Home » Allgemein

Märzenbecher-Blüte in den „Wutachflühen“

5 März 2011 4 Kommentare

Der Tipp für dieses wunderschöne Erlebnis kam aus allererster Hand: Der Wutach-Ranger persönlich, Herr  Martin Schwenninger, hat uns darauf aufmerksam gemacht!

Auf der Suche nach Frühlings-Themen wollten wir ursprünglich eigentlich zum Wolfstal (Gemeinde Lauterach) auf der Schwäbischen Alb fahren, welches für seine phantastische Märzenbecher-Blüte bekannt ist. Dabei haben wir diese doch auch (genauso schön!) unmittelbar vor unserer Haustüre: In den Wutachflühen nämlich..!

In Kürze: Der Begriff  „Wutachflühen“ verschafft sich nicht nur bei Insidern Respekt, auch Claudia zieht zuerst einmal die Luft durch die Zähne, als ich Ihr den Trip vorschlage!

Bei den Wutachflühen (Flüh = Fels) handelt es sich um einen beeindruckenden Steilabfall im Bereich der unteren Wutachschlucht (Wutachhalde), der von zwei Pfaden durchquert wird: Vom unteren und oberen „Flühenweg“. Während der Untere als harmloser Wanderpfad (Waldweg) – etwas überhöht – der Wutach folgt, handelt es sich beim Oberen um einen schmalen, teilweise ziemlich ausgesetzten Pfad, der in beeindruckender Höhe über einem Felsband verläuft. Er gilt als gefährlich!

Achtung: Obwohl beide Pfade nur selten 100 Meter weit auseinander verlaufen, beträgt die Höhendifferenz zwischen ihnen meist mehr, als 70 Meter! Wer sich also für diesen oberen Weg entscheidet, der muss zwar nicht völlig schwindelfrei sein, eine eventuell vorhandene Höhenangst sollte man jedoch stets „im Griff“ haben!

Bei Nässe ist dieser obere Weg aber besser völlig zu meiden, denn dann besteht erhöhte Rutschgefahr und Geländer gibt es (auch an den schmalen, ausgesetzten Stellen) keine! Kinder daher unbedingt stets an die „ganz kurze Leine“ nehmen!

Strecke: (Rundweg) etwa 7,0 Kilometer mit 250 Höhenmetern im Anstieg (gesamt). Dauer: Ca. 3,0 Stunden (gemütlich). Die Märzenbecher-Blüte ist von beiden Wegen aus zu bewundern!

Von Titisee-Neustadt aus führt unsere Anfahrt über die B 31 bis zur Ausfahrt Döggingen und dann über Mundelfingen zur „Wutachmühle“. Hier biegen wir links ab, Richtung Aselfingen und folgen in Achdorf dann der schmalen Straße („Wellblechweg“), in Richtung Fützen. Nach halber Strecke sehen wir an der Straße einen Wanderwegweiser und einen kleinen Parkplatz. Hier stellen wir unser Auto ab und orientieren uns kurz: Der Weg, der hier in den Wald (Richtung Wutach) hinein führt, ist der untere Flühenweg. Er trifft später am Eisenbahn-Viadukt (ca. 3,5km) wieder mit dem oberen Flühenweg zusammen. (Wandergruppen können sich hier also in schwindelfrei und nicht schwindelfrei aufteilen!) Über diesen Weg werden wir abschließend wieder zum Auto zurückkehren.

Wir folgen nun jedoch erst einmal der schmalen Straße noch etwa 200m aufwärts und treffen dort (rechts) auf den „Eingang“ zum oberen Flühenweg. Anfangs noch recht unscheinbar, führt er als Trampelpfad in die Wutachhalde hinein. Dieses Gesicht wird er jedoch schon bald ablegen, denn bereits nach wenigen hundert Meter wird die nach rechts abfallende Halde immer steiler werden.

„Uups..!“, lacht Claudia dann auch an der ersten Schlüsselstelle. Sie hat nicht daran gedacht, dass die Bäume in der Halde derzeit kein Laub tragen und daher Tiefblicke, bis hinunter zur Wutach erlauben! Im Sommer ist dieser Weg – durch ihr Blätterdach – deutlich harmloser!

Zur Erklärung: Es handelt sich hier nicht um eine senkrechte Felswand, sondern um eine (teilweise sehr) steile Halde. Würde man hier stürzen, dann hätte man an einigen Stellen wohl erhebliche Probleme, wieder zum „Stehen“ zu kommen!

Eigentlich erwarte ich noch gar keine Märzenbecher, denn der Frühling scheint mir noch nicht weit genug fortgeschritten zu sein. Dann schreit Claudia aber plötzlich auf und zeigt aufgeregt hinunter, in die steile Halde. Und als ich sie erreicht habe, kann ich es auch sehen: Hunderte von blühenden Märzenbechern, tief unter uns!

„Whow..!“, rutscht mir da nun auch heraus, ich bin begeistert! Die Pflanzen stehen dicht an dicht und in voller Blüte. Leider nur unerreichbar weit weg für uns und die Kameras. Aber nun bin ich mir sicher, wir werden heute ganz bestimmt noch bessere Plätze zum Fotografieren finden und ich sollte Recht behalten!

Nun hat sich unsere Aufmerksamkeit deutlich verlagert, denn jetzt liegt der Fokus nur noch auf den Märzenbechern. Immer mehr sehen wir nun in immer größeren“Wiesen“. Aber wo kommen wir nahe genug an sie heran, um zu fotografieren?

Wir müssen nicht lange warten. An einem Wegweiser ist die Halde ziemlich flach und wir stehen völlig unvermittelt vor einem weißen Blütenmeer – es müssen Abertausende sein!

Eine ganze Weile verharren wir einfach nur still und lassen dieses Bild auf uns wirken, dann bricht Claudia das Schweigen:

„Ist das schön..!“, sagt sie nur ganz leise und greift nach meiner Hand. Ich weiß nicht, wie andere darüber denken, aber wir können uns über so etwas noch richtig freuen! Und das hier, das ist einfach nur Natur pur, ohne dass der Mensch etwas dazu beigetragen hätte.

Langsam lasse ich meinen Rucksack zu Boden gleiten und helfe Claudia, den Ihren abzulegen. Dann holen wir die Kameras heraus und gehen sehr vorsichtig auf die Blüten zu. Wenn man dabei nicht ganz arg aufpasst, dann zertritt man leicht jüngere Pflanzen, die noch nicht durch Blüten auf sich aufmerksam machen – also bitte aufpassen! Auf gar keinen Fall zwischen die Pflanzen hinein treten wollen, sondern sich immer nur von außen nähern!!!

Kaum haben wir angefangen zu fotografieren, werden wir auf eine weitere Rarität aufmerksam, die es hier ebenfalls noch in großen Mengen zu geben scheint: Den Roten Kelchbecherling! Viele kleinere Exemplare verstecken sich noch unter dem Laub und drohen dort ungesehen zertreten zu werden, wenn man nicht jeden Schritt mit Bedacht setzt!

Ohne zu bemerken, wie die Zeit vergeht, verbringen wir zwei volle Stunden mit Fotografieren und werden erst herausgerissen, als sich ein weiteres Wanderer-Ehepaar mit ihrer Kamera zu uns gesellt. Sie sind genauso begeistert wie wir.

Während ich mich noch einigen Macroaufnahmen widme, wechselt Claudia das Motiv und fotografiert Kelchbecherlinge. Ich beobachte schmunzelnd, wie sie einige ganz vorsichtig von Laub befreit, um sie besser darstellen zu können.

Irgendwann meldet sich dann mein Magen. Ich lege die Kamera beiseite und packe mir eines von Claudia’s leckeren Vesperbroten aus. Dazu gibt es heißen Tee.

So versorgt, ziehe ich mich erst mal auf einen Baumstamm zurück und beobachte Claudia, die mit Inbrunst bei ihren Kelchbecherlingen ist. Irgendwann bemerkt sie mich beim Vespern und stutzt: „Du hast Recht, ich habe inzwischen auch Hunger..!“, lacht sie und setzt sich neben mich.

Ich nehme ihr die Kamera ab und überschlage kurz die Gesamtzahl der Aufnahmen: Es müssen bereits über 200 sein!

„Lass gut sein..!“, schmunzle ich Claudia nur noch zu, „Das reicht alle Mal..!“

Ganz langsam verschwindet nun auch die Sonne hinter dem Kamm, und mit ihr das Licht! Daher hier auch noch ein Tipp für alle Fotografen:

Die Märzenbecher-Blüte erstreckt sich über eine steile Nord-West-Halde der Wutachflühen. Das bedeutet, dass nun im Frühjahr nur über die Mittagszeit etwas direkte Sonne in das Tal fällt! Diese Zeit gilt es zu nutzen, denn für längere Belichtungszeiten sind die zarten Pflänzchen einfach zu unruhig: Jeder noch so kleine Windhauch versetzt sie sofort in Bewegung!

Außerdem wird es nun auch recht frisch. Nachdem wir uns gestärkt haben, ziehen wir weiter.

„Wir waren wieder mal genau im richtigen Augenblick, am richtigen Ort..!“, schmunzelt Claudia als wir aufbrechen und wirft noch mal einen langen Blick zurück. Dann schreitet sie forsch voran, in Richtung Eisenbahn-Viadukt. Bis dorthin sind es nun noch anderthalb Kilometer.

An der Abzweigung sind viele Wegweiser, die einem ein mögliches Verlaufen ziemlich erschweren. Wir nehmen gleich den ersten Weg rechts, parallel zur Wutach. Er führt uns zurück, zu unserem Auto.

Auch hier stoßen wir nun noch einmal auf die Märzenbecher-Blüte. Der ganze Hang, rechts hinauf zur Flühenwand, ist weiß gesprenkelt. Aber auch hier hat es überall kleine, rote Flecken dazwischen – Rote Kelchbecherlinge!

Ganz unten, an der tiefsten Stelle unserer Wanderung, statten wir dann auch der Wutach noch einen kurzen Besuch ab. Danach ziehen wir weiter, zu unserem Auto, wo einmal mehr ein wunderschöner Wandertag zu Ende geht!

Unser Fazit: Nicht mit dem Kinderwagen zu bewältigen! Kindertrage wäre ideal, aber dann vielleicht zusätzlich Wanderstöcke benutzen (Sicherheit!). Mit Fahrrad nicht machbar und verboten!

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 509, Waldshut – Tiengen, 1:50.000

ISBN 978-3-89021-602-7

Download GPS-Track

4 Kommentare »

  • Gabriele Olinger sagt:

    Ich bin von diesen wunderschönen Aufnahmen total begeistert. Ich liebe diese Märzenbecher und Schneeglöckchen. Habe noch nie so viele auf einmal gesehen, muss herrlich sein.
    Überhaupt fotografiere ich auch sehr gerne Blumen, Sträucher ja auch Bäume in meinen zwei Gärten, im Urlaub und auch auf Wiesen und Fluren.
    Haben Sie sehr gut gemacht – volles Lob und Note 1+ von mir.

  • Rainer sagt:

    Hallo Frau Olinger,

    herzlichen Dank für diesen freundlichen Kommentar! Sie haben Recht, man muss es selbst gesehen haben – so viel Schönheit macht einen sprachlos!

    Liebe Grüße, Rainer & Claudia

  • Manu sagt:

    Hallo Ihr Lieben!
    Ich bin ein schlechtes Kind, ich weiß. Habe Euch und Eure Berichte etwas schleifen lassen – war nur soviel los zur Zeit. Tut mir leid! Der Bericht ist echt der Wahnsinn. Ich hatte gar nicht kapiert, was Mama mir am Telefon sagen wollte, jetzt versteh ich ihre Aufregung 😉 Super Bericht und wunderschöne Bilder. (P.S. Ach Dadd’l schick Dein Bart *g*)
    Habe Euch lieb 😉 Dodd’l

  • Allan y Cristina sagt:

    Hallo Rainer und Claudia!

    Wir liebe das nue Fotos! Enjoy the spring time, in the last night the snow visited Tenerife again, 11ºC in this moment in Icod de los Vinos (230 mts), in the Teide -5ºC (1900 mts). Thank you to share these photos! We’re very happy for you, buddy.

    Take care, saludos desde la isla de Tenerife.

    Allan und Cristina.

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.