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Kandelhöhenweg – 7. Etappe

26 Januar 2012 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 7 von 8 in der Serie Kandelhöhenweg-Winterbegehung

Die Nacht war unglaublich still gewesen, ich habe nicht ein einziges Auto gehört. Ein Blick durchs Fenster zeigt mir, dass draußen alles nur Grau in Grau, und wohl auch Stein und Bein gefroren ist. Der Kandelgipfel liegt in Wolken, die Sichtweite beträgt vielleicht gerade mal 100 Meter.
Schade, da unser Fenster nach Osten liegt, hätten wir sehr gerne ein paar Fotos vom Sonnenaufgang gemacht. Aber der fällt heute leider aus..!

Wir gehen hinunter zum Frühstück und finden im Gastraum einen einzelnen, liebevoll gedeckten Tisch, direkt am Kachelofen. Kaffee, Brötchen, Wurst, Käse und Marmelade, wem das nicht reicht?
Wir frühstücken in aller Ruhe und sprechen nebenher die heutige Schnee-Etappe durch. Unser Weg führt uns nun fast nur noch abwärts, vom Kandel-Pass (1.217m) hinunter nach St. Peter (730m). Und wir fragen uns natürlich, wie weit wir wohl auf Schneeschuhen hinunter kommen werden, bevor wir sie ausziehen müssen?

Nach dem Frühstück machen wir uns fertig und verabschieden uns von der Familie Gau, Gunnar ist leider schon weg.

Draußen stellen wir dann fest, dass es über Nacht ganz leicht geschneit hat. Gerade mal 2 Zentimeter. Aber genau diese zwei Zentimeter Pulverschnee machen den Unterschied, wissen wir. Und nach den ersten Schritten jubelt Claudia auch schon! Ja, so muss sich wohl Jesus, gefühlt haben, als er einst übers Wasser gegangen ist..!

Der tief verharschte Altschnee gibt den Schneeschuhen nämlich überhaupt keine Möglichkeit, einzusinken. Gleichzeitig drücken sich aber ihre Harschkrallen tief hinein, so dass da natürlich nix mehr rutscht. Und beim Gehen sorgt dann der frische Pulverschnee dafür, dass das Nachziehen des Hinteren Schneeschuhes ohne jeden Widerstand geschieht. Schöner kann Schneeschuh-Wandern überhaupt nicht sein. Nur etwas Sonne hätten wir uns dafür noch gewünscht..!

Vom Kandelhof aus ziehen wir erst mal wieder hinauf, zum großen Parkplatz an der Kandelstraße. Dieser ist um diese Zeit noch völlig leer. Dort überschreiten wir die Straße und folgen nun ein kurzes Stück dem breiten Wanderweg, hinauf in Richtung Gipfel-Pyramide. Als wir dann den Buchenwald im Nebel auftauchen sehen, dem der Weg vom Gipfel herunter im Sommer folgt, halten wir uns links und gehen einfach querfeldein darauf zu.

Den Waldrand nun immer rechts haltend, lustwandeln wir sanft abwärts, bis zum nächsten Schilderbaum. Ihn kennen wir noch vom Sommer. An der Sichtgrenze können wir hier links gerade eben noch die Straße erkennen, und folgen daher nun einfach den Schildern, in Richtung Sägendobel / St. Peter.
Hier ist nun vom eigentlichen Wanderweg schon nichts mehr zu erkennen und wir orientieren uns nur noch „abwärts“, und am „Verlauf des Waldrandes“, rechts von uns.

Hätten wir keine Ortskenntnis, dann ginge hier nun ohne Garmin schon gar nichts mehr! Aus diesem Grund sollte man auf Schneeschuhen auch niemals ohne GPS-Gerät (Handy) losziehen. Zu leicht wird man vom völlig veränderten Aussehen der Winterlandschaft überrascht. Und zusätzlich natürlich auch noch oft von schlechter Sicht!

Als sich der Waldrand rechts dann langsam zurückzieht, verlieren wir einen von nur zwei Orientierungspunkten und halten uns daher einfach nur noch abwärts.
Ich habe das Gelände vom Sommer her noch so in etwa im Kopf, und möchte daher unbedingt wissen, ob ich den Einstieg in den Waldweg, der hier ja nun gleich kommen muss, auch ohne zusätzliche Hilfsmittel finde. Natürlich hätte ich jedezeit einen Blick auf den Garmin werfen können, der am rechten Rucksackgurt hängt, aber ich sehe das nun einfach mal etwas sportlich.

Und dann schält sich der vor uns liegende Waldrand endlich aus dem Nebel und mit ihm auch der nächste Schilderbaum. Und direkt vor uns taucht dann auch noch der gesuchte Waldweg auf! Claudia nickt nur anerkennend:
„Super..!“

Der verlauf des Waldweges ist in diesem Bereich nun, trotz der leichten Pulverauflage, wieder recht deutlich zu erkennen, da der Schnee von vielen Spaziergängern zusammengetreten ist. Wie eine leichte Hohlkehle zieht er zwischen den Bäumen dahin.
Dann verlassen diese Spuren jedoch unseren Kandelhöhenweg und somit brauche ich ab hier nun auch immer häufiger mal den Garmin: Der in diesem Bereich schmale Waldpfad ist so zwischen den Bäumen nämlich kaum mehr auszumachen.

Dann verlassen wir den Wald jedoch und treten auf eine große, freie Fläche hinaus. Keine Ahnung ob es Weide, oder Ackerland ist, denn der Boden ist unter einer dicken Schneeschicht verborgen.
Der Garmin verrät mir jedoch, dass unser Weg – von dem hier jetzt absolut gar nichts mehr zu sehen ist – nun rechter Hand dem Waldrand folgt und an dem Hof, den wir in dreihundert Metern Entfernung bereits ausmachen können. Dann zieht er wieder nach links, zu dem Schilderbaum in einiger Entfernung.

Claudia schmunzelt schon wieder und ich weiß ganz genau, was nun in ihrem Köpfchen vorgeht:
„Was meinst Du, ob wir da vielleicht mal abkürzen dürfen..?“
Es ist natürlich sehr reizvoll, unsere Möglichkeiten zu nutzen und einfach einmal querfeldein zum Schilderbaum zu gehen.
„Klar! Diese kurze Abkürzung sei uns verziehen..!“, lache ich und schicke sie los, um noch ein Foto von hinten zu schießen.

Auch die Sicht scheint inzwischen immer besser zu werden. Und es wird zudem heller, was den Fotografen in mir natürlich freut. Offensichtlich haben wir die dichte, graue Wolkendecke, die eben noch den Kandelgipfel einhüllte, nun bereits nach unten verlassen.

Wir folgen den Schildern nun immer weiter in Richtung Sägendobel. Zuerst wieder etwas links am Waldrand entlang, dann jedoch macht der Pfad plötzlich einen scharfen Rechtsknick und führt jetzt steil im Wald abwärts.

Die Schneeschuhe greifen im Harsch jedoch bombenfest und so können wir fast der Falllinie abwärts folgen, ohne dabei zu rutschen. Diese Bedingungen geben uns mit dem großen Gepäck natürlich eine zusätzliche Sicherheit und so genießen wir diese „Einlage“ auch richtig.

Aber der steile Abstieg hat auch einen Nachteil für uns: Je schneller wir nun „Höhe“ abbauen, umso schneller werden wir auch die Schneegrenze erreichen und dann die Schneeschuhe ausziehen müssen. Claudia bleibt daher auch bald stehen und dreht sich zu mir um:

„Was meinst Du..?“, will sie wissen. „Wie weit werden wir auf den Schneeschuhen wohl noch kommen..?“
„Wenn wir Glück haben, vielleicht bis zum Sägendobel..!“, erwidere ich.

Unter diesen Umständen hätten wir auch heute noch einmal mehr als die halbe Tagesetappe auf den Schneeschuhen bewältigen dürfen, was natürlich toll wäre.
Dann erreichen wir einen Bachlauf, der völlig frei ist von Eis und Schnee. Sein Wasser ist „warm“ (über 0°C) und daher schmilzt der Schnee in diesem Bereich auch zuerst. Aber noch können wir die Schneeschuhe nicht ausziehen, denn der Weiterweg führt uns gleich dahinter wieder über einen tief verschneiten Waldweg.
Etwas vorsichtig überwinden wir das Bächlein, dabei immer an die Schonung der Schneeschuhe auf den frei liegenden Steinen bedacht. Die Harschkrallen sollen schließlich scharf bleiben!

Dahinter nimmt uns dann noch einmal tiefer Schnee auf, der nun aber zusehends „sulziger“ wird. Wir ahnen es, das Ende der Schneeschuh-Tour ist nahe.
Zuvor treffen wir aber noch auf einen Langholzwagen, dessen Fahrer mit dem Kran-Arm seines LKW gerade große Baumstämme auflädt. Wir nehmen Rücksicht und warten einen Augenblick, bis er uns vorbei winkt. Als wir im Vorbeigehen freundlich grüßen und uns bedanken, ruft er lachend und in bestem Badisch von seinem Kran herunter:

„Hey..! Sinn Ihr villicht die Winterwanderer us’em Radio..?“

Wieder einmal wurden wir also erkannt und unterhalten uns daher auch noch einen Augenblick mit dem freundlichen Herrn. Er bestätigt uns, dass wir auf Schneeschuhen wohl doch noch bis zum Sägendobel kommen werden.

„Dann goht abba nix meh..!“, lacht er zum Abschied und winkt noch einmal freundlich.

Nach und nach wird der Schnee nun immer schwerer und seine Höhe geringer. Und dann erreichen wir wieder die gleiche, nervende Situation von gestern, wo es zum Schneeschuh-Gehen schon zu wenig, und zum normalen Wandern fast noch zu viel Schnee hat. Dieses Mal kommen wir nur von der anderen Seite, von oben..!

An einer Garage, etwas oberhalb des Weilers Sägendobel, ziehen wir die Schneeschuhe dann endgültig aus und befestigen sie wieder außen, an unseren Rucksäcken.
„Schade..!, meint Claudia nur. Aber gleichzeitig ist sie auch sichtlich zufrieden mit dem bereits Erlebten.

Auf Schusters Rappen ziehen wir dann vollends hinab, zu den ersten Häusern. Im Gasthof Engel kehren wir kurz ein, um – mal wieder ohne Rucksäcke – etwas zu verschnaufen. Wir genießen einen Kaffee und eine heiße Schokolade. Und wir wollen von hier aus dann auch noch Kontakt zu Klaus Gülker, von SWR4 aufnehmen. Er möchte heute gerne noch einmal ein kurzes Interview mit uns, direkt von unterwegs an der „Strecke“, machen. Das soll dann zum Abschluss unserer Tour, morgen früh gesendet werden.

Wir verabreden uns mit ihm im Wald-Café, direkt am Campingplatz von St. Peter. Bis dorthin ist es nun nicht mehr weit und recht einfach zu gehen. Ein schmales, geteertes Sträßlein führt uns direkt hin.

Leider wird es nun aber immer trüber und das Licht schwindet zunehmend. Keine idealen Voraussetzungen mehr, um noch gute Fotos zu schießen.

Wir sind zuerst im Wald-Café und genehmigen uns schon mal Kaffee und Kuchen, bis Klaus kommt. Die Schwarzwälder ist außergewöhnlich(!) gut und sehr zu empfehlen. Als er dann ebenfalls eintrifft, erklärt er uns lachend, dass wir diese Kaffee-Rechnung schon mit unseren Rundfunkgebühren abgegolten hätten..!

Das freut uns natürlich, und so gehen wir dann auch gut gelaunt mit ihm hinaus, um das Interview zu führen.
Klaus möchte nun aber unbedingt auch noch das Geräusch von Schneeschuhen im Schnee haben, was wir ihm hier, in St. Peter leider nicht mehr bieten können. So packt er uns kurzerhand ins Auto und fährt mit uns nochmal ein Stück zurück, in den Schnee. Dort macht er dann die gewünschte Aufzeichnung und amüsiert sich köstlich, wie Claudia die Riemen ihre Schneeschuhe mit Hilfe eines Kaffeelöffels (den sie immer in der Tasche hat!) schließt.

„Dumm darf man sein..!“, schmunzelt sie nur dazu.

Dann verabschieden wir uns von unserem „Lieblings-Moderator“ und ziehen vollends hinüber, in Richtung Hornweg. Unterwegs fangen wir mit der Kamera doch noch einmal beeindruckende Wolkenformationen und einen Blick auf das in der Abendsonne liegende Kloster von St. Peter ein. Ganz überraschend hat das Wetter nun doch noch einmal aufgerissen.

Für heute sind wir mit Sandra und Frank Pfister im Hornhofhäusle verabredet, die uns in ihrem Schopf eine Übernachtungs-Möglichkeit angeboten haben. Ursprünglich hätten wir uns ja eigentlich gewünscht, noch irgendwo im Heu schlafen zu können, der Bilder und des Erlebnisses wegen. Nun, leider ging das aber nicht mehr.

Sie sollen ja keinen Aufwand betreiben, haben wir die Beiden abschließend noch gebeten, als wir uns letzte Woche kennengelernt haben. Wir bräuchten wirklich nur etwas Platz am Boden und drei Liter Wasser. Den Rest haben wir schließlich dabei. Nun, es sollte aber alles ganz anders kommen..!

Als wir durch die Gartentüre kommen, schaut Sandra Pfister bereits durch’s Fenster und kommt gleich herunter. Die Begrüßung ist sehr herzlich und sie geht auch gleich voran, zum Schopf.
„Der Frank hat Euch etwas vorbereitet..!“, sagt sie lieb und wirkt schon fast verlegen, während sie die Türe öffnet. Und was wir dann erleben, hätten wir uns wohl auch in unseren kühnsten Träumen nicht ausmalen können: Ihr Ehemann Frank hat uns am Boden den Rahmen eines Ehebettes gezimmert und es mit Heu gefüllt..! Wir sind sprachlos und ich sehe, wie sich Claudia eine Freudenträne wegwischt, bevor sie Sandra herzlich in den Arm nimmt! Unglaublich..!

Aber auch das ganze Drumherum ist mit viel Liebe gemacht: Rechts steht ein Tisch mit zwei Stühlen und Getränken, dahinter ein ausgesägter Wanderstiefel. Im Hintergrund läuft zudem ein Heizlüfter und rechts über uns dudelt auch noch leise ein Radio..!
Nein, wir sind nicht in einem Hotel, sondern in der Werkstatt von Frank Pfister, unserem Gastgeber! Und deren Boden ist so picobello sauber, dass er wohl jederzeit mit einem Hotel mithalten könnte!

Sandra zieht sich nun zuerst einmal diskret zurück. Zuvor bittet sie uns aber noch, doch etwas später nach oben, in die Wohnung zu kommen. Sie hätte eine kleine Kartoffelsuppe vorbereitet.

Wir sind sprachlos von dieser völlig neuen Dimension an Gastfreundschaft! So etwas haben wir bisher überhaupt noch nie erlebt, herzlichen Dank Euch Beiden!

Wir waschen uns kurz, ziehen uns dann um und legen die Schlafsäcke für die Nacht aus. Claudia schreibt noch ein paar Details zusammen, um später (für diesen Bericht!) ja nichts zu vergessen. Dann gehen wir hinüber und werden zuerst einmal zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Nein, so wie es aussieht, werden wir auf dieser Tour wohl nicht viel abnehmen..!

Etwas später serviert Sandra dann eine wirklich phantastische Kartoffel-Cremesuppe, mit unglaublich viel Wurst. Ich bin nach zwei Tellern papsatt! Dann kommen etwas später auch noch die Eltern hoch, die uns ebenfalls gerne kennenlernen wollen und wir gehen mit einem ausgesprochen guten Rotwein zum „gemütlichen“ Teil über.

Der Abend endet mit der Einladung zum gemeinsamen Frühstück. Frank müsse ohnehin früh raus und die Beiden wollen unbedingt noch das Interview gemeinsam mit uns anhören, das morgen schon kurz nach Sieben gesendet werden soll.
Wir können uns gar nicht ausreichend für diese unglaubliche Gastfreundschaft bedanken und gehen dann auch ziemlich aufgewühlt schlafen.

Was für ein Tag, es ist Freitag der 13. Januar 2012..!

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Kandelhöhenweg – 6. EtappeKandelhöhenweg – 8. Etappe

2 Kommentare »

  • Thomas Schulte sagt:

    Ein toller Bericht. Mit Schneeschuhe zu laufen ist schon eine tolle Herausforderung. Viele Grüße.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Thomas, herzlichen Dank! Ja, Schneeschuh-Wandern hat was..! Lieben Gruß

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