Home » Allgemein

Kandelhöhenweg – 5. Etappe

23 Januar 2012 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 5 von 8 in der Serie Kandelhöhenweg-Winterbegehung

Die zweite Nacht im Zelt ist bitterkalt! Das bemerke ich jedoch erst, als ich irgendwann „raus“ muss. Und auch dieses Mal streife ich mit der Glatze erst mal am Zelthimmel entlang und genieße danach wieder das eiskalte Wasser, das mir so richtig eklig den Nacken hinunter läuft..!
Von meinem Fluchen wird Claudia wach, die dann auch erst mal mit einem Tuch die Kondenswasser-Pfützen aufnimmt, die sich bereits wieder im Zelt gebildet haben.

Unterdessen stehe ich draußen, in der Kälte – nur in dünner Ski-Unterwäsche und in den Crocks natürlich völlig barfuß! Es ist absolut sternenklar und daher rund herum auch „Stein und Bein“ gefroren. Das Gras knirscht laut unter meinen Füßen, als ich mich wieder dem Zelt zuwende: Nichts wie rein, in den mollig warmen Schlafsack!
Schlotternd ziehe ich den Reißverschluss von innen zu und rolle mich dann wieder auf der linken Seite ein. Und ruckzuck ist so auch wieder die mollige Wärme da!

Eine Anmerkung: Es ist eigentlich unglaublich, wie warm diese neuen Winterschlafsäcke von Mammut sind: Bis ich nachts „raus“ musste, war mir überhaupt nicht bewusst gewesen, wie kalt es um uns herum ist! Da war beim Schlafen wirklich überhaupt kein Unterschied gewesen, zu unserem Bett zu Hause!
Allerdings ist es auch sehr erstaunlich, wieviel Wärme unser neues Einwand-Zelt von Salewa zurück hält. Obwohl es draußen bestimmt gute -5°C hatte, ist das Kondenswasser an der Innenwand noch immer nicht gefroren!

Ich muss dann wohl auch rasch wieder eingeschlafen sein und werde erst von der Weckfunktion des Garmin geweckt. Es ist 6.45 Uhr, und in Kürze wird sich SWR4 mit dem Briefing für das Live-Interview melden. (Achtung: Dieses Interview steht in der Mediathek von SWR4 leider nur für eine begrenzte Zeit zur Verfügung!)

Notgedrungen krieche ich erneut aus dem warmen Schlafsack, dieses Mal ziehe ich mich aber gleich warm an. Und nachdem dann irgendwann auch die Schuhe wieder „auf Temperatur gekommen sind“, mache ich uns heißen Kaffee und serviere die Croissants von gestern Abend. Es ist noch völlig dunkel, nur im Osten zeigt sich bereits vorsichtig die Morgenröte am Himmel – eine wunderschöne, fast unwirkliche Stimmung..!.

Claudia frühstückt – in Erwartung des Anrufes von SWR4 – sitzend „im Bett“, den Schlafsack so hoch wie möglich geschlossen. Dann kommt der erwartete Anruf, und ein freundlicher Herr aus der „Technik“ verbindet sie hinein, ins Studio. Dort unterhält sie sich erst mal eine Weile – überraschend entspannt – mit Frau Braszus, der Moderatorin, bevor diese irgendwann nach mir verlangt: Mann und Frau kommen im Interview besser als zwei Frauen, so das nachvollziehbare Argument!

Sie unterhält sich dann auch mit mir noch einmal kurz, und „haut“ (ihr Ausdruck) mir noch einmal etwas Musik auf’s Ohr, bevor ich höre, wie sie mich in der Sendung freundlich anmoderiert. Den Rest könnt Ihr Euch dann ja oben, über den Link anhören..!

Nach dem Interviev grinst mich Claudia – immer noch im mollig warmen Schlafsack sitzend – spitzbübisch an: „Bekomme ich jetzt vielleicht ein Autogramm mit Widmung von Dir..?“, will sie – gestellt verlegen wie ein Teenager – wissen.
„Aber nur wenn Du Dich jetzt endlich anziehst, damit ich das Zelt abbauen kann..!“, rufe ich von draußen lachend zurück!

Inzwischen mache ich noch ein paar Fotos vom Zelt, vor allem vom Tauwasser und dem Raureif auf der Außenseite..!

Heute hat der Zustand von Zelt und Schlafsäcken für uns nicht ganz die Bedeutung, wie gestern. Heute Abend werden wir in Waldkirch ja in einem warmen, trockenen Hotelzimmer schlafen und werden so dann auch Gelegenheit haben, dort unsere Ausrüstung vollends zu trocknen. Trotzdem denke ich noch ziemlich lange über das Problem mit dem Kondenswasser nach: Wenn es vielleicht noch mal etwas kälter gewesen wäre, so dass das Wasser innen am Zelt gefroren wäre, dann hätten wir diese Probleme wohl nicht gehabt. Und die Schlafsäcke wären auch dann bestimmt noch immer warm genug gewesen!

So wissen wir nun aber auch, dass wir mit dem neuen Salewa ein sehr stabiles Zelt haben, das alle Unbill von uns abhalten kann – selbst Schnee! Und mit dem Tauwasser werden wir bestimmt auch das nächste Mal wieder fertig werden.
Im Sommerhalbjahr werden wir dann ohnehin wieder unser bewährtes Doppelwand-Zelt benutzen..!

Claudia reibt das Zelt innen noch kurz aus, bevor wir es dann zusammen packen. Um es völlig trocknen zu lassen, fehlt uns jetzt die Zeit. Dafür kümmere ich mich um die Rucksäcke.
Inzwischen habe ich uns auch noch zwei Thermoskannen heißen, süßen Tees gekocht und das restliche Wasser – schweren Herzens – weggeschüttet.

Dazu eine ganz persönliche Anmerkung: Es ist für uns immer wieder beeindruckend, wie sich auf einer solchen Tour urplötzlich Werte verschieben: Völlig belanglose Dinge, wie Wasser und Brot, gewinnen plötzlich immens an Bedeutung! Niemals würden wir auf einer Trekking-Tour eine Scheibe Brot wegwerfen. Und der wahre Wert von (Trink-)Wasser wird einem wohl ebenfalls erst wieder bewusst, wenn man richtig Durst leidet. Für uns war das zumindest eine Erfahrung, die wir nicht mehr missen möchten..!

Abschließend stellen wir noch den Korb mit den beiden Thermoskannen vor die Türe des Wanderheimes und brechen auf. Es ist gerade mal 9.30 Uhr und heute scheint ein richtig schöner Tag zu werden. Endlich mal..!

Nach etwa anderthalb Kilometern passieren wir dann eine tolle Schutzhütte. Sie ist an drei Seiten geschlossen und wird wohl bestimmt groß genug, um drinnen auch noch ein (Zweimann-)Innenzelt aufzustellen.

Immer wieder genießen wir nun auch mal etwas bessere Fernsichten, wie zum Beispiel hinunter, in die Rheinebene. Die liegt zwar unter einer geschlossenen Wolkendecke, aber mittendrinn ragt gut sichtbar der Kaiserstuhl heraus und am Horizont erahnen wir auch noch die Vogesen.

Und leider stoßen wir auch hier nun immer wieder auf die Sturmschäden der vergangenen Woche. Viele umgestürzte Bäume wurden bisher nur provisorisch weggeräumt, um überhaupt Durchgang zu schaffen.
Auf dem Kamm des Höhenweges passieren wir dann ausgedehnte Hochweiden mit freien Grashängen und genießen so auch etwas den so lange vermissten, wärmenden Sonnenschein. Und dabei hole ich mir auf diesem Höhenweg dann auch prompt – trotz meiner Mütze – einen ordentlichen Sonnenbrand, hinten auf meiner Platte. (Darf ich dazu bitte bemerken, dass wir immer noch Januar haben und keinerlei Schnee lag!)

Noch einmal geht es dann aber aufwärts, hinauf nach Hohtanne. Dann führt uns ein unglaublich steiler Stich wieder ein paar Höhenmeter hinunter. Und nun liegen schon die letzten Kilometer nach Waldkirch unter unseren Füßen und wir freuen uns inzwischen natürlich auch beide auf eine heiße Dusche, und frische Klamotten.

Wir kommen nun aber auch langsam immer weiter hinunter und so nimmt uns dann auch bald wieder der Wald auf. Größere Fernsichten sind uns nun zwar verwehrt, aber ab und zu erhaschen wir doch einen Blick hinüber, auf den Kandel. Und was wir dort sehen, das freut uns: Sein Gipfel ist nämlich kräftig weiß..! Oben liegt also doch richtig Schnee! So viel, dass es eigentlich ausreichen sollte, um morgen endlich die Schneeschuhe vom Rucksack nehmen zu dürfen.

Schlagartig hat sich nun unsere ohnehin schon gute Laune noch einmal verbessert und so kann uns jetzt noch nicht einmal mehr der 1.000m-Kandelaufstieg von morgen abschrecken. Den haben wir inzwischen schon des öfteren absolviert, auch mit großem Gepäck (Zweitälersteig). Aber bisher noch nie auf Schneeschuhen..!

Inzwischen nähern wir uns immer weiter Waldkirchs Kastelburg, aber noch ist nichts von ihr zu sehen. Wir wissen aber, dass sie sich immer erst im allerletzten Augenblick zwischen den Bäumen zeigt, da wir ja – sozusagen von „hinten“ – aus dem Wald kommen.

Dann kommt Claudia noch ganz spontan mit einem älteren Waldbauern ins Gespräch. Ein netter Herr, der sich sehr für unsere großen Rucksäcke mit den Schneeschuhen interessiert. Er verbrennt gerade das Tannen-Reisig geschlagener Bäume und räuchert damit wohl nach alter Sitte, den Borkenkäfer aus.

Kurz darauf erreichen wir dann aber endlich die Kastelburg und setzen dort noch einmal den Rucksack ab, um uns noch mal etwas vor dem nun kommenden Abstieg zu erholen. Von hier aus geht es jetzt nämlich gleich – über den „Ritterpfad“ – steil nach Waldkirch hinunter und solche Gefälle gehen einem – mit dem großen Gepäck – immer ordentlich in die Beine. Vor allem natürlich abends, am Ende einer Tour..!

Auf dem „Ritterpfad“ ist Claudia dann wieder super drauf: Toternst „flirtet“ sie mit einer der Holz-Ritter, damit der ihr das Gepäck vollends hinunter tragen soll, nach Waldkirch. Nun, die fast lebensgroße Holzfigur lässt sich aber auch von ihr nicht erweichen und so gibt Claudia dann irgendwann „auf“.
Unten in Waldkirch angekommen, überqueren wir dann die Elz und werden dort prompt auf unser Interview vom Morgen angesprochen. Eine nette, ältere Dame hat es gehört und freut sich nun mächtig, uns hier persönlich zu treffen!

Dann suchen wir in der Altstad nach unserem Hotel, dem Scheffelhof, den wir auch nach kurzem Fragen finden. Inzwischen sehen wir aber schon so „wild“ aus, dass wir die dreckigen Wanderstiefel doch vorsichtshalber schon vor dem Hotel ausziehen!
Das ist ja auch kein Problem, da die Crocks – wie immer – außen, am Rucksack hängen.

Nach dem Beziehen des sehr sauberen Hotelzimmers packen wir dann beide Rucksäcke komplett aus und legen nun auch endlich die Schlafsäcke offen zum Trocknen hin. Und als Claudia im wirklich tollen Badezimmer zum Duschen verschwindet, baue ich auch noch provisorisch unser Zelt im Zimmer auf, damit es ebenfalls über Nacht durchtrocknen kann. Und spätestens damit sorge ich dafür, dass es in unserem Zimmer nun endgültig aussieht, wie bei Hempels..!

Nach dem Duschen gehen wir dann ins Restaurant zum Abendessen, wo wir die Wahl haben zwischen einem sehr umfangreichen Nudel-, und Salat-Buffet, oder der Speisenkarte.
Wir entscheiden uns beide spontan für das Nudel-Buffet, und spätestens die tolle Lasagne gibt uns die Gewissheit, uns richtig entschieden zu haben!

Anschließend gönnen wir uns noch ein, zwei Viertele „Roten“, dann zieht es uns beiden die Füße weg und wir gehen schlafen..!

Was für eine tolle Wanderung, was für ein Abenteuer..!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


Größere Kartenansicht 


Kandelhöhenweg – 4. EtappeKandelhöhenweg – 6. Etappe

2 Kommentare »

  • Gabi Stern sagt:

    Hallo,

    Da habt Ihr ja eine wirklich tolle Tour gemacht.Im letzten Frühjahr haben wir dieses Teilstück des Höhenweges bis Waldkirch im Anschluß an den grossen Hansjacobweges gemacht. Den kann ich Euch auch sehr empfehlen, bis jetzt scheinbar noch ein Geheimtipp. Mangels Zeit sind bei uns leider im Moment keine längeren Touren geplant. Habe im Sommer bei kaltem und feuchten Wetter mit meinem Einwandleichtzelt auch ähnliche Erfahrungen gemacht mit dem leidigen Kondenswasser. Das ist wirklich ein Nachteil, da hilft nur herumexperimentieren z.b. einen Bivaksack über die Daunenschlafsäcke zu ziehen etc.
    Freue mich schon auf Euren nächsten Bericht

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Gabi, herzlichen Dank für Deine Zeilen! Die Biwaksäcke helfen gegen das Kondenswasser leider aber auch nicht wirklich, wie wir schon festgestellt haben. Und zwei davon sind sogar schwerer, als das Mehrgewicht zu unserem Doppelwand-Zelt. Übrigens: Der neue Bericht ist online!

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.