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Kungsleden, 15. Etappe: Hof Vuonatjviken – STF-Fjällstation Jäkkvik

3 August 2013 2 Kommentare

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Wir haben in unserer komfortablen Stuga hervorragend und sehr erholsam geschlafen. Inzwischen haben wir uns längst daran gewöhnt, dass hier draußen keine Autos zu hören sind. Die einzigen Geräusche sind natürlichen Ursprungs und stammen überwiegend von Vögeln. Dass die hier aber auch „nachts“ aktiv sind, ist schon etwas gewöhnungsbedürftig..!

P1070540Nach dem Aufstehen stelle ich Kaffeewasser auf und sehe dann sofort nach unseren Stiefeln. Die hingen die ganze Nacht über am elektrischen Schuhtrockner und sind inzwischen vollständig durchgetrocknet. Mit beiden Paaren unter dem Arm kehre ich zurück zur Stuga, wo wir dann erst einmal frühstücken.
Das Außenzelt ist auch wieder trocken..!„, erwähnt Claudia nebenher. Wir hatten es gestern Abend ebenfalls noch in die Dusche gehängt.
Anschließend bekommen die Stiefel ihr Fett weg! So dick wie möglich creme ich sie mit Bienenwachs ein, vor allem die Schwachstellen an den Zungen. Danach werden sie noch abgeglänzt und bekommen die Schnürsenkel wieder eingezogen – fertig!
Inzwischen hat Claudia bereits in der Stuga „Klar-Schiff“ gemacht , wir brauchen also nur noch zu packen und sind dann auch schon wieder startbereit.

IMG_3558Für 9.00 Uhr ist der Bootstransfer über den See Riebnes vereinbart, der ebenfalls von der Familie Johannson durchgeführt wird. Zuvor bezahlen wir im Büro (mit Karte!) noch unsere Stuga (1.000 SEK / 114,69 Euro) und auch gleich noch das Boot (300 SEK pro Person / 34,41 Euro).

Der Preis für den Bootstransfer ist auch hier wieder saftig. Er führt aber auch über eine Strecke von insgesamt 10 Kilometern und die möchte ich hier nicht selbst rudern müssen, noch nicht einmal um 68,82 Euro zu sparen!

Als wir das Büro gerade verlassen wollen, kommen unsere beiden „Lieblings-Finnen“ herein, und draußen wartet auch noch unser Franke. Alle Drei sind gestern noch recht spät angekommen und waren dann gezwungen zu übernachten, da sie heute ebenfalls auf das Boot angewiesen sind. Unser Nürnberger schlief sogar standhaft im Zelt! Ja, auf dem Kungsleden trifft man sich eben immer wieder..!

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Drüben nimmt uns dann gleich wieder ein typisches Birkenwäldchen auf, das heute aber ausnahmsweise mal trocken ist. Dafür sind aber sofort wieder die Moskitos da. Aber die haben wir mit Mygga ganz gut im Griff. Und wir sind heute auch mal etwas schneller unterwegs, wie die Finnen!
Ja..,“ meint Claudia dazu nur mit einem breiten Grinsen im Gesicht, „auch die werden ruhiger..!“ (Außerdem zeigen die 35 Kilo langsam Wirkung!) Dafür sind aber zwei Schweden mit Hund im Eiltempo unterwegs, und auch unser Franke ist bereits wieder außer Sichtweite.

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Kurz darauf steigt der Pfad dann steil an und Claudia hängt etwas ab. Das gibt mir Gelegenheit zu fotografieren, bis sie mich wieder erreicht hat. Bereits hier passieren wir nun die Baumgrenze und lassen mit den Birken auch die Stechmücken zurück. Als Claudia wieder bei mir ist, setzen wir uns in den weichen Planzen-Teppich des Kahlfjälls, und verschnaufen erst mal ‚was.

P1070542Dann werde ich auf die dunkle Wolkenfront aufmerksam, die sich von Westen nähert. Auch der Wind frischt bereits auf, Zeit sich wetterfest zu machen. Wir ziehen die Regenhosen an, lassen aber die durchgehenden Beinreißverschlüsse noch offen. Dann werfen wir auch die Ponchos über die Rucksäcke, rollen die Vorderseiten aber noch hinter den Schultern zusammen. So genügt dann bei Bedarf nur ein einziger Griff, um sie vollends nach vorne, über den Kopf zu ziehen. (So lange sie auf diese Weise hinter den Schultern zusammengerollt sind, schwitzen wir auch nicht unter ihnen!)

Während wir uns noch wetterfest machen, schließen unsere Finnen wieder auf.
It will not rain today..!„, weiß er im Vorbeilaufen, und ich schenke mir eine Antwort.
IMG_3573Lass ziehen dahin..!„, schmunzelt auch Claudia nur, während sie Distanz zwischen uns bringen.
Seit unserem Zwischenfall haben die beiden bei Claudia keine Chance mehr. Und wofür andere meistens ziemlich lange benötigen, hat diese Finnin doch mit nur einem einzigen Satz geschafft! Hut ab..!

Als wir die Kuppe der Hochebene Tjidtjakvalles überschreiten, geht es drüben auch gleich wieder, immer steiler abwärts. Im Höhendiagramm wird es später so aussehen, als ob wir hier den „Zuckerhut“ in Rio überschritten hätten. Und – Gott sei Dank – hat der Finne mit seiner Wetterprognose Recht behalten, denn das erwartete Unwetter ist doch tatsächlich (mit ganz wenigen, vereinzelter Tropfen) an uns vorbei gezogen.
Wenn ich dafür trocken bleiben darf, dann sei ihm das gegönnt..!„, schmunzelt Claudia nur, als wir unsere Regenhosen wieder ausziehen und zusammen mit den Ponchos (griffbereit!) unter dem Rucksack-Deckel verstauen.

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Dann erreichen wir von oben wieder die Baumgrenze und uns fällt auf, dass sich die Landschaft seit Abisko bereits deutlich verändert hat. Gab es im Norden fast nur lichte Birkenwäldchen, so herrschen hier nun wieder überwiegend Mischwälder, mit teilweise stattlichen Kiefern vor.  Das ist aber auch kein Wunder, denn schon gestern haben wir den nördlichen Polarkreis wieder verlassen, und haben somit nun schon über 200 Kilometer Lappland (Luftlinie!) zu Fuß überwunden!

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Da das Überschreiten des Polarkreises gestern buchstäblich „ins Wasser gefallen“ ist, unterhalten Claudia und ich uns heute etwas darüber.
Wird es nun nachts eigentlich auch wieder dunkel werden..?“, möchte Claudia wissen.
Nein, nicht gleich!„, erkläre ich ihr. „Aber Du kannst die Sonne nun keine 24 Stunden mehr am Tag sehen..!
Na.., ob mir das wohl auffallen wird..?“ grinst sie nur, mit einem Seitenhieb auf das Wetter.
Dann kommt uns ein Wanderer entgegen und sein freundliches „Hej-hej..!“ ist nun wirklich einmal ganz original schwedisch. Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit ihm und zum Abschied schießt er noch das Foto oben, von uns beiden.

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Erwähnenswert ist hier in Lappland auch das häufige Vorkommen des blauen Eisenhutes, der giftigsten Pflanze Europas! Wir durchqueren immer wieder ganze Felder von ihm und müssen dabei auch immer wieder Pflanzen zur Seite halten, um an ihm vorbei zu kommen. Vorsicht aber beim Anfassen, denn sein Nervengift wirkt sogar durch die gesunde Haut!

IMG_3585Und kurz darauf ist dann einfach wieder einmal der Weg weg! Er wurde in diesem Bereich neu angelegt, daher ist der Pfad auch noch nicht so ausgetrampelt, dass man ihn jederzeit – und auch ohne Markierung – sehen würde. Außerdem ist es hier erneut wieder stellenweise sumpfig.
Ich ziehe den Garmin heraus und Claudia fragt spontan:
Wo ist der Weg..?
Laut Garmin stehen wir drauf..!„, schmunzle ich und sehe mich um.
Sag‘ Deinem Garmin, dass er keine Ahnung hat..!“ grinst Claudia, gut gelaunt.
Nein, selbst bei einer augenblicklichen Ungenauigkeit des GPS-Signals von ca. 12 Metern, hier ist weit und breit kein Weg zu sehen! Also suchen wir einfach mal wieder in Richtung des eigentlichen Wegverlaufes und stoßen dann kurz darauf auch wieder auf eine neue Markierung. (Und die ist wirklich nagelneu!)

IMG_3586„Nun geht es nur noch durch ein Rentier-Gehege, dann müssten wir eigentlich auch gleich am Ufer des Sees stehen, an dem unsere letzte Ruderstrecke ansteht..!“ erwähne ich.
Sagt Dein Garmin..?„, frotzelt Claudia.
Sagt mein Garmin..!„, grinse ich zurück und zeige ihr die Wasserfläche, die bereits durch die Bäume glitzert.

Kurz darauf stehen wir dann am Ufer und nehmen mit einem Schulterzucken zur Kenntnis, dass auch hier wieder nur ein Ruderboot am Ufer liegt. Dafür ist die Ruderstrecke aber sehr moderat, vielleicht gerade mal einen Kilometer lang. Und außerdem ist das ja nun auch die letzte Stelle des Kungsleden, an der ein Gewässer überwunden werden muss!
Ich gehe diese Ruderstrecke wirklich ganz entspannt an, zumal hier auch ganz neue Aluminium-Boote liegen, mit perfekten Verankerungen, für die Ruder. (Das war das letzte Mal eine Katastrophe gewesen!)

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Wir verstauen unsere Rucksäcke im Boot, dann schiebe ich es etwas in den See, halte es aber für Claudia am Ufer fest. Dann steige auch ich ein und stoße mich mit dem letzten Fuß ab.
Das Rudern ist sehr erholsam und macht beiden Spaß. Claudia fotografiert mich ein paar mal, dann sind wir auch schon drüben.
Hier ist eine kleine, offene Schutzhütte, in der wir unsere Rucksäcke deponieren, bevor wir das zweite Boot in Schlepp nehmen und zum ersten Steg zurückrudern. Dort ziehe ich dieses zweite Boot dann völlig aus dem Wasser und vertäue es ordentlich. Anschließend rudern wir endgültig hinüber, zu unseren Rucksäcken.

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Nachdem wir auch das benutzte Boot wieder aus dem Wasser geholt und ordentlich vertäut haben, nehmen wir unsere Rucksäcke auf und setzen zum Endspurt an. Es ist zwar schon wieder 16.45 Uhr, aber es sind ja auch nur noch ein paar Kilometer, bis Jäkkvik. Außerdem macht heute ja auch ausnahmsweise mal das Wetter mit, und mit trocken Schuhen macht das Wandern auch mir wieder Spaß!

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Daß wir auf einer Halbinsel sind, zeigt mir erst ein Blick auf den Garmin. Der Kungsleden überquert sie an ihrer schmalsten Stelle, dann folgt er dem Ostufer des Jäggávre nach Süden, bis zur STF-Station. Jäkkvik ist nun wieder eine große STF-Fjällstation, mit Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz. Und: Mit dem Eintreffen hier haben wir nun bereits drei, der insgesamt fünf Kungsleden-Abschnitte „abgearbeitet“! Klar, dass wir hier zur Feier des Tages dann auch nicht im Zelt übernachten werden.

Als wir ankommen ist es aber auch heute schon wieder kurz nach Acht. Trotzdem werden wir wieder sehr freundlich empfangen und erleben dann gleich drei Überraschungen:

  1. Die Übernachtung kostet nur 200 SEK / 22,94 Euro pro Person – inklusive heißer Dusche!
  2. Die Zimmer sind picobello-sauber und absolut super(!) ausgestattet!
  3. Leider hat der Supermarkt bereits zu und wir können unsere Verpflegung nicht ergänzen, wie wir das eigentlich geplant hatten. Langsam werden nämlich Tee und Zucker knapp! Aber noch reicht ja alles für die nächsten Tage..!

IMG_3588Dann noch eine weitere, nette Überraschung: Als uns die Stugwartin in die Räumlichkeiten (Dusche/WC, etc.) einweist, geht plötzlich eine Tür auf und unser Franke strahlt heraus!
Die Begrüßung ist erneut herzlich und Claudia erwähnt ihm gegenüber, dass wir leider nicht mehr einkaufen können, weil der Supermarkt bereits zu hat.
Was braucht Ihr denn..?„, will er wissen.
Ach.., nur etwas Tee und Zucker..!„, wiegle ich ab. „Aber damit kommen wir auch so noch ein paar Tage aus..!
Ich hätte mich aber über etwas frisches Obst gefreut..!„, rügt mich Claudia und bekommt vom Nürnberger darauf hin eine große Orange geschenkt!

 

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Damit ist ihr Abend dann endgültig gerettet! Allerdings weiß ich als Heilpraktiker, dass unser Körper inzwischen kräftig Vitamine „anfordert“, indem er uns einfach Lust auf ganz bestimmte Nahrungsmittel empfinden lässt. Ich selbst könnte nämlich glatt ein paar Dosen Fisch auf einmal verdrücken. Mein Körper will also ganz offensichtlich Eiweiß zum Muskelaufbau haben!

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Ich richte Claudia die Orange liebevoll als hübsches Dessert an, nach einem heißen Süppchen. Außerdem gibt es heute auch wieder mal einen Vitamin-/Eiweiß-Cocktail aus der Apotheke. Das gönnen wir uns unterwegs regelmäßig, um keine größeren Mangelerscheinungen aufkommen zu lassen. Danach lassen wir auch diesen Abend ganz gemütlich ausklingen.

Zusammenfassung 15. Etappe: 24,6 Kilometer (ohne Bootstransfer) 347 Höhenmeter im Anstieg, 435 Höhenmeter im Abstieg – Dauer: 11,0 Std.

Wenn Du gerne noch mehr über den Kungsleden erfahren möchtest, dann empfehlen wir Dir unbedingt den kleinen Reiseführer von Michael Hennemann:

Schweden: Kungsleden*

Achtung: * Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon – wenn Du etwas darüber bestellst, dann erhalten wir eine kleine Provision. Auf diese Weise ist es Dir möglich, Rainer & Claudia zu unterstützen, ohne dass es Dich etwas kostet!


Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap] HD-Kungsleden-15

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Kungsleden, 14. Etappe: Jakkakaskajarro – Hof VuonatjvikenKungsleden, 16. Etappe: Jäkkvik – Adolfsström

2 Kommentare »

  • manu sagt:

    wie schön, mal kein regen,… aber das ist echt ganz schön teuer alles!!! (bis auf die letzte stuga).
    machst du am ende ne kalkulation, wie viel ihr nun alles in allem trotz so und so viel mal zelten bezahlt habt?? würde mich zumindest brennend interessieren,…

    grüße

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Polarfuchs,

    schade eigentlich, dass Du auf unser Internet-Tagebuch über den Kungsleden so negativ reagierst. Gerade Du mit Deiner Erfahrung solltest doch eigentlich wissen, welchen Aufwand es bedarf, so etwas auf die Füße zu stellen! Deine Bemerkungen empfinden wir als zu persönlich(!), zudem als flapsig und sehr selbstgefällig! Wir ordnen sie daher auf unserer Seite als „nicht lesenswert“ ein! Bitte unterlasse künftig Nachrichten in dieser Form, denn sie werden ebenfalls sofort wieder im Papierkorb landen!

    Dein selbstgewählter Name Polarfuchs lässt darauf schließen, dass Du öfter im Norden unterwegs bist. Wir laden Dich daher herzlich ein, Deine Erfahrungen in unseren Blog einfließen lassen. Wir erwarten jedoch ausgewogene Kommentare, die auch die allgemeinen Gepflogenheiten in Stil und Form einhalten!

    Mit freundlichem Gruß,

    Rainer Haas

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