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Kungsleden, 20. Etappe: STF-Fjällstation Ammarnäs – Aigertstuga

8 August 2013 3 Kommentare

IMG_3779Die Hand spielt mit, so dass wir die 20. Etappe anpacken können. Und wir wollen unbedingt auch etwas Zeit aufholen, daher planen wir für heute, die Aigertstuga nach 8 Kilometern auszulassen, und gleich zur Servestuga zu wandern. 26 Kilometer, und ordentlich Höhenmeter werden dabei zusammen kommen, denn immerhin geht es unterwegs über zwei Pässe!

IMG_3760Als wir aufbrechen ist im Vandrahem noch alles ruhig, nur in der Küche wird schon Frühstück zubereitet. Bereits um 7.30 Uhr verlassen wir die STF-Fjällstation Ammarnäs und folgen der Straße abwärts. Unten ist das Hinweisschild nach Sorsele wichtig, das uns über den Fluß Tjulan schickt, bevor uns dann der Kungsleden nach 300 Metern gleich wieder rechts von der Straße herunter führt.
Das Wetter weiß offensichtlich auch noch nicht so recht, was es will – alles ist grau in Grau. Aber auch hier sind die Spuren des großen Regens von vorgestern nicht zu übersehen.
Ein breiter Wirtschaftsweg führt uns nun immer weiter in den Wald hinein, wo mir dann Anschläge an einer großen Hinweistafel den Tag endgültig versauen: Sie machen uns nämlich (sogar in deutsch) darauf aufmerksam, dass in den STF-Stugas in abwegigem Gebiet, doch nicht mit Kreditkarten bezahlt werden kann.
So ein A……..!„, bricht es da ungehalten aus mir heraus. „Ich wollte doch gestern unbedingt noch Bargeld für unterwegs haben..!

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(Anmerkung: Ich wollte in Ammarnäs ja noch extra Bargeld holen, als man mir seitens der STF-Belegschaft versichert hat, dass wir zwischen Ammarnäs und Hemavan in, allen Stugas mit Karte bezahlen können!)

IMG_3767Der breite Wirtschaftsweg führt uns nun aber zuerst einmal fast eben in einen Mischwald hinein und fordert auch hier unsere volle Aufmerksamkeit, weil wir immer wieder gewaltigen Pfützen ausweichen müssen.
Und dann ist Petrus wohl doch zu dem Entschluss gekommen, dass es mal wieder an der Zeit wäre, etwas Wasser von oben zu schicken! Aber wir sind vorbereitet und ziehen nur noch die Ponchos vorne herunter – auch die Regenhosen haben wir ja schon an.
So beginnen wir dann einmal mehr den steilen Aufstieg, hinauf ins Kahlfjäll. Aber hierbei fällt uns auf, dass wir unterwegs kaum Moskitos sehen.
Die hat es vorgestern wohl alle herunter gewaschen..!„, schmunzelt Claudia.
Die Armen..!“ grinse ich zurück, habe aber auch keine andere Erklärung, denn hier wäre ja eigentlich wieder ein ideales Stechmücken-Revier.

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Der Pfad schlängelt sich nun immer weiter durch Mischwald aufwärts und führt uns auch hier wieder über unzählige Bohlenstege. Davor sind wir inzwischen ja gewarnt, aber wirklich gefährlich sind sie nur, wenn Wasser auf ihnen f l i e ß t!
Meine Hand hält sich, nachdem sie gestern noch richtig dick geschwollen war, erstaunlich gut! Ich habe sie am Wanderstock einfach von unten eingeschlauft, wie bei einem Ski-Stock. So kann ich sie beim Gehen recht gut entlasten, und den Stock trotzdem benutzen.

IMG_3774Inzwischen wird der Wald schon wieder deutlich lichter, vor allem die Nadelbäume bleiben immer relativ früh zurück. Je weiter wir uns nun der Baumgrenze nähern, umso mehr setzen sich wieder die Fjällbirken mit ihrer natürlichen Monokultur durch.
Die Baumgrenze liegt hier immer auf etwa 700 Meter höhe. Die Aigertstuga jedoch, so habe ich auf der Karte gesehen, liegt auf guten 800m Höhe, also bereits im Kahlfjäll. Und wir wollen von dort aus ja sogar noch etwas weiter hinauf, denn am dahinter liegenden Pass führt uns der Kungsleden dann auf stolze 1.040 Meter hinauf. Bis dahin ist es jedoch noch ein gutes Stück Weg.

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Inzwischen führt unser Pfad ziemlich genau nach Westen und damit fast parallel zu den Höhenlinien des Berges. So erreichen wir fast ebenen Weges eine wunderschöne, natürliche Aussichts-Kanzel und haben von dort aus einen tollen Blick zurück, nach Ammarnäs (Titelbild, ganz oben).
IMG_3781Hier nehmen wir nun die Rucksäcke kurz ab, um etwas zu verschnaufen. Immerhin ist es inzwischen bereits zehn Uhr, und wir haben auch schon gute sechs Kilometer und ungefähr dreihundert Höhenmeter in den Beinen. Die Baumgrenze ist hier deutlich auszumachen und verläuft zudem genau auf unserer Höhe. Wir sind also ziemlich genau auf 700 Meter n. N.
Aber wir halten uns nicht lange auf, denn es sind ja immer noch gute zwanzig Kilometer, bis zu unserem Tagesziel, der Servestuga.
Leider mag uns Petrus aber anscheinend wirklich nicht: Kurz darauf fängt es nämlich erneut an zu regnen. Dieses Mal aber deutlich stärker, als noch zuvor beim Aufstieg. Ich kann nun leider auch die Kamera nicht mehr heraus holen, dabei hätte ich doch zu gerne die Sumpflandschaft gezeigt, durch die wir hier oben hindurch müssen. In großen S-Schlägen versuchen wir, die tief ausgestampften Stellen zu umgehen, die uns unzählige Wanderer hinterlassen haben! Trotzdem sinken wir immer wieder bis zu den Knöcheln im weichen Morast ein!

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Zu allem Überfluss geht es hier nun auch noch einmal richtig steil bergauf und ich habe diesbezüglich bereits schon wieder ganz andere Befürchtungen: Werden wir dort oben, an der kuppe womöglich wieder einmal aus dem „Lee“ dieses Anstiegs heraus kommen?
Bitte nicht..!“ bete ich inständig, denn das wäre richtig übel! Inzwischen schüttet es nämlich schon wieder ordentlich und der Wind hat auch hier unten kräftig zugenommen.
IMG_3784Ich sollte mit meinen Befürchtungen leider Recht behalten, denn oben stehen wir dann wieder richtig im Wind.
Lass uns in der Aigertstuga Schutz suchen, bis der Regen aufhört..!„, schlägt Claudia dann auch von sich aus vor und muss dabei ziemlich laut rufen, bis ich sie verstehe und zustimmend nicken kann. Der Regen prasselt nämlich schon wieder unglaublich laut auf die Kapuzen unserer Ponchos.

Als wir dort ankommen werden wir von der Frau des Stugwarts wieder herzlich begrüßt. Wir stellen die Rucksäcke ab und ziehen zuerst mal die Stiefel und alle nassen Klamotten aus. Dann bitte ich darum, uns hier so lange aufhalten zu dürfen, bis der Regen aufhört. (Und dieser hat inzwischen noch einmal ordentlich zugelegt!
Kleine Anmerkung: Auch das Schutz-Suchen (innerhalb der Stuga) kostet grundsätzlich ein kleines Fee, 120 SEK/13,81 Euro, beinhaltet dann aber auch Gas- und Küchenbenutzung!

IMG_3783Klar, kein Problem. Was meine Wetter-Erwartung angeht, sieht sie mich jedoch etwas skeptisch an und ruft dann nach ihrem Mann. Und nachdem sie sich kurz mit ihm auf schwedisch unterhalten hat meint der, dass es heute wohl kaum mehr aufhören wird zu regnen. Im Gegenteil!

Mist..!„, rutscht mir da heraus. Nun muss ich mich erst mal mit Claudia beraten, denn bei diesem Wetter kommen wir weiter oben natürlich auch nicht trocken über den Pass!
Zuvor mache ich uns aber erst mal einen heißen Tee, während Claudia noch schnell Stiefel und Regenkleidung im Gas-beheizten Trockenraum aufhängt (auch ein Service, der mit dem Fee abgedeckt ist!).
Dann entschließen wir uns schweren Herzens, erstmal eine Stunde zu warten und uns anschließend zu entscheiden. Sollte es dann immer noch so stark regnen, wären wir gezwungen die Etappe abzubrechen und über Nacht hier zu bleiben. Würden wir nämlich noch später aufbrechen, dann würden wir die restlichen 20 Kilometer bis zur Servestuga nicht mehr schaffen!

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Irgendwann sehen wir dann durchs Fenster einen einsamen Wanderer vom Pass herunter kommen. Der ist völlig durchgeweicht und setzt sich draußen erschöpft auf die Veranda. Er möchte dann aber gleich weiter nach Ammarnäs, wo sein Kungsleden-Abschnitt zu Ende ist, erklärt er uns. Er kommt von Hemavan.
Ich kann ihn gut verstehen: So nass, würde ich diese Etappe hier nun auch nicht mehr unterbrechen, nur um dann morgen gleich nochmal für sieben Kilometer in die nassen Klamotten zurück zu müssen!
Aber er hat wohl auch auf Claudia einen ziemlichen Eindruck gemacht, denn die ist inzwischen ebenfalls deutlich skeptischer geworden, was den Pass für heute betrifft.

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Inzwischen habe ich bereits mit dem Stugwart-Ehepaar gesprochen und sie über unsere Bargeld-Misere unterrichtet. Das ist aber überhaupt kein Problem, teilen sie mir freundlich mit. Wir bekommen einfach eine Rechnung und können die Übernachtung dann von zu Hause aus überweisen! Außerdem ruft er über das Notfall-Telefon sofort in Ammarnäs an und klärt die Belegschaft dort darüber auf, dass ab diesem Jahr eben keine Karten-Bezahlung mehr möglich ist!

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Etwas später bekommen wir dann noch sehr angenehme Gesellschaft: Tanja, eine junge Deutsche zieht ebenfalls noch in unserem Zimmer ein! Der Stugwart hat uns ganz vorsichtig gefragt, ob er sie bei uns vielleicht zusätzlich mit einquartieren dürfte. Aber klar doch!
Tanja kam ebenfalls vom Pass herunter und ist daher ebenfalls „durchgeweicht“! Ihre Schuhe, so erzählt sie uns, sind nun schon seit dem zweiten Tag völlig durchnässt uns waren seither auch nicht mehr trocken zu bringen.
IMG_3800Dann hat Claudia aber plötzlich etwas von Sauna gehört und ist seither nicht mehr zu bremsen: Von Vier bis Fünf für Damen, von Fünf bis Sechs für Herren und ab Sechs dann „Mixed“, erfahren wir vom Stugwart!
Aus der Ferne beobachte ich kurz darauf, wie die Mädels direkt aus der Sauna im dahinter gelegenen See schwimmen gehen und frage den Stugwart vorsichtig nach der Wassertemperatur. Der lacht nur, dreizehn Grad hätte er gestern dort gemessen!

Dann sind die Herren dran und auch ich geniese diese Abkühlung im (sehr!) kalten Wasser. Aber so von der Sauna kräftig aufgeheizt, ist das doch tatsächlich eine Wohltat.
So lassen wir dann auch diesen Abend wieder behaglich ausklingen, heute mal gemeinsam mit Tanja. Und weil um halb Zehn dann auch noch die Sonne heraus kommt, gibt es heute dazu sogar mal ein richtiges, schwedisches Bier..!

Zusammenfassung 20. Etappe: 7,7 Kilometer, 387 Höhenmeter im Anstieg, 33 Höhenmeter im Abstieg – Dauer: 5,3 Std.

Wenn Du gerne noch mehr über den Kungsleden erfahren möchtest, dann empfehlen wir Dir unbedingt den kleinen Reiseführer von Michael Hennemann:

Schweden: Kungsleden*

Achtung: * Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon – wenn Du etwas darüber bestellst, dann erhalten wir eine kleine Provision. Auf diese Weise ist es Dir möglich, Rainer & Claudia zu unterstützen, ohne dass es Dich etwas kostet!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

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3 Kommentare »

  • manu sagt:

    oh man schade, ihr habt aber auch echt pech gehabt mit dem schwedischen wetter!!!
    na dann eben einen tag „pause“ 😉

  • Tanja sagt:

    Hab den Abend mit euch sehr genossen ;)!

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Tanja, wir auch..! 🙂

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