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Kungsleden, 5. Etappe: Kuoperjakka-Schutzhütte – Kaitumjaurestugorna

22 Juli 2013 6 Kommentare

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Als ich „nachts“ um halb eins endlich ebenfalls in den Schlafsack krabble, schläft Claudia schon seelig. Irgendwann muss ich dann aber nochmal raus und als ich die Türe öffne, sitzt da doch ein großer Schneehase vor der Hütte und sieht mich mehr erstaunt, als scheu an. Und er bleibt auch völlig ruhig sitzen, bis ich die Türe (schlotternd) von innen wieder schließe. Draußen ist es nämlich – trotz des nächtlichem Sonnenscheins – saukalt!

IMG_3187Auch diese Nacht ist wieder angenehm ruhig. In der Hütte hören wir lediglich den Wind, der um das Gebäude pfeift. Diese Schutzhütten aus Holz sind super isoliert, schließlich sollen sie einem ja auch in den kalten Winter-Monaten Schutz gewähren, wenn der Kungsleden auf Tourenskiern begangen wird. Dafür haben die Hütten im Eingang sogar extra doppelte Türen, damit nie beide gleichzeitig offen sind.
Es ist eigentlich recht erstaunlich, wie schnell wir hier draußen die Zivilisation hinter uns gelassen haben: Uns fehlt kein Verkehrslärm, kein Auto, kein Fernsehen und auch kein Supermarkt. Vielmehr genießen wir inzwischen dieses wirklich auf das Wesentliche reduzierte Leben. Wir haben ja uns, und auch alles was wir wirklich brauchen. Und dazu kommt dann noch dieses unglaubliche Land mit seinen endlos erscheinenden Weiten, und einer phantastischen Natur. Nein, uns fehlt hier draußen wirklich nichts!

IMG_3189Als morgens dann der Garmin piepst, fühlen wir uns wieder herrlich erholt. Ich stehe daher auch gleich auf und mache Frühstück. Mit dem neuen Alu-Topf von Edelrid kocht nun sogar das Kaffeewasser deutlich schneller, was uns so natürlich auch Gas für den Kocher sparen hilft!
Claudia war nur noch mal kurz draußen gewesen und ist dann auch ganz erstaunt, als bei ihrer Rückkehr schon der Kaffee in ihrem Becher dampft.
Wir verwenden für das Frühstück die 3in1-Sticks von Jakobs, da ist bereits Kaffee mit Kaffee-Weiser und Zucker gemischt. Dazu gibt’s dann wie immer das obligatorische Schüttelbrot und Frischkäse.
Und man mag es uns hier vielleicht nicht ganz glauben, aber sogar dieses karke Mal kann man hier draußen richtig genießen. Immerhin erkaufen wir uns damit ja das Erlebnis dieser Tour! (Nicht vergessen: Wir müssen ja auch alles tragen! – Komfort wiegt eben, und den haben wir dann zu Hause wieder..!)

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Dann Packen wir wieder alles zusammen und heute ist ja auch das Außenzelt wieder trocken. Neben der Hütte ist noch ein weiteres, kleines Gebäude, in dem verschiedene Mülltonnen stehen. Denn wie zu Hause, wird auch hier draußen inzwischen der Müll getrennt. Es ist sogar extra eine kleine Schachtel, für gebrauchte Batterien da!
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Dann verlassen wir unser gemütliches „Hotel“ wieder und machen uns auf den Weg zu den Kaitumjaure-Hütten, am gleichnamigen See.
Ob ich dort heute Abend vielleicht eine Runde schwimmen kann..?„, fragt Claudia irgendwann gutgelaunt.
Im Schmelzwasser der Schneeschmelze..?„, frage ich zurück.
Naja, mal sehen..!„, wird sie da bereits selbst wieder etwas skeptischer. Immerhin hat sie ja die Kapuze oben, als Schutz vor dem kalten Wind.

IMG_3196Sobald hier, in der Tundra die Sonne scheint und vielleicht zusätzlich auch mal kurz Windstille herrscht, dann vergißt man nur allzu leicht, dass man sich nördlich des Polarkreises aufhält. Das Wasser in den Flüssen und Seen hat hier aber – jetzt, Ende Juni – gerade mal 13°C, wenn überhaupt! Und dort, wo es direkt aus den Bergen herunter kommt, ist es sogar noch so kalt, dass einem bereits das Durchwaten an den Füßen weh tut!

Auch heute genießen wir aber wieder eine unglaubliche Weite! Noch immer folgen wir nämlich dem Tjäktjajakka und müssten nun eigentlich bald die Singi-Hütten erreichen, eine weitere STF-Stuga. Allerdings ist der Wanderpfad teilweise wieder sehr beschwerlich: Immer wieder müssen wir nämlich über Steine balancieren. Da ist es dann geradezu eine Wohltat, auch mal wieder über Bohlenwege gehen zu dürfen..!

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Links von uns thront inzwischen schon eine ganze Weile das beeindruckende Massiv des Kebnekaise (2.111m), Schwedens höchstem Berg. Irgendwann sehen wir dann von einer Anhöhe aus plötzlich einen Hubschrauber, der irgendwo, weit vor uns zu landen scheint. Und dann können wir dort auch die STF-Hütten ausmachen. Und direkt rechts daneben auch die Samensiedlung, von der wir bereits gelesen haben.

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Inzwischen hat sich das Wetter stabilisiert und es ist sogar angenehm „warm“ geworden. Gerade richtig eben, um zu wandern. Und auch der Weg ist inzwischen nicht mehr so steinig, so dass wir nun doch recht zügig voran kommen. Die Singi-Stuga erreichen wir gerade in dem Augenblick, als der Hubschrauber dort wieder abhebt.
IMG_3207Wir orientieren uns nur kurz am Schilderbaum, dann ziehen wir gleich weiter. Irgendwie ist da doch noch ein komisches Gefühl in uns, seit dem gestrigen Stugwart-Erlebnis.

Von hier aus könnte man nun zum Kebnekaise aufsteigen! Bis zur dortigen Schutzhütte sind es von hier aus gerade noch 15 Kilometer.
Obwohl das bestimmt sehr reizvoll wäre, kommt der Umweg für uns natürlich nicht in Frage, da wir auch so noch ein gewaltiges Stück Weg vor uns haben. Vorausgesetzt, wir erreichen heute noch die Kaitumjaure-Stuga, dann hätten wir morgen immer noch eine harte 24 Kilometer-Etappe vor uns, um nur den Ersten, von insgesamt fünf Kungsleden-Abschnitten zu vollenden! Da mag ich selbst als begeisterter Wanderer noch gar nicht daran denken..!

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Aber dann nimmt uns erneut wieder die unglaubliche Weite dieses Tales gefangen. Der Garmin zeigt mir, dass wir nun „nur noch“ um den rechten Berghang (Im Bild oben, rechts unter dem Hubschrauber!) da vorne herum müssen, um unser Tagesziel zu erreichen. Bei diesem Wander-Wetter ja eigentlich ein Klacks!
IMG_3217Aber wenn ich dann sehe, dass das immer noch über 12 Kilometer sind, dann muss auch ich gegenüber meinem inneren Schweinehund mal ein kurzes Machtwort sprechen..!

Und genau das ist das (psychologische) Problem mit diesen unglaublichen Sicht-Strecken, die man hier immer wieder vorfindet. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie lange man nun immer nur auf diesen Bergrücken zugeht, ohne dass der dabei merklich näher kommt? (Es waren volle fünf Stunden, bis wir ihn endlich erreicht haben..!)

Aber trotzdem beginnt die Landschaft sich langsam zu verändern: Immer dem Flussufer folgend, kommen wir fast unmerklich tiefer und nähern uns so wieder der Baumgrenze. Das bemerken wir eigentlich nur daran, dass sich zu diesen typischen, niederen Moosen und Flechten der Tundra, nun ganz langsam wieder einzelne Sträucher und Büsche gesellen.

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Dann tangiert der Kungsleden kurz den Fluss und wir passieren ein paar glatte, ausgewaschene Felsplatten, die uns zu einer kurzen Rast mit erfrischendem Fußbad einladen. Das Wasser des Tjäktjajakka ist aber so kalt, dass ich mich anfangs richtig überwinden, die Füße im Wasser zu lassen! Dafür sind sie aber anschließend dann wirklich herrlich erfrischt.
Wir verweilen dann auch noch etwas länger auf diesen Felsen, denn unser Tagesziel werden wir heute ausnahmsweise einmal recht früh erreichen! Und da auch das Wetter mitspielt, können wir uns diese Rast nun ruhig gönnen.

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Noch einmal passieren wir eine Hängebrücke, bevor wir dann – von oben kommend – die Baumgrenze wieder erreichen. Hier umgeben uns nun wieder diese typischen, niederen Birken, die überall im Fjäll wachsen. Und dann haben wir plötzlich ein Erlebnis der ganz besonderen Art:

P1070416Etwas vor Claudia gehend, muss ich für einen Augenblick etwas langsamer machen, weil ich über eine einzelne Bohle balancieren muss. In diesem Augenblick nehme ich ein paar einzelne Moskitos wahr, die an meinem Kopf vorbeischwirren. Dann ist das Hindernis aber auch schon überwunden und ich gehe in meinem ganz normalen Schritt weiter.
Da unser Weg aber recht steil bergauf führt, komme ich dabei doch etwas außer Atem und bleibe kurz darauf stehen, um etwas zu verschnaufen. Und in diesem Augenblick werde ich dann derart intensiv von einem riesigen Schwarm Moskitos überfallen, dass ich gleich mehrere von ihnen – über Mund und Nase – einatme!
IMG_3231Heftig hustend und würgend,  mit einer Hand immer nach den Viechern schlagend, ziehe ich mit der anderen meinen Moskito-Schleier aus der Beintasche und stülpe ihn über meinen Kopf! Dann habe ich zumindest dort Ruhe und kann nun auch keine mehr einatmen.
Nur gut, dass ich den Moskito-Schleier dort bereits griffbereit deponiert hatte!
Während ich sehe, dass Claudia die Situation inzwischen ebenfalls im Griff hat, werde ich etwas ruhiger. Allerdings konzentrieren sich die Stechmücken nun so vehement auf meine Hände, dass ich dort bereits völlig verstochen bin, bevor ich überhaupt etwas dagegen unternehmen kann!
Dann habe ich aber auch schon die Sprühflasche Autan in der Hand und gebe den Viechern auf den Händen „Saures“. Auch Claudia hat mich inzwischen erreicht und streckt mir ihre Hände hin!

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Dann haben wir erst mal Ruhe vor den Viechern und können etwas verschnaufen. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mir diese Agressivität der Stechmücken so noch nicht einmal in meinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Und als ich dann auch noch den Würgreiz durch die Eingeatmeten hatte, war doch für einen kurzen Augenblick wirklich richtige Panik in mir hochgekommen! Da fühlte ich mich diesen Viechern einfach nur hilflos ausgeliefert!
Und da war dann auch kein normales Sirren mehr an den Ohren, wie man es von Stechmücken allgemein gewohnt ist. Das hörte sich dann vielmehr so an, als ob ich direkt neben einem Bienenstock stehen würde!

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Dann erreichen wir die Kaitumjaure-Hütten und stellen fest, dass diese noch nicht mit einem Stugwart besetzt sind. Auch recht, so können wir uns das kleine Fee für das Zelten schon sparen!

IMG_3237Wir bauen also unser Zelt trotzdem auf und machen uns erst dann Gedanken, wie wir wohl am Besten verhindern könnten, dass sich einzelne Stechmücken ins Innenzelt hineinmogeln.
Ein paar Spritzer Autan auf den Reisverschluss des Innenzeltes ist die Lösung. Und: Das Innenzelt immer nur ganz kurz auf, und dann sofort wieder zu machen..!
So koche ich uns dann halt draußen mit dem Mückenschleier unseren Tee und ein Süppchen, und bringe dann anschließend alles zu Claudia ins Zelt. Und dort machen wir uns dann trotzdem einen gemütlichen Abend, und den Stechmücken eine lange Nase..!

Zusammenfassung der 5. Etappe: 17,9 Kilometer mit 352 Höhenmeter im Anstieg und 511 Höhenmeter im Abstieg – Dauer: 9,5 Std.

Wenn Du gerne noch mehr über den Kungsleden erfahren möchtest, dann empfehlen wir Dir den kleinen Reiseführer von Michael Hennemann:

Schweden: Kungsleden

Achtung: * Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon – wenn Du etwas darüber bestellst, dann erhalten wir eine kleine Provision. Auf diese Weise ist es Dir möglich, Rainer & Claudia zu unterstützen, ohne dass es Dich etwas kostet!

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Kungsleden, 4. Etappe: Tjäktjastuga – Kuoperjakka-SchutzhütteKungsleden, 6. Etappe: Kaitumjaure-Hütten – Vakkotavare

6 Kommentare »

  • Jörg Rapp sagt:

    Mygg: Damals hatte ich eine grobwollene Bundhose an und einen dünnen und einen dickeren Kniestrumpf auf der Haut. Die Mücken saßen zwar immer noch ziemlich dicht am Bund unter dem Knie, wie ein graues Band, aber jetzt kamen sie mit ihren Saugwerkzeugen nicht mehr hindurch und ich hatte Ruhe vor dem Gesindel.

  • manu sagt:

    Ihr habt aber wirklich an alles gedacht!! Hut ab!!
    Liebe grüße aus dem heißen Spanien, dodd’l

  • Richard sagt:

    Hallo, ich bewundere euch. Ist noch zu einfach ausgedrückt. Ich habe bis jetzt alles gelesen. Was mir fehlt, von was ernährt ihr euch unterwegs. Wie schwer waren eure Rücksäcke? War bestimmt wo geschrieben, habe ich überlesen?
    R.Merkel

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Richard,

    der erforderliche Proviant will genau überdacht sein, da er für drei Wochen(!) mit dabei sein muss, und daher auch entsprechend wiegt! Wir hatten zum Frühstück immer Kaffee (3in1-Sticks), Schüttelbrot und Philadelphia-Käse. Unterwegs zusätzlich Trockenfrüchte als kleiner Snack (Banane) und für abends dann immer Maggi Asia-Snack, feurige Suppen. Zusätzlich auch noch Fleischbrühe (Instand) und Suppennudeln zum abwechseln. (Wichtig, weil salzhaltig!)

    Da der Körper bei solchen Anstrengungen sehr schnell auf die reine Fettverbrennung übergeht, will er abends dann gar keine großen Malzeiten mehr haben! (Das Verdauen wäre nun ja noch eine weitere Anstrengung!) Etwas Kohlehydrate genügt ihm schon. Allerdings sollte man unbedingt auf die Vitamin-, und Mineralstoff-Ergänzung achten!

    Claudia hatte 16,2 kg und ich 21,6 kg (incl. 4,6 kg Fotoausrüstung) im Rucksack.

    Lieben Gruß,

    Rainer

  • simon hanson sagt:

    Hallo ihr,

    ihr habt ja wundervolle Fotos gemacht. Meine Freundin und ich wollen die Tour auch schon seit langem machen. Sind in dem Gebiet denn ständig so viele Mücken?
    Hilfe:)

    Liebste grüße und respekt !

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Simon,

    herzlichen Dank für Deine Mail! Das mit den Mücken ist typisch für die Tundra! Sie fliegen, sobald es im Frühjahr keinen Frost mehr gibt, bis zum ersten Frost im Herbst. Viele Insider machen die Tour deswegen auch erst im Herbst, wenn bereits die ersten Nachtfröste übers Land gezogen sind. Das setzt jedoch eine gute Ausrüstung (z. B. warme Schlafsäcke) voraus. Wir wollten jedoch unbedingt die Mitternachtsonne erleben, daher unser früher Termin!
    Der wertvollste Tipp daher: Die Schlafplätze immer oberhalb der Baumgrenze (700 bis 800 Meter) wählen, dort gibt es keine Mücken! Und unterwegs lassen sie sich (mit Mygga + Mückenschleier) ganz gut im Griff halten.

    Wir würden jedenfalls trotz der Mücken wieder die Mitternachtssonne erleben wollen!

    Liebe Grüße,

    Rainer

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