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Mitternachtssonne über dem Kungsleden

17 Juli 2013 9 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 1 von 24 in der Serie Mitternachtssonne über dem Kungsleden

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Den Kungsleden in Lappland zu wandern, das verspricht noch richtiges Abenteuer. Vor allem zur Mittsommer-Zeit, wenn die Sonne nördlich des Polarkreises nicht mehr untergeht und es auch nachts immer taghell bleibt!

Wir haben uns an den Königspfad heran gewagt und uns von seiner roten Markierung einmal durch die 440 Kilometer Einsamkeit führen lassen. 23 Tage benötigten wir dafür – von Abisko ganz im Norden, bis nach Hemavan – weit im Süden.
Das Fjäll, wie die weglose Wildnis des Skandinavischen Gebirgsrückens genannt wird, überraschte uns dabei täglich mit neuen Eindrücken und phantastischen Landschaften. Aber auch von der unglaublichen Infrastruktur, die mit diesem Pfad in die sonst weglose Wildnis hinein gebaut worden ist: Immer wieder führen nämlich Hängebrücken über rauschende Gebirgsflüsse, oder geleiten einen Bohlenwege durch sonst unpassierbare Sümpfe. Und wer mal nicht zelten möchte, der findet abends auch immer ein warmes, trockenes Plätzchen in den vielen Fjällstugas. Das sind besetzte Schutzhütten, meist sogar mit Not-Telefon ausgestattet, die vom STF (
Svenska Turistföreningen) speziell für die Kungsleden-Wanderer unterhalten werden.

Dem Wanderer und seiner Ausrüstung werden auf dieser Tour trotzdem immer wieder Grenzen aufgezeigt werden – von der anspruchsvollen Wegführung einerseits, aber in erster Linie wohl vom Wetter. Und wenn es jemandem vielleicht doch irgendwann gelungen sein sollte, trockenen Fußes von Abisko nach Hemavan zu kommen, dann verratet uns doch bitte, wie ihr das geschafft habt. Von unseren 23 Wandertagen hatten wir nämlich nur ganze sechs(!), an denen es nicht geregnet hat..!

Hier ist unser ausführliches Tagebuch:

IMG_3001 1. Etappe: Abisko Tourist-Station – Abiskojaure
14,3 Kilometer; 271 Höhenmeter im Anstieg, 172 im Abstieg. Mit knapp 8 Std. Verspätung erreichen wir Abisko um 19.00 Uhr und laufen los. Nach 48 Std. Bahnfahrt sind wir ausgeschlafen und es wird ja nicht dunkel..!
IMG_3060 2. Etappe: Abiskojaure – See Alisjärvi
15,1 Kilometer; 562 Höhenmeter im Anstieg, 265 im Abstieg. Wir verlassen den Abisko-Nationalpark und wandern oberhalb der Baumgrenze zum See Alisjärvi, wo wir unser Zelt aufbauen..!
IMG_3107 3. Etappe: Alisjärvi – Tjäktjastuga
19,9 Kilometer; 574 Höhenmeter im Anstieg, 339 im Abstieg. Wir bekommen einen ersten Vorgeschmack auf das Lappland-Wetter und suchen abends Zuflucht in der Tjäktjastuga.
IMG_3155 4. Etappe: Tjäktjastuga – Kuoperjakka-Schutzhütte
20,53 Kilometer; 446 Höhenmeter im Anstieg, 749 im Abstieg. Wir überwinden den Tjäkta-Pass und übernachten in einer tollen Rasthütte zwischen Sälka-, und Singi-Hütten.
IMG_3215 5. Etappe: Kuoperjakka-Schutzhütte – Kaitumjaure-Hütten
17,9 Kilometer; 352 Höhenmeter im Anstieg, 511 im Abstieg. Die unglaublichen Weiten der Landschaft beeindrucken uns genauso, wie die unglaublichen Moskitoschwärme..!
IMG_3284 6. Etappe: Kaitumjaure-Hütten – Vakkotavare
24,5 Kilometer; 955 Höhenmeter im Anstieg, 1.114 im Abstieg. Aufgrund der immensen An-, und Abstiege eine echte Hammer-Etappe! Wir erreichen unser Ziel erst mitten in der „Nacht“..! 
IMG_3302 7. Etappe: Saltoluokta – Sitojaure
22,4 Kilometer; 728 Höhenmeter im Anstieg, 528 im Abstieg. Nach 30km Busfahrt und einem Bootstransfer wandern wir nach Sitojaure, wo uns die Moskitos am Ufer fast auffressen..! 
IMG_3319 8. Etappe: Sitojaure – Aktsestugorna
12,4 Kilometer; 442 Höhenmeter im Anstieg, 517 im Abstieg. Nach vier Kilometer Ruderstrecke, kämpfen wir uns in den Bergen durch Regen, Wind, Schnee und Nebel, zu den Aktse-Hütten durch. 
IMG_3357 9. Etappe: Aktsestugorna – Parte
24,5 Kilometer, davon 3 Kilometer Bootstransfer. 669 Höhenmeter im Anstieg, 739 im Abstieg. Erneut geht es weit über die Baumgrenze hinauf, bevor wir dann am Seeufer bei der Stuga zelten..! 
IMG_3383 10. Etappe: Parte – STF-Fjällstation Kvikkjokk
16,3 Kilometer; 356 Höhenmeter im Anstieg, 528 im Abstieg. Eine phantastische Fjäll-Landschaft zieht uns in ihren Bann, während der Dauerregen unsere Schuhe langsam durchweicht..! 
IMG_3430 11. Etappe: Kvikkjokk – Tsielekjakka (Zelt)
19,2 Kilometer; 754 Höhenmeter im Anstieg, 346 im Abstieg. Nach einem Bootstransfer werden wir im Wald abgesetzt und steigen über die Baumgrenze auf. Wir zelten im weichen Moos der Tundra..! 
IMG_3456 12. Etappe: Tsielekjakka -Tjieggelvas
20,4 Kilometer; 516 Höhenmeter im Anstieg, 795 im Abstieg. Wir werden von der Hochebene wieder hinunter geführt, in die lichten Fjällwälder und finden Bärenspuren..!  
IMG_3500 13. Etappe: Tjieggelvas – Jakkakaskajarro
15,3 Kilometer; 634 Höhenmeter im Anstieg, 132 im Abstieg. Wieder geht es hoch hinaus, über die Baumgrenze. Wir zelten auf der freien Hochfläche des Jakkakaskajarro, im Wind..!
IMG_3541-2 14. Etappe: Jakkakaskajarro – Hof Vuonatjviken
14,2 kilometer; Nur ca. 33 Höhenmeter im Anstieg, aber 449 im Abstieg. Von der hochebene des Jakkakaskajarro geht es wieder hinunter, in den Fjällwald. Hier verlassen wir den nördlichen Polarkreis.
IMG_3574 15. Etappe: Hof Vuonatjviken -STF-Fjällstation Jäkkvik
24,6 Kilometer; 347 Höhenmeter im Anstieg, 435 im Abstieg. Nach 10 km Bootstransfer erklimmt der Kungsleden erneut die Hochflächen des Tjidtjakvalles, und lässt uns auf der anderen Seite wieder steil absteigen..!
IMG_3634 16. Etappe: Jäkkvik – Adolfsström
20,7 Kilometer; 543 Höhenmeter im Anstieg, 479 im Abstieg. Ein wunderschöner Wandertag, ganz ohne Regen! Wir genießen das Fjäll und seine herrliche Blütenpracht in vollen Zügen..!
IMG_3677 17. Etappe: Adolfsström – Sjnultje
22,2 Kilometer; 423 Höhenmeter im Anstieg, 155 im Abstieg. Ein weiterer, wunderschöner Sonnentag, der uns das Fjäll erneut genießen lässt. Übernachtung in der Sjnultje-Schutzhütte..!  
IMG_3707 18. Etappe: Sjnultje – Rävfallsstuga
27,4 Kilometer; 402 Höhenmeter im Anstieg, 658 im Abstieg. Mit dem Loslaufen beginnt es morgens zu regnen und lässt den Tag zur heftigen Wasserschlacht werden, was ein Fotografieren unmöglich macht..! 
IMG_3719 19. Etappe: Rävfallsstuga – STF-Fjällstation Ammarnäs
19,5 Kilometer; 35 Höhenmeter im Anstieg, 134 im Abstieg. Es hat auch die ganze Nacht hindurch so heftig geregnet, dass uns Einheimische eindringlich davor warnen, dem Kungsleden über die Berge zu folgen! 
IMG_3779 20. Etappe: STF-Fjällstation Ammarnäs – Aigertstuga
7,7 Kilometer; 387 Höhenmeter im Anstieg, 33 im Abstieg. schon beim Aufstieg zur Aigertstuga schüttet es wieder wie aus Kübeln, so dass wir in der Stuga Schutz suchen. Keine Chance, so über den Pass zu kommen..! 
P1070622 21. Etappe: Aigertstuga – Servestuga
19,2 Kilometer; 497 Höhenmeter im Anstieg, 551 Höhenmeter im Abstieg. Wir müssen Zeit aufholen uns setzen zum Endspurt an: In drei Tagen wollen wir in Hemavan sein..! 
IMG_3868 22. Etappe: Servestuga – Syterstuga
27,7 Kilometer; 504 Höhenmeter im Anstieg, 500 im Abstieg. Das war unsere ganz persönliche Hammer-Etappe! Hätten wir sie nicht geschafft, dann hätten wir nach Hemavan noch zwei(!) weitere Tage benötigt..! 
IMG_3933 23. Etappe: Syterstuga – STF Fjällstation Hemavan
23,5 Kilometer; 426 Höhenmeter im Anstieg, 647 im Abstieg. Der letzte Tag fordert noch einmal alles von uns: Regen und ein kräftiger Gegenwind machen uns den Aufstieg schwer, aber wir haben unser Ziel vor Augen..! 

Kungsleden, 2. Etappe: Abiskojaure – See Alisjärvi

9 Kommentare »

  • Elfie Horn sagt:

    Schon in der Kurzfassung kann man lesen, dass der Kungsleden Abenteuer pur war. Das wird für Euch ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Einfach toll wie Ihr die Strecke geschafft habt.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Elfie – ja, kein Zweifel! Und in unserem Alter bleibt für ähnliche Abenteuer wohl auch nicht mehr so viel Zeit..! Aber im Februar wollen wir nochmal hin, zum Schneeschuhwandern und natürlich zum Polarlichter fotografieren! Hast Du Lust mitzukommen..?

  • Frank sagt:

    Hallo Rainer,
    euer Tagebuch macht ja schon richtig neugierig. Ich bin schon ganz kribbelig mehr von dem tollen Abenteuer zu lesen und natürlich zu sehen.

    Ganz liebe Grüße auch an Claudia
    Frank

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Frank – heute geht es los, mit dem ersten Artikel! Liebe Grüße und die besten Genesungs-Wünsche von uns!

  • Martin Böhm sagt:

    Liebe Claudia, lieber Rainer!

    Eine wirklich herausragende Dokumentation über den nördlichen Kungsleden – Gratulation. Es hat große Freude bereitet die Artikel zu lesen!
    Das Wetter hat Euch ja wirklich auf die Probe gestellt, ich denke da hätten auch Gamaschen nichts mehr bewirken können… Schade, das sich mein Tipp Kopfnetze mitzuführen als sinnvoll erwiesen hat. Die Blutsaugerplage ist nämlich tatsächlich von Jahr zu Jahr stark unterschiedlich. Wir hatten dort schon Erlebnisse wie Ihr berichtet habt bis hin zu gar keinen von diesen Biestern – dafür war es dann Nachts aber immer deutlich unter Null Grad.

    Viele Grüße in den Hochschwarzwald,
    Martin

  • Markus sagt:

    Frisch aus Schweden zurück bin ich (eigentlich bei der Recherche zum Schluchtensteig) über eure Seite gestolpert. Vielen Dank für die tollen Berichte und Bilder!!
    Vieles aus Lappland habe ich auf den Bildern und in den Berichten wieder erkannt (auch von einer früheren Tour im Sarek) :-).
    Ich hatte im übrigen in 11 Tagen nur geschätzte 2 Stunden Regen, den Rest habe ich größtenteils in kurzen Hosen und Shirt bei 17°C Grad wandernd verbracht. Glück muss man haben, ich habe Lappland eigentlich auch anders in Erinnerung…
    Liebe Grüße,
    Markus.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Markus, da kann man ja fast neidisch werden! Für unsere Tour hatte eben die Mitternachts-Sonne priorität, daher auch der frühe Termin! Ist nun erlebt worden, daher haben wir den Kopf auch frei für Neues! (Z. B. für das Polarlicht in Abisko..?) Mal sehen! 🙂

  • Herbstliche Vogesen-Runde um Petit Ballon und Klinzkopf | Rainer & Claudia sagt:

    […] ältere Frau ein, der Claudia letzthin unterwegs erzählt hat, dass wir in diesem Jahr schon den Kungsleden mit großem Gepäck und Zelt gewandert haben. “Da können Sie ja nur froh sein, dass sie eine […]

  • Jonas sagt:

    Ist es auf dem Kungsleden wirklich permanent hell gewesen ? Kann es mir kaum vorstellen. Die Wanderung schien aber alles dabei gehabt zu haben. Von schönen Ausblicken bis hin zu klatsch nassen Füßen,so muss es doch sein 🙂

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