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Markgräfler „Wiiwegli“ – 4. Etappe

26 Mai 2012 Kein Kommentar

Die Nacht in Staufen war ruhig und erholsam gewesen, nur das beruhigende Prasseln des Regens war zu hören. Als wir zum Frühstück gehen, hat der aber schon wieder aufgehört. Sollten wir vielleicht doch noch Glück haben und trocken nach Freiburg kommen?

Im Frühstückszimmer wartet schon Helga auf uns und der Inhaber, Herr Ortlieb versorgt uns umgehend mit frisch gebrühtem Kaffee.
Im Felsenkeller gibt es kein Frühstücks.Buffet, da ist alles viel persönlicher. Aber unser Tisch ist so reichhaltig gedeckt, dass wirklich kein Wunsch offen bleibt. Die frischen Brötchen duften verführerisch im Körbchen und man ist sich irgendwie sicher, dass auch die frisch gekochten Eier von „glücklichen Hühnern“ stammen! Das kann eigentlich gar nicht anders sein, denn auch der Orangensaft ist frisch gepresst – von Bio-Orangen natürlich..!
Irgendwann bringt uns Herr Ortlieb dann unser Lunch-Paket: Jeweils zwei saftig belegte Roggenbrote, ordentlich in Folie verpackt, dazu jeweils noch ein Apfel und ein Vollkornriegel. Auch der Tee ist schon fertig!
Doch, hier im Gasthof/Hotel Am Felsenkeller fühlt man sich als Wanderer nicht einfach nur gut bedient, sondern sogar richtiggehend umsorgt!

Im Anschluss an das Frühstück stellen wir noch unser Gepäck in die Lobby und verabschieden uns herzlich von Herrn Ortlieb. Hierher werden wir jederzeit gerne wieder herkommen!

Obwohl es draußen stark nach Regen aussieht, ist es immer noch trocken, als wir den Felsenkeller verlassen. Wir hätten uns dann eigentlich nur rechts halten müssen, um direkt wieder auf unser Wiiwegli zu stoßen, aber wir wollen dann doch der Altstadt von Staufen noch einen kurzen Besuch abstatten. Daher machen wir einen kurzen Umweg und gehen unserer roten Raute ein paar Meter, in Richtung Innenstadt, entgegen.

Kurz vor dem Marktplatz treffen wir dann wieder auf unseren Wegweiser mit der gelben Traube und folgen ihm aus Staufen hinaus.

Am Marktplatz vor dem Rathaus ist gerade Markt, und daher auch einiges los. Leider sitzt uns aber das Wetter etwas im Nacken, so dass wir uns nicht lange aufhalten.
Nun immer aufwärts, verlassen wir das hübsche Städtchen wieder, in grober Richtung Nordosten.

Auch heute verlassen uns Helga und Lilli aber bald. Sie sind einfach immer etwas schneller unterwegs wie wir, und heute sorgt sich Helga zudem etwas um Lilli. Wenn es unterwegs nämlich richtig nass werden sollte, dann wird das kleine Hündchen wohl ziemlich frieren.

Der Regen lässt dann auch nicht lange auf sich warten. Noch innerhalb von Staufen wird es zunehmend nass. Wir warten noch einen Augenblick mit dem Umziehen in der Hoffnung, dass es nur ein Schauer ist. Dabei treffen wir dann auch wieder auf unsere Beiden.

Helga hat sich bereits unter gestellt und überlegt ernsthaft, ob sie abbrechen und mit dem Zug nach Freiburg fahren soll. Sie verfügt als Wetterschutz nur über ein Regencape ohne Regenhose, und bis Freiburg sind es schließlich immer noch über 20 Kilometer.
Unter diesen Bedingungen raten auch wir zu diesem Entschluss. Nicht zuletzt wegen Lilli. Die Strecke wäre bei diesem Wetter bestimmt eine Tortur für das Tier!

Dann suchen auch wir uns einen halbwegs trockenen Platz, um unsere Regen-Klamotten anzulegen. Es sieht inzwischen leider nicht mehr so aus, als ob der Regen in nächster Zeit nachlassen würde.

Bald darauf haben wir Staufen dann endgültig verlassen. Und der Regen nimmt sogar noch weiter zu. Unsere Kapuzen oben, trotten wir mit gesenktem Blick – wegen der Brillen – in Richtung Freiburg. Das Trommeln auf dem Kapuzenstoff ist dabei unglaublich monoton und einschläfernd, und so kommt es dann auch, wie es kommen musste: Wir verlaufen uns!
Mit gesenktem Blick stapfen wir an den riesigen Wegweisern vorbei und trotteln dann bis ganz hinunter, zur Straße.
Erst dort werde ich wieder richtig wach und erkenne sofort, was wir da für einen Stuss zusammengelaufen haben: Über einen Kilometer weit sind wir an unserer Abzweigung vorbeit gelaufen, und dürfen daher nun auch die gleiche Strecke noch einmal zurück!
Verdammt..!„, fluche ich lauthals und wütend auf mich selbst! „Bei über 20 Kilometer Tages-Pensum wäre das doch wirklich nicht nötig gewesen..!
Vor allem nicht bei diesem Wetter..!„, ergänzt mich Claudia, ohne mir damit einen Vorwurf zu machen. Sie hat die Abzweigung ja ebenfalls nicht gesehen.
Aber da hilft auch das ganze Fluchen nicht, wir müssen zurück.

Wieder an der verpassten Abzweigung zurück, kann ich nur den Kopf schütteln als ich sehe, an welch großen Wegeschildern wir hier vorbeigelaufen sind..!
Nun, so ein Verlaufen hat ja manchmal auch etwas Gutes: Man ist hinterher dann nämlich wieder etwas wachsamer, so dass es einem nicht gleich noch einmal passiert! Außerdem hat es zwischenzeitlich auch aufgehört zu regnen und wir können die Kapuzen wieder nach hinten schieben.
Und dann wird es schon fast peinlich: Nur einen Kilometer weiter sehen wir nämlich plötzlich schon wieder keine Wegezeichen mehr! Haben wir uns etwa erneut verlaufen?
Mitten im Gelände stehend, versuche ich mit dem Garmin und der Karte zu ergründen, ob wir überhaupt noch auf dem richtigen Weg sind. Leider ist das Wiiwegli in der Garmin-Karte gar nicht verzeichnet und einen aktuellen Track davon, habe ich vor der Tour leider auch nicht hochgeladen. Das Allerbeste ist aber, dass das Wiiwegli auf der 50.000er Karte zwar eingezeichnet ist, hier jedoch gerade mehrere Möglichkeiten offen lässt! Was nun..?

Ich komme mir nun vor wie ein Anfänger und meine Laune sinkt so endgültig auf den Nullpunkt! Natürlich weiß ich, wo ich bin und es wäre auch überhaupt kein Problem, Ehrenstetten direkt zu erreichen. Aber erreichen wir es dann auch über den richtigen Weg? Denn den möchte ich ja unbedingt mit dem Garmin aufzeichnen, um ihn anschließend für diesen Bericht korrekt darstellen zu können!
Zu allem Überfluss öffnet der Himmel dann erneut wieder seine Schleusen. Und diesmal fängt es sogar auch noch richtig an zu hageln!


Ich schiebe mir frustriert die Kapuze über den Kopf und stecke die Karte endgültig ein:
Leck mich doch..!„, fluche ich leise, an Petrus gerichtet und stapfe dann einfach los, immer in Richtung Ehrenkirchen. Die Häuser konnten wir – vor dem Hagel – ja bereits deutlich sehen. Jetzt sind sie gerade hinter einer grauen Wand verschwunden.
In Ehrenstetten stoßen wir dann endlich wieder auf unsere rote Raute mit der gelben Traube und sind darüber so erleichtert, dass wir ihr erst einmal in die falsche Richtung folgen! Gott sei Dank bemerke ich das aber früh genug, um einen weiteren Umweg zu vermeiden!

Dann sind wir aber endlich auf dem richtigen Weg hinüber, nach Kirchhofen. Und auch da suchen wir unterwegs im Weinberg wieder einmal die Raute.
(Persönliche Anmerkung: Das Markräfler Wiiwegli ist auf der 4. Etappe über weite Strecken nur sehr lückenhaft, und daher für einen Fernwanderweg viel zu schlecht ausgeschildert!)

Als wir dann den Batzenberg erreichen, folgen wir auch dort wieder einem nicht sehr eindeutig angebrachten Wegezeichen auf einen falschen (Wein-)Weg. Die grobe Richtung stimmt zwar, aber wir sind zu weit westlich des Kammes. Inzwischen ist mir das aber so ziemlich egal, denn ich habe nun für mich beschlossen, einfach nur noch selbst zu orientieren. Und da zählt nun auch nur noch das Etappenziel:  Freiburg – mit, oder ohne Wiiwegli!

Ich korrigiere das mit dem Weg, indem ich zielsicher den Kamm des Batzenberges ansteuere. Und obwohl ich mir oben dann absolut sicher bin, nun auf dem richtigen Weg zu sein, ist auch hier wieder weit und breit keine Wiiwegli-Raute zu sehen.
Über das Reblausdenkmal steigen wir dann auf der Nordseite des Batzenberges wieder abwärts. Und erneut fehlt dabei an einer wichtigen Abzweigung ein Schild. Inzwischen sind wir aber vorgewarnt und bemerken den Mangel rechtzeitig. Mitten durch die Reben steigen wir hinauf, zum richtigen Weg. Von dort aus sehen wir dann endlich in der Ferne unser heutiges Tagesziel, Freiburg. Nun müssen wir nur noch hinunter, nach Ebringen und dann noch links um den Schönberg herum, bis nach Freiburg St. Georgen.

Wieder kommt die Sonne heraus, als wir abwärts wandern. Und noch einmal suchen wir anschließend Schutz in einem umgebauten Rebhisli, vor einem kräftigen Schauer. Was für ein Aprilwetter im Mai!

Kaum ist der Regen vorbei, scheint dann wieder die Sonne. Und nun scheint sie sich auch kräftiger durchzusetzen, denn die grauen Wolken verschwinden zusehends. Am Fuße des Batzenberges überqueren wir auf einer Brücke noch die Landstraße (L 125) und erreichen kurz darauf Ebringen.
Über den Sommerberg werden wir hier hinaufgeleitet, in die westlichen Rebhänge des Schönbergs. Noch einmal erleben wir von hier aus einen phantastischen Blick zurück, zum Pfaffenberg, dann müssen wir uns jedoch erneut auf unseren Weg konzentrieren.
Auch hier fehlt nämlich wieder ein eindeutig gesetztes Wegezeichen, das uns auf die richtige Abzweigung führt. Erst als Claudia einen Einheimischen fragt, finden wir mit seiner Hilfe den richtigen Weg. Nein, so macht Wandern auf Dauer keinen Spaß..!
Nun haben wir aber nur noch den Schönberg zu umrunden, dann leitet uns die Wiiwegli-Raute über einen breiten Weg hinunter, nach Freiburg-St. Georgen. Endlich am Ziel angekommen, denken wir und fragen unterwegs erwartungsvoll nach unserem Hotel.

Waren bisher alle Hotels – mehr oder weniger – in der Nähe des Wiiweglis gelegen, so ist das hier nun völlig anders: Das Hotel Minerva liegt nämlich in der Stadtmitte Freiburgs. Nun wird mir auch klar, warum man uns für heute bereits mit den Buchungsunterlagen zwei Konus-Karten mitgeschickt hat, zur kostenlosen Benutzung der Freiburger Verkehrsbetriebe: Wir müssen nun nämlich mitten nach Freiburg hinein. Zum Laufen viel zu weit..!

Nun gut, dann fahren wir halt zur Abwechslung mal Straßenbahn! Eine nette Dame an der Haltestelle erklärt uns ganz genau die Strecke: Zuerst mit dem Bus bis zur Endstation, dann mit der Straßenbahn weiter, bis zum Stadt-Theater. Von dort aus dann nur noch am Kolumbi-Hotel vorbei und rechts halten.
Wir finden tatsächlich alles auf Anhieb und sind schon dreißig Minuten später im Hotel Minervaangekommen. Was für ein Tag – endlich duschen..!

Auf dem Zimmer finden wir eine Flasche Markgräfler Wein vor, mit einen freundlichen Willkommensgruß unseres Buchungs-Unternehmens, der Schwarzwald-Tourismus-GmbH in Freiburg. Solche Kleinigkeiten lassen einem immer das Herz aufgehen – Dankeschön..!

Da wir im Minerva abends leider nicht essen können, schlendern wir nach dem Duschen noch etwas durch die Freiburger Innenstadt und kehren dort irgendwo ein. Danach sind wir dann so müde, dass wir direkt ins Hotel zurückkehren und schlafen gehen. Morgen früh um Neun wird uns das Fernseh-Team von Südwest3 abholen, um die restlichen Aufnahmen für die Sendung „Fahr mal hin“ mit uns zu drehen.

Wir schlafen wie die Toten, bis uns der Wecker des Garmin weckt: Katzenwäsche, packen und dann rasch hinunter, zum Frühstück!

Vom Frühstück im Hotel-Minerva sind wir sehr angenehm überrascht: Man bietet uns ein wirklich tolles Frühstücks-Buffet, das keinerlei Wünsche offen läßt! Claudia tobt sich erst mal an der „Müsli-Bar“ aus, ich greife hingegen direkt zu Spiegeleier mit Speck! Anschließend verputzen wir noch diverse belegte Brötchen, mit Wurst, Käse und Marmelade.

Wieder auf dem Zimmer bin ich dann so satt, dass ich mich einfach wieder ins Bett legen könnte!
Nix da..!„, moniert Claudia. „Jochen kommt gleich mit dem Fernseh-Team..!

Jochen ist der Regisseur des Filteams, das die Aufnahmen mit uns für den SWR über das Markgräfler Wiiwegli machen soll. Der Kameramann und der Tontechniker kommen direkt aus Stuttgart. Beide haben sich direkt am Hotel Minerva mit uns verabredet und wir sind angenehm überrascht, wie pünktlich sie da sind!
Wir verstauen nur noch kurz unsere Taschen im Bus, dann fahren wir mit Jochen zurück zum Batzenberg. Und dort geht es dann auch gleich richtig los..!
Was dabei heraus gekommen ist, wird natürlich noch nicht verraten! Aber Ihr könnt es Euch – wenn Ihr wollt – gerne im Fernsehen anschauen. Geplanter Sendetermin ist der 10. Juli 2012, 22.00 Uhr Südwest3 – Fahr mal hin: Teufel, Wein und starke Frauen.

Unser Fazit zur letzten Etappe:

24,3 Kilometer (mit allen Umwegen!), 518 Höhenmeter im Anstieg. Dauer: 7 bis 8 Stunden. Die Etappe ist extrem schlecht ausgeschildert. Immer wieder fehlen unterwegs wichtige Schilder, ganz besonders an Schlüsselstellen, wie Abzweigungen, etc.

Eine Einkehr unterwegs ist immer wieder ohne große Umwege möglich. In Freiburg sollten Bus-, und Straßenbahn-Verbindung zum Hotel Minerva besser schon vorher in Erfahrung gebracht werden. Wir haben uns diesbezüglich leider überaschen lassen!

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