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Mit August Spiegelhalter in den Pfifferlingen

29 Juli 2009 Ein Kommentar

An den geheimen Sammel-Plätzen eines echten Hochschwarzwälders

Sind das nicht tolle Prachtexemplare?

Sind das nicht Prachtexemplare?

Alles begann mit dem Aufschrei von Claudia. Nicht erschreckt, eher verzückt, oder erfreut! Dann ihr Ruf: „Rainer, komm‘ mal..!“ Artig ging ich also auf den Balkon und sah hinunter auf die Terrasse. Dort stand Claudia bei den Eltern unserer neuen Vermieter, die gerade beim Pilze-Putzen waren. Pfifferlinge, über Pfifferlinge..!

Claudia und August Spiegelhalter beim Pfifferlinge-Putzen

Claudia und August Spiegelhalter beim Pfifferlinge-Putzen

Das wollte ich mir natürlich ebenfalls aus der Nähe ansehen und ging hinunter. Schon bald saßen wir dann bei August und Josefine Spiegelhalter auf der Terrasse, mit einem Glas Rotwein und einem Küchenmesser versorgt, und das Thema war natürlich auch schon vorgegeben – „Pfifferlinge“, was sonst? Rasch kam man sich näher und so erfuhren wir an diesem Abend nicht nur viel wissenswertes über Pilze, sondern auch noch über den Hochschwarzwald und seine Bewohner.

Ein gastfreundliches, aufgeschlossenes Völkchen, wie Josefine und August liebevoll demonstrierten. Trotzdem hätte wohl keiner von uns zu fragen gewagt, wo denn derart ergiebige Pfifferlings-Sammelplätze liegen. Solche Geheimnisse gibt kein Pilz-Sammler preis und schon danach zu fragen, würde man vielleicht als unhöflich empfinden. Das war aber gar nicht nötig, denn unser Interesse muss wohl so offensichtlich gewesen sein, dass uns Josefine bald von sich aus einlud: „Do gehna halt ämohl midd..!

August Spiegelhalter vor einem "Hexenring" von Pfifferlingen

August Spiegelhalter vor Pfifferling-"Hexenring"

Ein paar Tage später war es soweit. Mit unseren Rucksäcken und Leinenbeutel ausgestattet, fuhr uns August zum Schluchsee. Von dort aus ging es dann zu Fuß immer tiefer hinein, in den dichtesten Hochschwarzwald. Selbst wenn ich mir den Weg zu August’s Sammelplätzen hätte merken wollen, ich hätte es nicht vermocht, denn bald befanden wir uns in absolut weglosem Fichtenwald! Ab und zu sah man noch mal einen Hochsitz und die dazugehörende „Schuss-Schneise“, wie uns August erklärte und irgendwann fiel mir der dumme Spruch ein, dass man hier vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht! Aber es wurde nie langweilig, denn August zeigte er uns immer wieder frische Spuren von Hirschen und Wildschweinen, oder wies uns auf Wildwechsel hin, die wohl kaum ein Städter als solche erkannt hätte. Mit einem Blick sah

Das ist die optimale Größe..!

er Verbiss-, und Schäl-Schäden von Hirschen an den Bäumen, oder zeigte uns, wo ein Hirsch sein Geweih „gefegt“ hat! So spannend hatten wir uns das Pilze-Suchen wirklich nicht vorgestellt!

Claudia in ihrem Element (Sie liebt Pfifferlinge!)

Claudia in ihrem Element (Sie liebt Pfifferlinge!)

Dann endlich, die ersten Pfifferlinge! Aber August winkte nur weise lächelnd ab: „Loss schdande..!“ Er zwängte sich einmal mehr durch’s Unterholz und blieb dann stehen. Ich sah auf und war sprachlos. Denn da waren sie, die Pfifferlinge! In richtigen Hexenringen sprenkelten sie den Waldboden mit unzähligen, dottergelben Flecken – traumhaft schön! Und jetzt verstand ich auch den Begriff „Geheim-Platz“, denn so etwas gibt man natürlich nicht preis! Niemals..!

Wir sammelten, ohne zu bemerken, wie die Zeit verging. Irgendwann fragte August dann ganz vorsichtig nach, ob wir „genug“ hätten. Damit meinte er aber nicht die Menge an Pfifferlingen, sondern unsere Sammellust! Ja.., August, es war wirklich von allem genug! Danke..! Zufrieden machten wir uns auf den Rückweg.

Mit August in den Pfifferlingen

Hier vergisst man die Zeit völlig..!

Aber auch jetzt hatte August noch Freude daran, uns auf den frisch aufgewühlten Waldboden durch Wildschweine aufmerksam zu machen. Und auch auf Claudia’s etwas ängstliche Frage, was man denn am besten macht, wenn man auf Wildschweine trifft, hatte er sofort eine Antwort parat: „Zuvor schon einen schweren Stein in den Rucksack packen!“ „Und dann..? Etwa draufhauen?“, fragte Claudia etwas ungläubig nach.  „Nein!“, erwiderte August gelassen. „Wenn Du auf ein Wildschwein triffst, dann wirfst Du den Stein einfach aus dem Rucksack heraus und kannst dann schneller rennen..!“

Unser Fazit: Wenn Ihr die Gelegenheit bekommt, mit einem Einheimischen irgendwo im Hochschwarzwald eine solche, oder ähnliche Tour, zu wiederholen, dann greift zu! Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, wo Ihr diese Tour unternehmt, oder ob Ihr dabei nach Pfifferlingen sucht, oder vielleicht auch einfach nur auf Foto-Pirsch geht. Aus diesem Grund gibt es zu diesem Bericht auch keine Karte.

Für Claudia und mich war der Tag mit August ein unvergessliches Erlebnis, für das wir ihm gar nicht genug danken können! Seine lange Lebenserfahrung im Schwarzwald, von der er auf dieser Tour viel an uns weitergegeben hat, kann man eben nicht einfach nachlesen. Nirgends – man muss sie ganz persönlich vermittelt bekommen! Und das hat August klasse gemacht! Vielen Dank dafür! 

Ein Kommentar »

  • Tobi und Sandra sagt:

    „Hier einer und dort einer.
    Hier deiner, dort meiner.
    Dann keiner. Später ein kleiner.
    Wem seiner? Deiner? Meiner?
    Und als Belohnung einer,
    riesengroß, mitten im Moos.
    Meiner? Nein, deiner?“

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