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Im Bannwald der „Wehra-Halden“

3 November 2010 Kein Kommentar

Claudia hat ja schon immer behauptet, dass sie ein „Herbst-Typ“ sei. Nun, diese Bilder scheinen ihr wohl Recht zu geben..!

Langsam neigt sich das Wanderjahr seinem Ende entgegen und es gibt nur wenige Touren, die wir – vor dem Beginn der Schneeschuh-Saison – unbedingt noch machen wollten. Diese Herbstwanderung gehört in jedem Fall dazu!

Wir parken unser Auto direkt gegenüber der Staumauer der Wehratal-Sperre und folgen dem Fußweg über sie hinweg, hinüber auf die andere Uferseite.

Es ist noch früher Sonntagmorgen und außer uns sind nur ein paar Angler am Ufer. Der See ist im Augenblick ziemlich abgelassen, so dass man auch einmal seine Steilwände sehen kann, die er für gewöhnlich unter der Oberfläche verbirgt.

Ein breiter Forstweg führt uns drüben dann aufwärts und in ein unglaubliches Farbenmeer hinein. Jetzt, Ende Oktober scheint die noch tief stehende Morgensonne den herbstlichen Hotzenwald wirklich in Flammen zu setzen: Es ist „Indian Summer“!

Wir können uns gar nicht satt sehen, an diesem Schauspiel und ich schieße natürlich wieder einmal Bild, um Bild. Irgendwann wechselt der Weg dann aber auf deutlich schmalere Pfade und nötigt uns dort auch mehr Aufmerksamkeit ab.

In diesem Bereich steht das Wehratal als „Bannwald Wehrahalden“ unter Naturschutz. Der Felsen-durchsetzte Nordhang, durch den der Pfad hier schneidet, ist ziemlich steil, ja manchmal sogar etwas klammartig und verlangt Trittsicherheit. Zudem verbirgt sich der Steig in dieser Jahreszeit auch gerne mal unter gefallenem Laub, so dass Hindernisse – Wurzeln, oder Steine – nicht immer gleich zu sehen sind. (Stöcke empfehlen sich für diese Tour daher in jedem Fall!)

Langsam entschwindet der Stausee unserem Blick und wir steigen nun auch immer häufiger über kleine Bächlein, die den Weg schneiden. Über die Größeren führen manchmal Holzstege, aber meist reicht schon ein weiter Schritt, um sie zu überwinden und zur Not sind die GoreTex-Stiefel ja wasserdicht.

Aber immer wieder nimmt uns diese unglaubliche Farbenpracht des Herbstlaubes gefangen. Nach jedem Richtungswechsel unseres Pfades zur Sonne hin, sieht man erneut wieder in ein unglaubliche Glühen hinein, das die von hinten angestrahlten Herbstblätter der vielen Buchen erzeugen!

Dem kann man hier nun auch – weder mit einer guten Beschreibung, noch mit tollen Fotos – gerecht werden! Denn so intensiv, wie wir diese Farbenpracht erleben, kann man sie leider in keinem Bericht wiedergeben. Und diese Erkenntnis verdeutlicht dann auch wieder einmal mehr, dass man manche Dinge eben unbedingt direkt draußen(!) – sozusagen „life“ – erleben muss, um sie auch wirklich in vollem Umfang in sich aufnehmen zu können!

Obwohl uns die Gehzeit dann abends widerspricht, haben wir unterwegs ständig das Gefühl, vor lauter Bewunderung zu „trödeln“ und überhaupt nicht mehr vorwärts zu kommen. Ein rein subjektives Empfinden jedoch, das uns in diesem Augenblick aber auch völlig gleichgültig ist – denn manchmal zählt eben einfach nur das (gemeinsame) „hier“ und „jetzt“!

Wir sind schon längst ohne Zeitgefühl, als endlich eine hübsche Bank auftaucht und uns in der Sonne zur Rast lädt. Doch, wir haben Hunger und nehmen das Angebot gerne an.

Während wir uns stärken, sehen wir hinüber zur Felsenhütte, auf der anderen Talseite. Sie sitzt – einem Adlerhorst ähnlich – hoch oben auf einer Felskanzel und bietet unglaubliche Tiefblicke, hinunter ins obere Wehratal.

„Wir kommen gleich..!“, winke ich hinüber und schmunzle. Claudia sieht mich darauf hin nur etwas missmutig an.

„Da waren sie wieder, meine Probleme..!“, lacht sie dann leicht sarkastisch und mit einem Seitenhieb auf ihre Höhenangst. Ich klopfe ihr beruhigend auf den Oberschenkel, denn ich kenne ihre Probleme. Aber sie wird das schon meistern..!

Es ist wunderschön, an diesem sonnigen Rastplatz und offensichtlich sind wir heute auch wieder völlig alleine auf der Welt: Denn seit den beiden Anglern, gleich heute Morgen, ist uns bisher noch niemand begegnet. Und das an einem Sonntag, und bei diesem Wetter.., kaum zu glauben!

„Wir sollten uns vielleicht etwas beeilen, sonst ist drüben nachher das Licht weg..!“, denkt Claudia mit. Aber ich winke ab: „Mach langsam, das schaffen wir ohnehin nicht mehr!“

Seit heute herrscht wieder Winterzeit und ich hatte bereits bemerkt, dass die Herbstsonne recht schnell ihre flache Bahn zieht und der Wald nachher – von drüben aus gesehen – wohl leider im Schatten liegen wird. Aber das ist kein Grund, nun plötzlich in Hektik zu verfallen. Dafür ist dieser Tag einfach viel zu schön und wir haben schon so viele, tolle Bilder im Kasten!

Als wir aufbrechen, ist es nur noch ein kurzer, wenn auch steiler Abstieg hinunter, bis wir die Straße erreichen und dort dann auch die Wehra überqueren. Hier treffen wir nun auf die ersten Wanderer und tauschen uns kurz mit ihnen aus: Sie machen die gleiche Tour, wie wir, aber entgegengesetzt.

Von hier unten aus erfolgt nun ein genauso steiler, und ziemlich anstrengender Aufstieg, bis man endlich wieder „oben“ ist, auf dem Niveau der Felsenhütte. Ab dort geht es dann jedoch wieder recht gemütlich dahin und durch zwei kurze Tunnel(!) hindurch, bis wir endlich den „Adlerhorst“ erreichen.

Von der Felsenhütte aus hat man wirklich atemberaubende Tiefblicke, hinunter ins obere Wehratal, aber auch hinüber, auf die andere Talseite und zu unserem Bänklein, auf dem wir gerade vorhin noch gerastet haben.

Während ich schon vorne, am Geländer, nach dem Licht „sehe“, kämpft Claudia wieder einmal ihren alten Kampf, mit der Höhenangst. Aber viel schneller, als eigentlich erwartet taucht sie dann ebenfalls hier vorne auf, um mir als Fotomodell für den Größenvergleich zu dienen..! (Ich bin wirklich stolz auf sie!) Der Rest, dieser Wanderung ist dann schnell erzählt: Über breite Forstwege geht es gemütlich zurück – abschließend noch an der sehenswerten Zwillingsbuche vorbei – zum Parkplatz, an der Staumauer.

Den letzten Kilometer folgen wir dabei noch einmal dem Ufer der Talsperre und lassen uns von den – normalerweise unter Wasser liegenden – Steilwänden beeindrucken. Bald erreichen wir dann unser Auto, wo ein unglaublich schöner Wandertag zu Ende geht!

Unser Fazit: Eine wildromantische Wanderung auf teilweise naturbelassenen Pfaden in sehr steiler Halde. Im Bereich der Mettlerhalde ist unbedingt Trittsicherheit erforderlich, wir empfehlen zu dem die Verwendung von Wanderstöcken! Probleme durch Höhenangst nur im Bereich der Felsenhütte (Besuch ist vermeidbar!) – Schwindelfreiheit ist für diese Tour nicht erforderlich! Mit Fahrrad, oder Kinderwagen absolut nicht machbar!

Sehr Anspruchsvolle Rundwanderung mit 15,9 Kilometer Strecke und 968 Höhenmetern (Garmin-Werte). Dauer: ca. 5 bis 6 h.

Eine gute Grundkondition sollte (ohne Bewegungs-Einschränkung!) vorhanden sein! Unbedingt auch an Vesper und ausreichend Getränke denken, da unterwegs keine(!) Einkehrmöglichkeit besteht!

Empfohlener Wanderführer: Rother, Schwarzwald Süd. (ISBN -13: 978-3-7633-4217-4)

Empfohlene Karten: Freizeitkarte 508, 1:50.000 Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, (ISBN 3-89021-601-3)

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