Home » Allgemein

Laurentiustag – Ausnahmezustand am Feldberg

11 August 2010 3 Kommentare

Am 10. August herrscht am Feldberg Ausnahmezustand – es ist „Laurenzi“, wie die Einheimischen gerne sagen. Viele nehmen sich an diesem Tag frei und fahren gleich morgens auf „den Berg“. Aber schon die Badische Zeitung empfiehlt, mit dem speziellen Wanderbus hinauf zu fahren und in der Todtnauer Hütte vielleicht noch einen kleinen Frühschoppen zu sich zu nehmen, bevor man den Gedenk-Gottesdienst, drüben an der Laurentius-Kapelle besucht.

Dieser findet traditionell im Freien statt und erinnert an den römischen Diakon Laurentius, der am 10. August 258, von Kaiser Valerian bestialisch hingerichtet wurde und daher heute als christlicher Märtyrer und Heiliger gilt.

Wir wollen diesen Tag gerne mit unseren Vermietern Josefine und August verbringen und fahren mit ihnen, gleich um 7.45 Uhr, nach Fahl. Dort, in der Kurve, am Fahler Wasserfall, ergattern wir gerade noch die letzten Parkplätze. Es ist schon recht voll – kein Wunder, bei dem tollen Wetter. Alles wartet auf den speziellen Wanderbus von Todtnau, der uns hinauf bringen soll, zur Todtnauer Hütte. Das ist uns die 3,50 € (Pro Person, für hin und Rückfahrt!) allemal wert, so kommen wir oben nicht schon völlig verschwitzt an. Die Karten gelten für den ganzen Tag!

Der Bus lässt uns oben, auf dem großen Parkplatz, zwischen Todtnauer Hütte und Laurentius-Kapelle, aussteigen. Hier herrscht schon jetzt richtige Volksfeststimmung und das große Bierzelt ist völlig voll! Wir wenden uns daher gleich nach links, in Richtung Kapelle, um uns (Sitz-)Plätze für den kommenden Gottesdienst zu sichern.

Ein solcher Gottesdienst im Freien hat ‚was und erinnert mich spontan wieder an die Feldgottesdienste während meiner Bundeswehrzeit. Auch wenn damals nur wenige von uns regelmäßig zur Kirche gingen, zu den (stets ökumenischen) Feldgottesdiensten kamen sie immer alle!

Inzwischen wird es auch hier, vor der Laurentius-Kapelle, zunehmend voller. Ich gehe mehrfach um das Kirchlein herum und suche nach den besten Perspektiven, für den kommenden Gottesdienst, denn den möchte ich unbedingt auf meinen Fotos festhalten. Abschließend hole ich mir noch das Einverständnis von Pfarrer Matt und Pater Schaller, dabei auch den Blitz einsetzen zu dürfen. Die Lichtverhältnisse sind wirklich extrem, da die weißen Messgewänder und Tücher auf dem Altar (in der Sonne), einen unglaublichen Kontrast zu den Bildpartien im Schatten darstellen. Eine Herausforderung, die ich unbedingt bewältigen möchte!

Während ich konzentriert fotografiere, höre ich der Predigt von Pfarrer Matt zu. Sehr informativ schildert er das Leben von Diakon Laurentius in Rom und beeindruckt mich damit von diesem Mann. Und welche innere Kraft muss man wohl besitzen, um dann – während man auf dem Feuer geröstet wird – auch noch den Henker bitten zu können, einen doch zu wenden, weil die eine Seite schon „gar“ wäre..? Unglaublich! Künftig werden wir dieser kleine Kapelle, dort am Feldberg, wohl deutlich mehr Beachtung schenken!

Die Messe wurde musikalisch begleitet von der Trachtenkapelle Falkau-Raitenbuch. Gefühlvoll dargebotene Blasmusik in freier Natur, oben am Feldberg – doch, das muss man einfach mal erlebt haben!

Nach der hl. Kommunion und dem Segen der Geistlichen, brechen die Gottesdienst-Besucher dann gemeinsam auf, um ihre eigenen Wanderungen anzugehen. Für mich sieht aber auch das wieder aus, wie früher beim Bund, („Alles auf..! Kehrt..! Ohne Tritt, Marsch..!“), denn die ganze Menge geht nun über, zum kollektiven „Wandern“ und alles drängt gleichzeitig nach links, in Richtung St. Wilhelmer Hütte..!

Nicht nur August zieht da etwas die Stirn kraus. Nein, da wollen wir nicht unbedingt „mitgeschoben“ werden und entscheiden uns daher ganz spontan, doch lieber den direkten Weg, hinauf zum Höchsten zu nehmen. Wir haben die Hoffnung, auf diesem Weg den „Wander-Massen“ erst Mal zu entkommen, dass uns das heute aber überhaupt nicht gelingen kann, bemerken wir erst später!

Am Höchsten (Feldberggipfel) besuchen wir kurz seinen höchsten Punkt und wenden uns dann nach rechts, hinüber zum Baldenweger Buck. Wir wissen natürlich, dass heute alle Feldberg-Hütten, mit Bierzelten und

Musik kräftig „aufgerüstet“ haben. In der Hoffnung, dass sich die Massen am Berg aber doch etwas verteilen werden, steuern wir erst mal die Baldenweger Hütte an, da diese auf der anderen Seite des Feldberges liegt. Von dort aus wollen wir dann – über die Zastler Hütte – die St. Wilhelmer Hütte erreichen. Von ihr aus ist es nur noch ein Katzensprung, zurück, zur Todtnauer Hütte. Dort wollen wir uns dann, zur Talfahrt mit dem Bus, wieder mit dem Rest von August’s Familie treffen.

Da wir unterwegs viele Fotos für diesen Bericht schießen, sind wir bald alleine unterwegs. Hier oben, auf den schmalen Trampelpfaden des Baldenweger Buck, ist es sogar heute relativ ruhig, was wir etwas zur Erholung nutzen. Nur vereinzelt überholen uns kleinere Wandergruppen. Dann kommen wir aber über die Berg-Kuppe, an der Baldenweger Hütte und erhaschen einen ersten Blick hinunter. Gleichzeitig erreicht uns auch die Life-Musik von dort unten. „Ha.., noch ein Halli-Galli-Drecks(..)-Fest..!“, höre ich Claudia nur ausgelassen lachen.

Vom Rhythmus der herauf klingenden Musik beschwingt, gehen wir die letzten Meter fröhlich hinunter und suchen nach August und seiner Familie. Die sind schnell gefunden und bald sitzen wir – jeder mit Bier und Schupfnudeln mit Sauerkraut „bewaffnet“ – bei ihnen am Tisch.

„Gell‘..,“ meint Claudia dann irgendwann schmunzelnd, „heute gehen wir nur noch nebeneinander..!“ und spielt damit auf die bekannte „Wirkung“ des Sauerkrautes an!

Die Kapelle hier ist so gut, dass man eigentlich gerne sitzen bleiben möchte. Aber wir haben noch ein paar Kilometer vor uns und reißen uns dann irgendwann, schweren Herzens, los!

Bis zur Zastler Hütte ist es eigentlich nicht weit, aber nun herrscht strammer „Gegenverkehr“! Die ersten „Kollektiv-Wanderer“, die heute Morgen gleich zur St. Wilhelmer Hütte aufgebrochen sind, kommen uns nun (im Uhrzeiger-Sinn) entgegen. Vielleicht war die Idee, direkt „über“ den Feldberg zu gehen, doch nicht so gut. Aber lustig ist es allemal!

Immer mehr Wanderer begegnen uns inzwischen mit halbvollen Bierkrügen. „Trink aus..“, rate ich einem von ihnen belustigt, „die nächste Tankstelle kommt gleich..!“ Dann erreichen wir die Zastler Hütte.

„Sag‘ nichts..!“, grinse ich Claudia nur an. Auch hier ist eine unglaubliche Party im Gange.

Halten wir daher fest: Wer am 10. August Ruhe beim Wandern sucht, ist am Feldberg wirklich fehl am Platz und auch ein paar, von der Anzahl der Wanderer auf den Wegen überraschte Mountain-Biker, wirken sichtlich verstört. Wer jedoch einmal eine richtige „Wander-Fete“ erleben möchte, der sollte sich dieses Datum für das nächste Jahr unbedingt merken und dabei auf gutes Wetter hoffen!

Wir gehen – ohne hier noch einen weiteren „Boxen-Stopp“ einzulegen – weiter, da wir (durch das ständige Fotografieren) August mit Familie, längst wieder aus den Augen verloren haben. Sie werden aber an der St. Wilhelmer Hütte auf uns warten.

Über der Zastler Hütte führt ein Holzsteg durch ein Sumpfgebiet. Hier heißt es heute kräftig „Warten“! Dabei hören wir dann plötzlich, so richtig fetzige, Musik, die nicht von den Hütten kommen kann. Claudia grinst schon wieder, als sie mich anschaut, denn da scheint uns nun sogar eine Musiker-Gruppe entgegen zu kommen. Und Tatsächlich! Bald tauchen sie vor uns auf und nachdem ich ein kleines „Trink-Geld“ in einen Hut geworfen habe, tanzt vor uns, auf dem schmalen Wanderpfad, buchstäblich der „Bär“. Echter Schwarzwald-Rock am Feldberg – einfach Klasse..!

Bald erreichen wir die St. Wilhelmer Hütte und damit auch wieder August mit Familie. Noch ein schnelles „Tannenzäpfle“, dann ziehen wir weiter und erreichen rasch wieder die Todtnauer Hütte, von der aus wir heute Morgen gestartet sind. Ein toller Wandertag geht hier zu Ende und er war einmal ganz anders, als wir wandern bisher erlebt haben. Völlig anders..!

Unser Fazit: Wandern einmal ganz anders und für die ganze Familie..! Unbedingt mit dem Bus zur Laurentius-Kapelle fahren und dort den Gottesdienst miterleben! Kinderwagen (eingeschränkt!) möglich, eine Kindertrage wäre aber deutlich besser!

Termin merken: Laurentius-Tag ist hier jedes Jahr, immer am 10. August! (Mit einer Ausnahme: fällt der 10. August auf einen Sonntag, dann ist „Lauri“ immer samstags!)


Größere Kartenansicht 

3 Kommentare »

  • Conny G. sagt:

    Salli un Merci für de sche Bricht,

    chleine Hiwis zum letschte Satz: fällt de 10. Auguscht uf ä Sundig, isch´s Laurenzi amig am Samschdig. Gell!? Damit ere nit vor de verschlossene Laurenzichäppele dostöhn.

    Ade und mit eme guete Grueß vo de Todtnauer Hütte

  • Rainer sagt:

    Sally Conni,

    dankschee, für dä Tipp! Habbi ganz vergesse zu erwähne! Hab’s abba glieh g’änderd! ;-))

  • Hanna sagt:

    HAllO

    Gibt es auch für 2016 einen Bericht mit Bildern ??

    Grüße

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.