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Kemptener Naturfreundehaus – Immenstadt

15 März 2013 Ein Kommentar

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Auch in dieser Nacht ist es im Zimmer wieder saukalt gewesen, aber diesmal waren wir gut „vorbereitet“. Fleece-Handschuhe, Balaclave, Socken und insgesamt drei(!) Decken verhinderten sogar bei Claudia jedes Frieren! Ich selbst habe mollig warm durchgeschlafen und als der Garmin piepst stehe ich sogar freiwillig auf, um Claudia zu fotografieren. Die hat zwar noch etwas Mühe, die Augen offen zu halten, ist aber auch schon wieder ganz gut drauf! 

IMG_9727Dann erneute Katzenwäsche: Unter solchen Bedingungen duschen wir uns lieber abends den ganzen Schweiß von der Haut und stauben uns morgens dann nur noch ab; pflegen und „salben“ können wir uns ja anschließend zu Hause wieder..!
Man muss ein Schwein sein auf dieser Welt..!„, summt Claudia dann auch fröhlich – unterwegs zum Zähneputzen.

Anschließend gehen wir hinunter zum Frühstück und dürfen dort gleich ein phantastisches Schauspiel genießen: Die aufgehende Sonne strahlt die Wolken über den Gipfeln an und bringt sie so zum Glühen – phantastisch!

IMG_9728Und auch heute hat Waldi den Kachelofen schon wieder gut im Griff, denn im Frühstückszimmer herrscht bereits angenehme Behaglichkeit: Frühstück neben dem knackenden Feuer im Ofen.

Wir lassen uns beim Frühstück dann auch viel Zeit und genießen die tolle Hütten-Atmosphäre im Kemptener Naturfreundehaus in vollen Zügen. Müsli, warme Brötchen und heißer Kaffee, Wurst, Käse und selbstgemachte Marmelade. Herz, was willst Du mehr..?

IIMG_9729rgendwann gehen wir dann auf’s Zimmer und packen unsere Rucksäcke für den Abstieg. Und wieder hat uns Waldi eine Thermoskanne heißen Tee für unterwegs gekocht. Wir durften uns sogar noch ein Vesper für den Heimweg richten, was auf keiner Hütte als Selbstverständlichkeit angesehen werden sollte! Dann kommt leider der Augenblick des Abschieds: Waldi drückt Claudia herzlich, und auch Sonja hält sich nicht zurück. Dankeschön, für alles! Es war schön bei Euch und wir werden ganz bestimmt wiederkommen!

Draußen werden wir dann von unglaublich milden Temperaturen überrascht: Wir haben einen Föhn-Einbruch!

Wir legen unsere Schneeschuhe wieder direkt vor dem Haus an und halten uns von dort aus dann gleich ostwärts. So gehen wir schon von Beginn an eine Abstiegsvariante, die Waldi gestern Abend noch ausführlich mit uns durchgesprochen hat. Die geplante Strecke: Kemptener Naturfreundehaus – Alp-Alpe – Wildengund-Alpe – Gehrenstein – Hornkanzel – Immenstadt.

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Man spürt die Auswirkungen des Föhns auch schon bei den ersten Schritten im Schnee: Er ist deutlich schwerer geworden und von den Bäumen hört man sogar Tauwasser tropfen. Claudia, die vor mir geht, hält dann auch bald kurz an und meint:
IMG_9735Haben wir nicht ein unglaubliches Glück mit dem Wetter gehabt..?
Ja..!„, muss ich Ihr beipflichten, „Haben wir..!“ Denn noch vor einer Woche waren wir sehr skeptisch gewesen, ob wir diese Tour überhaupt werden durchziehen können: Es lag einfach zu wenig Schnee im Allgäu! Dann hat es aber doch noch mehrere Tage hintereinander kräftig geschneit und uns damit diese traumhaften Bedingungen beschert!

Ich gehe an Claudia vorbei und übernehme die Führung. Eigentlich müssen wir nun ja nur den Ski-Spuren folgen, denn die Tourengeher sind ja sicher ebenfalls zur Alp-Alpe gegangen. Dann nimmt dieser kleine Abstieg aber doch bald meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch: Tiefer Schnee macht auf Schneeschuhen bergab sehr viel Spass, aber nicht, wenn er schwer und pappig ist! Dann setzt er die Schneeschuh-Unterseite nämlich vollständig zu und die Harschkrallen können nicht mehr greifen. Passt man jetzt nicht höllisch auf, dann rutscht mann plötzlich völlig unkontrolliert abwärts, was schlichtweg gefährlich ist!

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Ich halte mich dann auch ganz brav an die großen S-Schläge einiger Skitouren-Geher, die hier den Buckel bergauf gequert haben. Dieser, bereits etwas verdichtete Schnee, gibt uns deutlich mehr Halt. Kurz darauf sind wir aber sicher unten angekommen und passieren die Alp-Alpe. Hier bestätigen uns nun auch wieder Wegweiser, dass wir richtig sind.

IMG_9741Von nun an geht es nur noch kräftig bergauf – von 1.320m (Alp-Alpe), hinauf auf 1.490m! Der Gerenstein hat also durchaus „Feldberg-Niveau“ (1.493m). Als wir seine Nordwest-Flanke erreichen, wird der Schnee auch wieder deutlich pulvriger und damit auch angenehmer zu gehen. Das hängt wohl damit zusammen, dass wir nun hinter dem Bergrücken auch im Lee des Föhns sind.

Die schmale Skispur, der wir folgen, windet sich nun sehr idyllisch entlang lichter Fichtenwäldchen und tangiert immer wieder freie Flächen. Irgendwann erreichen wir einen versicherten Abruch, der uns einen Blick in Richtung Immenstadt gewährt. Und wir sehen hinüber, zum Gipfel des „Mittag“. An ihm können wir erkennen, dass wir nun auch gleich vollends oben sein müssen, denn der Mittag ist mit 1.451m nur unwesentlich niederer, als der Gerenstein.

IMG_9743Kurz darauf hören wir dann auch Stimmen. Wir erreichen nach wenigen Metern die Ingolstädter Hütte, eine kleine Schutzhütte, etwas unterhalb des Gerenstein-Gipfels. Hier rasten ein paar Skitouren-Geherinnen, die freundlich zusammenrücken, damit wir auf der schmalen Bank ebenfalls noch etwas Platz finden.

Inzwischen ist es schon halb Eins geworden und leichter Hunger macht sich bei mir bemerkbar. Wir packen unser Vesper aus und gönnen uns auch etwas von Waldis heißem Tee.
Das sind dann wieder diese herrlichen Augenblicke, in denen man ganz genau weiß, wofür man diese ganzen Anstrengungen auf sich nimmt. Und die kann einem dann auch niemand mehr wegnehmen!

So sitzen wir eine ganze Weile und geniesen nur, bevor wir wieder aufstehen und die letzten Meter zum Gipfelkreuz des Gerenstein gehen. Und was wir hier nun sehen, verschlägt uns wirklich den Atem: Wir stehen hoch über dem großen Alpsee und haben einen freien Blick hinunter!

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Dieses Panorama geniesen wir natürlich noch ein paar Minuten, dann wenden wir uns nach Osten und folgen den vielen Spuren in Richtung Immenstadt. Gut, dass wir an der Hütte gerastet haben, denn hier oben, am Gipfelkreuz ist gerade Rush-Hour: Unzählige Wanderer sind – mit und ohne Schneeschuhe – von Immenstadt aus, hier herauf gewandert. Klar, es ist Sonntag, wir haben tolles Wetter und es ist überhaupt nicht kalt!

IMG_9747Ich werfe noch einmal einen Blick auf die Karte: Vorerst führt uns ein schmaler Pfad durch einen lichten Hochwald abwärts, bis wir auf einen breiten Ziehweg stoßen. Dann müssen wir uns rechts halten und darauf achten, die kleine Abzweigung nach links nicht zu verpassen, die uns zur „Kanzel“ bringen wird. Aber eigentlich brauchen wir ja nur den vielen Fußsspuren zu folgen, die den Pfad inzwischen unübersehbar tief ausgetreten haben.

Bald erreichen wir den Fahrweg und halten uns rechts, bis wir in einer Rechtskurve die Abzweigung erreichen, von der aus uns einen steiler Weg hinunter zur Hornkanzel, einem tollen Aussichtsplatz, hoch über Immenstadt führen wird.

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Achtung, der Wegweiser (Hornkanzel steiler Weg) verspricht nicht zuviel, denn der Weg ist wirklich steil und windet sich dreidimensional abwärts. Hätten wir etwas mehr Schnee, oder vielleicht auch gar keinen mehr, dann wäre seine Bewältigung sicherlich ein echtes Erlebnis. So stolpern wir aber mit den Schneeschuhen mehr hinunter, als wir gehen. Immer mehr oder weniger im Bereicht der Haftgrenze. Irgendwann habe ich dann auch genug und ziehe die Dinger aus. Sie sind nun am Rucksack deutlich besser aufgehoben, als an den Füßen und Claudia folgt meinem Beispiel wortlos.

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Dann erreichen wir diesen Aussichtspunkt und sind einmal mehr sprachlos über die unglaublichen Kulisse, die uns das Algäu hier bietet! Wie ein Adlernest klebt die Hornkanzel direkt in der steilen Felswand und macht ihrem Namen alle Ehre. Und ganz tief unter uns liegt das verschneite Immenstadt im Sonnenlicht vor uns. Welch ein Panorama!
Claudia hat, aufgrund ihrer Höhenangst dann auch einmal kräftig gezuckt, als sie die Kanzel betrat und muss nun selbst darüber lachen. Es ist mir gelungen, genau diesen Augenblick im großen Bild oben festzuhalten.

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Um 14.45 Uhr stehen wir dann wieder neben unserem Auto, und verstauen unsere Rucksäcke und die Schneeschuhe. Der ganze Abstieg hat gerade mal vier Stunden gedauert. Es waren ja eigentlich auch nur 5,4 Kilometer mit gerade mal 187 Höhenmeter im Anstieg. Dafür ging es aber auch noch stolze 857 Höhenmeter hinunter, bis nach Immenstadt..!

Download GPS-Track [urldisplaymode=nomap]

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Kemptener Naturfreundehaus – „Stuiben“

Ein Kommentar »

  • Detlef Leisterer sagt:

    Was ist denn eine Balaclave? Und der Garmin?

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