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Markgräfler „Wiiwegli“ – 1. Etappe

21 Mai 2012 Kein Kommentar

Unsere erste Wiiwegli-Etappe beginnt in Haltingen (Weil am Rhein) und führt uns gleich in einem Rutsch hinauf, nach Bad Bellingen. Und die Bewältigung dieser 28,8 Kilometer (Garmin-Aufzeichnung) mit ihren 612 Höhenmeter im Anstieg(!) ist uns dort dann auch Grund genug, mit einem kühlen Glas „Gutedel“ anzustoßen!

Aber erst mal von vorne: Am Samstag fahren wir nach Haltingen und checken dort im Hotel zur Krone ein. Das Haus liegt unmittelbar am Bahnhof, ist gut bürgerlich, aber pico-bello sauber. Und vom Frühstücks-Buffet könnten sich „andere“ sogar eine dicke Scheibe abschneiden! Was uns aber ganz besonders gut gefällt: Frühstück gibt es (in allen Häusern) schon ab 7.00 Uhr! Das ist ausgesprochen Wanderer-freundlich, ganz besonders heute, vor der ersten, großen Etappe!

Wir trinken abends nur noch ein Viertele Gutedel, dann haben wir die nötige Bett-Schwere und suchen unser Zimmer auf. Ich stelle den Wecker des Garmin auf 6.30 Uhr, dann geht auch schon das Licht aus.

Als wir morgens geweckt werden, haben wir beide super geschlafen und richten nur noch schnell die Rucksäcke. Den Tee für die heutige Etappe brachten wir gestern Abend schon fertig von zu Hause mit, um beim Frühstück heute etwas Zeit zu sparen.
Das zeigt, dass wir vor der ersten Etappe mit ihren 28 Kilometer durchaus Respekt haben, denn wir rechnen unterwegs auch mit ziemlich viel Asphalt!

Das reichhaltige Frühstücks-Buffet überzeugt uns dann endgültig vom Hotel zur Krone, und die Aufmerksamkeit und Freundlichkeit der Bedienung sucht zudem ihres gleichen:
Darf ich Ihnen vielleicht schon Ihre Vesperbrote für’s Lunch-Paket richten, oder möchten Sie das lieber selbst tun..? Ist Schinken und Käse recht..?„, fragt uns die nette Dame nebenher.

Anschließend bringen wir unsere Taschen mit den Klamotten und dem Laptop für den Gepäck-Transfer in die Lobby und verabschieden uns von der Krone mit dem kleinen Tagesrucksack. Nur die Getränke, das Vesper (Lunch-Paket: Pro Person zwei super-saftig belegte Brötchen mit Käse und Schinken, sowie Salatblätter, Radieschen und Gurkenscheiben, ein Ei und ein Apfel!), so wie Regenhose und Regenjacke tragen wir nun noch auf dem Rücken. Die Kamera-Tasche vor meinem Bauch ist fast genauso schwer..!

Vor dem Haus schalte ich den Garmin ein (nur um den Track für diese Berichte aufzuzeichnen) und orientiere mich noch kurz in der Karte: Das Markgräfler Wiiwegli kommt von Weil am Rhein und zieht hier im Osten an Haltingen vorbei. Wir können die Weinberge ja auch schon sehen, müssen nun aber erst einmal schauen, wie wir sie durch die Gassen von Haltingen hindurch, erreichen können.

Immer bergauf muss eigentlich richtig sein, und so passieren wir dann auch schon kurz darauf die letzten Häuser von Haltingen. Nun sind wir bereits im Weinberg und folgen einem geteerten Sträßchen, steil aufwärts. Irgendwo da oben müssen wir demnächst auf das Wiiwegli stoßen.

Wie erwartet leuchtet uns dann an der nächsten Abzweigung auch tatsächlich die rote Raute mit der gelben Traube entgegen. Sie wird uns nun vier Tage lang begleiten und uns so letztlich nach Freiburg führen. Parallel dazu verläuft auch noch der Jakobsweg.

Auch das Wetter könnte für unser Vorhaben kaum besser sein: Es herrscht blauer Himmel und Sonnenschein – Muttertag! Allerdings bescheren uns die Eisheiligen gleichzeitig auch einen kühlen Wind. Das ist zwar gut, weil einem dadurch nicht zu heiß wird. Gleichzeitig aber auch wieder etwas gefährlich, weil man durch ihn die Stärke der Mai-Sonne auf der Haut nicht so richtig spürt und daher einen kräftigen Sonnenbrand riskiert!
Wir schwenken nun nach links und folgen dem Wiiwegli nach Norden. Über die linke Schulter sehen wir zurück, nach Weil am Rhein und Basel, etwas rechts daneben beginnt schon Frankreich: Das Dreiländer-Eck!

Nach einer Weile fröhlichen Auf- und Ab’s, erreichen wir dann Ötlingen. Inzwischen handelt es sich bei dem Städtchen um ein richtiges, kleines „Art-Dorf“, liebevoll geschmückt von unzähligen Gemälden an vielen Hauswänden.
Ein schattiger Biergarten erlaubt uns noch weitere Tiefblicke hinunter, in die Rheinebene und bis hinüber nach Basel. Dabei lohnt sich für Ortsunkundige durchaus ein Blick in die Karte, denn Weil am Rhein und Basel sind optisch inzwischen nahezu „Eins“!

Und auch einen kleinen Beweis dafür, dass Ötlingen tazsächlich ein Stadtteil von Weil am Rhein ist (die Stadt der Stühle!), finden wir noch: Einen hübschen, übergroßen Stuhl in einem Vorgarten!

Dann verlassen wir das hübsche Dorf aber wieder und ziehen erneut hinaus, in die Weinberge.

Schon kurz darauf kündigt sich dann die Autobahn durch unüberhörbaren Verkehrslärm an. Allerdings hören wir plötzlich auf jemand ganz anderen: Eine Nachtigall singt nämlich wunderschön und in unglaublicher Lautstärke gegen diesen Krach an! Claudia und ich sind völlig fasziniert und suchen mit unseren Augen nach dem Vogel, aber leider vergeblich.
So überschreiten wir die Autobahn auf einer Fußgängerbrücke und erreichen kurz darauf die ersten Häuser von Binzen.

Hier weckt dann erneut ein Geräusch unsere Aufmerksamkeit: Ein lautes Pfeifen ist nämlich zu hören, das auch noch näher zu kommen scheint. Und als wir dann einen unbeschrankten Bahnübergang erreichen, ruft Claudia plötzlich hoch erfreut:
Das ist das Chanderli! Das Chanderli kommt..!

Das Chanderli ist die Kandertalbahn, eine liebevoll restaurierte Museums-Dampf-Bahn, die hier wieder zwischen Haltingen und Kandern verkehrt.

Dann verlassen wir Binzen wieder und ziehen erneut in die Weinberge hinauf. Hier ist – für einen Sonntag – überraschend wenig Wander-Verkehr. Wir hätten eigentlich mehr erwartet, zumal bei diesem Wetter! Und noch etwas erstaunt uns: Wir hatten eigentlich gedacht, dass das Markgräfler Wiiwegli „ebener“ verläuft. Nun werden wir aber schon auf der ersten Etappe, von recht erfrischendem Berg-, und Tal überrascht!
Jetzt weiß ich auch, warum der Weinberg, Weinberg heißt..!„, unke ich irgendwann und Claudia ahnt wohl schon, dass nun nichts Gescheites kommen kann, denn sie verdreht die Augen.
Warum..?„, fragt sie trotzdem artig.
Weil man hier dauernd weinen möchte, weil es ständig so steil bergauf und bergab geht..!
Sie schmunzelt und zieht nebenher ihr Stirnband aus dem Rucksack. Kaum sind wir wieder ein paar Meter weiter oben, pfeift uns nämlich sofort wieder ein ziemlich kalter Wind um die Ohren.

Was uns aber ebenfalls noch auffällt: Überall im Weinberg finden wir hier Brunnen, von denen wir bedenkenlos trinken würden. Und auch viele, wunderschöne Schutzhütten gibt es hier oben. Liebevoll umgebaute Rebhisli, in neuer Funktion.
Für den Wanderer wird hier eine wirklich tolle Infrastruktur gepflegt. Auch die Wege sind überwiegend angenehm zu gehen und durchweg gut beschildert. Leider sorgt aber viel Asphalt für zunehmend brennende Fußsohlen (gegen Abend).

Am Läufelberg zeugt nur noch eine zerbrochene Holztafel vom gleichnamigen Naturdenkmal. Kalkreicher Molassefels mit Lösüberlagerung steht steil vor uns und unwillkürlich fühlt man sich dadurch auch etwas an den Kaiserstuhl versetzt. Wir schießen ein paar Bilder und suchen dann nach einem Vesperplatz. Eine Pause wird uns bestimmt gut tun, denn inzwischen spüre ich meine Füße schon sehr deutlich.

Nur wenige Meter weiter finden wir auf einer hübsch angelegten Terrasse zwei Tische mit Bänken zum Vespern. Wir setzen uns und werden erneut von einer Nachtigal verzaubert. Unglaublich, was dieser Vogel für ein Repertoire von unterschiedlichsten Liedern „drauf“ hat.
Kurz darauf gesellt sich dann eine nette Dame mit ihrem Hündchen zu uns. Helga und Lilli! Auch sie sind auf dem Markgräfler Wiiwegli unterwegs nach Freiburg, wie wir bald erfahren. Und freundliche Wanderer bleiben eben nie lange alleine! Wir verabschieden uns aber vorerst wieder von den Beiden und ziehen schon mal weiter. Erfahrungsgemäß trifft man sich auf Fernwanderwegen schließlich immer wieder.
Von unserem Pausenplatz aus konnten wir gerade schon hinüber sehen, zu einem exponierten Grillplatz mit phantastischem Ausblick über die Rheinebene. Ihn erreichen wir nur wenige Minuten später, ziehen aber – inzwischen frisch gestärkt – direkt weiter, in Richtung B 3.

Hier sind wir dann für einen Augenblick unaufmerksam und verpassen eine Abzweigung. Das ist jedoch nicht weiter schlimm, da wir kurz darauf schon wieder auf das Wiiwegli zurückkommen.

In diesem Bereich wurde die Wegführung des Wiiweglis irgendwann (zum Positiven!) verlegt. Hätte ich jedoch keine ältere 50.000er Karte, dann wäre mir das überhaupt nicht aufgefallen.
Wir laufen ohnehin fast nur nach den Wegezeichen. Nur ab und zu schaue ich mal kurz in die Karte und bestimme mit dem Garmin den genauen Standort, um zu sehen wie weit es wohl noch bis zum heutigen Etappenziel ist.

Nach dem Überschreiten der B 3 hält sich der Weg dann ständig hoch oben, über dem Rheintal und auch immer in Sichtweite zum Rhein. Dort unten führen aber leider die A 5 (Karlsruhe – Basel) und auch die parallel verlaufende Rheintaltrasse entlang.
Während wir vom Verkehrslärm der Autobahn hier oben fast überhaupt nichts mitbekommen, nervt uns der Zugverkehr dort unten aber bald gewaltig. Die ICE’s sind ja noch relativ leise, umso mehr tun uns aber bald die in engem Rhythmus fahrenden Güterzüge in den Ohren weh! Der Wind treibt ihren Lärm nämlich genau zu uns herauf, so dass wir keinerlei Chance haben, ihm irgendwie ausweichen. (Ohne kräftigen Westwind ist das hier oben aber sicher angenehmer!)

Irgendwann entfernt sich der Weg dann wieder etwas von der „Kante“ und der Lärm gerät in Vergessenheit. Im Weinberg gehört Claudias Aufmerksamkeit ohnehin bald wieder den alten, knorrigen Weinstöcken. Seit sie auf einer Tafel gelesen hat, dass die bis zu 25 Jahre alt werden können, ist sie völlig fasziniert von ihnen.

Inzwischen hat uns Helga irgendwann wieder mit strammem Schritt überholt. Durch meine Probleme mit der Durchblutung im rechten Bein gehen wir etwas gemächlicher, als sie. Außerdem hält uns das viele Fotografieren natürlich zusätzlich auf.
Aber wie bereits versprochen, trifft man sich unterwegs ja immer wieder. Die beiden sitzen nämlich kurz darauf an einem Aussichtspunkt auf einem Bänklein und genießen die Landschaft.
Ich setze mich kurz zu ihnen und Claudia fotografiert. Ganz nebeher erfahren wir dann auch noch, dass wir sowohl morgen, als auch übermorgen im selben Hotel untergebracht sind. Das freut uns natürlich alle, denn wir sind wohl genau auf der gleichen Wellenlänge. Selbst das Hundchen freut sich herzlich, als wir uns hier wiedersehen..!

Dann trennen sich unsere Wege aber erst mal wieder, denn heute haben wir unterschiedliche Ziele und die beiden wohnen zudem in Blansingen. Damit haben sie es heute auch nicht mehr ganz so weit, wie wir.

Trotzdem lassen wir es auch weiterhin ruhig laufen. Vorbei an den Golfplätzen, ziehen wir noch einmal durch schattigen Wald und erreichen bald die hübsche Kapelle „Maria Hügel“. Hier haben wir erneut tolle Fernsichten, hinüber in die Vogesen.
Kaum wieder im Wald, ist die Luft dann geschwängert von wildem Knoblauch. Hier wächst der Bärlauch wirklich massenhaft. Die Wanderer, die uns unterwegs diesbezüglich vorwarnen wollten, haben also tatsächlich nicht übertrieben!

Dann sehen wir vor uns im Tal endlich Bad Bellingen auftauchen und wählen auch gleich den kürzesten Weg hinunter. Morgen haben wir ja nur eine kurze Tagesetappe, da können wir gerne wieder hierher zurück kommen, um das Markgräfler Wiiwegli dann zu vervollständigen. Für heute ist ist es jedoch genug, meinen wir!
Noch einmal geht es aber über viele Treppen und Asphalt steil hinunter, bis zum Kurpark von Bad Bellingen. Dann finden wir dann das Hotel auf Anhieb und sind beide doch ziemlich froh, nun endlich einchecken zu dürfen.

Die Zimmer (Wohn und Schlafzimmer!) im Kurhotel Markushof sind natürlich Klasse! Trotzdem haben wir nur noch das Bedürfnis, aus den verschwitzten Wanderklamotten herauszukommen und endlich duschen zu dürfen.
Erst anschließend fühle ich mich wieder halbwegs wohl und kann das tolle Ambiente des Hauses etwas besser genießen. Während sich Claudia noch richtet, sitze ich bereits vor dem Laptop, um Fotos zu sichten und schon mal einen kurzen Zwischenbericht auf unserer Facebook-Seite zu posten. Dann gehen wir gemeinsam hinunter ins Restaurant, zum Abendessen.

Während ich überhaupt nicht fähig bin, etwas zu essen, bestellt sich Claudia herrlichen Spargel. Ich halte mich statt dessen an einen weißen Burgunder, der dann natürlich noch zusätzlich für „Bettschwere“ sorgt.

Unser Fazit der ersten Etappe: 28,8 Kilometer mit 612 Höhenmeter im Anstieg! Dauer: > 8 Stunden! Einkehrmöglichkeiten unterwegs, aber aus Zeitgründen kaum annehmbar!

Eine ziemliche Hammer-Etappe, die uns etwas unvorteilhaft gelegt scheint: Bei ca. 80 Kilometer Gesamtlänge aller vier Etappen, ist eigentlich nicht nachvollziehbar, warum die eine Etappe 28 Kilometer lang ist, und die Nächste dann nur noch 13 Kilometer! Dass anscheinend eine vorteilhaftere Planung möglich ist, zeigt die Übenachtung unserer Wanderfreundin Helga in Blansingen!

Was uns unterwegs am meisten überrascht hat, waren die teils heftigen An-, und Abstiege. Das hatten wir im Markgräflerland so eigentlich nicht erwartet.

Achtung: Bei der Buchung unbedingt darauf achten, dass sowohl ein Lunch-Paket, als auch ein Getränke-Gutschein (1 Liter) enthalten sind! Es wird in den Hotels nicht gerne gesehen, wenn man sich am Frühstücks-Buffet für unterwegs bedient! Und ganz ohne Vesper und Flüssigkeit ist man tagsüber doch ziemlich aufgeschmissen!

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