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Markgräfler „Wiiwegli“ – 2. Etappe

22 Mai 2012 2 Kommentare

Wir haben im Kurhotel Markushof in Bad Bellingen wunderbar geschlafen. Irgendwann nach dem 3. Viertele, spürten wir gestern Abend dann auch das Brennen in unseren Fußsohlen nicht mehr. Heute morgen standen wir absolut erholt und top-fit auf und bekamen dann prompt auch ein supertolles Frühstück.

Nach der ersten Marathon-Etappe gestern, erwartet uns heute ein deutlich kürzeres Teilstück. Aus diesem Grund können wir es uns auch erlauben, einfach mal bis um Acht zu schlafen: Nur 13,5 Kilometer stehen heute an.
Nach dem Aufstehen und Waschen sortieren wir noch kurz das Gepäck – (was brauchen wir unbedingt im Rucksack, und was schicken wir lieber mit dem Gepäck-Transfer mit?) – dann gehen wir hinunter, in den Frühstücksraum.
Heute habe ich auch zum ersten Mal die Trinkflaschen für den Tee unterwegs mit dabei und bin gespannt, wie das klappen wird. Die Buchung beinhaltet auch hier einen Gutschein für jeweils ein Lunchpaket, so wie einen Liter Flüssigkeit pro Person.

Spontan kommt uns eine freundliche Dame entgegen, um mir die Flaschen abzunehmen. Man scheint hier wohl einige Erfahrung mit Wanderern zu haben.
Möchten Sie gerne Tee, oder lieber etwas anderes..?„, fragt sie höflich.

Ja..!“ erwidere ich. „Bitte insgesamt einen Liter Tee, Grüntee und Roibos gemischt, aber doppelt stark. In jede Flasche dafür jedoch einen halben Liter Wasser und fünf Teelöffel Zucker hineingeben, danach den fertigen Tee auf die beiden Flaschen verteilen..!„, erkläre ich ihr unseren Sonderwunsch.
Die Dame fragt aber noch nicht einmal nach, sondern nickt nur freundlich: „Aber gerne..!„. Und schon ist sie mit den Flaschen in der Küche verschwunden.

Zur Erklärung: Wir lieben diese Teemischung, und fünf Teelöffel Zucker empfinden wir pro Liter als optimal (Er dient uns in der Flüssigkeit zudem auch als Brennstoff!). Da wir als Getränkeflaschen aber superleichte PET-Flaschen (von O-Saft) verwenden, darf der Tee jedoch nicht zu heiß eingefüllt werden. Aus diesem Grund füllen wir stets die Hälfte an kaltem Wasser ein und gießen dann den heißen (doppelt starken) Tee ins kalte Wasser. So halten das die wärmeempfindlichen PET-Flaschen locker aus und wir sparen uns gleichzeitig die Zeit für’s Abkühlen-Lassen.
Bleibt aber noch die Frage: Warum überhaupt Tee? Nun, Tee kann man heiß, kalt oder auch lauwarm trinken, er schmeckt immer. Von Mineralwasser und Apfelsaft-Schorle kann man das nicht unbedingt behaupten. Und wer schon einmal versucht hat, Getränke (unterwegs) im Sommer kalt zu halten, kennt das Problem bestimmt.

Nach einem reichhaltigen Frühstück stellen wir dann wieder unser Gepäck für den Transfer in die Lobby und schultern die leichten Tagesrucksäcke. So macht Wandern Spass..! (Der Tee war übrigens ebenfalls perfekt – als hätte ich ihn selbst gemacht, Kompliment!)

Claudia ist ebenfalls super drauf, als wir das Kurhotel Markushof verlassen. Und draußen scheint – wie könnte es denn anders sein – schon wieder die Sonne! Ein supertoller Wanderurlaub!

Wir ziehen frohen Mutes erneut am Kurpark, mit den beeindruckenden Wasserfontainen vorbei und steigen dann auf dem gleichen Weg, den wir gestern Abend herunter gekommen sind, wieder hinauf zum „Wiiwegli“. Dabei hätten wir sogar noch ein deutliches Stück abkürzen können, wenn wir – wie empfohlen – direkt hinaufg gestiegen wären, zum Wanderparkplatz. Aber dann hätten wir ja ein kleines Stück des „Markgräfler Wiiweglis“ ausgelassen, und das ist nicht unser Ding. Und außerdem hätte Claudia dann auch ihren Dachs nicht gesehen, der plötzlich vor uns – in aller Ruhe – durch den Weinberg aufwärts trottelt.

Überhaupt hat die Natur hier dem Wanderer einiges zu bieten. Gestern haben wir drei Bienenfresser dabei beobachtet, wie sie tief über unseren Köpfen nach Insekten jagten. Und heute sehen wir neben einem Dachs auch gleich noch einen Wiedehopf!
Doch, hier ist richtig etwas los im Weinberg und aufmerksame Naturfreunde kommen unterwegs voll auf ihre Kosten!

Inzwischen sind wir wieder auf dem Wiiwegli angekommen und streben auf ihm dem Wanderparkplatz oberhalb von Bad Bellingen zu.
„Ob Helga mit Lilli wohl schon durch ist..?“, macht sich Claudia Gedanken. Bestimmt, denn sie ist heute sicher früher gestartet, als wir. Und da wir dann erst noch einmal etwas zurück gegangen sind, um kein Wegstück auszulassen, wird sie uns inzwischen wohl überholt haben, vermute ich.
Kurz darauf überqueren wir die Straße oberhalb von Bad Bellingen und sind damit nun wieder auf der regulären (2.) Tagesetappe.

Leider bietet uns das Wiiwegli nun überwiegend Asphalt-Belag an, was unseren Fußsohlen nicht besonders gewogen ist. Sie fangen nämlich – trotz guter Wanderstiefel – zunehmend an zu brennen und wir bleiben daher immer wieder mal stehen. Dazu wird natürlich jede Gelegenheit genutzt, um stets ein kleines „Alibi“ zu haben: Ziegen am Wegesrand, seltene Blumen, oder auch nur mal wieder eine tolle Aussicht, von denen es unterwegs wahrlich genügend gibt..!
Wir sehen auch heute wieder bis weit hinein, in die Vogesen. Und kurz kommt Claudia dort dann sogar mit der Orientierung ins Straucheln, weil sie die Vogesen sonst nicht aus so südlicher Perspektive betrachten kann. Aber als sie dann erst einmal den Grand Ballon lokalisiert hat, gibt sich das schnell.

Kurz darauf erreichen wir Schlingen. Das hübsche Weinstädtchen wird vom Wiiwegli zentral durchquert und natürlich führt der Weg auch direkt an der örtlichen Winzergenossenschaft vorbei. Kostenlose Weinprobe steht auf einem Schild vor dem Eingang, und wir lassen uns da auch nicht zweimal bitten. Leider sitzen die Angestellte aber wohl gerade alle bei der Mittagspause im Hof, in der Sonne und verspüren daher anscheinend nur wenig Lust, sich statt dessen um die zwei ollen Wanderer zu kümmern.

Schade, sehr gerne hätte ich nämlich auch drinnen noch ein paar Fotos für diesen Bericht geschossen. So ziehen wir dann halt einfach weiter und rasten beim Aufstieg in den nächsten Weinberg. Hier hat es uns ein gemütliches Bänklein angetan und der Tee aus dem Markushof ersetzt zwangsläufig den Markgräfler Gutedel. Vorläufig jedenfalls..!

Wir genießen statt ihm einfach die erhabene Aussicht über das Rheintal, hinüber ins Elsass und in die Vogesen. Diese scheinen heute wirklich zum Greifen nah zu sein. Hoffentlich ist das – auf das Wetter bezogen – kein schlechtes Zeichen. Aber noch scheint die Sonne aus einem wolkenlosen Himmel.

Wir ziehen weiter durch die Weinberge aufwärts, immer schnurstracks nach Norden. Das Markgräfler Wiiwegli hält sich dabei stets an der linken „Kante“ der Weinberge, bis wir die Häuser von Auggen erreichen.
Das hübsche Winzerstädchen wirkt überaus einladend, aber inzwischen ist es so warm geworden, dass wir nur noch unserem heutigen Etappenziel entgegenstreben.

Diese Tour möchte ich im Hochsommer auch nicht unbedingt wandern..!„, meint Claudia irgendwann. Und sie hat Recht! So schön diese Wanderung gerade auch ist, im Hochsommer dürften diese asphaltierten Wege durch die schattenlosen Weinberge wohl richtiggehend „kochen“! Die ideale Zeit wäre natürlich der Herbst, zur Weinlese..!
Alles eben zu seiner Zeit..!„, schmunzle ich, etwas außer Atem als wir endlich den weithin sichtbaren Schriftzug Auggener Schäf erreichen. Doch, das ist schon ein kleiner Hauch von Hollywood hier oben, wie die weißen Buchstaben so am Berg prangen..!

Und weiter geht es in vergnüglichem Auf-, und Ab durch die Reben. Unser nächstes Ziel heißt nun Luginsland. Bis dorthin hat der Herrgott aber leider noch ziemlich viel Asphalt in die Weinberge legen lassen. Und je wärmer es wird, umso stärker brennen mir inzwischen auch die Fußsohlen.

Claudia sinniert irgendwann laut über die Arbeit der Winzer im Weinberg und ich muss ihr beipflichten. In diesem Bereich hier scheinen die Reben besonders steil angelegt zu sein: Bestimmt hervorragend für die Öchsle, aber wohl weniger schön für den Rücken und die Beine, wenn man in diesen Steillagen arbeiten muss!
Und schon der Gedanke daran lässt erneut Durst aufkommen und wir machen eine weitere Pause vor der Rossberg-Hütte, einer offenen Schutzhütte.
Für einen Augenblick ziehe ich sogar Schuhe und Strümpfe aus und fühle so deutlich, wie das Blut in den Füßen wieder frei zirkuliert. Was für ein Genuß..!

Obwohl die heutige Etappe doch eigentlich recht kurz ist, hat sie es – Aufgrund des hohen Asphalt-Anteils – gewaltig in sich. Ich erwische mich sogar irgendwann dabei, wie ich in der Karte unseren Standort bestimme, nur um mir auszurechnen zu können, wie weit es wohl noch bis zum heutigen Hotel ist.
Vor allem die asphaltierten Bergab-Stücke brennen inzwischen immer heftiger in den Fußsohlen, und bald wird es nur noch bergab gehen. Nach Müllheim hinunter..!

Immer noch auf der linken Hangseite, nach Norden wandernd, nähern wir uns nun langsam dem letzten Aussichtspunkt, Luginsland. Von dort aus sollten wir dann eigentlich schon direkt hinunter sehen können, auf unser Ziel – Müllheim.
Aber kaum erreichen wir oben die Kuppe, so dass wir plötzlich auch eine freie Sicht nach Osten und hinüber in den Südschwarzwald haben, ist Claudia völlig aus dem Häuschen. Sie hat nämlich den Blauen entdeckt, ihren absoluten Lieblingsberg! Auch er steht plötzlich so frei und nah vor uns, dass wir nicht nur seinen weithin sichtbaren Sende-Turm, sondern auch den Aussichtsturm und das Hotel unter dem Gipfel mit bloßem Auge erkennen können.

Dann habe ich aber nur noch Kapazitäten für den Abstieg frei: Unmittelbar vor uns liegt nun nämlich Müllheim, und ein einheimischer Wanderer hat mir inzwischen sogar unser Hotel gezeigt, das man von hier oben (Luginsland) aus, bereits deutlich sehen kann. Da gibt es nun natürlich kein halten mehr: Alte Post, wir kommen..!

Nach kurzer Strecke wird unsere Euphorie dann aber noch einmal etwas gedämpft, weil unser Weg mit der roten Raute und der gelben Traube nämlich plötzlich nach rechts abknickt und damit wieder vom Hotel wegzieht.
Was soll’s, wir machen das jetzt richtig..!„, sage ich etwas zerknirscht zu Claudia, und folge dem Wiiwegli. Nach einer kurzen Strecke folgt dann aber schon der nächste 90°-Knick nach rechts, wodurch sich der Weg nun wieder um 180° vom Hotel wegbewegt!

Nein, was zu viel ist, das ist zu viel! Stinksauer über meine brennenden Fußsohlen und die bescheuerte Wegführung, kehre ich um und folge dann dem direkten Wanderweg hinunter, nach Müllheim. Nach einer halben Stunde erreichen wir so die ersten Häuser und nur etwa 10 Minuten später, auch unser heutiges Hotel.

Das Landhotel Alte Post ist wirklich edel. Als wir die Empfangshalle betreten und uns vorstellen, werden wir zuerst einmal auf ein Gläschen Gutedel eingeladen. Wohltemperiert scheint der auf meiner Zunge einfach nur zu verdunsten – was für eine Wohltat.
Ich angle nebenher noch den Hotel-Gutschein aus meiner Laptop-Tasche, die neben der Rezeption an der Wand steht, dann sind wir endgültig zu Hause.

Wir beziehen unser hübsches Zimmer,  gehen dann aber gleich noch einmal zurück, um den unglaublichen Bambus-Wald zu fotografieren, der direkt vor dem Eingang des Gästehauses wuchert. Dann zieht es uns aber endgültig unter die warme Dusche.
In der Eingangshalle treffen wir auch noch auf Helga und verabreden uns für 19.00 Uhr, im Restaurant zum Abendessen.

Nachdem wir ausgiebig geduscht und auch etwas erholt haben, stoßen wir pünktlich zu Wanderfreundin Helga, im Restaurant. Aber auch heute habe ich keinen richtigen Hunger und entscheide mich daher nur für Frischkäse mit Spargelsalat. Dazu nehme ich einen Weißen Burgunder. Die Mädels schließen sich an und so lassen wir uns nun in der Alten Post für die Strapatzen des vergangenen Wander-Tages einmal richtig verwöhnen..!

Unser Fazit für die zweite Etappe: 16,5 Kilometer (mit einleitendem Umweg!) und 303 Höhenmeter im Anstieg.  (Garmin-Messung)
Die zweite Etappe enthält leider sehr viel Asphalt, was die Tour etwas anstrengend macht. Unterwegs jedoch viele tolle Aussichten und Panoramen! Sollte die Winzergenossenschaft in Schliengen vielleicht gerade besetzt sein, könnte sich dort auch ein Abstecher zur Weinporbe lohnen. (Vorsicht – Öchsle!)

Das Landhotel zur Alten Post ist sehr gut (mit tollen Zimmern), aber leider auch sehr teuer! Wir fühlten uns dann abends im Restaurant auch etwas fehl am Platz, da es einfach nicht unsere Sache ist, vom einfachen Wandern und „Natur pur„, gleich wieder auf absoluten Extra-Komfort umzuschalten.

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2 Kommentare »

  • Franz-Josef H. Andorf sagt:

    Hallo, Ihr lieben Wandersleut‘, beim Lesen Eures Berichtes würde ich am liebsten den Rucksack packen und losmarschieren. Ein wunderbarer Bericht von einer wundervollen Tour. Ihr seid zu beneiden! Herzlichen Glückwunsch auch zu Eurem Blog, den ich immer gerne lese und auf den ich andere ebenso gerne hinweise.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Franz-Josef, nur zu! Aber pack‘ unbedingt auch die Regen-Klamotten ein, denn die Regen-Etappen beschreibe ich erst heute und morgen! Liebe Grüße, Rainer

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