Home » Allgemein

Kandelhöhenweg – 4. Etappe

23 Januar 2012 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 4 von 8 in der Serie Kandelhöhenweg-Winterbegehung

Diese erste Zeltübernachtung war – gelinde gesagt – besch….n! Es hat die ganze Nacht über kräftig geregnet, was aber noch nicht einmal unser Problem war. Vielmehr das viele Kondenswasser, innerhalb unseres Zeltes.
Man sollte gar nicht glauben, wieviel davon – zwei Menschen – innerhalb nur weniger Stunden produzieren können..!

Das Regenwasser trommelt schon seit Stunden völlig monoton auf unser Zelt. Eine eigentlich sehr einschläfernde Angelegenheit, die dann aber irgendwann auf die Blase schlägt: Ich muss nämlich „raus“, auch wenn ich keine Lust dazu habe! Im Schlafsack ist es gerade mollig warm und trocken und es kostet da schon richtig Überwindung, diese Geborgenheit aufzugeben.

So öffne ich von innen den Reisverschluss des Schlafsackes und taste etwas verschlafen nach meiner Stirnlampe, irgendwo links neben mir. Statt ihr finde ich dann aber erst Mal: Wasser!
Ich zucke im Zelt hoch und stoße dabei im Dunkeln mit dem Kopf gegen das Zeltdach, was mich dann endgültig wach werden lässt. Eiskalt streife ich nämlich mit meinem breiten „Scheitel“ große Mengen Kondenswasser-Perlen vom Zeltdach ab. So viel, dass mir das Wasser sogar ins Genick hinunter läuft!

Nun bin ich natürlich richtig wach und knipse hastig die Stirnlampe an, die ich inzwischen ebenfalls gefunden habe. Und was ich in ihrem Licht sehe, erschreckt mich dann wirklich: Die gesamte Innenwand des Zeltes ist mit unzähligen, glitzernden Wasserperlen bedeckt. Erreichen sie eine bestimmte Größe, dann rinnen sie an der Zeltwand herunter und sammeln sich auf dem wasserdichten Zeltboden in kleinen Pfützen. Und es ist jetzt gerade mal 23.00 Uhr, wir haben also noch eine lange, und wohl auch nasse Nacht vor uns!

Ich wecke Claudia und mache sie auf das Problem aufmerksam. Dann klettere ich aus dem Schlafsack und verlasse das Zelt, um erst mal meinem Bedürfnis nachzukommen. Das gibt Claudia zudem Gelegenheit, sich im engen Zweimannzelt etwas freier zu bewegen. So wischt sie mit einem kleinen Microfaser-Handtuch die kleinen Pfützen auf, die sich bisher gebildet haben. Ich wringe das Tuch dann in der Apsis aus und sehe mir das Problem mal etwas genauer an.
Wir haben wohl Glück im Unglück, denn durch die Höhe unsere Thermarest-Matten liegen wir mit den Schlafsäcken doch so weit über der Nässe am Zeltboden, dass ihnen eigentlich nichts passieren kann. Sie sind trocken! Nur unser Plastikbeutel mit der Elektronik (Ladegeräte, etc.) liegt in einer kleinen Pfütze, was ihr aber ebenfalls nichts anhaben kann.

Ich öffne nun auch noch alle restlichen Lüftungen des Zeltes und hoffe, dass das ausreicht, um etwas Abhilfe zu schaffen. Dann krieche ich wieder in den warmen Schlafsack hinein und ziehe die Kapuze zu, denn mehr kann ich im Augenblick nicht tun.
So ist die Nacht ab jetzt aber doch ziemlich ungemütlich: Wir sind nun doch wachsam und achten mit „einem Auge“ immer auf die weitere Entwicklung des Kondenswassers über, und unter uns. Und vor allem darauf, dass ja unsere Schlafsäcke trocken bleiben. Morgen haben wir nämlich gleich nochmal eine Zeltübernachtung vor uns! An richtig, tiefen Schlaf ist daher nicht mehr zu denken.

Am allerschlimmsten sind aber immer vereinzelte, schwere Wassertropfen, die wohl von den hohen Bäumen herunter geweht werden: Schlagen sie von außen auf das Zelt, dann platzen innen immer viele, dieser kleinen Kondenswassertröpfchen weg und spritzen dann durchs ganze Zelt. Das ist für uns dann jedesmal eine nasse, kalte Dusche im Gesicht..!

Zum Frühstück ziehen wir dann um, in die Kambacher Hütte, wo wir sogar noch ein paar trockene Fleckchen finden. Ich koche uns Kaffee und den Tee für unterwegs und bald haben wir auch alles wieder – mehr oder weniger trocken – in den Rucksäcken verstaut und sind abmarschbereit. Wir wollten ein richtiges Wander-Abenteuer erleben? Jetzt sind wir bereits mitten drin..!

Die Wege sind natürlich ebenfalls völlig durchgeweicht, vom Dauerregen der vergangenen Nacht und überall auf den Wegen stehen große Pfützen. Aber zumindest hat es inzwischen aufgehört zu regnen. Allerdings hängt der Nebel immer noch tief und schwer über den Wäldern und es könnte wohl auch jederzeit wieder anfangen.

Wie auch immer, wir sind wieder auf dem Trail (Kandelhöhenweg) und streben auch heute wieder unserem Tagesziel entgegen: Dem Wanderheim Kreuzmoos! Das Wanderheim ist derzeit zwar wegen Betriebsferien geschlossen, aber wir erhielten freundlicherweise die Genehmigung, auf dem Anwesen zelten zu dürfen. Dort ist der Rasen sehr gepflegt und zudem schön eben, das Gelände sauber.

Nun führt unser Weg aber erstmal wieder kräftig bergauf, in Richtung Höhehäuser. Unterwegs passieren wir den Geisberg und die Lahrer Hütte. In Höhehäuser – der „Ort“ besteht eigentlich nur aus drei Wirtschaften, die sich endlich darauf „geeinigt“ haben, alle gemeinsam am Dienstag Ruhetag zu machen.
Dann können wir aber doch noch einem der Wirte (die Türe stand offen) zwei Ascho und eine Brezel ablocken. Und da draußen wirklich alles triefnass ist, genießen wir diese kurze Pause im Trockenen, ohne die Rucksäcke auf den Schultern zu haben!

Wieder draußen, begegnen wir dann bald einem alten Bekannten: Dem Zweitälersteig! Und eigentlich haben wir an diese Etappe ja ebenfalls keine besonders guten Erinnerungen.
„Weißt Du noch..?“, grinst mich Claudia auch prompt an.
„Oh jaa..!“, muss ich schmunzeln. Denn damals sind wir vom Wetter ebenfalls mal wieder so richtig „eingeseift“ worden! Abends waren dann im Rucksack sogar die Schlafsäcke nass gewesen. Und das trotz übergezogener Raincover!

„Ob hier oben wohl auch irgendwann mal die Sonne scheint..?“, feixt Claudia mit einem kurzen Blick hinauf, zum grauen Himmel. Sagt’s und zieht – ohne eine Antwort abzuwarten – auch schon wieder los, in Richtung Schutterquelle.

„Die muss eigentlich gleich da vorne links kommen..!“, behauptet sie.
„Nein, rechts! Und es dauert auch noch eine ganze Weile bis dorthin..!“, korrigiere ich sie.
„Nein links..!“
„Nein, rechts..!“
So geht das dann erst mal eine ganze Weile lustig hin und her und endet erst unmittelbar an der Quelle mit ihrer Bemerkung:
„Musst Du eigentlich immer Recht haben..?“
„Nein!“ (Aber sie ist trotzdem rechts, hähä..!) Ich wusste das aber nur noch deswegen so genau, weil ich mich noch daran erinnern konnte, wie ich sie damals fotografiert habe.

Das Quellwasser ist so klar, dass wir im Teich unterhalb der Quelle, deutlich den Grund sehen können. Hier hätte ich wirklich bedenkenlos Trinkwasser aufgenommen, aber es ist einfach noch zu weit bis zum Kreuzmoos, um jetzt schon zusätzliche drei Kilo mit uns zu schleppen!
Ich habe diesbezüglich vor, etwas später an den Dürrhöfen nach Wasser zu fragen. Die liegen nur etwa einen Kilometer vor unserem Etappenziel.

Inzwischen reißt nun der Himmel ab und zu etwas auf und manchmal erhaschen wir sogar einen warmen Sonnenstrahl auf dem Gesicht. Wenn wir Glück haben, dann ist das nun endlich der so lange ersehnte Wetterwechsel. Wir werden sehen..!

Über das Rotzeleck (734m) nähern wir uns dann bald den Dürrhöfen und nehmen dort den kleinen Umweg gerne in Kauf. Gleich drei Hunde „begrüßen“ uns auf dem Hof und nötigen eine ältere Bauersfrau, sie zur Ordnung zu rufen. Und kaum zu glauben, die großen Mischlinge gehorchen ihr auf’s Wort und setzen sich schweigend in einigem Abstand um und herum, um ja alles im Blick zu haben.

Natürlich bekommen wir drei Liter Wasser, und zusätzlich sogar noch eine Thermoskanne voll mit Heißem, für später – zum Waschen!

Wir packen alles ein und ziehen dann wieder die paar Meter hinauf, zum Wanderweg. Man sollte gar nicht glauben, wie dieses zusätzliche Gewicht – nur knappe vier Kilo – uns nun drückt. Wir haben es zwar unter uns aufgeteilt, aber ich habe immer noch eine volle Flasche Tee zusätzlich am Rucksack und bin wirklich froh, als wir nach etwa einer halben Stunde endlich das Kreuzmoos erreichen.
Erleichtert stellen wir das Gepäck auf einem der vielen Vespertische im Garten ab und suchen uns dann das schönste Fleckchen im großen Garten aus. Ein echter „Edelzeltplatz“!

Wie zur Belohnung reißen nun auch noch die Wolken auf und in den wärmenden Strahlen der untergehenden Sonne bauen wir dann völlig entspannt unser Zelt auf. Claudia reibt es innen noch einmal völlig trocken, dann bereitet sie unsere Luma’s und Schlafsäcke für die Nacht vor.

Während ich gerade die Rucksäcke auspacke, fährt dann aber plötzlich ein Auto vor und eine junge Dame im Dirndl kommt mit einem Korb auf uns zu:
„Wenn wir Sie im Augenblick schon nicht selbst bewirten können“, begrüßt sie uns freundlich „dann möchten wir Ihnen zumindest eine kleine Annehmlichkeit bringen..!“
Im Korb ist eine Thermoskanne mit Glühwein, Kuchen und etwas Gebäck zum Frühstück. Zudem nochmal eine weitere Thermoskanne mit heißem Wasser, zum Waschen!

Herzallerliebst! Wir freuen uns natürlich mächtig über diese tolle Überraschung und die herzliche Gastfreundschaft des Hotels Ludinmühle in Freiamt, welches das Wanderheim Keuzmoos inzwischen vom Schwarzwaldverein gepachtet hat.

Auch heute bereite ich uns nach dem Waschen wieder ein heißes Süppchen zu, dann mache ich noch ein paar Nachtaufnahmen von unserem Zelt, bevor ich mich ebenfalls wieder früh in den warmen Schlafsack verkrieche: Es ist inzwischen völlig sternenklar und wird daher wohl eine recht kalte Nacht werden! Und für morgen früh, etwa um 7.30 Uhr, ist eine Liveschaltung mit SWR4 geplant..!

Auch wenn ich in der Nacht mit Frost rechne, trage ich im Schlafsack trotzdem wieder nur dünne (lange) Skiunterwäsche, ohne Strümpfe. Die Mammut-Winterschlafsäcke (Daune) sind nämlich eine echte Bereicherung und unglaublich warm.

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


Größere Kartenansicht 


Kandelhöhenweg – 3. EtappeKandelhöhenweg – 5. Etappe

2 Kommentare »

  • Rainer Motte sagt:

    Hallo, Ihr beiden!
    Ja, ja, der Trekking-Freak läßt sich so leicht durch nichts erschüttern. Ich bewundere Eure Leistungen sehr und hoffe, daß die zweite Hälfte Eurer Expedition unter besseren Bedingungen abgelaufen ist als die ersten vier Tage.
    Ich weiß zwar auch, daß das Gefühl, Schwierigkeiten gemeistert zu haben, Befriedigung verschaffen kann. Auf Dauer kann es aber wohl kaum befriedigen, schweres Gepäck durch Regen und Nebel über morastige Wege zu schleppen. Wo bleibt da der Lustgewinn beim Wandern? Klar, auch Wanderungen im Regen können eine besonders stimmungsvolle Erfahrung sein. Aber tagelang? Und wenn man immer nur grau in grau sieht, nivelliert sich auch die schönste Landschaft auf Dauer zur faden Suppe.
    Ich weiß schon, weshalb ich kein „Trekker“ bin, sondern nur Tageswanderungen mache (aber gerne auch anstrengende). Und ich freue mich jedesmal, wenn ich mich nach getaner schweißtreibender Arbeit mit einem guten Essen und einem frisch gezapften Bier in einem Restaurant/Hotel belohnen lassen darf. Hmmmh…
    Auf Eurer Südsteig-Tour wäre ich sehr gern dabei gewesen 😉 Hier eher nicht…
    Deshalb nochmal meine Bewunderung für Eure tolle Leistung!
    Viele Grüße, Rainer Motte

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Rainer, manchmal ist einfach nur der Weg das Ziel! Sich (draußen) selbst eine Aufgabe zu stellen ist nur dann wirklich interessant, wenn man sich auch richtig anstrengen muss, um sie zu meistern. Und nur so wird aus einer Wanderung dann ein richtiges Abenteuer – das dafür aber gleich um die Ecke!

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.