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Kandelhöhenweg – 3. Etappe

22 Januar 2012 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 3 von 8 in der Serie Kandelhöhenweg-Winterbegehung

In der Nacht war uns in den neuen Winterschlafsäcken viel zu warm gewesen. Herr Kiefer vom SWV hatte es zu gut mit uns gemeint und den Kachelofen in der Gutta-Hütte zuvor noch ordentlich auf Temperatur gebracht. Das war zwar sehr angenehm gewesen, um bei einem Glas Rotwein abends noch etwas zusammen zu sitzen, aber in den Schlafsäcken haben wir es dann später fast nicht ausgehalten: Wir mussten die Reißverschlüsse völlig offen lassen..!

Um sieben Uhr weckt uns am Morgen dann der Wecker des Garmin und ich stelle uns Kaffee-Wasser auf, während Claudia schnell die „Betten macht“: Schlafsäcke lüften, die superleichten Thermarest-Matten (Luma’s) entlüften und zusammenrollen, usw.
Nach einer Katzenwäsche (unterwegs waschen wir uns – um das Salz von der Haut zu bekommen – immer abends, morgens wird dann nur noch „abgestaubt“!) setzen wir uns zu einem gemütlichen Frühstück zusammen. Es gibt löslichen Kaffee mit Milch und Zucker und eine Scheibe Brot mit Frischkäse. In Verbindung mit der tollen Stimmung in der Gutta-Hütte, ein wahrer Genuß!

„Um nichts in der Welt möchte ich das hier jetzt mit einem Hotel tauschen..!“, bestätigt mir dann auch Claudia ganz spontan. Inzwischen kocht schon das Wasser für unseren Tee auf dem Gasherd.

Wir sind gerade fertig mit dem Packen und Aufräumen, als draußen Herr Kiefer vorfährt – mit frischen Brezeln aus Gengenbach! Auch wenn wir schon mit dem Frühstück fertig sind, freuen wir uns natürlich riesig darüber! Wir werden sie einfach unterwegs genießen.
Wir rechnen noch kurz unseren „Verzehr“ vom Vorabend ab, dann übergeben wir den Schlüssel und verabschieden uns. Die Gutta-Hütte wird uns jedoch immer sehr angenehm in Erinnerung bleiben!

Draußen ist auch heute wieder mal alles Grau in Grau, und nass. Noch nicht einmal das Licht reicht richtig zum Fotografieren aus, als wir uns aufmachen zum Kambacher Eck. Heute liegt nun die erste Übernachtung im Zelt vor uns und irgendwie freuen wir uns auch schon darauf. Eigentlich hätten wir uns sogar etwas Schnee dafür gewünscht, denn das wäre allemal besser gewesen, als dieses Siff-Wetter mit Regen! Aber noch kann man sich das nicht aussuchen und bis dahin bleibt einem eben auch nichts anderes übrig, sich einfach für alle Eventualitäten auszurüsten. Aber diesbezüglich haben wir unsere „Hausaufgaben“ gemacht. Es kann eigentlich kommen, was will..!

Von Rebmesserstein (605m) aus führt unsere heutige Etappe überwiegend auf einem Bergkamm, hinüber zum Rauhkasten (639m), und dann weiter zur Burgruine Hohengeroldseck. Ohne übermäßiges Auf und Ab haben wir also heute einmal mal nur 403 Höhenmeter im Anstieg zu bewältigen und sind nicht böse darüber.
Da auch heute wieder mal keine Fernsicht herrscht, schenken wir uns dann auch den Aufstieg zur Ruine und passieren sie nur auf dem Kandelhöhenweg, der nicht zu ihr hinaufführt. Ein graues Foto aus der Ferne genügt uns.

Kurz darauf überqueren wir die vielbefahrene Straße von Biberach nach Lahr und sind irgendwann froh, dem Verkehrslärm wieder entrinnen zu können. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber schon nach nur zwei Tagen Distanz zur gewohnten Infrastruktur tut man sich teilweise bereits richtig schwer damit, und hat teilweise fast Mühe, sie zu tollerieren.
„Unglaublich! Ich hatte gerade richtige Probleme mit den Abgasen der LKWs..!“, gesteht mir Claudia kurz darauf.
Naja, die waren ja auch wirklich ziemlich „dick“ gewesen, da die Brummis hier etwas den Berg hinauf keuchen. Und wenn man – aufgrund des schweren Gepäcks – schon selbst etwas schnaufen muss, dann legt sich das einem schon ordentlich auf die Brust!

Aber schon kurz darauf nimmt uns der Wald wieder auf und wir genießen wieder eine herrliche Ruhe. Nach einer kurzen Orientierung stellen wir erfreut fest, dass wir nur noch einen guten Kilometer vom Sodhof entfernt sind. Dort planen wir, unsere ganzen Akkus und Ersatz-Akkus (Kamera, Blitz, Handy und Garmin) noch einmal zu laden und gleich auch noch unsere Trinkwasser-Vorräte zu ergänzen. Vor unserem Hotel in Waldkirch (übermorgen Abend) werden wir nun ganz sicher keine Steckdose mehr finden und für übermorgen früh ist eine Liveschaltung aus dem Zelt in die Morgensendung (Morgenmagazin) von SWR4 geplant. Das Handy sollte also besser geladen sein!

Die Wirtin im Sodhof ist überaus freundlich und so sind im Gastraum dann auch bald alle Steckdosen mit irgendwelchen Ladegeräten belegt. (Auch die muss man auf einer solchen Tour immer mitschleppen, wenn man diese entsprechend dokumentieren will!)

Wir halten uns im Sodhof dann auch so lange auf, dass ich schon fast nervös werde. Dafür gibt es aber eigentlich keinen Grund, weil wir auch diesen (längeren) Boxenstopp vorher eingeplant haben. Und auch die restliche Tagesstrecke ist schon darauf ausgelegt.
Trotzdem kleben meine Augen an den LEDs des Ladegerätes der Canon, denn dieser Akku braucht am längsten. Und als die Farbe dann endlich auf „grün“ wechselt springe ich auch nervös auf. Endlich..!

„Nun kann aber auch kommen, was will..!“, beruhigt mich Claudia etwas später und ich weiß das natürlich ebenfalls. Bis Waldkirch ist nun wirklich – was die Batterien angeht – alles in „trockenen Tüchern“. Trotzdem fehlt mir in bestimmten Situationen halt einfach das „Sitzfleisch“!
Claudia bezahlt unsere Kaffees und füllt an der Theke noch kurz die leeren Wasserflaschen auf. Auch das hat uns die freundliche Wirtin erlaubt.

Dann brechen wir endlich wieder auf und gehen die paar Meter bis zum Wegweiser zurück. Hier stößt zusätzlich der Querweg Lahr – Rottweil auf unseren Kandelhöhenweg. Er führt von Seelbach herauf und wird uns nun auf den nächsten Kilometern begleiten, bis er bei Höhhäuser wieder nach Osten abzweigt.

Bald sind wir wieder völlig alleine auf der Welt, denn bei diesem Wetter sind natürlich nicht mehr viele Wanderer unterwegs. Aber in der richtigen Kleidung, warm und trocken behütet, hat auch diese Stimmung etwas! Nur ideales Camping-Wetter ist es natürlich mal wieder nicht unbedingt.
Selbst die breiteren Wege sind hier oben inzwischen ziemlich aufgeweicht und entsprechend tief, um nicht zu sagen: Matschig..! Aber mit einem stillen Dankgebet auf GoreTex, stapfen wir in unseren wasserdichten Wanderstiefeln auch in diesem Matsch weiter. Und es ist ja nun nicht mehr weit, bis zur Kambacher hütte.

Claudia hofft indessen immer noch, dass wir das Zelt vielleicht im Schutz der Hütte aufstellen können, aber das kann ich mir nicht recht vorstellen.
Kurz nach der Schanz (571m) erreichen wir dann den breiten Wirtschaftsweg, neben dem die Hütte stehen muss und als wir sie erreichen, bestätigen sich meine schlimmsten Befürchtungen:
Sie ist völlig durchnässt und teilweise verfault. Sogar die Bodenbretter biegen sich schon unter dem Gewicht des massiven Holztisches gefährlich durch und sind nass und schmierig. Wir müssen drinnen höllisch aufpassen, um nicht hinzufallen!

„Nein, das wird wohl nichts mit der Schutzhütte..!“, meint dann auch Claudia kopfschüttelnd.

„Was soll’s..?“, lache ich aufmunternd. „Wir haben doch unseren nagelneuen Bungalow dabei..!“ Ein superleichtes Hochgebirgszelt, das auch von unten zu ist. Besser können wir uns draußen gar nicht schützen!

Ich gehe nur einmal um die Hütte herum, dann habe ich mich für ein Plätzchen entschieden: Topfeben und weich! Dazu noch etwas geschützt durch ein paar große Baumstämme, die parallel zum Fahrweg liegen. So kann uns heute Nacht schon keiner ins Zelt fahren.

Unser Kuppelzelt ist – über einer zusätzlichen Schutzfolie, der Hygiene wegen – sehr schnell aufgebaut, danach kommt Claudias Part: Das „Betten-Machen“.
Sie ist immer froh, die Stiefel ausziehen zu dürfen und dann Luma’s und Schlafsäcke zu richten. Inzwischen hole ich schon mal alles aus den Rucksäcken, was wir für die Nacht brauchen, einschließlich Kocher.

Aber auch heute wieder kurzes Waschen, um das Salz von der Haut zu entfernen. Dann köchelt schnell das Wasser in der (noch offenen) Absis, für ein heißes Süppchen und etwas Tee.
Wir genießen dieses kleine und einfache Abendessen sehr, und lassen nebenher noch einmal den Tag Revue-passieren.

Als wir mit dem Essen fertig sind, wird es auch schon dunkel und pünktlich zum Einbruch der Nacht fängt es zudem noch kräftig an zu regnen. Nach einem letzten Blick zum Himmel, mache ich die Apsis zu und krieche in den Schlafsack. Claudia prüft indessen noch etwas skeptisch das neue Einwandzelt auf seine Wassertauglichkeit, aber das ist natürlich dicht.

„Was soll’s..?“, schmunzle ich nur. „Das Prasseln auf der Zeltwand ist doch so richtig, schön einschläfernd..!“

Dann macht auch sie – mit einem zufriedenen Seufzer – die Stirnlampe aus: „Schlaf gut..!“

Es ist gerade mal 18.30 Uhr…

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