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Kemptener Naturfreundehaus – „Stuiben“

12 März 2013 Kein Kommentar

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Als der Garmin piepst, muss ich mich weit unter den warmen Decken hervorrecken um die Weckfunktion ausschalten zu können und bekomme fast einen Kälteschock: Im Zimmer herrscht eine Eiseskälte!
Aufstehen..!“ raune ich Claudia zu, und bin schon wieder unter meiner Decke. „Du zuerst..!“ brummt die aber nur zurück und schüttelt sich einmal. Ihr Bett steht in Verlängerung zu meinem, am Fußende.

IMG_9633Wie gewohnt, wird nun durch möglichst belangloses Gefrotzel erstmal noch etwas Zeit geschunden: „Wer hatte eigentlich diese saublöde Idee, hier im Allgäu Schneeschuhwandern zu wollen..?„, kommt dann irgendwann von unten. „Du..!„, erwidere ich wahrheitsgemäß und springe aus dem Bett. Zuvor habe ich mir aber noch ganz genau gemerkt, wo sich der Fleece-Pulli und die warme Skiunterwäsche mit den Socken befinden.
Claudia sieht mir bewundernd zu, wie schnell ich den Schlafanzug aus, und die warmen Klamotten anziehe. Dann bin ich aber schon aus dem Zimmer und und unterwegs zum WC, denn dort ist es wärmer! (Damit das Wasser nicht einfriert!)
Anschließend noch eine (wirklich ganz) schnelle Katzenwäsche, dann ist mir endlich warm geworden und ich kehre zurück, ins Zimmer.

Claudia ist inzwischen auch schon angezogen und fragt mich ernsthaft, wie sie sich denn nun am Besten waschen könne, ohne sich dafür extra wieder ausziehen zu müssen. „Hast Du da denn keinen passenden Trick vom Bund für mich..?„, grinst sie.
IMG_9636Nimm mich jetzt auch wenn ich stinke..!„, summe ich ihr als Antwort das Lied von „Die Doofen“ vor und richte mich nebenher fürs Frühstück. Dort unten bullert nämlich inzwischen ganz bestimmt schon der Kachelofen!

Wir sind wie immer die Ersten im Frühstücksraum und werden von Waldi auch gleich gutgelaunt begrüßt.
Das Brot ist selbstgebacken und noch warm..!„, gibt er uns einen Tipp und deutet auf das Körbchen mit kräftig duftenden Brotscheiben. Daneben knackt das Feuer im Kachelofen – welch eine Hütten-Atmospäre!
Claudia beginnt – wie immer auf unseren Touren – mit Müsli. Danach Brot mit Almkäse, bestimmt von sehr glücklichen, allgäuer Kühen. Zum Abschluss dann noch etwas Marmelade – und selbst die kocht Sonja für ihre Hausgäste selbst! So sitzen wir in der gemütlichen Stube, hinter halb zugeschneiten Fenstern und genießen ein einfaches, aber sehr feines Frühstück, das wir im Augenblick gegen kein anderes, irgendwo auf der Welt eintauschen möchten. Reine Einstellungssache..!

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Als ich satt bin, widme ich mich noch kurz dem Kartenstudium für den heutigen Aufstieg zum Stuiben. Eigentlich habe ich den „Weg“ ja im Kopf, aber mit einer meterdicken Schneedecke sieht die Landschaft eben doch etwas anders aus, als wir sie noch vom Sommer her in Erinnerung haben! Etwas unsicher bin ich mir aber eigentlich nur über den Wegverlauf hinauf zum Pass, zwischen Stuiben und Sederstuiben. Ihn wird man bei diesen Schneelagen wohl schwer ausmachen können. Für alle Fälle habe ich mir aber schon zu Hause den GPS-Track vom Sommer auf den Garmin geladen. Notfalls könnten wir also auch der Linie im Display folgen.

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Ihr habt’s widder richtig Glück mit ‚em Wedder..!„, meint Waldi irgendwann, nach einem Kennerblick durchs Fenster. „Dess wird heud widder richtig guud..!
Nun, wir haben bereits im Sommer gelernt, uns auf Waldi’s Voraussagen zu verlassen. Und warum soll er ausgerechnet heute Unrecht haben? Gutgelaunt packen wir also unsere Sachen und holen die Schneeschuhe. Waldi hat uns für unterwegs sogar extra noch eine Thermoskanne mit heißen Tee zubereitet – Klasse!

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Das Gepäck haben wir vor dem Start gleichmässig verteilt: Claudia trägt den (superleichten) Rucksack, ich habe die Kamera-Tasche vor dem Bauch. So ziehen wir direkt vom Haus weg, den wunderschön verschneiten Winterweg hinunter, zur Seifenmoos-Alpe. Inzwischen hat es auch ganz sachte angefangen zu schneien, was uns aber nicht stört – im Gegenteil!

IMG_9655Nach dem kurzen Waldstück sind wir dann – auf Höhe der Seifenmoos-Alpe – wieder auf der freien Fläche und sehen hinüber, zu den Gipfeln der Nagelfluhkette. Und dort liegt nun auch unser Tagesziel, der Stuiben!

Im Winter sieht das jetzt aber alles, aufgrund der beachtlichen Schneehöhen, noch einmal deutlich beeindruckender aus, als im Sommer.
Claudia bleibt am Wegrand stehen und beginnt leise und für sich selbst – von Links nach Rechts – noch einmal alle Gipfel der Nagelfluhkette aufzuzählen, die wir bereits im Sommer überschritten haben. Sie hat sie noch alle im Kopf und von hier aus können wir im Westen (rechts) sogar bis zum Hochgrat sehen.

Dann reißen wir uns wieder los und gehen weiter. Auf Höhe der Seifenmoos-Alpe mit der Bergwachtstation verlassen wir den Weg nach rechts, und ziehen durch jungfräulichen Tiefschnee hinüber, zur Mittelberg-Alpe.
Besonders schön ist beim Schneeschuh-Laufen, dass man in solchen Situationen einfach den kürzesten Weg nehmen, und querbeet geradeaus gehen kann! Trotz unserer Schneeschuhe sinken wir dabei im weißen Puder aber fast bis zu den Knien ein, was beim Bergabgehen noch sehr leicht geht und viel Spaß macht. Man fühlt, dass man eigentlich überhaupt keinen richtigen Bodenkontakt mehr hat, sondern sich vielmehr nur noch auf leicht verdichtetem Pulver-Schnee bewegt. Ein Gefühl, fast so als ob man schweben würde – ähnlich dem Tiefschneefahren mit Skiern oder dem Snowbord!

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An einem Wegweiser mitten im weißen „Nichts“ bleibt Claudia dann plötzlich stehen und schmunzelt gutgelaunt: „Schau mal.., da haben die Bauern wieder Stacheldraht um den Wegweiser gebunden, damit ihn die Touristen nicht mitnehmen..!
Das bringt spontan auch mich wieder zum lachen, denn genau diese Antwort habe ich ihr im Sommer einst gegeben, als sie mich diesbezüglich gefragt hat! Inzwischen weiß sie natürlich auch, dass dieser Stacheldraht den Wegweiser vor Kühen schützen soll, die sich an ihm reiben wollen und ihn damit rasch umdrücken würden! So ist sie halt, meine Claudia – immer gut gelaunt..!

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In der Senke wird es zwischen einigen Fichten dann nochmal kurz steiler, aber Claudia rutscht da elegant mit beiden Schneeschuhen gleichzeitig hinunter. Dann ist aber auch dieser Spaß vorbei, und es geht nun nur noch bergauf. Man mag es kaum glauben, aber dieses kurze Stück Tiefschnee bergauf, bis zur Alpe fordert uns wirklich einiges ab und ich stehe anschließend wirklich nach Luft ringend oben, während ich auf Claudia warte.
Endlich oben! Claudia steht vor dem Wegweiser an der tief eingeschneiten Mittelberg-Alpe..!Jetzt weiß ich wieder, was mir die ganze Zeit gefehlt hat..!“ schmunzelt die dann, ebenfalls nach Luft schnappend, während sie nach meiner Hand greift um sich vollends hochziehen zu lassen.

Dann stehen wir nebeneinander auf dem gebahnten Winterwanderweg, neben der Mittelberg-Alpe. Claudia betrachtet den Wegweiser kurz und murmelt etwas von: „Nur noch eineinviertel Stunden..!
Und der Rest von heut‘..!“ unke ich ihr hinterher. Wir werden sicherlich das Dreifache dieser Zeit brauchen, unter solchen Bedingungen.

Nach kurzer Verschnaufdauer drehen wir uns dann aber um und folgen nun dem gebahnten Weg, in Richtung Gund-Alpe. Hier ist das Gehen jetzt wieder völlig leicht und wir umrunden flott einen kleinen Hügel im Gegenuhrzeigersinn. Dann noch ein kurzer Anstieg, und wir haben von der Kuppe aus eine freie Sicht auf den vor uns liegenden Stuiben.
IMG_9687Wow..!“ rutscht da Claudia nur noch heraus und ich möchte mich ihr anschließen. Welch ein Drumm von Berg, aus dieser Perspektive..!

Dann halten wir uns nach rechts, und passieren die Gund-Alpe, und kurz darauf auch eine Holztafel, auf der alle Tourengeher noch einmal daran erinnert werden, dem Wild in dieser Zeit unbedingt sein Rückzugsgebiet zu gewähren, in dem es nicht gestört wird.
Dann stehen wir neben einem Fels aus dem namensgebenden Nagelfluh und sehen steil hinauf. Einige Skitouren-Geher kommen gerade durch jungfräulichen Tiefschnee von oben heruntergewedelt und Claudia nickt anerkennend mit dem Kopf:
Ja.., die haben’s richtig drauf..!
Inzwischen habe ich bereits nach dem besten Weg hinauf, Ausschau gehalten und wohl auch gefunden: Entlang des Sommer-Pfades zum Pass, führt ein schmaler, aber bereits tief ausgetretener Pfad hinauf. Den werden wir nehmen!
Claudia nickt nur und zieht auch sofort los.

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Dieser Trampelpfad ist jedoch von Tourengehern mit Skiern tief ausgetreten und mit Schneeschuhen ziemlich schwierig zu bewältigen, da er sehr schmal ist. Skier sind eben doch nicht ganz so breit wie Schneeschuhe, dafür aber länger. Während ich Claudia folge beobachte ich, wie sie routiniert den jeweils hinteren Schneeschuh nach vorne bringt, indem sie ihn vorsichtig über den Unteren, auf dem sie gerade steht, hinwegführt.

IMG_9704Und trotzdem landen wir beide ein paar Mal im Schnee. Aber das gehört einfach dazu und wird dann jeweils mit „aufmunterndem“ Gefrotzel des anderen qittiert!

Irgendwann kommt dann eine Gruppe Skitourengeher von hinten heran, die wir freundlich vorbei lassen, indem wir für sie aus der Spur treten. Und nachdem wir auf unser „Guten Morgen..!“ (von keinem!) eine Antwort erhalten, quittiert Claudia die Unfreundlichkeit einfach mit einem deutlich vernehmbaren: „Oder auch nicht..!
Ich muss grinsen, denn schließlich lassen wir uns von ein paar Rüpeln diesen tollen Tag nicht verderben..!

Inzwischen haben wir die Passhöhe zwischen Stuiben und Sederstuiben erreicht und sind beide völlig überwältigt von dem unglaublichen Ausblick dort: Der Berg bricht hier an seiner Südseite nahezu senkrecht ab und bietet uns so ein phantastisches Panorama über die ganzen Alpenkette! Und nun sind es auch nur noch ein paar Höhenmeter, die uns vom Gipfelkreuz trennen! Ich bin zuerst oben und erwarte Claudia mit der Kamera und ihrem wohlverdienten Gipfelkuss.

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Eine kurze Pause mit einem Schluck von Waldi’s (sau-)heißem Tee, ein paar Fotos und noch ein paar freundliche Worte mit drei Skitouren-Gehern, die hier oben gerade ebenfalls rasten.
Nur langsam beruhigt sich unsere Atmung wieder, aber der Ausblick ist wirklich jede Anstrengung wert, denn er ist einfach überwältigend! Aus diesem Grund möchten wir Euch auch unten noch ein weiteres Gipfelfoto zeigen, das etwas mehr nach Südosten hin geschossen ist.

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Trotz unserer Glücksgefühle bemerken wir hier oben aber bald die Eiseskälte, die uns nun langsam in unsere nassgeschwitzte Kleidung kriecht. Während des ganzen Aufstiegs waren wir ständig im schützenden Lee des Gipfels gewesen. Hier oben sind wir nun aber einem eiskalten Südwind ausgeliefert. Claudia fröstelt und drängt daher zum baldigen Aufbruch.

IMG_9720Kurzerhand schlage ich vor, den Abstieg nun direkt nach Norden zu wagen und den Sattel einfach auszulassen. Das bringt uns nämlich schneller wieder ins Lee des Gipels. Außerdem ist dasnun auch wieder Neuland für uns, und lässt so auch den Abstieg noch etwas interessanter werden.
Bald sind wir so dann wieder kurz über unserem Trampelpfad und sehen von hier aus sogar bis hinüber, zum Kemptener Naturfreundehaus.
Wow..!„, meint Claudia da plötzlich. „Das ist ja deutlich weiter, als es mir bisher überhaupt bewusst war..!

Naja, der Abstieg ist dann schnell erzählt, da es bergab eben deutlich leichter und IMG_9722schneller geht, auch wenn man nicht wie die Skitouren-Geher, nun einfach abfahren kann.
Lasst mich vielleicht noch erwähnen, dass es insgesamt „nur“ 8,6 Kilometer, mit 511 Höhenmeter waren. Eigentlich nur ein Klacks – eigentlich..!
Erwähnenswert sind für diesen Tag aber auch noch Waldi’s Rouladen, mit Semmelknödel und Rotkraut, die es zum Abendessen gibt. Denn die haben uns dann für jede Anstrengung dieses Wandertages entschädigt..!

Und unser kaltes Zimmer… (?)

Download GPS-Track [urldisplaymode=nomap]

Nagelfluh-2


Größere Kartenansicht 


Von Immenstadt zum Kemptener NaturfreundehausKemptener Naturfreundehaus – Immenstadt

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