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Kungsleden, 17. Etappe: Adolfsström – Sjnultje

5 August 2013 3 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 17 von 24 in der Serie Mitternachtssonne über dem Kungsleden

IMG_3677Auch in Adolfsström brechen wir morgens wieder früh auf. Es ist kurz nach halb Neun, als wir unsere Stuga verlassen und in der Rezeption den Schlüssel abgeben. Wir wollen im nahegelegenen Laden (nächste Straße rechts!) noch schnell Tee und Zucker einkaufen. Claudia ergänzt zudem ihre Trockenfrüchte, dann schultern wir endgültig unsere Rucksäcke und ziehen los!

IMG_3656Zuerst gilt es nun, den See Iraft zu umrunden und der ist gewaltig. Der Kungsleden folgt ihm mit teilweise malerischen Pfaden um das Nordufer herum und hält sich dabei fast immer in Sichtweite des Wassers.
Hier könnte man den Kungsleden auch abkürzen und sich mit dem Boot direkt nach Bäverholmen (Biberinsel) bringen lassen. Buchen kann man das im kleinen Lebensmittel-Laden, in dem wir gerade eingekauft haben.
Für uns kommt das aber nicht in Frage, schließlich wollen wir den Kungsleden wandern und dabei auch alle GPS-Tracks komplett aufzeichnen.
Der Königs-Pfad hält seine Generalrichtung „Nordwest“ auch dann noch bei, als das Westufer des Iraft bereits nach Süden abknickt. So passieren wir eine Landbrücke, die uns zwischen dem kleinen See Bietsek, und dem großen Iraft hindurchführt, bevor der Weg dann ebenfalls dessen Ufer nach Südwesten folgt.

IMG_3662Durch lichte Birken-Wälder folgen wir dem Kungsleden nun zunächst zur Biberinsel, die bereits im Naturreservat „Yraft-Delta“ liegt. Hier werden wir dann erneut wieder ziemlich nahe am Ufer eines malerischen, kleinen Sees entlang geführt und können nicht widerstehen: Wir beschließen kurzerhand, ein erfrischendes Fußbad zu nehmen.
Das gestaltet sich jedoch schwieriger, als erwartet: Der Boden ist zwar oberflächlich trocken, aber so weich, dass man schon beim Sitzen bis zu einer nassen Sumpfschicht einsinkt. Zudem hat es hier auch wieder Millionen von Moskitos. Die können uns an Gesicht und Händen (Dank Mygga!) zwar nichts anhaben können, warten aber nur darauf, dass wir Schuhe und Strümpfe ausziehen.
Da warten sie heute jedoch vergeblich, weil wir das inzwischen in mehreren Schritten erledigen, die ihnen keine Chance lassen:
Wir lassen die Schuhe erstmal noch an und cremen jedes Bein für sich – unter den Hosenbeinen – ein. Das hält sie dann schon mal etwas auf Distanz. Danach ziehen wir einen Schuh mitsamt dem Strupf aus und cremen nur diesen Fuß sofort komplett ein. Und das wiederholen wir anschließend am anderen Fuß und haben somit Ruhe!

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Dann halten wir unsere Füße auch schon ins angenehm kühle Moorwasser und freuen uns spitzbübisch, weil wir den Mücken mal wieder ein Schnippchen geschlagen haben.
So sitzen wir dann schon eine ganze Weile schweigend da, als Claudia plötzlich ganz aufgeregt ruft:
IMG_3669Schau mal..!
Ihr ausgestreckter Arm deutet senkrecht nach oben und führt meinen Blick zu einem auffallend großen Vogel mit weißem Kopf und Hals. Der segelt gerade ziemlich tief über unsere Köpfe hinweg und entschwindet dann hinter den Bäumen.
Ein Weißkopf-Seeadler..!“ rufe ich völlig überrascht und bin sofort völlig aus dem Häuschen. Damit habe ich natürlich nicht gerechnet, obwohl mir aus der Literatur bekannt ist, dass es hier im Naturreservat Adler gibt.
Merke: Der Kungsleden ist immer wieder für eine Überraschung gut!
Dann ziehen wir Strümpfe und Schuhe wieder an und machen uns gemütlich auf den weiteren Weg.

IMG_3670Auch für heute haben wir uns wieder eine stramme Zwanzig-Kilometer-Etappe vorgenommen, die uns über eine ausgedehnte Hochebene führen soll. Dreihundert Höhenmeter gilt es dafür aber erst mal zu überwinden.
Dort ziehen wir dann in Betracht, vielleicht in der Sjnultje-Schutzhütte zu übernachten. Die ist dafür zwar nicht gedacht, aber so früh im Jahr ist hier noch so wenig Wander-Verkehr, dass man das wohl gar nicht bemerken wird!
Inzwischen haben wir auch schon merklich Kondition aufgebaut, so dass uns solche Etappen nicht mehr sonderlich beeindrucken. Und wir erwarten eigentlich auch auf dieser Tour wieder, dass zum Ende hin noch längere Tages-Etappen – mit bis zu 28 Tages-Kilometern – folgen werden! Das ist eigentlich normal und war bisher auf jeder unserer Trekking-Touren so.

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Kurz darauf erreichen wir dann Bäverholmen, ein kleines Hüttendorf mit Restaurant. Hier gönnen wir uns erneut eine kurze Rast mit einer kalten Dose Fanta. Weiß der Geier warum wir inzwischen beide so nach dieser Limonade gieren.
Dann auch noch eine kurze, freundliche Unterhaltung mit einigen Anglern, die hier Quartier bezogen haben. Kurz darauf ziehen wir aber auch schon wieder weiter, schließlich haben wir ja noch ein gutes Stück Weg vor uns!

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Kurz hinter den Hütten überqueren wir den Laisälv auf einer beeindruckenden Hängebrücke. Aufgrund ihrer Länge versetzen wir sie dabei schon beim ganz normalen Gehen ordentlich in Schwingung und Claudia ist natürlich absolut „begeistert“! Dahinter führt uns der Weg dann vorerst völlig eben durch einen gut gewachsenen Mischwald und ist sehr schön zu gehen.

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Nur wenige Kilometer weiter erreichen wir dann den Fluß Barasjakka und folgen seinem rechten Ufer bis zu einer weiteren Hängebrücke.
Hier könnte ich auch mal nur einen reinen Angel-Urlaub verbringen..!„, lasse ich Claudia, mit einem etwas verträumten Blick von der brücke, wissen. Immerhin war ich seiner Zeit in Deutschland bei den Ersten, die mit der Trockenfliege gefischt haben. Und diese Flüsse hier lassen natürlich jedes Angler-Herz höher schlagen!

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Zudem haben wir unterwegs auch immer wieder mal schwedische Wanderer getroffen, die eine kleine Angel am Rucksack hatten, um sich unterwegs mit frischem Fisch zu versorgen.
Kungsleden-Wanderern aber (die wir, den ganzen nördlichen Abschnitt wandern wollen) möchte ich unbedingt davon abraten, das zu Hause vielleicht mit in ihre Planung einzubeziehen! Ihr habt auf dem Trail nämlich gar keine Zeit übrig, um unterwegs auch noch zu angeln!

P1070599Dann kommt der bereits erwartete Anstieg, hinauf ins Kahlfjäll. Steil führt er uns zwischen Birken aufwärts, bis zur Baumgrenze. Mittendrinn nötigt uns Petrus dann auch noch mal, unsere Ponchos mit den Regenhosen anzuziehen! Gott sei Dank, hält der Regen aber nicht lange an und ist auch nicht stark genug, um die Birken wieder richtig zu „tränken“!

Kurz darauf lassen wir die Birken dann endgültig hinter uns und sind nun einmal mehr im Kahlfjäll unterwegs. Längst haben wir die Ponchos wieder hinter die Schultern gerollt und die durchgehenden Beinreißverschlüsse ganz aufgezogen. Trotzdem bin ich völlig „platt“, als wir endlich oben ankommen! (Bild oben links!)

Hier weht nun wieder ein angenehmer Wind, der uns etwas Abkühlung verschafft. Trotzdem gefällt uns das Wetter nicht wirlich, denn der Himmel zieht immer weiter zu. Selbst Claudia kann sich da nicht mehr uneingeschränkt über das blühende Wollgras freuen, das wir auf Bohlenwegen passieren. Auch hier oben hat es nämlich wieder ausgedehnte Sumpf-Flächen.

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Dann müssen wir erneut über den Barasjakka. Er entwässert hier die komplette Hochebene nach Osten und fließt dann weiter unten in den Laisälv.

Wir wissen natürlich, dass es nun nur noch ein paar wenige Kilometer sind, bis wir die Schutzhütte erreichen werden. Trotzdem müssen wir unterwegs erneut in den Regenschutz. Und mir fällt auch noch etwas anderes auf: Schon seit geraumer Zeit haben wir kein Bächlein mehr passiert, aus dem ich hätte Trinkwasser entnehmen können. Hier hat es nämlich nur ausgedehnte Sumpfflächen, aus denen ich nicht trinken möchte, weil das Wasser steht. Zudem liegt hier alles voll mit Rentier- und Hasen-Kot! Wir müssen also unbedingt auch noch Trinkwasser finden, bevor wir die Hütte erreichen.
IMG_3694Das ergibt sich dann kurz darauf, am Überlauf eines größeren Sees! Hier fließt das Wasser so kräftig, dass ein guter Austausch stattfindet! Das ist DIE Gelegenheit für uns! Obwohl es nun immer noch ein, zwei Kilometer bis zur Hütte sind, füllen wir alle Flaschen und nehmen das Mehrgewicht in Kauf! Wer weiß, ob wir noch einmal Gelenheit dazu haben werden?

Dann erreichen wir endlich die Abzweigung zur Schutzhütte. Sie liegt etwas abseits des Kungsleden, am Winterweg. (Dieser führt geradlinig durch den Sumpf, weil hier im Winter ja alles gefroren ist!)
Nach wenigen Minuten erreichen wir die Kate und stellen erfreut fest, dass sie uns mal wieder alleine gehört. Und wir bekommen auch die Bestätigung dafür, dass es absolut richtig gewesen ist, frühzeitig Wasser zu bunkern, weil seither keine weitere Wasserstelle mehr gekommen ist!
IMG_3692Anmerkung: Das ist außergewöhnlich, denn normalerweise legt der STF die Rasthütten immer nur in Verbindung mit Trinkwasser-Stellen an! Hier im Sumpf ist aber kein Durchkommen, bis ans Wasser!
In der Hütte schaffen wir dann erst mal für Durchzug und komplimentieren so einige Schnaken ins Freie. Da aber immer noch ein paar Moskitos übrig bleiben, räume ich kurzerhand den Tisch zur Seite, so dass wir das Innenzelt als Moskito-Netz, mitten in der Hütte aufbauen können.
Während Claudia die „Betten“ macht, koche ich uns schon wieder Tee und Süppchen. Dann noch kurz das Salz von der Haut gewaschen und wir lassen auch diesen Abend wieder gemütlich auslaufen..!

Hier auch noch eine Anmerkung zum Gaskocher: In Schweden wird ein anderes System verwendet, wie in Deutschland. Wer also mit dem Zug/Auto anreist und den Kocher mit den kleinen Kartuschen verwendet (siehe Foto!), sollte unbedingt genügend Gas von zu Hause mitbringen. Wer hingegen mit dem Flugzeug anreist und kein Gas mitführen darf, der sollte sich vielleicht einen schwedischen Kocher zulegen, und das Gas dann erst in Abisko kaufen. (Mir ist leider nicht bekannt, ob es Adapter für beide Systeme gibt!)

Zusammenfassung 17. Etappe: 22,2 Kilometer, 423 Höhenmeter im Anstieg und 155 Höhenmeter im Abstieg – Dauer: Knapp 11 Std.

Wenn Du gerne noch mehr über den Kungsleden erfahren möchtest, dann empfehlen wir Dir unbedingt den kleinen Reiseführer von Michael Hennemann:

Schweden: Kungsleden*

Achtung: * Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon – wenn Du etwas darüber bestellst, dann erhalten wir eine kleine Provision. Auf diese Weise ist es Dir möglich, Rainer & Claudia zu unterstützen, ohne dass es Dich etwas kostet!

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HD-Kungsleden-17

 


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Kungsleden, 16. Etappe: Jäkkvik – AdolfsströmKungsleden, 18. Etappe: Sjnultje – Rävfallsstuga

3 Kommentare »

  • manu sagt:

    schöner bericht!! sag mal, was würde man eigentlich machen, wenn einem da der garmin kaputt geht?? kann man das auch ohne schaffen? davor hätte ich glaub echt bammel,…

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Manu, na klar! Natürlich sollte man sich zuvor aber schon etwas mit der Strecke auseinander setzen, schließlich ist man ja nicht in einem „Kurpark“ unterwegs! LG, Dadl

  • manu sagt:

    naja, selbst wenn der garmin aufgibt, wäre das bei mir nicht schlimm, immerhin hätte ich bei so ner strecke euch dabei!!! ;-)) und 12 jahre bund haben auch ab und zu Vorteile 😉

    hel, dodd’l

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