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Kungsleden, 22. Etappe: Servestuga – Syterstuga

10 August 2013 Ein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 22 von 24 in der Serie Mitternachtssonne über dem Kungsleden

IMG_3868Der Garmin piepst bereits um halb sechs und ich muss mich erst mal kurz sortieren, um den Überblick zu gewinnen. Dann bin ich wach: Die Königs-Etappe steht an – 28 Kilometer, von der Servestuga zur Syterstuga! Und das Wetter scheint wohl ebenfalls mitzuspielen, wie ich mit nur einem Blick aus dem Fenster feststelle.

P1070634Ich wecke Claudia und gehe dann in den Wohnraum der Servestuga, um Kaffee-Wasser aufzustellen. Da es ziemlich frisch ist, mache ich nebenher auch gleich noch den Ofen an. Als Claudia hereinkommt ist bereits der Tisch gedeckt und im Ofen knackt ein behagliches Birkenholz-Feuer.
Neben dem Frühstück sprechen wir dann die anstehende Tagesetappe noch einmal durch: Wir planen erneut eine Doppel-Etappe! Die 28 Kilometer setzen sich nämlich aus zwei 14 Kilometer-Etappen zusammen: Einmal von der Servestuga zur Tärnäsjöstuga und dann auch noch von der Tärnäsjöstuga zur Syterstuga. Aber wenn das Wetter mitspielt, dann sollten wir dieses Pensum eigentlich schaffen.

IMG_3856Wir rechnen noch kurz mit Stugwart Peter die Übernachtung ab, (790 SEK / 91,12 Euro) dann packen wir zusammen und brechen auf.
Hinter der Stuga überwinden wir erneut die kleine Holzbrücke, und werden kurz darauf auch schon wieder bergauf geführt. Zweihundert Höhenmeter müssen wir hier gleich zum Etappenstart steigen, hinauf ins Kahlfjäll. Dafür geht es dann anschließend aber eigentlich auch nur noch abwärts, bis zum See Tärnasjön.

Wir gewinnen rasch an Höhe und lassen die Baumgrenze mit den Moskitos hinter uns. Bereits wenige Minuten später ist auch die Servestuga nur noch als kleines Gebäude in der Ferne auszumachen.
Bisher sind wir recht zügig unterwegs, denn die 28 Tageskilometer sitzen natürlich jedem von uns im Nacken und verhindern so auch jedes „Trödeln“. Jeder geht so schnell er kann, ohne dabei leichtsinnig zu werden. Auch heute geht es nämlich immer wieder mal über schmale Pfade und feuchte Bohlenstege!

IMG_3858Hinzu kommen noch die üblichen Hindernisse, die der Kungsleden ohnehin immer für einen parat hält: Sumpfstellen und zugewachsene Bohlenwege, die aber bei trockener Witterung kein wirkliches Problem sind.
Wir passieren hier oben im Kahlfjäll auch noch einige, größere Seen, dann senkt sich der Pfad schon wieder sanft ab und es geht erneut in Richtung Baumgrenze.

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Während einer kurzen Verschnauf-Pause präparieren wir uns daher auch gleich noch mit Mygga, denn heute haben wir keine Zeit, um uns von Mücken aufhalten zu lassen!
Auf den trockenen Pfaden, zwischen den niederen Bodendeckern der Tundra, sind wir bisher zügig voran gekommen. Auch in steileren Passagen erlauben sie stets einen sicheren Tritt. Ab der Baumgrenze nehmen uns dann aber wieder die lichten Birkenwälder mit höheren Bodendeckern auf und da muss sich man sich jedesmal umstellen: Unter schattigem Gras und dichten Büschen hält sich nämlich deutlich mehr Feuchtigkeit, und die Pfade werden dadurch rutschiger.

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Unser Pfad taucht dann wenig später wieder in die lichten Birkenwälder ein und bleibt nun für eine ganze Weile auf dieser Höhe. Auch hier passieren wir einzelne Seen und Sumpfflächen, natürlich auch wieder mit der dazu gehörenden Moskito-Population. Wir legen daher noch einmal kurz mit Mygga nach, dann haben wir endgültig Ruhe vor ihnen.

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Hier wechseln sich nun wieder schmale Pfade mit Bohlenwegen ab. Da bisher aber auch das Wetter mitspielt, kommen wir ganz gut voran. Längst kann ich im Display des Garmin die Tärnasjöstuga ausmachen und halte auch Claudia über diese Distanz auf dem Laufenden. Dann senkt sich der Weg ein weiteres Mal ab und wir können nun vor uns schon den See Tärnasjön ausmachen. Er ist ein wichtiges Zwischenziel, denn an seinem Ufer liegt die gleichnamige Stuga. Halbzeit..!

IMG_3872Bisher sind wir wirklich gut durchgekommen und haben für die ersten 14 Kilometer gerade mal 6 Stunden gebraucht. Daher gönnen wir uns hier nun auch eine ausgiebige Rast. In der Stuga bezahle ich das kleine Fee (120 SEK / 13,84 Euro) für die Küchenbenutzung gerne und stelle uns dann auch gleich Teewasser auf.
(Eine ganz persönliche Anmerkung: Wenn man sich überlegt, mit welchem Aufwand der STF diesen Aufwand in der Einöde für die Kungsleden-Wanderer aufrecht erhält, dann sind diese Preise absolut gerechtfertigt!)
Kurz darauf gehen wir dann erholt wieder auf die „Piste“, um die zweiten 14 Kilometer des Tages anzugehen: Auf, zur Syterstuga..!

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Der Kungsleden folgt nun immer dem Ostufer des Tärnasjön nach Süden und bereitet uns noch immer Freude. Es ist wohl auch ziemlich viel Stolz in unserer Brust, die uns inzwischen treibt! Die ersten 14 Tages-Kilometer habe ich für mich an der Stuga ganz einfach ausgeblendet. Und nach der Rast mit heißem Tee fühle ich mich wieder richtig frisch und habe das Gefühl, gerade auf eine ganz normale 14-Kilometer-Etappe gestartet zu sein! Claudia geht es wohl ganz ähnlich, wie ich jedes Mal sehen kann, wenn ich mich nach ihr umdrehe. Doch, diese Königs-Etappe werden wir ganz sicher schaffen, weiß ich schon jetzt..!

IMG_3884In leichtem Auf und Ab folgt der Pfad hier dem See und lässt die Etappe so nie langweilig werden. Und wir überwinden auch hier wieder ausgedehnte Sumpfflächen, aber stehts auf gut ausgebauten Brücken und Pfaden.
Das soll aber besonders zum Schluss hin dann noch einmal richtig interessant werden, wenn der Kungsleden zum „Insel-Hopping“ übergeht: Am Südende des Tärnasjön wechselt man nämlich – über insgesamt 5 Hängebrücken und 2 normale Brücken – zum Westufer hinüber. Die Brücken führen einen dabei von Insel, zu Insel!

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Am Westufer angekommen, sind es jetzt nur noch ganze 2,5 Kilometer bis zur Syterstuga. Aber die sind einem am Ende eines solchen Marathon-Wandertages dann (mit Verlaub!) auch noch „scheißegal“! Allerdings kommen nun noch einmal knappe 150 Höhenmeter auf uns zu, die wir zur Syterstuga aufsteigen müssen. Sie liegt nämlich knapp über 700 Meter Höhe, und damit ebenfalls wieder an der Baumgrenze. Aber auch das kann uns heute nicht mehr schrecken. Schon eher das Gewitter, das inzwischen mit immer lauter werdendem Donner heranzieht.

IMG_3893Claudia dreht sich inzwischen immer öfter um und ich weiß natürlich, dass sie vor Gewittern große Angst hat – vor allem in den Bergen! Ich bin etwas voraus gegangen und lasse sie nun erst mal herankommen, um ihr im Display des Garmin das Symbol der Hütte zu zeigen. Wir sind noch nicht einmal mehr einen ganzen Kilometer von ihr entfernt. Inzwischen hat uns aber auch der Regen eingeholt und heftige Sturmböen zerren an unseren Raincovern. Gleichzeitig zaubert die tief stehende Sonne einen phantastischen Regenbogen an den Himmel.
IMG_3895Aber auch das kann Claudia nun nicht mehr von ihrer Angst ablenken!
Wir haben es gleich..!„, versichere ich ihr daher noch einmal beruhigend und gehe weiter.

Kurz darauf stehen wir dann auch wirklich vor den Gebäuden. Inzwischen sind die Sturmböen jedoch schon so stark geworden, dass uns hier ein schwerer Metall-Schubkarren entgegen-gekullert kommt: Der Wind treibt ihn einfach vor sich her, als wenn er überhaupt nichts wiegen würde und wir sind beide nur noch froh, als wir endlich die Eingangstüre der Syterstuga hinter uns schließen können!
Im Wohnraum empfängt uns die Stugwartin ebenfalls wieder gewohnt freundlich. Sie versorgt nur gerade die offenen Blasen einer jungen Schwedin und bittet uns um einen Augenblick Geduld. Dann ist sie aber völlig baff, als wir sie von Peter aus der Servestuga grüßen, denn darum hatte der uns ausdrücklich gebeten! Und als sie dann auch noch realisiert, dass wir ursprünglich von Abisko kommen, hält sie mit ihrer Behandlung inne und wechselt ein paar Worte mit den anderen Schweden im Raum. Darauf hin verstummt deren Gespräch dann ebenfalls und alles schaut uns an. Offenbar nehmen wohl doch weitaus weniger Wanderer die Strapatzen des gesamten (nördlichen) Kungsleden auf sich, als wir bis dahin dachten!

IMG_3899Wir haben die 28 Kilometer dieser Königs-Etappe geschafft und morgen geht es dann vollends nach Hemavan, da sind wir uns nun sicher. Denn die letzten 24 Kilometer des Kungsleden schaffen wir nun auch noch..!

Zusammenfassung 22. Etappe: 27,6 Kilometer, 504 Höhenmeter im Anstieg, 500 Höhenmeter im Abstieg – Dauer: 12,5 Std.

Wenn Du gerne noch mehr über den Kungsleden erfahren möchtest, dann empfehlen wir Dir unbedingt den kleinen Reiseführer von Michael Hennemann:

Schweden: Kungsleden*

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Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap] HD-Kungsleden-22

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Kungsleden, 21. Etappe: Aigertstuga – ServestugaKungsleden, 23. Etappe: Syterstuga – STF Fjällstation Hemavan

Ein Kommentar »

  • manu sagt:

    suuuuuper 😉 vor allem, dass ihr sooo ein glück hattet bei einer strecke von wohlgemerkt 28 km noch rechtzeitig vor dem gewitter anzukommen,…

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