Home » Allgemein

Mit dem Kanu durch die Rheinauen bei Wyhl

13 April 2012 4 Kommentare

Ausgerechnet für unseren 200. Wanderbericht waren wir nun überwiegend auf dem Hintern unterwegs, anstatt auf den Füßen. Aber Ihr werdet uns bestimmt schnell beipflichten: Diese Tour war es allemal wert, Inhalt unseres Jubiläumsberichtes zu sein! Und wer gerne möchte, der kann die Idee ja auch wunderbar mit einer Wanderung kombinieren: Hin fahren, und zurück laufen..!

Unser Unternehmen war lange geplant und vorbereitet. Als um 7.00 Uhr dann aber der Wecker klingelt, hätte ich eigentlich lieber weiter geschlafen: Mit nur einem Auge vorsichtig unter dem Schlafzimmervorhang hindurch-geblinzelt, sehe ich nämlich nur dichtes Schnee-Gestöber!

Das darf doch nicht wahr sein..!„, murrt da auch Claudia enttäuscht unter ihrem Deckbett hervor. „Nicht ausgerechnet heute..!“ Sie hatte sich so sehr auf unsere Kanu-Tour gefreut.

Wir stehen auf und machen Frühstück, dann beratschlagen wir neben Toastbrot und heißem Kaffee, wie es weitergehen soll: Fahren, oder absagen..? Der Kaffe bringt die Unternehmungslust aber zumindest wieder so weit zurück, dass wir kurzerhand beschließen, trotz des Wetters nach Riegel zu fahren.
Sollen wir Vesperbrote und Tee machen..?„, frage ich Claudia. Aber die winkt mit hochgezogenen Brauen ab:
Der Ausflug findet doch ohnehin nur im Saale statt! Und in Wirtschaften bringt man sein Essen und Trinken ja schließlich nicht mit! Oder..?

Nun, wo sie Recht hat..! Vorsichtshalber steckt sie aber doch zwei Bananen ein, für alle Fälle.

Missmutig fahren wir also hinunter nach Freiburg, und dann über die Autobahn weiter, in Richtung Riegel. Immerhin zeigt sich hier das Thermometer schon etwas freundlicher: Von nur +1°C, zu Hause im Hochschwarzwald, ist es inzwischen ja schon mal auf knappe 10°C gestiegen. Und auch der Himmel scheint ein Einsehen zu haben, denn von Südwesten her wird es nun zunehmend blauer.

In Riegel angekommen, ist unsere Laune dann schon deutlich gestiegen. Am Bootslager von Wildsport-Tours warten wir auf Thomas Miesseler und seine Kollegen. Sie haben uns zu dieser Kanu-Tour eingeladen und betrachten den Tag daher auch für sich selbst als Freizeit. Und auch nur auf diese Weise war dieses kleine Abenteuer überhaupt erst möglich geworden, denn das gewerbliche Befahren der Altrhein-Arme bei Wyhl ist nicht gestattet. Daher freuen sich die Drei nun ebenfalls so richtig auf eine tolle Frühjahrstour, nach der langen Winter-Pause.

Und sie sind auch überpünktlich: Mit dem Schlagen der Kirchturm-Uhr biegt der kleine Transporter in den Hof ein – es ist genau elf Uhr.
Die langen Kerls (Thomas ist einsneunzig) laden die Boote dann auch schnell mal ohne uns auf den Dachträger. Reine Routine, das sieht man sofort.

Anschließend fahren wir gemeinsam nach Sasbach, wo wir etwas außerhalb die Boote direkt am Mühlbach abladen. Danach bringen wir den Transporter noch schnell an den Endpunkt unserer Tour, bei Weisweil. Wieder von dort zurück, kann es dann endlich losgehen. Und man mag es eigentlich kaum glauben, aber inzwischen scheint doch tatsächlich die Sonne!

Thomas, der direkt hinter mir sitzt, dreht das Kanu mit erstaunlicher Routine in die Strömung und schon treiben wir auf dem schmalen Mühlbach nach Norden. Unglaublich ruhig kommuniziert er dabei mit Claudia und gibt ihr Anweisungen für den optimalen Paddel-Einsatz. Und ich habe den Ehrenplatz zwischen den beiden und darf mich so völlig auf’s Fotografieren konzentrieren – Klasse..!

Leider darf ich mich beim Fotografieren aber nicht allzu sehr nach rechts oder links legen, um kein Kentern zu verursachen. Daher habe ich Claudias Rücken auch fast auf jedem Foto immer in der gleichen Position vor mir. Aber auch ein schöner Rücken kann entzücken, sagt man. Und so mag man mir das (fototechnisch) bitte etwas nachsehen, aber es ist für mich die einzige Möglichkeit, Euch die phantastische Landschaft zu zeigen, durch die man uns auf diesem Ausflug führt.

Selbst der Insider Thomas ist erstaunt, wie verwachsen der Mühlbach inzwischen (nach dem langen Winter!) ist. Immer wieder müssen wir natürlichen Hindernissen ausweichen, die weit zu uns in den Mühlbach hereinreichen. Manchmal kommen wir mit dem Kanu gerade noch so daran vorbei und als einmal gar nichts mehr zu gehen scheint, höre ich Thomas plötzlich laut von hinten rufen:
D’rüber Claudia! Vollgas..!
Der Baumstamm schabt kurz verdächtig unter unserem Rumpf, dann ist auch diese Aufgabe gemeistert und Claudia dreht sich grinsend zu mir um. Doch, sie hat (wie ich auch!) mächtig Spaß..!

Dann erreichen wir aber eine kleine Brücke, unter der wir wirklich nicht mehr hindurchkommen. Also: Anlegen, aussteigen, das Kanu um das Hinderniss herumtragen, dort wieder einsetzen, einsteigen und weiterfahren..! Und das Ganze geht natürlich auch nur über viel Spaß, und Gelächter vonstatten!

Aber auch hinter dieser Brücke kommen noch weitere Aufgaben auf uns zu: Ein in den Mühlbach gestürzter Baum gibt gerade noch genügend Wasser frei, um eben so an ihm vorbei zu kommen. Aber natürlich nicht, ohne dass Claudia im Vorbeifahren einen Mistelzweig von ihm abbricht.

Hey, die sind in Deutschland geschützt..!„, mahnt Thomas sofort. Aber da ist es schon zu spät. „Und außerdem gehen die ja ohnehin ein, wenn der umgefallene Baum nun abstirbt..!„, rechtfertigt sich Claudia.

Bald nähern wir uns dann bereits der Stelle, auf die uns Thomas schon in seiner Unterweisung, noch vor Anbruch der Fahrt, hingewiesen hat:
Hier verlassen wir den Mühlbach endgültig, und tragen unsere Kanus ein paar Meter nach links hinüber, in die ursprünglichen Rheinauen.
Ein paar Meter flußabwärts unserer Anlegestelle würde es an einem Wehr dann ohnehin richtig gefährlich werden, wie ein großes Schild selbst uns Laien klar macht! Das Wasser wird dort in ein kleines Stauwehr kanalisiert, was beachtliche Strömung erzeugt. Nein, da möchte ich auch als guter Schwimmer nicht unbedingt hineingezogen werden..!

Wir tragen die Kanus daher mit vereinten Kräften über den breiten Waldweg hinüber, zur neuen Einsatzstelle. Hier ist das Ufer nun aber ziemlich steil und so erledigt Thomas das Einsetzen der Kanus mit seinen Mannen. Da sieht man halt gleich, wer dabei richtige Routine hat.

Jetzt sind wir endlich auf den „richtigen“ Altrhein-Armen unterwegs und davon haben wir schon seit Jahren geträumt. Aber die „Auen“, also die richtigen Altwasser, wechseln sich hier mit „Schluten“ ab, wie uns Thomas erklärt. Die Schluten sind künstlich angelegte Wasserläufe, nur gegraben, um den Wasser-Austausch zwischen den einzelnen Altrhein-Armen zu ermöglichen.

Dass Thomas wirklich mit Leib und Seele „Kanute“ und dazu auch noch ein wahrer Naturfreund ist, bemerkt man schnell. Und er hat ein unglaubliches Wissen über unsere Heimat parat, das er auch gerne – aber wohldosiert – an uns weiter gibt.

Und auch jedesmal, wenn Volker „längsseits“ kommt, wird es interessant: Sein geschultes Auge sieht viele Dinge um uns herum, die für uns aus dieser Perspektive völlig neu sind:
„Dort drüben ist eine Eisvogel-Nisthöhle im Uferdamm
..!“, sieht er. „Und hier ist gerade der Eingang zum Bau einer Nutria. Gut zu erkennen an den vielen, leeren Süßwasser-Muschelschalen, vor dem Eingang..!„, weiß er.

Sowohl Thomas, als auch Volker, sind beide völlig fasziniert von den natürlichen Schätzen unserer Heimat und haben auch das Bedürfnis, Ihre Leidenschaft zu vermitteln. Aber sie übertreiben dabei nicht und werden so auch niemals belehrend. Daher ist es sehr angenehm, ihnen zuzuhören!

Dann macht uns Thomas aber auf eine Stelle Aufmerksam, die schon etwas mehr Beachtung verdient: Unmittelbar vor dem geplanten Pausenplatz strömt das Wasser etwas kanalisiert durch die Engstelle unterhalb einer Brücke. Wir sind daher vorgewarnt und halten das Gleichgewicht, als es rasant unter der Betondecke hindurch geht. Trotzdem gelingt mir noch ein schnelles Foto.

Unmittelbar dahinter führt Thomas das Kanu dann rechts um das Kehrwasser herum und Claudia muss noch einmal richtig „Gas geben“, damit wir gegen die Strömung am Ufer anlegen zu können.

Wir kennen diese Stelle bereits. Hier lag lange Zeit ein Nachen aus Holz angekettet, in dem ich schon Claudia und unsere Tochter Manuela fotografiert habe. Und direkt oberhalb unserer Anlegestelle befindet sich ein Denkmal, das an die Auswanderung von 1842 nach Colonia Tovar in Venezuela erinnert. Die Leute haben damals genau hier mit dem Schiff abgelegt, unglaublich..!

Wir ziehen die Boote an Land und die Drei packen ihre Vesper aus, während wir uns die beiden Bananen teilen. Innerlich verfluche ich mich: Ordentlich verwachst…!
Volker bietet Claudia aber etwas von seinen Broten an und sie nimmt verschämt an. „Gott sei Dank..!„, denke ich für mich, denn wenn Claudia Hunger hat, wird sie schnell ungenießbar..!

Nach einer Weile geht es dann wieder weiter und bald sehen wir auch schon die ersten Schwäne auf dem Wasser. Und vor ihnen hat uns Thomas ebenfalls ausdrücklich gewarnt: Wenn man so tief sitzt, wie wir, dann können die einem geradewegs in die Augen schauen. Und das flößt einem Schwan, der meint, sein brütendes Weibchen auf dem Nest beschützen zu müssen, keinen sonderlichen Respekt mehr ein!

Wir sind also auf alles vorbereitet, haben aber Glück: Vorläufig treffen wir nur auf Einjährige, schnell zu erkennen am noch blassen Schnabel.

Dann kommen wir an eine ganz besondere Stelle: Von dieser alten Brücke herunter haben wir vor einigen Jahren die ersten Kanuten auf dem Altrhein gesehen. Und damals entstand auch spontan unser Wunsch, irgendwann ebenfalls einmal eine solche Kanu-Tour über die Rheinauen zu unternehmen. Nun hat er sich für uns endlich erfüllt, dank Thomas und seinen Kollegen: Herzlichen Dank dafür!

Dann verhält sich aber etwas voraus, plötzlich Thomas sehr auffällig: Ganz ruhig und völlig unbewegt sitzt er in seinem Kanu und deutet nur mit dem ausgestrecktem Arm auf das ihm gegenüber liegende Ufer.
Nutria..!„, sagt er ganz leise, als wir ihn fast erreicht haben.
Angestrengt suche ich mit den Augen das Ufer ab, und dann sehe ich die große Biberratte ebenfalls: Ganz still sitzt sie im Schatten des Ufers und ist daher kaum auszumachen.

Mit ruhigen Bewegungen greife ich in die Kameratasche, unter meinem Sitz und ziehe das 250er Telezoom heraus. Mit dem augenblicklichen Objektiv habe ich von hier aus keine Chance, nahe genug an sie heran zu kommen.
Und ich habe Glück, sie bleibt tatsächlich sitzen, bis ich mit der Prozedur fertig, und wieder schußbereit bin. So komme ich dann doch noch zu ein paar tollen Erinnerungsfotos von ihr – etwas verwackelt zwar, wegen dem schlechten Licht und dem leisen Schaukeln des Kanus – aber immerhin..!

Kurz darauf sehen wir dann schon unser Auto am Ufer stehen und legen unmittelbar davor an. Damit ist ein Abenteuer für uns zu Ende gegangen, auf das wir uns schon eine lange Zeit, sehr gefreut haben! Und da zu guter Letzt auch Petrus noch richtig mitgespielt hat, war es sogar noch viel schöner geworden, als wir es erwartet haben!

Unser Fazit: Wer der Natur in den Auwäldern und an den Rheinauen gerne einmal ganz nahe sein möchte, hier kann man es! Bedenkt aber bitte, dass das gewerbliche Befahren der Gewässer hier nicht erlaubt ist. Thomas darf Euch daher noch nicht einmal das Boot mit seinem Auto zum Wasser bringen! Aber man kann die Kanus bei Wildsport-Tours ja auch leihen, und die Tour selbst organisieren. Und dann steht einem wirklich tollen Abenteuer – auch ganz offiziell – nichts mehr im Wege..!

Strecke: 9,56 Kilometer – Dauer: ca. 3,5 Std.

Download Track [urldisplaymode=nomap]


Größere Kartenansicht 

4 Kommentare »

  • Volker Schwarber sagt:

    Gefällt mir sehr gut, ihr habt die Tour sehr schön dargestellt und auch die Naturverbundenheit kommt nicht zu kurz. In erster Linie geht es mir immer darum das Interesse und die Verantwortung an der Natur zu wecken, wir haben nur diese Eine. Wir sehen uns auf dem Wasser!
    Volker

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Volker, aus Deinem Mund ein tolles Kompliment! Herzlichen Dank und liebe Grüße!

  • Anke Bawa sagt:

    Hi Rainer, ich weiß nicht, wie ich die tracks herunterladen und öffnen kann und ich würde auch gerne ab und zu meine tracks in meinen blog einbinden, weiß aber nicht wie das funktioniert.
    Gruß von einer „Wanderratte“ aus dem Elztal, Anke

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Anke, kopiere den Track und speichere ihn (irgendwo) ab. Dann öffne in Google „Maps“ (als ob Du eine Route berechnen wolltest) und klicke dort dann „meine Orte“ an. Dann auf „Karte erstellen“ klicken und „importieren“ wählen! Dort fügst Du nun Deinen Track ein und Google erstellt damit automatisch eine Googlemap! Nun nur noch nach Wunsch bearbeiten und abspeichern, dann die Linkadresse der Map kopieren und in Deinen Block verlinken – fertig! Hoffe, das hilft Dir weiter? LG Rainer

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.