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Kungsleden, 6. Etappe: Kaitumjaure-Hütten – Vakkotavare

23 Juli 2013 2 Kommentare

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Diese „Nacht“ war etwas unruhiger gewesen. Trotz aller Bemühungen war es gestern wohl doch einem Moskito gelungen, zu uns ins Innenzelt zu gelangen. Der hat uns dann die ganze Nacht über genervt! Und zu allem Überfluss fing es dann gegen Morgen auch noch an zu regnen. Aber es war wohl auch etwas der eigene Erwartungs-Druck, die heute anstehende, große Etappe unbedingt schaffen zu müssen, der bei mir einen erholsamen Schlaf verhindert hat..!

Als der Garmin piepst, prasselt es draußen immer noch ganz gleichmässig auf den gespannten Zeltstoff. Dauerregen..! Ich mag eigentlich gar nicht rausschauen, muss aber mal.
Draußen ist dann auch alles nur triest und grau und ich sehe zu, dass ich schnell wieder ins trockene Zelt zurück komme. Claudia hält die Augen im Schlafsack immer noch geschlossen, fragt aber doch nach, wie es draußen aussieht.

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Sauwetter..!„, antworte ich nur einsilbig, denn dieses Wetter stinkt mir langsam! Dann widme ich mich dem Frühstück.

In der Apsis auf meiner Zeltseite ist grundsätzlich immer unsere Küche eingerichtet. Das ist dann gleichzeitig auch der Eingang, während in der Apsis auf Claudias Seite die Rucksäcke verstaut sind. Dort wäre natürlich kein Durchkommen.

IMG_3251Nach dem Frühstück packen wir die Rucksäcke auch heute wieder innerhalb des Zeltes. Dann ziehen wir – ebenfalls noch im Zelt – die Regenhosen an, bevor ich rausgehe um Claudia dabei zu helfen, das Denali II wieder von innen, nach außen abzubauen. Dazu lösen wir alle Verbindungen des Innenzeltes vom Zeltgestänge und legen es dann gleich zusammen. Erst dann ziehe ich alle Heringe aus dem Boden, während Claudia von innen nun auch das Außenzelt vom Zeltgestänge löst.
Der Rest geht dann schnell und einmal mehr haben wir unser Außenzelt wieder triefnass verpackt! Wichtig ist dabei eigentlich nur, dass es zum Trocknen baldmöglichst wieder auseinander gerollt wird!

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Kurz darauf stehen wir dann abmarschbereit vor unserem Zeltplatz und überprüfen noch ein letztes Mal, ob auch wirklich nichts mehr irgendwo herumliegt. Wir wollen schließlich nichts hinterlassen, außer einem guten Eindruck! Dann starte ich die Aufzeichnung des Garmin, und wir ziehen los.

IMG_3254Heute haben wir eigentlich gleich 1 1/2 Tagesetappen zu meistern. Dazu müssen wir zuerst dem Tal folgen und die Teusajaure-Hütten am gleichnamigen See erreichen. Dort steht dann unsere erste Ruderstrecke an und wir hoffen natürlich, dass zwei Boote auf unserer Seite des Sees liegen! Das hat folgenden Hintergrund:
Wo Gewässer überwunden werden müssen, stellt der STF jeweils drei Ruderboote mit Schwimmwesten (kostenlos!) zur Verfügung. An einem Ufer liegen also Zwei, am anderen Ufer nur Eines. Erreicht man nun dummerweise die Uferseite mit nur einem Boot, dann muss man hinüber rudern, dort ein zweites Boot in Schlepp nehmen und wieder zum Ausgangspunkt zurück kommen. Erst dann kann man die eigentliche Ruderstrecke überwinden! Auf diese Weise wird sicher gestellt, dass jeder Wanderer – egal von welcher Seite er kommt – immer ein Ruderboot zur Verfügung hat!

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Hinter dem Teusajaure geht es dann noch einmal steil hinauf und über eine langezogene Bergkuppe mit Tundrabewuchs und Fjällbirken. Nach 15 Kilometer (ab Teusajaure!) werden wir dann die große Fjällstation Vakkotavare erreichen. Sie markiert das Ende des ersten Kungsleden-Abschnittes und ist auch wieder an ein Straßennetz angeschlossen.
Nun geht es immer in leichtem Anstieg dahin. 200 Höhenmeter müssen wir insgesamt überwinden, um über den Sattel nach Teusajaure zu kommen. Zuerst 200 hoch, und drüben dann wieder 300 Höhenmeter runter, da der See auf 500m n. N. liegt, also noch 100 Meter tiefer als der Kaska Kaitumjaure.

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Nach einer Weile kommt dann der See Teusajaure in Sicht und bald darauf beginnt auch ein steiler Abstieg, hinunter zu den Teusajaure-Hütten. Als wir unten ankommen, sind wir bereits ziemlich geschafft und der freundliche Stugwart, der uns dort mit seinem Hund begrüßt, schmunzelt nur. Er kennt dieses Martyrium wohl..!
IMG_3263Wir erklären ihm, dass wir gleich weiter wollen, nach Vakkotavare. Da möchte er nur noch wissen, ob wir vielleicht mit dem Motorboot übergesetzt werden wollen. Das kostet pro Person 200 SK / 23,44 Euro.
Wir verneinen und schildern ihm unsere finanzielle Situation und das Problem mit den Kreditkarten. Danach machen wir noch eine kurze Rast, unten beim Ruderboot, direkt am See.
Leider ist wirklich nur Eines da, und so werde ich die Strecke von etwa einem Kilometer also insgesamt dreimal rudern dürfen.
Sch…e..!„, fluche ich leise. Aber Claudia hört es und grinst. Vorsichtshalber suche ich mit den Augen aber noch ein weiteres Mal den Berghang am gegenüberliegenden Ufer ab. Vielleicht kommt da ja doch noch ein weiterer Wanderer von oben herunter, der uns dann zwangsläufig ein zweites Boot bringen würde. Aber nein, nichts..!

IMG_3265Also gut..!„, bin ich halt irgendwann bereit, in den sauren Apfel hineinzubeissen und will gerade Claudias Rucksack ins Ruderboot werfen, als hinter mir eine markige Stimme erschallt:
Put your hands off..!
Ich stelle den Rucksack wieder ab und drehe mich um. Der Stugwart steht mit seinem Hund da und erklärt uns, dass er ohnehin gerade an’s andere Ufer muß, um dort etwas zu erledigen und wir könnten daher kostenlos mitfahren!
Whow – thank you, Sir..! That’s very friendly..!

Hast Du’s plumpsen hören..?„, frage ich dann Claudia leise, während ich die Rucksäcke ins Motorboot verfrachte.
Du meinst etwa den Stein, der Dir gerade vom Herzen gefallen ist..?
Ich grinse nur, wir verstehen uns..!

IMG_3268Dann fahren wir gemeinsam (einschließlich Hund) hinüber und ich stelle fest, dass ein Kilometer auf dem Wasser doch eine recht ordentliche Strecke ist. Nur der Gedanke daran, ihn vielleicht dreimal rudern zu müssen, lässt mich bereits einen imaginären Muskelkater in den Oberarmen spüren..!
Drüben bedanken wir uns dann noch einmal herzlich und verabschieden uns von diesem freundlichen Stugwart und seinem Hund. Wir haben schließlich noch 15 Kilometer vor uns und es ist bereits kurz vor Fünf!

Nun geht es aber erneut wieder steil hinauf. Berg ohne Ende nennen wir Anstiege dieser Art: Man sieht irgendwo vor sich eine Kuppe, und hofft insgeheim, dort dann endlich „oben“ zu sein. Dem ist jedoch nicht so, denn es folgt nun hinter dieser Kuppe nur ein etwas flacherer Anstieg, bis zur nächsten Kuppe. Und genau dieses Spiel wiederholt sich nun auch hier wieder – immer, und immer wieder! Dafür machen wir dann in der Ferne aber wieder einmal Rentiere aus. Und wie könnte es anders sein, es fängt natürlich irgendwann auch wieder an zu regnen. Schwedisches Sauwetter..!

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Bald sind wir ziemlich fertig und beiden tun zudem die Füße kräftig weh. Dann kommt zu allem Überfluss auch noch ein Flusslauf ohne Brücke, den wir somit barfuß und mit Crocks durchwaten müssen. Inzwischen ist es bereit 22.30 Uhr.
Drüben sitzen wir dann gerade auf unseren Rucksäcken, um Socken und Stiefel wieder anzuziehen, als ich vor uns eine Bewegung bemerke.
Claudia.., da kommen Rentiere direkt auf uns zu..!„, sage ich leise und ziehe die Canon aus der Tasche. Dann sehe ich jedoch plötzlich, dass das keine Rentiere, sondern Elche sind!

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Eine Elchkuh kommt mit ihrem Kalb direkt auf uns zu, wohl um hier am Fluss zu trinken! Da der Wind günstig steht, können sie uns noch nicht wittern und erst der Spiegelschlag der Canon lässt das Muttertier auf uns aufmerksam werden. Nun traben sie natürlich davon, aber ich habe mein Elchfoto..!
Solche Augenblicke lassen einen natürlich nicht nur alle Anstrengen, sondern schlagartig auch alle Schmerzen vergessen! Claudia ist vor Freude fast völlig durch den Wind und kniet mit glänzenden Augen neben ihrem Rucksack.
Welch ein Erlebnis..!“ flüstert sie immer noch, obwohl die Elche bereits weg sind.

IMG_3285Und dann, wie zur Belohnung, erreichen wir endlich die höchste Kuppe dieses Berges und sehen nun endlich auch in das dahinter liegende Tal und auf den See Suorvajaure hinunter. Dort unten im Tal muss nun Vakkotavare liegen, unser heutiges Etappenziel!

Irgendwann passieren wir ein paar Zelte, die wohl Wanderer aufgestellt haben, die von unten gekommen sind. Und dann kommen wir in den Bereich des steilen Endabstieges, hinunter zur Straße. Dieser Wegabschnitt ist nun so steil, dass es mit den schweren Rucksäcken richtig weh tut und ich auch immer wieder kurz stehen bleibe, um nach Claudia zu sehen. Sie hat inzwischen ziemlich Probleme mit den Knien, weiß ich und da ist dieser finale Abstieg nun natürlich genau das „Richtige“!

Trotzdem stehen wir kurz darauf dann beide unten am Parkplatz, direkt neben der Bushaltestelle. Hier ist der Kungsleden nun für 30 Kilometer unterbrochen, daher wird uns morgen auch ein Bus nach Kebnats bringen, wo der Kungsleden dann mit einem Boots-Transfer hinüber zur STF-Station Saltoluokta, wieder weiter geht. Aber bis zu seiner Abfahrt, um 10.15 Uhr, können wir nun noch etwas schlafen.

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Der Einfachheit halber bauen wir unser Zelt direkt neben der Bushaltestelle, am Rand des Parkplatzes auf..! Und während Claudia wieder die Betten macht, hole ich uns vier Liter frisches Wasser. Die STF-Station Vakkotavare liegt ebenfalls direkt an der Straße und ihre Trinkwasser-Entnahmestelle am Fluß ist frei zugänglich. Dann noch schnell das Übliche: Kleine Körperpflege, um das Salz von der Haut zu bekommen, heißer Tee um die Wasservorräte des Körpers wieder aufzufüllen und für Claudia auch noch eine heiße Nudelsuppe, weil sie sich diese von mir gewünscht hat. Und dann nur noch schlafen..!

Zusammenfassung der 6. Etappe:  24,6 Kilometer, 955 Höhenmeter im Anstieg, 1.114 Höhenmeter im Abstieg, – Dauer: 14 1/4 Std.

Wenn Du gerne noch mehr über den Kungsleden erfahren möchtest, dann empfehlen wir Dir den kleinen Reiseführer von Michael Hennemann:

Schweden: Kungsleden

Achtung: * Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon – wenn Du etwas darüber bestellst, dann erhalten wir eine kleine Provision. Auf diese Weise ist es Dir möglich, Rainer & Claudia zu unterstützen, ohne dass es Dich etwas kostet!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

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Kungsleden, 5. Etappe: Kuoperjakka-Schutzhütte – KaitumjaurestugornaKungsleden, 7. Etappe: Vakkotavare – Sitojaure

2 Kommentare »

  • Stefan Kek sagt:

    Hallo,

    Die Höhenmeter in Ansteig/Abstieg sind unrealistisch. Die Daten sind stark verrauscht.
    Ein hervorragendes Programm, das unter anderem Höhenprofile sehr gut glättet findet man hier:
    http://www.gps-track-analyse.de/
    Schon mit der Default-Einstellung erhält man Ergnisse, die der Realität sehr nahe komme. Habe es öfters mit Höhendaten aus digitalen Karten kontrolliert.
    Übrigens liefert mein neues Oregon 600 sehr schöne Höhenprofile.
    Sehr viel besser als das Oregon 450, das ich bisher im Einsatz hatte.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Stefan,

    Du hast Recht! Dank Deiner Hilfe konnte ich das nun auch korrigieren! Hab‘ herzlichen Dank für den Tipp mit Track-Analyse!

    Lieben Gruß, Rainer

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