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Menzenschwand – Herzogenhorn – Rabenfelsen

27 Februar 2012 4 Kommentare

Inzwischen fehlt auch im Hochschwarzwald für richtige Schneeschuh-Touren schon etwas (Neu-)Schnee. Nein, nein, es ist noch mehr als genügend von der weißen Pracht da, aber entweder ist er zu verharscht, oder zu „sulzig“! Denn tagsüber wird es auch hier oben schon ziemlich warm und nachts gefriert es dann wieder. Und im Laufe der Woche sollen die Temperaturen ja sogar zweistellig werden..!

Als wir kurz nach Neun in Menzenschwand ankommen, zeigt das Außenthermometer gerade mal -0,5°C an. Trotzdem ist der (Alt-)Schnee von der Nacht her noch bretthart gefroren und Claudia’s Schneeschuhe sinken beim Anziehen nicht einmal ein. Wir haben das zu Hause schon befürchtet und uns daher gleich für einen Aufstieg über gebahnte Winterwanderwege entschieden.

Unsere heutige Tour soll uns von Menzenschwand aus, über das Herzogenhorn zum Leistungszentrum führen. Dort ist eine kurze Rast geplant, bevor wir wieder zum Zellerlift I hinab marschieren. Von dort aus wollen wir dann über die Ruckenhütte zum Rabenfelsen ziehen und wieder ganz ins hintere Krunkelbachtal absteigen. Dort werden wir dann dem Tal wieder bis nach nach Menzenschwand und dem Parkplatz folgen.

Ein Wort vielleicht noch zum Schneeschuh-Gehen auf gebahnten Winterwanderwegen: Natürlich sind Schneeschuhen dafür gedacht, im Tiefschnee gehen. Aber das ist ja kein „Muss„. Auch auf den gewalzten Winterwegen haben Schneeschuhe den großen Vorteil, dass sie bombenfest greifen und man nicht bei jedem Schritt ein paar Zentimeter über den Fußballen abrutscht. Das ist beim normalen Winterwandern nämlich nicht nur nervig, sondern auch ziemlich kräftezehrend und reduziert so den Spassfaktor auf größeren Strecken doch gewaltig!

Am Parkplatz orientieren wir uns kurz und sehen schon von hier aus den Verlauf des Weges, dem wir hinauf zum Herzogenhorn folgen wollen. Er zieht in der linken Talseite aufwärts und quert die Skipiste etwa auf halber Höhe. Da es bei diesen Schneeverhältnissen keine Rolle spielt, ziehen wir gleich geradewegs hinüber zum Hang und steigen dann steil zum Weg hinauf.
Schnell erreichen wir so die Skipiste und queren sie umsichtig. Um diese Zeit ist hier aber noch nicht viel los und auch der Lift, dessen Spur wir ebenfalls kreuzen müssen, wird noch recht spärlich benutzt.

Auf dem hervorragend präparierten Weg kommen wir zügig voran, werden aber – durch unsere Fotostopps – trotzdem von drei jungen Leuten, die einen großen Hornschlitten ziehen, eingeholt. Von ihnen erfahren wir, dass heute ein Hornschlittenrennen vom Herzogenhorn-Gipfel bis nach Menzenschwand hinunter statt findet. Aus diesem Grund ist auch unser Weg so frisch gewalzt, wir gehen derzeit also auf der Rennstrecke..! Bis zum Rennen bleiben uns aber noch gute zwei Stunden Zeit und bis dahin gedenken wir eigentlich oben zu sein, am Herzogenhorn.

Bald erreichen wir dann auch die Abzweigung, in Richtung Spießhorn/Krunkelbach-Hütte und folgen ihr nach links. Durch die Bäume hindurch erkennen wir die kleine, tief verschneite Schutzhütte, in der wir gevespert haben, als wir von der anderen Seite gekommen sind.
Es sind nun nur noch wenige Meter, bis wir die freie Hochfläche erreichen und bald auch hinübersehen können, zur Krunkelbachhütte. Heute ist sogar der direkte Weg hinauf zum Herzogenhorn-Gipfel gespurt, so dass wir ein kurzes Stück des Weges einsparen können. Auf direktem Weg werden wir in der scharfen Linkskurve zu dem sonst etwas versteckten Weg geleitet.

So erreichen wir auch bald wieder den tief eingeschneiten Schilderbaum, der uns noch die letzten 500m hinaufweist, zum Gipfel. Inzwischen ist er noch tiefer im Schnee versunken, als beim letzten Mal.
Heute hätten wir seiner Hilfe aber nicht bedurft, da auch die Rennstrecke bis zum Gipfel gebahnt ist. Und die ist in diesem Bereich so steil, dass wir sogar wieder die Steighilfen unserer Lightnings ausklappen!

Als wir oben ankommen, ist dann auch prompt der übliche Wind wieder da, der hier oben ja eigentlich immer bläst. Und da man vom Schlussanstieg her meist nassgeschwitzt ist, sollte man seinen Windchill-Effekt ihn auch nicht unterschätzen. Wir warten daher auch nicht lange, sondern ziehen sofort unsere Kapuzen hoch, um unsere Nacken vor ihm zu schützen.
Obwohl es hier oben noch fast zwei Meter Schnee hat, ist der Boden an windexponierten Stellen fast blankgefegt! Überall schauen dort Felsen und sogar das Gras heraus.

Wir treffen eine Gruppe Schneeschuh-Wanderer und folgen ihrem ortskundigen Guide zur gefährlichen Gipfel-Wechte. Hier sollte man keinesfalls ohne gute Ortskenntnisse hingehen. Sehr schnell befindet man sich auf dem trügerischen Schneebrett nämlich bereits mehrere Meter über dem Abgrund, ohne dass man sich dessen überhaupt bewusst ist – also Vorsicht!
Und es ist auch keine Frage, ob dieses Schneebrett irgendwann als Lawine zu Tal brettern wird, sondern nur noch wann..! Wenn das geschieht, wird sie natürlich auch allen Tourengehern gefährlich, die sich gerade unterhalb von ihr aufhalten! Daher können wir allen Schneeschuh-Freunden auch nur dringend raten, sich schon vorher ganz genau über diese Gefahr zu informieren und den gefährdeten Bereich strikt zu meiden.
Wer sich jedoch an die freigegebenen Winterwege des Naturschutzgebietes Feldberg hält, der ist in jedem Fall auf der sicheren Seite. (Siehe Faltblatt Winterwege im Naturschutzgebiet Feldberg, zu erhalten im Haus der Natur!)

Schau mal..!„, meint Claudia dann irgendwann, „Drüben am Feldberggipfel herrscht auch dicke Suppe..!

Sie hat recht, denn wir können den Gipfel von hier aus noch nicht einmal sehen. Anscheinend sind wir selbst nur knapp unter der Wolkengrenze.
Aber wir erkennen bereits das Leistungszentrum unter uns, unser nächstes Zwischenziel. Und dort wird es nun gleich einen feinen (und preiswerten!) Jagertee geben! Die Vorfreude scheint unseren Schritt wohl fühlbar zu beschleunigen, aber wir wollen natürlich auch beide endlich aus dem eiskalten Wind heraus.
Unser Abstieg erfolgt nun über die gefahrlose Nordwestseite, wo auch ein Skitourenweg ausgeschildert ist. Dann folgen wir nur noch der breiten Loipe, die uns direkt zum Gasthaus Herzogenhorn im Leistungszentrum führt.
Hier kann man übrigens auch preiswert und gut essen/vespern. Das wissen natürlich auch die Schneeschuh-Giudes und so trifft nur kurze Zeit nach uns auch schon die große Gruppe ein, die wir am Gipfel getroffen haben.

Vom Tisch aus verfolgen wir dann gemeinsam mit anderen Gästen, wie drei leichtsinnige Skitouren-Geher die große Gipfelwechte am Herzogenhorn genau in ihrer Lawinenbahn unterqueren.

Ganz schön mutig..!„, sage ich zu Claudia und ein Skilehrer am Nebentisch erwidert darauf hin nur: „Nein, als mutig würde ich das nicht mehr bezeichnen..!
Na ja, die Sache ging noch einmal gut und wir machen uns kurz darauf wieder auf unseren Weg.

Von hier aus werden wir nun erneut dem breiten Winterwanderweg zum Zellerlift I folgen. Von nun an geht es auch nur noch bergab.
Noch einmal können wir unterwegs aber einen beeindruckenden Blick zur Gipfelwechte erhaschen und auch sehen, wie nahe man dort an die Gefahrenzone herankommt.

Dann erreichen wir den Zellerlift am Waldrand. Hier müssen wir nun entlang der Liftspur steil absteigen. (Vorsicht!) Erst unten, am Lifthäuschen geht es dann rechts wieder in den Wald hinein, in Richtung Ruckenhütte.

Im Liftbereich ist der Tiefschnee von unzähligen Varianten-Fahrern abgefahren und sehr verharscht, so dass unsere Schneeschuhe gut greifen. Zügig erreichen wir so die Talsohle und orientieren uns nur kurz am Wegweiser: Menzenschand 6,5 Kilometer!

Geradeaus wären es über den Winterwanderweg nur 4,5 Kilometer und ich habe – ohne richtig zu wissen warum – ein schlechtes Gefühl. Trotzdem lasse ich mich von Claudia zur längeren, ungespurten(!) Variante überreden. Das sollten wir aber beide noch bereuen!

Der Schnee ist hier im Wald nun nämlich plötzlich weicher, ja fast „sulzig“ und man braucht bei jedem Schritt viel Kraft, um den Schneeschuh zu stabilisieren. Schon bald spüre ich daher wieder die Innenseite meiner Oberschenkel „murren“! Und die Schneeverhältnisse scheinen auch nicht besser zu werden, im Gegenteil!

Was wir hier haben, ist nun der allerschlimmste Schnee, den man sich zum Schneeschuh-Wandern überhaupt vorstellen kann: Tief, weich und schwer, dazu teilweise schon vorgetreten! Man weiß daher bei keinem Schritt, wie sich der Schneeschuh beim nächsten Aufsetzen verhalten wird: Einmal greift er ganz stabil auf der Schneeoberfläche, das nächste Mal sinkt er komplett 20 Zentimeter tief ein, oder verkantet sogar einseitig. Das führt schnell dazu, dass man bei jedem Schritt alle Muskeln anspannt und daher sehr verkrampft geht. Und das wiederum tut dann bald ziemlich weh und ist – mit Verlaub – richtig ekelhaft!

Irgendwann haben wir uns aber doch bis zur Ruckenhütte durchgekämpft und hoffen nur, dass es abwärts nun etwas besser werden wird. Aber das ist leider nicht der Fall und so erreichen wir mit brennenden Oberschenkeln den Rabenfelsen. Hier trinken wir noch mal einen Schluck heißen Tee und versuchen uns im Stehen etwas zu erholen. Tisch und Bänke des Rastplatzes sind nämlich unter dem tiefen Schnee völlig verborgen.

Claudia deutet irgendwann auf gut sichtbare Fußspuren von „normalen“ Wanderern, die hier irgendwann ohne Schneeschuhe durchgekommen sind. Bei jedem Schritt sind sie wohl bis zu den Knien eingesunken:
Das waren wohl ganz Harte, hm..?„, fragt sie belustigt.
Ich glaube, ich würde an denen ihrer Stelle den Vogel kriegen..!„, brumme ich nur noch zurück. Mir tut auch so schon alles weh!

Dann ziehen wir vollends hinunter und erreichen irgendwann (endlich!) die Talsohle des Krunkelbachtales. Inzwischen bleiben wir immer häufiger stehen, um der Muskulatur kurz Gelegenheit zu geben, sich für die nächsten einhundert Meter zumindest etwas zu erholen.
Selbst hier hinten, im immer etwas kälteren Krunkelbachtal, ist der Schnee inzwischen weich, tief und sulzig! Es ist kaum zu glauben!

Erst kurz vor dem Auto erreichen wir dann wieder einen gewalzten Winterwanderweg und sind ungemein froh. Beide sind wir bereits völlig „platt“ und rätseln nur noch darüber, wieviele Kilometer das heute wohl gewesen sind..?

Unser Fazit: Trotz der vielen Winterwanderwege eine richtig tolle Schneeschuh-Tour für geübte Schneeschuh-Wanderer mit etwas Kondition.
Strecke: 16,0 Kilometer, 650 Höhenmeter im Anstieg, Dauer ca. 7 Stunden
Einkehr: Gaushaus Herzogenhorn im Bundes-Leistungszentrum

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4 Kommentare »

  • Jörg Rapp sagt:

    Ah, das ist ne Riesentour bei solchen Schneeverhältnissen. Die Hornwechte sieht von eurem Standplatz aus wie der Eisbruch des Ciarforon im Grand Paradiso. Wir sind ja etwa gleich alt, aber ihr müsst eine Kondition haben, da staune ich nur. Spätestens am Rabenfelsen hätte ich einen Heli gebraucht, wegen diverser beinlanger Muskelkrämpfe. Dabei ist es im Sommer dort so schön, in der Thermik der aufsteigenden warmen Luft am Südhang. Und der Schnee, wenn ich soo tief einsinke, bis zum Knie und mehr in diesem oben verharschten und unten weichlockeren Gemisch, da kommt man so schlecht wieder raus, wegen der scharf eingetretenen Ränder. Dann ist es fast gleich wie am Wiesbadener Grätle im hüfthohen Neuschnee, alles äußerst kraftzehrend. Wow!

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Jörg, herzlichen Dank für Deine Post! Es gibt da schon seit Jahren einen kleinen „Spruch“ zwischen Claudia und mir. Immer wenn sie mich mal wieder zu etwas überredet hat und ich deswegen dann anschließend Muskelkater habe, antworte ich auf jede ihrer Fragen nach meinem Befinden immer mit: „Ich hasse Dich..!“
    Und sie antwortet dann jeweils mit: „Ohje, das habe ich schon befürchtet, aber ich habe Dich auch lieb..!“ (So hält eine Ehe 35 Jahre! 🙂

  • Christian Oehms sagt:

    Hallo Rainer und Claudia,
    hab mir heute Eure Seite angeschaut und gesehen, dass Ihr schon die Tour vom letzten Wochenende drin habt. Da seid Ihr ja noch ganz schön lange unterwegs gewesen! Bei den Schneeverhältnissen im unteren Bereich!! Respekt!
    Hat mich jedenfalls sehr gefreut, Euch erfahrene Schwarzwald-Schneeschuh-Wanderer kennen zu lernen. Wir treffen uns bestimmt mal wieder oben. Ja, und Neuschnee kommt nächste Woche auch wieder…
    Der Schneeschuh-Guide vom Herzogenhorn

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Christian, schön von Dir zu hören! Ja, die Tour war noch ganz schön knackig, aber trotzdem schön! Hoffentlich kommt der Winter im März nochmal zurück – drück‘ uns die Daumen..! Liebe Grüße, Rainer

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