belichtungs-Automat denn nun im Einzelfall eigentlich wissen, ob er ein Foto eher schnell, oder vielleicht doch besser etwas langsamer belichten soll..?

Schnelle Belichtungszeiten brauchen wir nämlich immer dann, wenn auf dem Foto eine Bewegung eingefroren werden soll. Langsamere hingegen, wenn es auf natürliches, stimmungsvolles Licht ankommt (z. B. bei einem Sonnenuntergang), oder auch, wenn Bewegung zerfließen soll (wie z. B. das Wasser unseres Wasserfalls). Und genau das müssen wir unserem Belichtungsautomaten vorher(!) sagen! Dafür ist es natürlich ziemlich hilfreich, wenn man selbst ein paar Grundkenntnisse über das Zusammenspiel von Zeit und Blende besitzt!

Schauen wir dazu an unserer Kamera doch einmal auf das Einstell-Rädchen ihrer Programme: Neben unserer “Automatik” finden wir da meist auch noch die Kürzel “A” und “S”. (Wenn nicht, dann findet Ihr am Ende des Artikels auch für diesen Fall noch ein paar Tipps!)

“A” steht für Blenden-Vorwahl mit Zeitautomatik, “S” für Zeit-Vorwahl mit Blendenautomatik. Bei “A” geben wir dem Belichtungs-Automat eine Blende vor, und er stellt uns dann die dazu passende Zeit ein.

Bei “S” ist es hingegen genau anders herum: Wir geben ihm die Zeit vor und er stellt uns dazu dann die passende Blende ein. (Könnt Ihr eigentlich vergessen, das benutzt man fast nie!)

Aber was bedeutet das denn nun alles, Zeit… und Blende..?

Nun, hier ist eigentlich immer noch alles wie früher: Um ein Foto optimal zu belichten, benötigt man eine ganz bestimmte “Lichtmenge”. Und diese, durch unser Objektiv auf den Sensor der Kamera einfallende Lichtmenge, kann man über die Parameter “Zeit” und “Blende” regulieren.

Wie das im Detail funktioniert, versteht man wohl am Besten, wenn man sich in Gedanken einmal eine “Camera Obscura” baut (Die übrigens tatsächlich funktioniert!):

Man nimmt sich eine leere Kaffee-Dose aus Blech, macht in der Mitte des Deckels ein kleines Loch, von etwa 1 Millimeter Durchmesser und klebt dieses dann mit Klebeband, oder auch einem Kaugummi zu. Dann befestigt man (im Dunkeln) am Dosen-Boden eine lichtempfindliche Fotoplatte (Negativ-Material) und verschließt den Deckel anschließend lichtdicht(!).

Nach dem Anvisieren eines Motives (über Kimme und Korn) und dem Fixieren der Dose, öffnet man dann nur noch das kleine Loch im Deckel, wodurch nun Licht auf unseren Film fällt und ihn so belichtet. (Das Bild wird auch ohne Objektiv – aufgrund der extrem kleinen Blendenöffnung – tatsächlich scharf!)

Nehmen wir nun einmal an, wir müssten damit – für ein optimales Ergebnis – 30 Minuten lang Belichten, dann könnten wir diese Zeit doch eigentlich auch halbieren, indem wir das Loch im Deckel (die Blende) auf das Doppelte vergrößern! Unter diesen Umständen würde schließlich die erforderliche “Lichtmenge” schon in der halben Zeit auf unseren Film fallen!

Würde man das Loch hingegen auf die Hälfte verkleinern, dann müsste man für ein optimales Ergebnis eben auch doppelt so lange warten, bis die erforderliche “Lichtmenge” auf den Film gefallen ist (60 Minuten!).

Wir haben also gelernt, dass man die Belichtungs-Zeit halbieren kann, wenn man gleichzeitig die Blenden-Öffnung verdoppelt – oder umgekehrt!

Und genau nach diesem Prinzip funktioniert auch jede Digicam. Ihre kleinste Blendenöffnung ist allgemein 11,0 – die Größte 2,8. Dazwischen liegen aber noch drei weitere Stufen, woraus sich 5 volle Blenden-Werte ergeben: 2,8 – 4,0 – 5,6 – 8,0 – 11,0. Dabei entspricht die größte Blenden-Zahl, immer der kleinsten Blenden-Öffnung!

Jeder Blenden-Sprung (von einer Zahl, zur Nächsten) entspricht einer Verdopplung/Halbierung des Lichtdurchlasses durch unsere Objektives (Wie bei der Camera Obscura!).

Indem man also gleichzeitig die Blende halbiert und die Verschlusszeit verdoppelt (oder umgekehrt!), lässt sich nun jedes Motiv (bei unveränderter “Lichtmenge”!) mit fünf(!) verschiedenen Verschlusszeit-/Blende-Kombinationen fotografieren.

Bei einer mittleren Belichtungs-Empfehlung unserer Kamera von f 5,6 und 1/125 sec, wären also insgesamt folgende Kombinationen möglich:

f 2,8 und 1/500 sec;

f 4,0 und 1/250 sec;

f 5,6 und 1/125 sec;

f 8,0 und 1/60 sec;

f 11,0 und 1/30 sec.

Somit haben wir bei dieser Beispiel-Aufnahme also einen Spielraum bei der Belichtungszeit von 1/30 sec; bis zu 1/500 sec. Und diesen Spielraum sollten wir zur Optimierung unseres Fotos auch unbedingt nutzen! Siehe Beispiele unten:

Im Uhrzeiger-Sinn angeordnet sind 5 unterschiedlich Belichtete Fotos des gleichen Lichtwertes! Links groß, das beste Ergebnis, mit viel Bewegungs-Dynamik durch die extrem lange Belichtungszeit von 1/10 sec.

Rechts daneben – im direkten Vergleich – das “Schlechteste”, der Serie. Durch die schnelle Verschlusszeit von 1/125 sec. wirkt das Wasser fast eingefroren und entzieht dem Motiv daher jede Dynamik!

Die untere Reihe vervollständigt dann diese Belichtungsreihe (besser werdend), von rechts, nach links!

Zeit und Blende 012 2 Outdoor Fotografie II.   mehr bessere Fotos von unterwegs..!Zeit und Blende 016 2 Outdoor Fotografie II.   mehr bessere Fotos von unterwegs..!

Zeit und Blende 013 2 Outdoor Fotografie II.   mehr bessere Fotos von unterwegs..!Zeit und Blende 014 2 Outdoor Fotografie II.   mehr bessere Fotos von unterwegs..!Zeit und Blende 015 2 Outdoor Fotografie II.   mehr bessere Fotos von unterwegs..!

Die einzelnen Belichtungs-Werte:

Oben links: f 11,0 – 1/10 sec; ————-Oben rechts: f 2,8 – 1/125 sec;

Unten links: f 4,0 – 1/15 sec; ——–Unten Mitte: f 5,6 – 1/30 sec; ——–UUnten rechts: f 8,0 – 1/60 sec.

Wie nehmen wir nun aber bei unserer kleinen Digicam überhaupt darauf Einfluss?

Ganz einfach: Zurück zum “A” neben unserer “Automatik”. “A” steht für Blenden-Vorwahl mit Zeitautomatik. Irgendwo muss nun aber auch noch ein “Rädchen” sein, über das wir unserer Kamera eine Blende vorgeben können, um dann im Display zu sehen, welche Zeit sie sich dafür “holt”!

Für eine möglichst lange (langsame) Belichtungszeit, beginnen wir immer mit der kleinsten Blenden-Öffnung f 11,0; um Bewegungen zerfließen zu lassen.

Mit der größten Blenden-Öffnung f 2,8 hingegen, für eine möglichst schnelle (kurze) Belichtungszeit, um beispielweise Bewegung einzufrieren!

Und mit diesen beiden Möglichkeiten können wir nun so lange spielen, bis uns unser Foto-Ergebnis wirklich gefällt! Der Blitz bleibt dabei grundsätzlich aus! (Später, und mit etwas mehr Erfahrung können wir ihn dann wieder zum Aufhellen von Schattenpartien verwenden.)

Ihr werdet sehen, schon mit wenig Übung wird es Euch bald mächtig Spaß bereiten, neben einem perfekten Bildaufbau auch noch die Dynamik einer beabsichtigten Bewegungs-Unschärfe in Eure Bilder zu bringen! Schon zwei große Schritte hin, zum besseren “Outdoor”-Foto.

Sollte Eure kleine Digicam die Möglichkeit einer Blendenvorwahl nicht bieten, dann müsst Ihr sie anderweitig “überlisten”, um ihre Belichtungszeit zu verlängern.

1.) Wenn möglich, fixiert im Menu die Empfindlichkeit auf 100 ISO (oder das mögliche Minimum). Damit verhindert Ihr, dass der Prozessor die Belichtung über eine höhere Empfindlichkeit korrigiert und somit wieder verkürzt.

2. Sucht Euch für Motive dieser Art möglichst Tageszeiten mit “weniger” Licht aus. Nach Sonnenuntergang ist das Licht nicht nur schwächer, sondern auch “wärmer”!

3.) Generell: Benutzt für solche Aufnahmen unbedingt ein Stativ und lasst den Blitz aus. Das Auslösen über den “Selbstauslöser” verhindert zusätzliche Erschütterungen.

Ihr seht, das Thema ist wirklich nicht so schlimm, wie vielleicht erwartet. Aber auch diese kleinen Tricks sind wieder ein kleines Puzzle-Teilchen, um noch bessere Fotos mit nach Hause zu bringen.

Viel Freude beim Ausprobieren, Euer Rainer 

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“Outdoor”-Fotografie, bessere Fotos von unterwegs!Wanderfotos: Wohin unterwegs nur mit dem Stativ..?

5 Kommentare »

  • Carlotta sagt:

    Du hast vergessen zu erwähnen, dass nicht auf jedem Bild dieselbe Person zu sehen sein muss bzw überhaupt eine Person. Und falls doch könnte man diese spannender ins Bild setzen.

  • Rainer sagt:

    Dir auch einen guten Rutsch ins neue Jahr, Carlotta..!

  • Juergen sagt:

    Hallo,

    vielen Dank für die interessanten Fototipps.
    Zu den Bildern mit dem “Wasserfall” möchte ich anmerken, dass es mit Blendenautomatik einfacher wäre. In dem Fall müsste man eine nicht zu lange Zeit vorwählen und die Kamera führt die Blende nach.
    Aber bei den Belichtungszeiten gilt es eine Regel zu beachten: Die Zeit sollte nie länger sein als der Reziprokwert der Brennweite, sonst droht Verwacklungsgefahr.

  • Rainer sagt:

    Hallo Juergen, danke für Deine Anmerkungen! Wenn Du das mit der Blenden-Automatik mal ausprobieren möchtest wirst Du wahrscheinlich ebenfalls feststellen, dass das Ganze mit der Blenden-Vorwahl und Zeitautomatik einfacher nachzuführen ist. Zur Länge der Belichtungszeit gibt es bei solchen Aufnahmen hingegen nur eine einzige Regel: Sie muss lange genug sein, um Wasser “fließen” zu lassen. Notfalls eben auf einem Stativ!

  • Der-Wanderfreund sagt:

    Sehr kompetente sachliche Darstellung zum Thema Photograpie. Interssant zu lesen. Habe mir viele Informationen holen können. Vielen Dank.
    Viele Grüße
    Thomas

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