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Kungsleden, 16. Etappe: Jäkkvik – Adolfsström

4 August 2013 Ein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 16 von 24 in der Serie Mitternachtssonne über dem Kungsleden

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Auch in Jäkkvik haben wir wieder gut geschlafen. Allerdings ist für das Einschlafen nun immer öfter auch mal Ibuprofen nötig, um die vielen Wehwehchen auf ein Maß zu dämpfen, das einen überhaupt noch einschlafen lässt. Denn erst wenn der Körper abends zur Ruhe kommt spürt man, was einem inzwischen so alles weh tut..!

P1070569Das mag nun vielleicht nicht gerade besonders gesundheits-bewußt klingen, inzwischen gerät jedoch der ganze Kungsleden immer mehr zur „Pflicht-Übung“, die jeder nur noch irgendwie bewältigt haben möchte. Zumindest denkt man abends oft so..!
Aber heute ist wieder ein neuer Tag (ohne Schmerzen und mit trockenen Schuhen!) und außerdem scheint die Sonne. Da sieht dann sowieso alles gleich wieder viel freundlicher aus.
Als wir starten, summt Claudia neben mir sogar ein Liedchen und strahlt fröhlich zurück, als ich sie angrinse. Ja, man möchte gar nicht glauben, wie so banale Dinge wie trockene Füße und Sonnenschein, der Seele gut tun können!

IMG_3602In Jäkkvik halten wir uns an der Hauptstraße links, und folgen dann kurz darauf schon wieder dem Wegweiser in den Wald hinein. Na ja, „Wald“ ist aus Hochschwarzwälder-Sicht vielleicht etwas übertrieben, aber hier werden eben Bohlenstege von einer ganzen Ansammlung Birken flankiert. Aber dazwischen stehen auch ein paar Kiefern.

Und inzwischen sehen wir als Bodendecker auch immer öfter Gras, was wir im Norden über weite Strecken überhaupt nicht gesehen haben. Dort herrschen eben eher nur winterharte Moose und Flechten vor. Außerdem finden wir hier nun auch wieder Farne unterschiedlicher Art, und vor allem das buschig wachsende Wurmfarn leuchtet dabei meist in saftigem Maigrün.

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Für heute haben wir uns mal eine richtig knackige Etappe vorgenommen, um endlich vorwärts zu kommen: 27 Kilometer sollen es nämlich, bis nach Adolfström sein! Unterwegs gäbe es zwar auch noch die Möglichkeit, in der Pieljekaisestuga zu übernachten. Aber das wäre ja schon nach 9 Kilometern, was uns für eine Tagesetappe (bei schönem Wetter) einfach zu wenig ist.

IMG_3606Schon nach kurzer Zeit beginnt dann unser Anstieg, hinauf zum Pieljekaise-Nationalpark. Auch hier gilt es nun erst wieder, 400 Höhenmeter zu überwinden. Wir werden also auch heute das Kahlfjäll (so wird der Baumlose Bereich oberhalb von etwa 700m n. N. genannt) durchqueren und dort ebenfalls wieder etwas Abstand zu den Moskitos gewinnen. Die gibt es oberhalb der Baumgrenze nämlich nicht mehr.
Der Aufstieg durch diese Baumgrenze ist aber jedes Mal erneut ein Erlebnis für uns: Die Birken (andere Bäume wachsen innerhalb dieser Baumgrenze nicht mehr!) werden dabei zuerst immer „dünner“, und wachsen dann auch mit immer größerem Abstand zueinander. Das erweckt den Eindruck, als ob der Wald immer lichter werden würde. Danach werden diese „dünnen“ Birken dann aber auch immer niederer, fast so, als ob die Bäume in Richtung Berg nun immer „jünger“ werden würden. Und ganz zum Schluss werden aus diesen jungen Birken dann langsam Büsche, die nun ebenfalls immer niederer und lichter werden, bis die Birken plötzlich völlig zurück bleiben. An diesem Punkt ist das Ende der Baumgrenze, das Kahlfjäll erreicht!

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Als wir das freie Kahlfjäll erreichen, passieren wir rechter Hand eine Schutzhütte, die sich in den letzten Büschen versteckt. Wir machen eine kurze Pause direkt am Wegrand und nutzen dabei unsere Rucksäcke als Sitzkissen.
Es ist äußerst wichtig, auf Trekking-Touren regelmässige Pausen einzulegen und dabei den schweren Rucksack für ein paar Minuten abzunehmen. So gibt man der Muskulatur Gelegenheit, sich wieder etwas zu erholen. Außerdem sollte man nun auch etwas trinken.
Wir legen diese kurzen Stopps etwa alle 50 bis 60 Minuten ein – allerdings sprechen wir dabei auch nicht von einer Rast, denn diese Pausen dauern nur selten länger, als 5 Minuten!

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Von ganz oben erhaschen wir dann nochmal einen letzten Blick auf den See Räggavne, an dessen Ufer Jäkkvik liegt, wo wir übernachtet haben. Kurz darauf passieren wir ein Schild, das uns darauf hinweist, dass wir hier nun den Nationalpark Pieljekaise betreten. Wenig später senkt sich der Pfad dann auch schon wieder abwärts und wir sehen erneut die Baumgrenze vor uns liegen, diesmal aber von oben.

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Zwischen den Bäumen angekommen, wandern wir bald wieder durch ganze Wiesen von Trollblumen und Claudia ist völlig im Glück, denn Trollblumen liebt sie über alles! Aber auch Storchenschnäbel blühen hier, und Unmengen von blauem Eisenhut – der giftigsten Pflanze Europas!

P1070574Wo sich das Gelände dann etwas stärker abzusenken beginnt, suchen wir nach der Pieljekaisestuga, da wir sie uns doch zumindest einmal anschauen wollen. Außerdem wird es langsam ja auch Zeit, für eine richtige Rast.
Sie liegt etwas versteckt zwischen den Bäumen, rechts vom Weg. Auf den ersten Blick handelt es sich um ein tolles, privates Ferienhaus, mitten im Wald. Allerdings greift hier ein Schwedisches Gesetz, das Hauseigentümmer in der Einöde verpflichtet, für Notfälle stets einen „Emergency-Room“ offen zu halten, in dem man notfalls Zuflucht finden kann.
Wir legen unsere Rucksäcke ab, dann öffne ich die Türe und wir riskieren einen Blick hinein: Der vordere Bereich ist öffentlich zugänglich, mit super eingerichteter Küche und zwei Ess-Tischen und Bänken! Sogar ein Ofen und Holz ist hier! Der separate Schlafraum ist jedoch verschlossen. Den Schlüssel hätte man sich in Jäkkvik, im Lebensmittel-Laden (kostenpflichtig) abholen können.

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Wir machen es uns draußen, auf der Terrasse in der Sonne gemütlich, und Claudia futtert ein paar Trockenfrüchte. Nach einer Weile bemerke ich dann aber Bewegung auf dem Weg zur Hütte und kann kurz darauf unsere Lieblings-Finnen ausmachen, die gerade ebenfalls die Stuga ansteuern. Sie haben auch in Jäkkvik übernachtet, wie wir wissen, denn wir hatten im Appartement neben uns ihre Wanderstöcke auf der Terrasse stehen sehen.
P1070579Hej-hej..!„, begrüßen sie uns freundlich, bleiben aber sichtlich distanziert. Bis sich im Gespräch herausstellt, dass sie sich in Jäkkvik den Schlüssel für die Stuga organisiert haben und nun wohl Angst haben, dass wir vielleicht ebenfalls hier bleiben könnten.
Oh nein! So viel Gastfreundschaft können wir heute dann doch nicht mehr ertragen und klären sie daher rasch darüber auf, dass wir gleich weiterziehen werden! Da hellen sich ihre Mienen schlagartig auf und auch wir sind richtig froh, hier keine Übernachtung in Erwägung gezogen zu haben!

Nach kurzer, erholsamen Rast verabschieden wir uns und ziehen weiter. Am, zur Stuga gehörenden Bach, ergänzen wir noch schnell unsere Wasservorräte, dann versuchen wir nur noch „Strecke“ zu machen, um unser heutiges Soll zu erfüllen.

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Der Weg führt nun – in lebhaftem Auf und Ab – immer weiter abwärts, in Richtung Adolfström. In Adolfsström ist ebenfalls wieder eine größere STF-Station mit Anschluß an das öffentliche Straßennetz, sie markiert jedoch nicht das Ende eines Kungsleden-Abschnitts. Für uns ist aber eigentlich nur eines wichtig: Die haben Strom – dann können wir hier auch mit Karte bezahlen!

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Durch einen richtigen Wald mit kräftigen Kiefern, erreichen wir dann auf ebenfalls „richtigen“ Waldwegen (breite Forstwege) die ersten Häuser. Und hier müssen wir nun doch tatsächlich noch einmal kurz mit dem Garmin navigieren, da wir plötzlich überhaupt keine Hinweise mehr auf den Kungsleden finden.
Kurz darauf erreichen wir aber die „Hauptstraße“ von Adolfsström und halten uns rechts. Und nur wenige Meter weiter sehen wir dann endlich auch den STF-Wimpel im Wind flattern, der das Ende unserer Etappe bedeutet. Wir mieten uns für 335 SEK / 38,42 Euro (für beide!) eine kleine, preiswerte Stuga und freuen uns nun so richtig über eine kalte Flasche Fanta..!IMG_3654

Zusammenfassung der 16. Etappe: 20,7 Kilometer, 543 Höhenmeter im Anstieg, 479 Höhenmeter im Abstieg – Dauer: 11,5 Std.

Wenn Du gerne noch mehr über den Kungsleden erfahren möchtest, dann empfehlen wir Dir unbedingt den kleinen Reiseführer von Michael Hennemann:

Schweden: Kungsleden*

Achtung: * Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon – wenn Du etwas darüber bestellst, dann erhalten wir eine kleine Provision. Auf diese Weise ist es Dir möglich, Rainer & Claudia zu unterstützen, ohne dass es Dich etwas kostet!


Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]   HD-Kungsleden-16

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Ein Kommentar »

  • manu sagt:

    wow, das ist ja echt ne lange etappe gewesen,…

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