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„Hörner“-Tour: Spießhorn, Herzogenhorn…

9 September 2010 4 Kommentare

Unser Rother Wanderführer – Schwarzwald-Süd – lag nun schon mehrere Wochen, aufgeschlagen im Wohnzimmer. Claudia hatte ihn dort – extra für mich – „hin drapiert“.

Das macht sie immer so, wenn sie eine ganz bestimmte Wanderung unbedingt machen möchte! Und sie weiß natürlich auch ganz genau, dass mich dieser offene Wanderführer dann irgendwann so nerven wird, dass ich mich geschlagen gebe und genau diese Wanderung als Nächste vorschlage.

So auch dieses Mal..!

Eigentlich habe ich mich ja ebenfalls schon lange auf diese „Hörner-Tour“ gefreut, es standen zuvor nur noch einige andere an, die wir unbedingt in Rainer & Claudia darstellen wollten.

Dann war es aber endlich so weit: Um 9:00 Uhr steigen wir in Menzenschwand (Hinterdorf) aus dem Auto. Hier befindet sich ein großer Wander-Parkplatz, der um diese Zeit noch völlig leer ist. Wir schultern unsere Rucksäcke und ziehen gut gelaunt los – es herrscht „Kaiserwetter“!

Zunächst folgen wir dem bequemen Wirtschaftsweg, ins Krunkelbach-Tal hinein. Bald stoßen wir auf einen geteerten Fahrweg und halten uns links. Nun haben wir eine prächtige Aussicht, auf das Herzogenhorn, das direkt vor uns liegt und auch auf den Rabenfelsen, der rechts von uns, in der Halde aufragt. Bald endet der Asphalt und kurz darauf werden wir steil, links hinauf geführt. Dieser erste Anstieg hat es so richtig in sich und sorgt auch gleich für ein erstes „Wärmegefühl“, von innen heraus!

Oben angekommen, folgen wir dem Weg zuerst einmal ein paar Meter nach rechts und besuchen dort eine kleine, aber hübsche Gefäll-Stufe des Krunkelbaches. Dann machen wir „Kehrt“ und lassen uns von dem

breiten Witschaftsweg in Richtung Krunkelbachhütte führen. Bald zweigt unser Weg aber rechts ab (Schutzhütte) und führt uns über idyllischen Viehweiden, die sich nun bis zur Raststätte hinaufziehen.

Diesen Bereich bezeichnen Claudia und ich als eine der aller schönsten Gegenden, des gesamten Hochschwarzwaldes. Rechts wird der breite Wiesenweg von Nadelwald gesäumt und links zieht sich die Viehweide hinter einer Senke hinauf, bis zur Krunkelbachhütte. Alte, verwitterte Baumriesen, bilden tolle Fotomotive und laden zum Verweilen – unbeschreiblich!

Wir folgen dem Verlauf des Wiesenweges und müssen – ab und zu – auch mal etwas „Slalom“ gehen, um die Kuhfladen herum. Aber was soll’s, das gehört hier doch einfach dazu. Dann bin ich aber doch überrascht und auch Claudia ist verzückt: „Silberdisteln..!“, ruft sie laut.

Eine ganze Gruppe befindet sich hier am Hang, wohl auch ganz gut geschützt durch den anstrengenden Aufstieg. Wer sich, von Menzenschwand aus, hier herauf müht, der reißt ganz bestimmt keine Silberdisteln ab und der „normale“, bequeme Wanderweg, vom Parkplatz der Krunkelbachhütte aus, führt etwas weiter entfernt vorbei.

Jetzt, wo sich die Blüten gerade vollständig geöffnet haben, sind sie am Schönsten. Die Hüllen der Staubgefäße sind teilweise noch geschlossen und tief dunkelrot. Und natürlich haben sich die Wildbienen ebenfalls zahlreich versammelt – gut zu wissen, dass sie nicht stechen!

Wir knien ziemlich lange davor. Ich zum Fotografieren und Claudia einfach nur, um diese Schönheit in sich aufzunehmen!

Kurz darauf erreichen wir den Wanderweg zur Krunkelbachhütte und folgen ihm. Man muss unmittelbar an der Hütte vorbei, um auf den Weg zum Großen Spießhorn (1.349m) zu gelangen. Dann zieht aber ein traumhaft schöner Trampelpfad durch die Wiese aufwärts. Von hier aus hat man nun tolle Ausblicke zurück, auf den Gipfel des Herzogenhorns (1.415m), das direkt hinter uns wartet. Nach der Umrundung des Spießhornes werden wir uns ihm zuwenden.

Bald tauchen wir in einen lichten Hochwald ein und die Gräser der Weide weichen unzähligen Heidelbeer-Büschen. Hier zieht der Pfad nun wieder etwas steiler hinauf, in Richtung Spießhorn-Gipfel, ist aber trotzdem angenehm zu gehen.

Ein kurzer Blick zurück lässt uns dann aber erneut verweilen: Von hier aus haben wir einen unglaublichen Ausblick auf den Feldberg-Gipfel!

Ohne es bemerkt zu haben, sind wir inzwischen so weit aufgestiegen, dass der Blickwinkel – vom 65m niedereren Spießhorn(!) – ausreicht, um den gesamten Feldberggipfel, hinter dem Herzogenhorn-Rücken, sehen zu können. Eine Perspektive, die ich unbedingt festhalten möchte. (Foto unten!)

Die paar Meter zum Gipfel-Pavillon lassen uns den Spießhorn-Gipfel dann vollends überschreiten und zum ersten Mal können wir nun auch auf der anderen Seite hinunter blicken, ins  Bernauer Tal. Wahrhaftig ein Plätzchen zum Verweilen, daher packen wir auch unser Vesper aus und rasten erst einmal (Siehe erstes Foto!).

Diese Ruhe wird aber jäh unterbrochen, als eine große Wandergruppe (ca. 30 Personen) am Gipfel eintrifft. Sie sind von Bernau aufgestiegen und nun ebenfalls „reif für eine Vesper-Pause“! Wir wechseln noch einige Worte, dann machen wir Platz. Uns zieht es nun hinüber, zum Kleinen Spießhorn.

Über schmale Pfade erreichen wir den „kleinen Bruder“ des Spießhorns schon nach kurzer Zeit und wären fast daran vorbei gelaufen. Es ist einfach nur ein kleiner Hügel im Wald, ohne jede Aussicht und nur ein unscheinbarer Trampelpfad führt die wenigen Meter hinauf, ohne Schild.

Wohl eher ein kleiner „Stiefbruder“ des Großen also, aber Claudia gefällt es trotzdem, denn oben gibt es viele Himbeeren. Und so „beißt“ sie sich dann auch erst einmal fest..!

„Himbeer-Gipfel..!“, brumme ich belustigt in den Bart hinein, der ganze Hügel ist voll davon! Dann mache ich eben so lange noch ein paar Fotos..!

Wir ziehen Weiter und vollenden die Umrundung des Spießhorns. Erneut passieren wir die Krunkelbach-Hütte, nun auf der anderen Seite. Dann folgen wir den Schildern zum Herzogenhorn.

Nachdem wir die breiten „Autobahnen“ hinter uns gelassen haben, ziehen wir auf schmalen, steilen Pfaden hinauf. Hier ist es nun erneut richtig „wild“. Leider können wir das aber nicht ungestört genießen, denn es ist einfach zu viel los – Sonntag. Um ein Foto schießen zu können, müssen wir manchmal lange warten! Zeit, um sich auch in der Lawinen-Schneise der Nordostseite des Herzogenhorns einmal genauer umschauen zu können: Hier gibt es nur niederen Bewuchs und Buschwerk, denn die hier in jedem Winter abgehenden

Schneewechten, lassen keinerlei Baumwuchs aufkommen (Foto oben, rechts!)! Eigentlich schade, dass sich keiner, der anderen Wanderer dafür interessiert..!

Dann sind es nur noch wenige Minuten, bis wir auf die breite Wanderautobahn stoßen, die vom Leistungszentrum herüber führt. Links herum folgen wir dem Westweg (Ostvariante) und zweigen dann noch einmal ab, hinauf zum Herzogenhorn-Gipfel.

Hier ist Sonntags fast immer ‚was los! Trotzdem finden wir ein ruhiges Plätzchen und rasten noch einmal kurz. Von hier aus sehen wir nun auch den weiteren Wegverlauf, bis hinüber, zum Rabenfelsen und zurück, nach Menzenschwand. Lediglich der Abstieg in die Albschlucht, mit den Menzenschwander Wasserfällen, entzieht sich unserem Blick.

Ich bin etwas unschlüssig, da im Rother Wanderführer ein weiterführender Pfad eingezeichnet ist, der gar nicht zu existieren scheint. Er ist weder in der topographischen Karte (1:50.000) eingezeichnet, noch von hier aus zu sehen (Was eigentlich der Fall sein sollte!).

Nach kurzer Rast steigen wir wieder ab und folgen dem Westweg zurück, zum Bundes-Leistungszentrum. Unterwegs erfreut sich Claudia an einer großen Schafherde, die den Wanderweg kreuzt, während ich die Suche definitiv aufgebe: Dieser alternative Weg ist nicht (mehr?) existent!

Das ist schade, denn er hätte uns davor bewahrt, etwa 2 Kilometer über das geteerte Sträßlein, vom Feldbergpass zum Leistungszentrum, gehen zu müssen. So folgen wir ihm halt notgedrungen, bis zu einer Haarnadelkurve. Dort folgen wir dann schleunigst dem Schild „Ruckenhütte“, in den Wald hinein.

Hier liegt nun wieder ein schöner Abschnitt – auf idyllischen Pfaden – vor uns. Bald erreichen wir die Ruckenhütte und halten uns dort rechts, den breiten Wirtschaftsweg hinunter. Er führt uns nach wenigen Minuten zum Rabenfelsen.

Leider kann man diesen von hier aus nicht einsehen, da man sich direkt darüber befindet. Aber dafür finden wir einen Tisch mit Bänken und einer phantastischen Aussicht, hinunter ins Albtal und auf Menzenschwand! Wir nehmen noch einmal kurz Platz und leisten einem netten Wanderer-Ehepaar Gesellschaft. Dann schieße ich noch ein paar Fotos und wir ziehen alle gemeinsam weiter – wieder zurück zur Ruckenhütte.

Die Sonne versinkt bereits hinter dem Herzogenhorn als wir dort in die steil hinab führende Albschlucht einsteigen. In Serpentinen führt der Pfad hinunter ins Tal und direkt zu den Menzenschwander Wasserfällen. Darauf freue ich mich schon den ganzen Tag, denn inzwischen ist es unter den Bäumen recht düster geworden, also optimale Bedingungen für Langzeitbelichtungen mit dem Stativ. Außerdem dürften die meisten Sonntags-Ausflügler inzwischen ebenfalls auf dem Heimweg sein.

Von oben kommend, erreichen wir dann den ersten Wasserfall. Ich schieße ein paar Fotos, dann folgen wir den Treppen hinab, in die Albschlucht. Claudia, die bereits einige Erfahrung mit der Notwendigkeit hat, bei längeren Belichtungszeiten völlig ruhig halten zu müssen, ist nun ganz besonders gefordert: Bis zu 2 1/2 Sekunden muss sie teilweise still halten!

Sie meistert diese Aufgabe aber wieder einmal mit Bravour und wir bringen tolle Aufnahmen, aus der Wasserfall-Schlucht, mit nach Hause! Die will ich Euch natürlich nicht vorenthalten!

Anschließend folgen wir noch etwa einen Kilometer der Straße, in Richtung Menzenschwand, dann stehen wir wieder vor unserem Auto. Aber hinter uns liegt wieder ein weiterer, toller Wandertag. Und eine Tour, die wir Euch unbedingt zum Nachwandern empfehlen möchten!

Achtung: Die Menzenschwander Wasserfälle sind, von Frühjahr bis Herbst, abends beleuchtet! (Jeweils am Samstag, Sonntag und Mittwoch!)

Unser Fazit: Eine ganz tolle Wanderung für alle, mit einer normalen Grundkondition, ohne Bewegungseinschränkung. Trittsicherheit sollte vorhanden sein! Nicht mit Kinderwagen machbar – Kindertrage wäre hingegen ideal! Unbedingt an ausreichend Vesper und Getränke denken! Im Feldberggebiet zudem immer einen Pulli, so wie Regenkleidung einpacken!

Empfohlener Wanderführer: Rother, Schwarzwald Süd, Tour Nr. 40 ISBN 3-7633-4217-6

Empfohlene Karte: Freizeitkarte 508, Lörrach/Belchen, 1:50.000 ISBN 3-89021-601-3

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

HD-Hörnertour


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4 Kommentare »

  • Andrea sagt:

    Freitag Nachmittag, draußen scheint die Sonne und ich sitze noch im Büro.
    Gut, das es Eure Homepage gibt. Diese Wanderung werden wir bestimmt auch mal machen, Eure Beschreibung macht Appetit:-))

    Liebe Grüsse aus Vaihingen an der Enz
    Andrea

  • Rainer sagt:

    Hallo Andrea! Wenn ich das gewusst hätte (dass Du im Büro sitzt ;-)) Lieben Gruß, Rainer

  • Eva und Martin sagt:

    Unsere erste Tour während unserer Schwarzwald-Wanderwoche und von eurem Blog. Quasi untraniert haben wir uns auf den Weg gemacht. Und wurden Schritt für Schritt belohnt – tolle Aussichten, abwechslungsreiche Wege, prima Einkehrmöglichkeiten. Dank eures GPS-Tracks gabs kein Verlaufen und keine Streitereien unterwegs.
    Demnächst gehts zum Wandern in die Heimat auf die Schwäbische Alb! Schon jetzt herzlichen Dank für eure Touren-Tipps.
    Beste Grüße!

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Eva, hallo Martin! Da habt Ihr Euch ja gleich „was Richtiges“ zum Einlaufen ausgesucht! Kompliment, weiter so..!

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