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Kandelhöhenweg – 8. Etappe

27 Januar 2012 2 Kommentare

Im Heu haben wir wunderschön weich gelegen und auch in unseren Schlafsäcke war es wieder mollig warm. Dabei war das wohl die bisher kälteste Nacht der ganzen Tour gewesen. Draußen ist es knackig gefroren und der Schopf hält davon – trotz Heizlüfter – nicht besonders viel ab.
Aber das stört uns eigentlich gar nicht, da wir ja gleich ins Warme dürfen – zum Frühstück bei Sandra und Frank.

Auch heute morgen fühlen wir uns wieder wunderbar erholt. Schnell sind die Rucksäcke gepackt, dann klopfen wir vorsichtig bei den Beiden an. Vielleicht schläft ja Töchterchen Kim noch?
Frank ist schon weg zum Brötchen holen. Das ist bei ihnen samstags so üblich, beschwichtigt Sandra. Und im Wohnzimmer hat sie auch schon einen tollen Frühstückstisch gedeckt. Als Frank zurück kommt, schaltet gleich das Radio ein.

Schon unmittelbar nach den Nachrichten werden wir anmoderiert, und nur wenig später folgt dann die Aufzeichnung von gestern. Und wie immer sind wir selbst wieder überrascht, was SWR4 aus den wenigen Sätzen zusammenschneidet, die wir mit Klaus Gülker gewechselt haben.

Das Interview kommt bei Sandra und Frank ebenfalls gut an und so ist die Stimmung dann auch schon beim Frühstück wieder recht ausgelassen. Wir lachen, und mutmaßen nebenher schon über die heutige Etappe. Die soll sich nun nämlich noch einmal „ziemlich ziehen“, hat uns gestern „SWR4-Wandervogel“ Klaus Gülker noch gesteckt. Er ist diesbezüglich recht erfahren und moderiert beim Studio Freiburg die Sendung „Raus mit Klaus„.

Ein Blick durchs Fenster läßt uns aber guter Dinge sein: Draußen ist es zwar bitter kalt, aber über St. Peter geht gerade die Sonne auf und der Himmel ist fast wolkenlos! Noch einmal erwartet uns für die letzte Etappe also Kaiserwetter.
Wir gehen ein letztes Mal in unser liebevoll gestaltetes „Schlafzimmer“, um unsere Rucksäcke zu holen, und verabschieden uns dann herzlich mit dem Wissen: Wir werden uns bald wiedersehen..!

Nun sind wir wieder auf der Strecke und der Schnee knirscht erst mal kräftig unter unseren Schuhen. Es hat auch in dieser Nacht noch einmal sachte geschneit, aber der Schnee reicht leider nicht, um die Schneeschuhe anzuziehen.
„Aber zumindest sieht es am letzten Tag rein optisch noch einmal nach einer Winterbegehung aus..!“, schmunzelt Claudia fröhlich.

Der Kandelhöhenweg zieht von hier aus nun genau nach Westen, immer in Richtung Freiburg. Nur noch 17,0 Kilometer, dann werden wir am Schwabentor stehen, dem Endpunkt unserer Winter-Tour. Und dort, so vermuten wir, wird dann wohl eher ein Hauch von Frühling herrschen, als richtiger Winter..!

Bald verlassen wir den breiten Fahrweg (Hornweg) und werden über schmale, abwechslungsreiche Pfade geführt. Meist ziehen sie hier entlang einer nach links abfallenden Halde, oft sogar im Wald.

Dieser Tag ist nun noch einmal so richtig nach unserem Geschmack. Und inzwischen hat sich auch der Körper – was die Muskulatur angeht – ziemlich auf die schweren Rucksäcke eingestellt.

Ganz besonders bemerke ich das immer beim Fotografieren: Da ich tiefe Perspektiven liebe, tue ich mich damit immer besonders am Anfang einer Trekking-Tour, recht schwer. Zum Ende hin knie ich mich dann aber auch mit dem großen Gepäck genau so locker ab, wie ich das sonst mit einem leichten Tagesrucksack tue.
Es ist auch  für mich immer wieder beeindruckend, wie schnell sich unser Körper auf so etwas einstellt!

Die nun immer höher steigende Sonne hat heute zwar nicht die Kraft, um zu wärmen, aber sie streichelt doch die Seele und ich muss Claudia nur kurz in die Augen sehen, um zu erkennen, wie gut es ihr geht: Sie ist glücklich! Da leuchtet wieder dieser gewisse Funke, den man zu Hause leider nicht immer findet..!

Sie wird oft von ihren Kolleginnen, und auch von ihrer Cheffin gefragt, wie man sich denn auf solchen Gewalttouren nur erholen kann? Das sei doch kein Urlaub!
Oh doch, das ist es für meine Claudia durchaus. Der Abbau von Stress findet nämlich immer nur im Kopf statt, und nicht im Liegestuhl. Und wer sich einem solchen Abenteuer erst einmal stellt, der hat unterwegs dann überhaupt keine Zeit mehr, um sich noch mit irgendwelchen Alltags-Stressoren auseinander zu setzen. Die bleiben bei uns einfach zu Hause..!

Wenn wir dann aber wieder einmal von einer solchen „Gewalttour“ zurück sind, dann beherrscht Claudia durchaus auch das Abschalten und Relaxen. Und sie kann es sogar genießen, einmal einfach garnichts zu tun..! (Im Vertrauen: Vor einer Tour wäre so etwas völlig undenkbar!)

Inzwischen haben wir ein Waldgebiet erreicht, das als Bannwald ausgewiesen ist. Und hier sieht man nun die Sturmschäden der letzten Woche ganz besonders deutlich: Die umgestürzten Bäume werden hier nämlich nicht weggeräumt, lediglich der Wanderpfad wird (halbwegs) passierbar gehalten!

Der Rest einer Fichtenkrone bliebsogar einfach auf dem Weg liegen und ist mit den großen Rucksäcken nun ein kleines Hindernis für uns. Der normale Wanderer bräuchte sich jedoch beim Durchgehen nur etwas zu bücken.

Inzwischen ist es schon kurz nach Zwölf, und wir halten Ausschau nach einem geeigneten Pausen-Plätzchen. Wir sollten dringend mal kurz die Rucksäcke vom Rücken bekommen und uns für ein paar Minuten erholen. Bisher gab’s dafür noch keine passende Gelegenheit.

Diesbezüglich ein kleiner Tipp aus unserer Erfahrung: Lieber immer wieder mal zwischendurch eine kleine Pause zusätzlich machen und (ohne Rucksack!) neue Kraft tanken. Wer damit nämlich wartet, bis er die Pause wirklich braucht, der ist schon viel zu weit gegangen! Nun wird sich sein Körper nicht mehr innerhalb nur weniger Minuten erholen können..!

Wir finden kurz darauf eine kleine, hübsche Schutzhütte, direkt rechts oberhalb des Weges und nehmen ihr Angebot dankend an. Und während wir dort die Rucksäcke zu Boden gleiten lassen, beobachten wir einen anderen Wanderer, der – mit großem Rucksack, und im Stechschritt unsere Hütte passiert, ohne sie (und uns) überhaupt wahr zu nehmen.

„Ist der etwa auf der Flucht..?“, fragt mich Claudia amüsiert und schüttelt nur den Kopf.

Dann schenkt sie uns einen Becher des heißen Tees ein, den uns Sandra am Morgen noch gekocht hat. Erst beim Trinken bemerken wir dann wieder, wie kalt es doch eigentlich ist. Das Schürfen des heißen, süßen Tees reisst uns den Rachen nämlich wohltuend auf, der von der kalten Luft inzwischen völlig ausgetrocknet ist.

Nach wenigen Minuten ziehen wir dann schon wieder weiter, denn Freiburg lockt! Immer wieder mal sehen wir auch schon die vier Windräder auf dem Roßkopf zwischen den Bäumen durchblitzen. Ein weiteres Etappenziel, dem wir nun bereits entgegen streben. Claudia freut sich indessen aber auch noch auf das Streckereck, das wir in Kürze erreichen müssen.

Von dort aus haben wir dann wieder mal etwas Sicht hinunter, in die Rheinebene. Diese hat sich nun schon eine ganze Weile vor uns verborgen, denn bisher konnten wir immer nur nach links hinunter blicken, ins Dreisamtal. Der Blick nach rechts war uns hingegen, von Bergkuppen und Bäumen, stets verwehrt gewesen.

Erst jetzt offenbart sich uns wieder einmal eine etwas vom Dunst begrenzte Fernsicht, nach Nordwesten.

Claudia ist völlig im Glück, obwohl ich garnicht weiß, warum sie an diesem Plätzchen einen solchen Narren gefressen hat. Naja, schön ist es hier ja. Kurz darauf – und nach einem Foto – ziehen wir weiter.

Während Claudia am Streckereck ihren Gefühlen freien Lauf gelassen hat, nutzte ich den Blick ins Tal, um in etwa abzuschätzen, wie weit hinunter wohl der „Winter“ reichen wird. Und irgend etwas stört mich dabei, ohne dass ich sagen könnte, was es ist. Es ist mehr nur so ein Gefühl im Bauch..!

Nach einem weiteren Kilometer weiß ich es dann: Der Schnee auf dem Weg ist inzwischen weg und hat blankem Eis platz gemacht! Hier muss es in der Nacht wohl auf den tiefgefrorenen Boden geregnet haben, denn alles ist von einem dünnen Eisfilm überzogen. Selbst die Grashalme tragen einen Eispanzer.

Nun wird mit dem schweren Rucksack jeder Schritt zur Qual. Trotz der Wanderstöcke rutschen wir immer wieder aus und die Muskulatur verkrampft sich dabei immer weiter. Und das tut dann irgendwann so richtig weh..!

Als wir endlich am Roßkopfturm ankommen, nehmen wir an der Hütte die Rucksäcke noch einmal ab und trinken etwas Tee.
Nebenher sehe ich zwei Mountain-Bikern dabei zu, wie sie sich „downhill-bereit“ machen. Sie legen Helme, Ellenbogen-, und Knie-Schützer an und Claudia kann es kaum fassen, als sie sich dann – wie die Irren – buchstäblich in die Downhill-Strecke hineinstürzen, die hier extra für sie angelegt ist. (Auch die ist hier oben nämlich gerade völlig vereist..!)

Nach kurzer Pause ziehen dann auch wir wieder weiter, nun nur noch abwärts. Unterwegs kommen uns nun aber immer wieder mal Mountain-Biker entgegen, die auf dem Kandelhöhenweg zum Roßkopf hinauf-radeln, um dann über die Downhill-Strecke wieder nach Freiburg abzufahren.

Achtung: Diese Radler-Strecke schneidet ab und zu den Wanderweg und man tut dort gut daran, immer erst einen kurzen Blick aufwärts zu riskieren, bevor man sie überschreitet. Bremsen geht da nämlich nicht mehr..!

Dann erreichen wir den breiten Weg, der nun eben hinüber führt, zum Kanonenplatz. Hier ist jetzt auch kein Eis mehr und wir freuen uns mächtig darauf, am Aussichtspunkt noch einmal die Rucksäcke abzunehmen und ein paar Fotos von Freiburg zu machen.
Als wir dort ankommen, werden wir aber von vielen Spaziergängern erst mal angeschaut, als ob wir vom Mond kämen. Und zugegeben: Die Schneeschuhe am Rucksack wirken hier schon etwas deplaziert, denn Freiburg ist – im Gegensatz zum Hochschwarzwald – wohl schon eher auf Frühling eingestellt

Für uns ist es nun aber fast geschafft, denn schon können wir unten das Schwabentor erkennen, Freiburgs altes Stadttor, an dem der Kandelhöhenweg offiziell endet.
Noch einmal schieben uns unsere Rucksäcke dann den steilen Spazierweg hinunter, über den gerade recht viele Freiburger herauf kommen. Auch sie nützen natürlich das tolle Wetter, um mal kurz raus zu kommen.
Wir spüren nun aber noch einmal kräftig Oberschenkel und Waden, ein Andenken an die vereisten Wege, oben am Rosskopf. Dann stehen wir aber endlich unten, vor dem Schwabentor und Claudia klatscht mich ab. Dafür bekommt sie dann ihren Gipfelkuss, auch wenn hier gerade weit und breit keiner in Sicht ist. Aber wir beide sind nun gerade ganz oben angekommen, denn unser Abenteuer ist jetzt bestanden..!

Und wer nun immer noch glaubt, dass eine solche (Tor-)Tour für Claudia keinen Erholungswert hat, der sollte ihr oben einmal ganz genau in die Augen sehen..!

Zum Bahnhof nehmen wir dann die Straßenbahn, da wir beide nun keine Lust mehr haben, noch auf Asphalt und Pflastersteine zu laufen. Die Füße tun uns auch so schon weh.
Dann steigen wir ins Höllental-Bähnle und fahren hinauf nach Neustadt, wo uns August, der Vater unserer Vermieter, am Bahnhof abholt.

Und wer von Euch kann sich nun vielleicht auch noch vorstellen, wie wohltuend nun ein abschließendes, gemeinsames, heißes Bad sein kann..?

Wir haben es uns auf jeden Fall verdient. Ach ja, und es gibt auch noch eine kleine Erfolgsmeldung. Wir haben unterwegs nämlich doch noch etwas abgenommen: Claudia ganze 4,0kg und ich immerhin noch 2,7kg! 😉

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Kandelhöhenweg – 7. Etappe

2 Kommentare »

  • Jörg Rapp sagt:

    Gratulation euch beiden zum Abschluss eurer Kandelhöhenweg-Winterbegehung und dass daraus noch solch eine Schneeschuhtour wurde!!!

    – Vielen Dank für eure Bilderserien. Beim Lesen des Textes und dem Betrachten der Bilder hab ich als Wegwart des Schwarzwaldvereins ein wenig bemerkt, wo Verbesserungen der Markierweise und Pflege der Einrichtungen vorgenommen werden könnten. Ich will dabei niemand ankreiden in meinem Bezirk oder bei den Nachbarn. An manchen Stellen ist aber nicht zu übersehen, woran es tatsächlich fehlt. Der Deutsche Wandertag liegt noch nicht mal anderthalb Jahre zurück und so muss ich annehmen, dass auf den Wandertag hin schon sehr schlampig gearbeitet wurde. Veralgte Wegweisertafeln sind ein beredtes Beispiel für nachlässige Betreuung. In den nächsten Jahren sollen einzelne Regionen noch wanderbarer gemacht werden als bisher, um den Wandertourismus weiter voranzubringen. Bei solcher Betreuungsauffassung habe ich dann meine großen Zweifel. Es kommt wirklich auf jeden Einzelnen an, wie er sich und seine Arbeit einbringen möchte. – Herzliche Grüße, Jörg Rapp.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Jörg, danke für die Glückwünsche! Das war natürlich mal wieder ein tolles Abenteuer, dazu noch gleich vor der Haustüre..!
    Sei nicht ganz so streng mit den Wegwarten des SWV, denn der Kandelhöhenweg ist wirklich vorbildlich beschildert! Und wir sind doch alle froh, dass wir die fleißigen Helfer haben! (Euch auch einmal ein herzliches Dankeschön für die vielen Arbeitsstunden, von denen wir dann alle profitieren!)

    Herzliche Grüße, Rainer und Claudia

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