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Kungsleden, 14. Etappe: Jakkakaskajarro – Hof Vuonatjviken

2 August 2013 3 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 14 von 24 in der Serie Mitternachtssonne über dem Kungsleden

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Es ist so ätzend: Draußen prasselt es schon wieder gegen die Zeltwand! Auch in dieser Nacht hat es irgendwann wieder ganz leise begonnen, zu regnen. Aber ganz langsam scheine ich wohl eine Allergie dagegen zu entwickeln, denn schon beim ersten Tropfen liege ich immer hellwach im Schlafsack. Sch…wetter..!

IMG_3521Unsere Schuhe sind (innen) noch immer völlig nass von gestern. So sind wir heute beim Frühstück dann auch etwas einsilbig, denn gleich in nasse, kalte Schuhe steigen zu müssen – darüber möchte man beim Kaffee eigentlich noch nicht nachdenken!
Draußen ist es zudem so neblig, dass ich einmal mehr froh bin, mit dem Garmin orientieren zu können! Naja, eigentlich ist es damit ja überhaupt kein „orientieren“ mehr, da man ja nur noch der im Display vorgegebenen Linie nachlaufen muss. Das Feststellen des eigenen Standortes entfällt ebenfalls, und gerade das ist in dichtem Nebel natürlich besonders schwer.

IMG_3522Pünktlich zum Zelt-Abbauen hört der Regen dann wieder auf.
Brav..!“ meint Claudia nach einem kritischen Blick nach oben. Da man „oben“ aber rein garnichts erkennen kann weiß ich, dass sie nur kurz das Gesicht nach oben gehalten hat, weil man auf der Gesichtshaut eben am Empfindlichsten ist und dort selbst feinsten Niesel spürt!
Und was sich Anfangs auch wirklich noch wie ein feines Abnieseln des Nebels angefühlt hat, entwickelt sich dann ganz langsam zum Landregen und nötigt uns kurz darauf sogar, wieder in die Taucheranzüge zu steigen: Regenhosen und Ponchos!

Diese Ponchos mit den Kamelhöckern für die großen Rucksäcke, haben wir zusätzlich dabei. Wir können also bei Regen stets zwischen atmungsaktiver Texapore-Jacke und Raincover über dem Rucksack, oder nur dem Poncho wählen. Dann natürlich ohne Raincover und Regenjacke. (Zu beiden Varianten gehört aber natürlich auch noch eine zusätzliche Regenhose!)

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Bisher habe ich mich dabei grundsätzlich für den Poncho entschieden, da bei ihm auch die Kamera-Tasche (die ich vor dem Bauch trage) geschützt ist. Außerdem kann man ihn eingerollt bequem hinter den Schultern tragen und bei Bedarf dann mit nur einem Griff nach vorne holen. Das sieht auf den Fotos vielleicht nicht immer besonders schön aus, ist aber recht praktisch!
IMG_3523Bei Dauerregen und gleichzeitiger Anstrengung sammelt sich unter ihm dann aber doch gewaltig „Dampf“, was zwangsläufig zu viel Kondenswasser an den Innenseiten führt. Aus diesem Grund können wir auch immer zwischen beiden Varianten wählen.
Wo der Poncho klare Nachteile hat, ist bei starkem Wind, oder bei Sturm. Da solltet Ihr Euch dann lieber für die atmungsaktive Regenjacke und das Raincover über dem Rucksack entscheiden!

Als wir aufbrechen regnet es bereits ordentlich und die Entscheidung für den Poncho war richtig gewesen.Der ist heute auch kein großes Problem, da es überwiegend bergab geht und wir dabei kaum ins Schwitzen geraden sollten.
Schade ist eigentlich nur, dass wir auf die tolle Aussicht verzichten müssen, die wir von hier oben bei klarer Sicht hätten! Irgendwo im Nebel liegt uns nämlich gerade das ganze Gabdag-Seensystem zu Füßen.
IMG_3524Und auch den großen See Riebnes, an dessen Ufer unser heutiges Etappenziel liegt, sollten wir von hier aus eigentlich schon in der Ferne ausmachen können.
Aber erst als wir bereits gut Höhe abgebaut haben, kommen wir dann unten aus den Wolken heraus. Und damit bessert sich natürlich auch die Sicht etwas.
Leider geschieht das aber erst wieder unmittelbar über der Baumgrenze, wo uns – trotz des Regens – auch heute wieder ganze Moskito-Schwärme in Empfang nehmen.
Die Entscheidung, oben zu schlafen, ist absolut richtig gewesen..!„, stellt Claudia irgendwann fest und spielt damit natürlich auf die Stechmücken an.
Klar..!„, erwidere ich. „Dort oben war zudem aber auch der Boden deutlich trockener gewesen..!“ Dann greife ich nach dem Mygga und creme mir zumindest mal Gesicht und Hände ein.

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Für alle Fälle haben wir auch beide bereits den Mücken-Schleier unter der Kapuze des Ponchos übergezogen, so dass wir ihn bei Bedarf nur über das Gesicht ziehen müssten!

IMG_3529Dann erreichen wir ein weiteres Sumpfgebiet, das aber – Gott sei Dank – nicht ganz so schlimm ist, wie das von gestern. Und da uns die „Soße“ inzwischen ja ohnehin schon in den Stiefeln herum läuft, macht es uns heute auch deutlich weniger aus, mit den Schuhen ins Wasser zu treten!
Aber auch heute müssen wir immer mal wieder danach suchen, wo wohl gerade das beste Durchkommen ist. Trotzdem haben wir im Moor aber nie das Gefühl, den Weg verloren zu haben, wie es beispielsweise gestern der Fall gewesen ist.
IMG_3533Außerdem gibt es hier nun auch immer wieder Stellen mit festem Untergrund, an denen man mal etwas „entspannen“, und sich in aller Ruhe orientieren kann. Trotzdem fordert auch dieser Wegabschnitt wieder einige „Körner“ von uns! Und mit Verlaub: Die nassen Füße gehen mir langsam ebenfalls auf den Sack..!
Aber unsere Füße sind – trotz des kühlen Wetters – nicht kalt. Es ist jedoch sehr unangenehm, wenn einem bei jedem Schritt im Schuh die Soße von vorne nach hinten, und dann wieder zurück läuft. Und jedesmal, wenn wieder neues Wasser hinzu kommt, wird es in ihm auch sofort wieder etwas kühler. Versucht das doch mal einen ganzen Tag lang zu ignorieren..!

Und nun möchte ich Euch auch einmal zeigen, wo das ganze Wasser in den Schuhen ursprünglich her kommt:

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Schon mehrfach habe ich hier von den nassen Birken gesprochen, bei denen wir immer wieder „literweise“ Regenwasser abstreifen. Für Claudia, die meist hinter mir geht, ist dieses Problem nicht ganz so groß, da ich zuvor ja schon das meiste Wasser von den Zweigen geholt habe. Die Birken, durch die ich aber als Vorausgehender hindurch muss, sehen immer so(!) aus: (Bild unten!)

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Ausweichen kann man den Birken nur selten, und so holt man sich bei jedem Vorbeistreifen wieder neues Wasser auf den Poncho. Von dort aus läuft es dann hinunter, auf die Regenhose und von dort aus direkt auf die Zungen der Schuhe, in denen es es dann auch ganz spontan wieder etwas „kühler“ wird. Ein Scheiß-Spiel, das einen aber irgendwann abstumpfen lässt.
An einer weiteren Hängebrücke weiß ich dann aus dem Handbuch, dass wir kurz hinter ihr den nördlichen Polarkreis wieder verlassen werden. (Man wird aber in der Wildnis natürlich nicht extra darauf aufmerksam gemacht..!)

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Außerdem herrscht auf der anderen Seite des Polarkreises das gleiche Sauwetter! Das stundenlange, monotone Prasseln des Regens auf der Kapuze des Ponchos, schläfert einen aber auch langsam ein, so dass man leicht seine Konzentration verliert. Die ist auf den nassen Bohlenwegen aber lebenswichtig, denn die sind bei diesem Wetter natürlich gefährlich glatt! Immer wieder mal rutschen wir auf ihnen aus und können uns oft nur gerade noch so fangen. Ohne Wanderstöcke hätte man da dann überhaupt keine Chance!

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Der letzte Abschnitt unserer Tagesetappe führt uns über ein dichtes Insellabyrinth, das mit lauter Brücken und Bohlenstege untereinander verbunden ist. Ein richtiger Abenteuer-Pfad, der wohl wunderschön zu gehen wäre, wenn nur auch das Wetter etwas besser mitspielen würde.
Ohne, dass der Regen nachlassen würde, erreichen wir dann endlich den Hof Vuonatjviken, am Ufer des Gabdak, unser heutiges Etappenziel. Und dort steht es für uns auch außer Frage, dass wir uns heute Nacht einquartieren würden, denn keiner hat nach dieser Wasserschlacht noch Lust, ein nasses Zelt aufzubauen.

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Und da wir hier mal ausnahmsweise wieder mit Karte bezahlen können(!), geben wir sogar freiwillig auch noch etwas mehr aus dafür, dass wir Dusche und Toilette im Haus haben. Welch ein Luxus hier draußen, am A…. der Welt!
Als wir dann aber unser kleines Ferien-Häuschen beziehen, sind wir über die Ausstattung erst mal richtiggehend sprachlos: Elektroherd, Kühlschrank, Microwelle, Wasserkocher und eine elektrische Heizung..!

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Wir duschen erst mal heiß und ausgiebig, dann mache ich uns einen ebenfalls heißen Tee.Inzwischen habe ich im Trockenraum (Extra-Gebäude) bereits einen elektrischen Schuhtrockner, und sogar einen elektrischen Trockenschrank für Wäsche entdeckt. Im Nu hängen da natürlich die Stiefel ohne Schuhbändel an den Luftschläuchen. Die sollten bis morgen früh also eigentlich wieder trocken werden!

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Und Claudia ist natürlich ebenfalls begeistert und drückt gleich noch ein paar Slips und T-Shirts heraus. Das alles hängt dann kurz darauf ebenfalls schon im Trockenschrank, während ich uns zur Feier des Tages mal wieder eine feine Nudelsuppe koche. Das Leben kann doch so schön sein. Und so einfach..!

Zusammenfassung 14. Etappe: 14,2 Kilometer mit nur ca. 33 Höhenmeter im Anstieg, jededoch 449 Höhenmeter im Abstieg – Dauer: 9,5 Std.

Wenn Du gerne noch mehr über den Kungsleden erfahren möchtest, dann empfehlen wir Dir unbedingt den kleinen Reiseführer von Michael Hennemann:

Schweden: Kungsleden*

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Kungsleden, 13. Etappe: Tjieggelvas – JakkakaskajarroKungsleden, 15. Etappe: Hof Vuonatjviken – STF-Fjällstation Jäkkvik

3 Kommentare »

  • manu sagt:

    mein Gott, was ihr nicht alles mit euch rum schleppt 😉 toller bericht,…

  • Tobi sagt:

    Ein sehr schöner Bericht mit tollen Fotos! Vielen Dank dafür!
    Noch eine Frage: Warum trocknet ihr die Schuhe ohne Schuhbändel? Bei mir sind die Schuhe bis jetzt auch mit Bändel trocken geworden.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Tobi,
    wenn die Schuhe nass sind, dann sind ganz automatisch auch die Schuhbändel immer mit Wasser vollgesaugt. Da diese (beim Trockmnen) nun ebenfalls Wasser an das Leder der Zunge abgeben, trocknet diese viel langsamer! Ergo: Bändel raus und separat trocknen, das geht schneller! Außerdem lässt sich die Zunge so anschließend auch viel besser eincremen, als wenn die Schuhbändel drinn sind! 😉
    LG, Rainer
    PS: Zu Hause mache ich das auch nicht immer!

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