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Markgräfler „Wiiwegli“ – 3. Etappe

25 Mai 2012 Kein Kommentar

Der Verkehrslärm im Zentrum von Müllheim war nachts zuerst etwas ungewohnt. Nachdem wir das Fenster aber ganz geschlossen hatten, war fast nichts mehr davon zu hören und wir haben doch noch gut geschlafen.
Erholt gingen wir daher hinüber ins Haupthaus, zum Frühstück. Der gestrige Abend hat bei uns diesbezüglich einiges an Erwartungen geweckt.

Hier wartet bereits Wanderfreundin Helga auf uns, sie hat einen Dreier-Tisch reserviert. Das Personal läßt uns erst mal gewähren, fragt lediglich nach unseren Wünschen, bezüglich Kaffee oder Tee.
Im Restaurant ist ein Frühstücks-Buffet aufgebaut, das unsere Erwartungen leider nicht zu erfüllen vermag. Lediglich das Müsli-Buffet verdient diesen Namen! Sonst gibt es Wurst und Schinken, aber nur eine einzige Sorte Schnittkäse. Dazu leider auch nur winzig-kleine Party-Brötchen und Brot zum selbst aufschneiden. Dieses ist im Kern aber leider noch völlig gefroren und lässt sich daher kaum schneiden!
Irgendwann sehe ich, dass am Nachbartisch Rühreier serviert werden – wohl aber nur auf ausdrückliche Bestellung, denn uns fragt niemand danach!

Irgendwie hat man so das Gefühl, plötzlich in einem völlig anderen Haus zu sein, als noch gestern Abend! (Vielleicht ist morgens aber auch nur das B-Team am Start..?)

Als ich nachfrage, richtet man mir für unterwegs jedoch bereitwillig zwei Liter Tee. Auch das Lunchpaket sei bereits gerichtet, teilt man uns mit.
Helga ist diesbezüglich etwas irritiert, denn sie hat die gleiche Tour gebucht wie wir (allerdings bei einem anderen Veranstalter), und bekommt kein Lunchpaket.
Erst als ich beim Service diesbezüglich nachfrage, richtet man ihr ebenfalls Eines hin!
Sorry, aber was sich da dann Lunch-Paket schimpft, ist schon fast peinlich und an Lieblosigkeit kaum noch zu überbieten! (Siehe Foto unten!) Dazu kamen pro Person lediglich noch ein Apfel und zwei Schoko-Mini-Riegel (Twix). Wohl eher ein „Wegwerf-Paket“. Sinnloser Ballast, auf den man unterwegs eigentlich lieber verzichtet!

Leider haben wir das aber erst später, unterwegs entdeckt, sonst wären dazu gleich im Hotel noch einige treffende Worte gefallen! Aber das haben wir nun hiermit passend nachgeholt!
Von der Qualität des Frühstücks und dem dazugehörenden „Service“ ziemlich enttäuscht, stellen wir anschließend noch unser Gepäck in die Lobby und brechen auf.

Erst vor dem Hotel treffen wir Lilli, das Hündchen von Helga wieder. Es überschlägt sich fast vor Freude, uns wieder zu sehen und ist kaum zu beruhigen.

Während wir durch die Stadt in Richtung Wanderweg zurück-pilgern, überlegen wir gemeinsam, wie wir wohl am Besten wieder auf’s Markgräfler Wiiwegli zurückkehren. Keiner von uns verspürt große Lust, nun wieder fast ganz hinauf zu steigen, zum Aussichts-Punkt Luginsland, nur um anschließend wieder auf der anderen Seite herunter wandern zu dürfen, nach Müllheim. Nach kurzem Kartenstudium entschließen wir uns daher, einfach durch Müllheim hindurch abzukürzen, und den erneuten Anstieg auszulassen.

So erreichen wir nach nur wenigen Höhenmetern wieder unsere rote Raute mit der gelben Traube und folgen ihr dann aus Müllheim hinaus, in Richtung Niederweiler. Schon bald hat sie uns wieder in die Weinberge geführt, und dort geht es natürlich auch prompt wieder „aufwärts“! Und wer sich einmal das Höhendiagramm (ganz unten!) etwas genauer ansehen möchte wird schnell feststellen, dass die Anstiege wieder kurz und heftig sind. Der Begriff „Weinberg“ leitet sich also wohl doch von „Weinen“ ab, weil es da immer so steil bergauf geht..!

Schon vor dem ersten, richtigen Anstieg haben sich dann unsere Wege wieder getrennt und Helga ist uns mit Lilli bereits deutlich voraus. Wir sehen die Beiden von halber Höhe aus noch einmal, als sie bereits ganz oben sind. Sie gehen aber nicht nur schneller wie wir, Claudia und ich verlieren auch noch zusätzlich Zeit beim Fotografieren. Das möchten wir Helga und Lilli natürlich nicht zumuten und haben uns daher mit ihnen für den Abend im Gasthof/Hotel Am Felsenkeller in Stauffen verabredet. Dort werden wir auch heute wieder gemeinsam übernachten.

Vom Innerberg aus haben wir dann noch einmal einen tollen Ausblick, hinunter nach Niederweiler und auch zurück, auf Müllheim. Und genau gegenüber liegt der Aussichtspunkt Luginsland, über den wir gestern Müllheim erreicht haben.
Es ist hier schon ein wunderschönes Fleckchen zum Wandern und zudem auch noch überraschend anspruchsvoll, mit einer ordentlichen Anzahl von Höhenmetern im Anstieg. Auch heute haben wir wieder 585 von ihnen unter den Füßen.

Hinter dem Innerberg verlassen wir dann endlich wieder die asphaltierten Aufstiege durch den Weinberg und folgen dem Wiiwegli in den Wald hinein.
Es tut unglaublich gut, hier wieder einmal auf „weicheren“ Pfaden wandeln zu dürfen. Schon nach kurzer Strecke knickt der Weg dann nach links und führt nun genau nach Norden – in Richtung Britzingen.

Als wir den Wald verlassen, treffen wir einen älteren Winzer, der trotz des hohen Alters noch immer in seinem Weinberg unterwegs ist.  Claudia unterhält sich etwas mit ihm und auf meine Frage, ob ich vielleicht ein Foto von ihm machen dürfe, antwortet er verschmitzt: „S‘ gitt Schlimmeres..!

Als ich mich umdrehe, sehe ich ganz unerwartet Helga winken. Sie hat etwas über uns an einer Schutzhütte kurz Rast gemacht und wartet nun auf uns. Auch Lilli hat uns bereits gehört und bellt hocherfreut! Wir wechseln ein paar Streichel-Einheiten und natürlich auch einige Worte mit Helga.

Auch Claudia hat inzwischen wieder Kohldampf und so packen wir hier ebenfalls unserer tolles Lunch-Paket aus, von dem wir bisher ja noch nichts wussten.
Claudia beißt auch nur einmal hinein und wickelt es dann wortlos, aber mit verzogenem Gesicht wieder ein, um es in den Müllsack neben der Hütte zu werfen. Den Apfel und die Schoko-Riegel steckt sie ein.
Ich hebe mein Vesper jedoch auf, um es später für diesen Bericht zu dokumentieren!

Wir umrunden nun Britzingen im Osten und erreichen über die „Bergmatte“ wieder die Straße (L 125 Britzingen – Lauffen). Wir überqueren sie nur und werden direkt dahinter von einem hübschen Brünnele aufgehalten, das Claudia unbedingt fotografieren möchte. Dann geht’s aber auch schon wieder hinauf, in den Weinberg. (Wieder „weinen“..!)

Kurz darauf erreichen wir Muggardt, ein liebliches, kleines Winzerstädtchen, das noch zu Müllheim gehört. Hier kommt Claudia mit einem Winzer ins Gespräch, der uns wohl erst vor kurzem im Radio gehört hat (SWR4 – Raus mit Klaus), als wir mit Klaus Gülker im Markgräflerland unterwegs waren. Ja, die Welt ist wirklich klein!

Noch innerhalb der Ortschaft, an einer Mauer hängt dann eine der selteneren, etwas größeren Wegemarkierungen des Markgräfler Wiiweglis und Claudia gibt keine Ruhe, bis ich es endlich fotografieriert habe!
Nur ein paar Meter weiter zieht der Weg dann schon wieder links hinauf, und aus dem Weiler heraus. Bald schon sehen wir links unter uns Laufen liegen, und nähern uns Sulzburg.

Oben, auf der Kuppe müssen wir dann sogar unsere Hüte festhalten, denn dort bläst inzwischen ein strammer, und zudem auch recht kalter Wind. Die Eisheiligen machen ihrem Namen mal wieder alle Ehre!
Das Wetter schein überhaupt umzuschlagen, denn der Himmel zieht nun immer weiter zu und hinter uns sieht es bereits verdächtig nach Regen aus. Claudia holt dann auch bald ihre Softshell-Jacke vom Rucksack, weil ihr kalt wird.

Vor uns können wir inzwischen jedoch schon den charakteristischen Kastelberg, mit seinen markanten Steinterrassen erkennen. Unser Weg führt uns ebenfalls im Osten um den Ortskern von Sulzburg herum, so dass wir das Städtchen an seiner schmalsten Stelle durchqueren können. Noch einmal werden wir dazu jedoch über idyllische Pfade geleitet.

Kaum haben wir die ersten Häuser erreicht, fegen heftige Windböen über uns hinweg und erste, noch vorsichtige Regentropfen hinterlassen bereits vereinzelte, dunkle Flecken auf dem Asphalt. Trotzdem schieße ich noch einige Fotos von dem wunderschönen Städtchen mit dem historischen Stadttor. Auch die Gässlein passen perfekt dazu, sie sind eng und schmal.
Nun wird der Regen aber doch stärker, und wir müssen dringend unsere Regenkleidung (GoreTex-Jacken und Regenhosen) anlegen. Die Frage ist nur, wo?

Etwas weiter vorne sehe ich dann einen leeren Car-Port, direkt neben einem Haus. Und gerade als es richtig kräftig zu regnen beginnt, erreichen wir ihn. Gut geschützt nehmen wir hier unsere Rucksäcke ab und bringen die unliebsame Prozedur dann doch noch trocken hinter uns.

Das Wetter ist inzwischen bereits so ungemütlich geworden, dass ich die Canon – samt Kameratasche – gleich mit im Rucksack verstaue. Dadurch, dass Regenjacke und Hose nun „am Mann“ sind, ist dort genügend Platz für sie frei geworden.
Nun muss eben Claudia’s Lumix ihre Dienste verrichten und die Spiegelreflex ersetzen. Sie lässt sich halt notfalls auch mühelos in die Hosentasche stecken und ist dort dann gut vor allen Wettern geschützt..!

Am Kastel-Berg geht es noch einmal kräftig aufwärts, bevor wir die auf der Südseite angelegten Fels-Terrassen erreichen. Hier ist zudem eine kleine Schutzhütte errichtet, in deren Lee wir noch mal ein paar Fotos schießen. Dann ziehen wir aber weiter und das laute Prasseln des Regens auf unseren Kapuzen macht zunächst einmal jede Unterhaltung unmöglich.

Ob wohl Helga mit Lilli noch trockenen Fußes bis nach nach Stauffen gekommen ist? Wir werden sehen..!

Inzwischen ist uns auch nicht mehr besonders nach Fotografieren zumute. Trotzdem hat das Wandern bei diesem Wetter etwas. Mit unseren Goretex-Jacken, Regenhosen und Goretex-Stiefel sind wir rundherum trocken. Lediglich die Hände werden etwas nass und auch auf den Brillen sind ein paar einzelne Wasserspritzer, vom Wind – sonst nichts! (Ein Tipp: Zwei Diesel-Handschuhe von einer Tankstelle halten bei Regen auch die Hände trocken!)

Claudia rückt irgendwann etwas dichter an mich heran, damit wir uns trotz des lauten Regengeprassels etwas unterhalten können. So stapfen wir dann, den Kopf wegen der Brillen etwas gesenkt, eine ganze Weile durch den Regen. Unsere Laune hat sich deswegen aber nicht verschlechtert.

Leise höre ich Claudia neben mir unter ihrer Kapuze vor sich hin summen und muss schmunzeln: Nein, es gbt wirklich kein schlechtes Wetter beim Wandern, nur schlechte Kleidung..! Dann ist der Spuk aber auch schon wieder vorbei und ich schiebe die Kapuze nach hinten.

Leider ist nun aber das Licht – durch die tief hängenden Wolken – zum Fotografieren bereits so schlecht geworden, dass es nur noch wenig Sinn macht. Ich schieße daher nur noch ein paar Fotos von nassem Klatschmohn und von zwei bepflanzten Wanderstiefeln an der Weinberg-Terrasse, dann packe ich auch die Lumix endgültig weg.

Der Weg führt nun durch Grunern nach Stauffen, leider wieder überwiegend auf Asphalt. Wir fragen einmal kurz nach, dann haben wir die Richtung zum Hotel und treffen schon kurz davor wieder auf Helga und Lilli. Die Beiden haben – da es nun nicht mehr regnet – wohl noch immer nicht genug, und wollen sich Stauffen noch etwas ansehen.

Wir erreichen das Hotel Am Felsenkeller und werden von Herrn Ortlieb, dem Inhaber, äußerst herzlich empfangen. Unser Gepäck hat er bereits nach oben gebracht, auf unser Zimmer. Dort wartet auch ein kleiner, aber liebevoll bestückter Obstteller auf uns, sogar mit frischen Erdbeeren!
Überhaupt steht bei Familie Ortlieb in jeder Beziehung die Qualität im Vordergrund: Man ist nämlich absolut auf regionale Bio-, und Demeter-Produkte ausgerichtet! Und das auf einem Niveau, das bestens zu uns Wanderern passt! Hier ist also Wohlfühlen angesagt!
Aus der Küche kommt wirklich nur das Allerbeste! Daß Claudia’s Spargel zum Abendessen absolute spitzenklasse, und genau auf den Punkt gegart war, braucht man da ja eigentlich schon gar nicht mehr zu erwähnen. Und selbst der Weiße Burgunder, in den wir uns hier im Markgräflerland inzwischen so verliebt haben, ist hier „handverlesen“ und schmeckt einfach nochmal einen Tick besser, als gewohnt!

Und so kann man Herrn Ortlieb eigentlich nur bestätigen, wenn er behauptet: Das Markgräfler Wiiwegi und der Felsenkeller, wir zwei passen einfach perfekt zueinander!
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzu zu fügen, außer vielleicht noch, dass man sich morgens auf ein Frühstück freuen kann, bei dem selbst der Orangensaft frisch gepresst ist. Aus Bio-Orangen natürlich..!

Liebe Familie Ortlieb, wir wünschen uns unterwegs einfach noch mehr Gastgeber, wie Ihr es seid! Dankeschön..!

Unser Fazit zur dritten Etappe:

22,5 Kilometer, mit 585 Höhenmeter im Anstieg. Dauer: ca. 7 bis 8 Stunden.

Wieder gibt es relativ viele Asphalt-Strecken, aber die Etappe ist angenehmer zu gehen, wie gestern! Genügend Einkehrmöglichkeiten unterwegs, da mehrere Ortschaften passiert werden.

Landgasthof Alte Post: Tolle Zimmer und tolles Abendessen, aber leider auch tolle Preise! (Der Rest steht oben…)


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