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Kandelhöhenweg – 6. Etappe

25 Januar 2012 Kein Kommentar

Wir haben im Scheffelhof wohl geschlafen wie „die Toten“, denn als morgens unser Garmin piepst, muss ich mich erst einmal sortieren. Ich mache Licht und als ich dann das Chaos in unserem Zimmer sehe, weiß ich natürlich wieder, wo ich bin!
Ich stehe auf, komme einem dringenden Bedürfnis nach und baue dann zu allererst mal unser Zelt ab, damit wir uns im Zimmer überhaupt wieder bewegen können.

Danach geht eigentlich alles sehr zügig, da wir inzwischen die entsprechende Routine haben. Im Bad sind wir abwechselnd, und die Rucksäcke sind ebenfalls nach etwa 30 Minuten ordentlich gepackt. Sogar das Zimmer wirkt schon wieder recht aufgeräumt, als wir kurz darauf zum Frühstück gehen.

Im Scheffelhof gibt es ein umfangreiches Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen lässt. Wir trinken Kaffee, essen Spiegeleier mit Speck und Claudia steckt sich für unterwegs noch eine Banane ein. Und man hat uns auch noch zwei Thermoskannen mit Tee, für unterwegs gekocht.
Dann wird es ernst: Der beeindruckende Kandelaufstieg liegt nun vor uns, mit seinen knapp 1.000 Höhenmetern! Und hoffentlich auch der erste Tag auf Schneeschuhen! Vorsichtshalber legen wir schon im Hotel unsere Gamaschen an – für alle Fälle.

Vor dem Scheffelhof muss ich mich dann kurz orientieren, bevor ich wieder die Richtung habe, die uns auf den Kandelhöhenweg zurück bringt. (Der Scheffelhof liegt wenige hundert Meter östlich davon!)
Am Narrenbrunnen erreichen wir kurz darauf wieder die rote Raute mit dem weißen „K“, die uns nun nur noch aufwärts führt. Wir sind wieder auf der Strecke.

Schon in Waldkirch ist es bitter kalt, es hat in der Nacht wohl ordentlich gefroren. Aber das Gewicht unserer Rucksäcke, in Verbindung mit dem kontinuierlichen Anstieg schon innerhalb der Stadt, lässt uns rasch warm werden. An einer Abzweigung muss ich kurz den Garmin bemühen, weil hier ein Schild fehlt. Dann sind wir aber schnell wieder auf dem richtigen Weg, und der ist allgemein hervorragend ausgeschildert.

Über anfangs breite Wirtschaftswege pilgern wir hinauf, nach Altersbach. Wir ziehen hier nun kurz über schmale, tief gefrorene Pfade und wechseln dann am Hotel auf die andere Straßenseite. Hier gibt’s die Wahnsinns-Schwarzwälder, von der alle reden. Der Wanderweg führt mitten über den Hof.

Hinter dem Haus halten wir uns dann rechts aufwärts und legen nach einem knappen Kilometer kurz die Rucksäcke ab, um einen Abstecher, hinunter zum Wasserfall zu machen. Auch hier sind die Pfade rutschig, am Wasserfall tragen sie sogar blankes Eis und sind nur mit äußerster Vorsicht zu begehen!
Ich mache ein paar Fotos und versuche das fehlende Stativ durch Auflegen der Kamera zu kompensieren. Düsteres Licht in der Schlucht und dazu noch die Sonne im direkten Gegenlicht, das wäre wohl ein Paradebeispiel für eine HDR-Aufnahme.

Nach wenigen Minuten kehren wir wieder zurück, zu unseren Rucksäcken und helfen uns gegenseitig beim Anlegen. Dann ziehen wir weiter aufwärts, in Richtung Schnee..!

Hier knickt unser Weg nun scharf nach links und führt etwas schmaler weiter. Nach einer Weile bietet sich uns an einer Bank noch mal ein hübscher Blick zurück, auf Waldkirch. Wir setzen auch hier die Rucksäcke kurz ab und gönnen uns eine erste Tasse heißen Tee.

Dann gehen wir ein paar Meter zurück, um wieder dem Weg zu folgen, der hier jetzt erneut in einer Serpentine die Richtung wechselt. Schmal, steil und unwegsam führt er nun hinauf zur alten Kandeltraße, die wir bereits sehen können. Er ist inzwischen zum Trampelpfad geworden, der schon fast einem Wildwechsel gleicht. Aber so lieben wir das..!
Kurz darauf überqueren wir die Straße und sehen dann nur wenig oberhalb von uns, schon erste Schneeflecken. Aber es wird wohl noch dauern, bis er tief genug ist, um die Schneeschuhe anlegen zu können.

Der Pfad wird nun felsiger, ja fast alpin und ein hölzerner Steg führt uns kurz darauf um eine Felsnase herum, von der aus wir erneut einen Blick zurück erhaschen können, nach Waldkirch.

Inzwischen nähern wir uns schon der Alois Rohrauer Hütte. Ein Naturfreundehaus, an dem wir die Kandel-Straße noch ein weiteres Mal überqueren werden. Von Ihr aus haben wir dann noch einmal eine phantastische Aussicht über die Rheinebene, bis hinüber zu den Vogesen.
Heute scheint für uns endlich einmal alles zu passen – das Wetter, der Weg und voraussichtlich auch der Schnee..! Immer häufiger sehen wir inzwischen nämlich schon größere Schneeflecken, die zunehmend ausgedehnter und zusammenhängender werden, je höher wir kommen. Und es wird auch fühlbar kälter, wir befinden uns schließlich bereits auf knapp 900m Höhe.

Nach dem erneuten Überqueren der Straße folgen wir dann den Spuren eines Jägers mit seinem Hund weiter aufwärts, in Richtung Kandelrücken. Bald ist der Schnee schon so tief, dass ich mich bemühe, in den verharschten Fußspuren des Waidmannes zu gehen. Für Claudia sind dessen Schritte aber leider zu groß, so dass sie selbst spuren muss. Das ist anstrengend!
Aber noch reicht die Schneehöhe für die Schneeschuhe leider nicht aus. Es ist jetzt genau diese nervende, weil sehr anstrengende Grenze, an der wir sind, in der es zum normalen Gehen schon zu viel, und zum Schneeschuh-Gehen einfach noch zu wenig Schnee hat..!

Dann nimmt die Schneehöhe aber sprunghaft zu und zudem verläßt unser Weg auch noch die Spur des Jägers nach rechts. Jungfräulich zieht der Kandelhöhenweg vor uns nun weiter aufwärts und ich hätte jubeln können.
Eine Bank lädt uns hier – genau an der richtigen Stelle – ein, kurz die Rucksäcke abzustellen, um in aller Ruhe die Schneeschuhe anlegen zu können! Wir nehmen uns vor Freude sogar kurz in den Arm, lachen und sind so richtig happy! Genau für diesen Augenblick haben wir schließlich die ganzen Anstrengungen auf uns genommen..!

Welch ein Genuß: Nicht nur die Rucksäcke sind nun schlagartig jeweils um 2 Kilo leichter, es rutscht auch nichts mehr unter den Füßen, beim Gehen. Man stellt den Schneeschuh einfach nur noch in den Schnee, und er greift..!

Das Gehen ist so nun um vieles leichter geworden, um nicht zu sagen: Zu einem Genuß! Das ist nun wirklich Lustwandeln pur und die Schneehöhe nimmt sogar kontinuierlich zu. Bald hätten wir dann – mit dem schweren Rucksäcken – ohne Schneeschuhe überhaupt nicht mehr gehen können!
Wir haben also mal wieder alles richtig gemacht, denn die Idee war ja: Durchkommen! Wir wollten den Kandelhöhenweg um jeden Preis meistern, egal was unterwegs kommt. Und nun wissen wir, dass wir auch den Rest noch schaffen werden..!

„Das ist doch jetzt nun nur noch ein Klicks, oder wie das heißt..!“, lacht Claudia fröhlich, in Anlehnung an eine ältere Fernseh-Serie.

In der Tat ist das nun einfach nur noch purer Genuß. Wir streifen ohne jede Anstrengund durch den herrlich verschneiten Winterwald des Kandelrückens hinauf, zum Pass. An die zwei Kilo mehr, der Schneeschuhe am Rucksack, hatten wir uns inzwischen schon so gewöhnt, dass diese uns nun schon fast wie „normale“ Tagesrucksäcke vorkommen..!

Bald erreichen wir dann erneut die alte Kandelstraße und ernten dort einige verwunderte Blicke von Leuten in den vorbeifahrenden Autos. Mit derart großen Rucksäcken sind im Schnee – außer uns – wohl nicht viele unterwegs.
Dann verlassen wir die Straße aber rasch wieder und folgen dem Kandelhöhenweg, der hier nur ein schmaler Pfad ist, durch recht eng stehende Bäume hinauf, zur Sattelhöhe.

Die Spuren eines Ski-Tourengehers weisen uns hier nun den Weg, so dass ich den Garmin dafür nicht brauche. Und immer wieder bestätigt uns auch mal wieder eine rote Raute an einem Baum, dass wir doch noch auf dem richtigen Weg sind.

Eine ganz persönliche Anmerkung zum Naturschutz: An alle Tierschützer gewandt, möchten wir hier gerne deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir uns grundsätzlich dem Naturschutz verschrieben haben und Wild im Winter – gerade auf Schneeschuhen – niemals bedrängen! Hier am Kandel befinden wir uns jedoch innerhalb einer derart dichten Infrastruktur, dass wir diesbezüglich keinerlei Bedenken hatten. Größtenteils zieht der Kandelhöhenweg in unmittelbarer Nachbarschaft zur Straße hier herauf, so dass man sich schwer damit tun dürfte, überhaupt Wild aufzuscheuchen. Das hat sich längst weiter zurückgezogen und außer von Füchsen, Hasen und Eichhörnchen, haben wir unterwegs auch keine Spuren gesehen!

Dann erreichen wir endlich die ebene Hochfläche der Passhöhe und sehen hinüber, zur Kandelpyramide, dem eigentlichen Gipfel. Dort ist, wie auch auf dem Parkplatz vor dem Hotel, gerade richtig der Teufel los!

„Nein..!“, meint Claudia spontan. „Diesen Terror brauche ich heute eigentlich nicht mehr..!“

Ich muss ihr Recht geben. Es war bisher derart ruhig gewesen, hier herauf, dass uns diese Menschenmassen dort drüben nun schon fast abstoßen!

Was wir aber, dank der freien Fläche der Sattelhöhe nun ebenfalls noch sehen, bringt uns für einen Moment zum Innehalten: Über der Rheinebene liegt eine geschlossene Wolkendecke, und über uns erstreckt sich ein wolkenloser, blauer Himmel. Das ist Kaiserwetter! Uns geht vor Freude richtig das Herz auf, denn wir sind völlig überwältigt von diesem unbeschreiblich schönen Erlebnis! So etwas erwartet man doch wohl eher in den Alpen, als hier am Kandel!

Dann mache ich Claudia aber auf eine Wolkenfront aufmerksam, die sich doch ziemlich rasch von Norden heranschiebt:
„Schau mal..!“, sage ich zu ihr. „Dort kommt schon der Nachschub an Schnee..!“

Im Ernst: Sollte es auf diese tolle, hart verharschte Schnee-Grundlage nun über Nacht vielleicht noch einmal draufschneien, dann hätten wir morgen sicherlich hervorragende Bedingungen!

Wir beschließen, nun langsam in Richtung Unterkunft zu ziehen. Der Kandelhof hat für uns extra eine Ausnahme gemacht und uns ein Zimmer zur Verfügung gestellt! Unter normalen Umständen, hätten wir also wohl auch heute Nacht, noch einmal im Zelt schlafen müssen. Aber so ist uns das nun natürlich auch lieber und wir freuen uns zudem auch wieder auf ein heiße Dusche.

Der Aufstieg hier herauf war – bei diesen Bedingungen – zwar wirklich toll gewesen, aber durchaus auch anstrengend. Und wer meint, dass er dabei nicht ins Schwitzen kommt, darf uns das gerne beweisen..!

Wir erreichen schon kurz darauf den Kandelhof und werden dort vom Inhaber, Herrn Gau, sehr freundlich begrüßt. Dann beziehen wir das Zimmer und duschen erst einmal sehr ausgiebig.
Etwas später gehen wir wieder hinunter, in die Gaststube, die sich ab 18.00 Uhr rasch leert. Bald sind wir hier dann auch völlig alleine und genießen diese himmlische Ruhe, hier oben am Kandel.
Hier oben ist es wirklich absolut still und wer so etwas noch nicht kennt, der sollte unbedingt einmal (im Winter!) abends hier hoch kommen!

Kurz darauf verputzen wir eine (wirklich!) große Portion Hirschbraten mit Rotkraut und Spätzle und sitzen danachdann noch lange mit Gunnar (das „Sie“ hat gerade mal für die Dauer eines Viertele Roten gehalten!) am Stammtisch und unterhalten uns mit einem echten Insider (Der ursprünglich aus Kiel kommt!) über den Kandel. Klasse!

Gunnar, das müssen wir unbedingt irgendwann mal wiederholen..!

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