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Höllkopf – Schultiskopf – Ibichkopf

15 August 2009 Ein Kommentar

Eine spannende Kamm-Wanderung im Schwarzwald, hoch über dem Simonswälder-Tal

Höllkopf - Schultiskopf - Ibichkopf

Claudia auf dem "Kamm-Pfad" zwischen Höllkopf und Schultiskopf

Zählt man den Karlsruher Grat hinzu, dann gibt es im ganzen Schwarzwald nur 6 Pfade, die ausgesprochen felsigen, ja „alpinen“ Charakter haben:

– der „Alpine Pfad“ am Feldberg, der „Felsenweg“, hoch über dem Feldsee, der „Silberberg-Felsensteig“ zwischen Feldberg-Pass und Bernauer Kreuz, der „Karlsruher Grat“ bei Ottenhöfen, der „Felsenweg“ bei Oberried und der hier beschriebene Kamm-Pfad vom „Höllkopf“, hinüber zum „Schultiskopf“, über dem Simonswälder Tal.

Höllkopf - Schultiskopf - IbichkopfWir mussten noch ein paar Brötchen, für’s Vesper auftreiben und sind bei der Suche nach einer Bäckerei, erst einmal am Ziel vorbei gefahren. Oder genauer: hindurch..! „Ibendörfle“, ein paar Häuser ohne öffentliche Parkplätze, irgendwo kurz vor Simonswald. Ich frage einen stolzen Opa, der mit seinem Enkel unterwegs ist und bekomme von ihm freundlich ein Plätzchen zugewiesen: So wie man eben in den Wald hinein schreit..! Beim Anziehen der Wanderstiefel kommen wir kurz ins Gespräch und als er hört, was wir vorhaben, nickt er nur anerkennend mit dem Kopf: „Sauschdeil..!“

Ja, wir wissen es, denn wir haben auch diese Tour gut vorbereitet und eine Alternative, zum steilen Aufstieg, gibt es leider nicht. Wir starten im Tal bei ungefähr 360m Meereshöhe und müssen dann gleich hinauf zum „Höllkopf“, mit seinen 922m! Das sind gute 550 Höhenmeter gleich zu Beginn der Tour! Von dort aus geht es dann hinüber zum Schultiskopf (1071m) und weiter zum Ibichkopf, mit 1146m. Zusammen mit dem freundlichen „Auf- und Ab“ dazwischen, kommen da heute wohl locker wieder 900 Höhenmeter zusammen!

Der Lohn unserer Anstrengung: herrliche Tiefblicke ins Simonswälder Tal

Der Lohn unserer Anstrengung: herrliche Blicke zurück, ins Simonswälder Tal

Wir sind deshalb von Ibendörfle aus gestartet, weil der Abstieg auf dem Rückweg direkt hierher führt. Das hat den Vorteil, dass man gleich am Auto ist, ohne noch entlang der Straße irgendwo hinlaufen zu müssen. Allerdings sollte man eine Karte haben und auch etwas orientieren können, denn der Weg, von hier aus, ist zwar breit, aber kaum beschildert!

Ruhig zieht er nun gut eine Stunde lang durch die rechte Flanke des Simonswälder Tales hinauf, bis zu einer Wegespinne. Hier weisen Wanderschilder überall hin, nur dorthin nicht, wo wir hin müssen: nach oben! Aber es gibt keine Alternative, und wir nehmen die Herausforderung an! Irgendwann tauchen dann vereinzelte Holzschilder auf, die uns den Weg zum „Höllkopf“ weisen. Der Weg ist inzwischen zum Pfad geworden und wechselt irgendwann, ganz unvermittelt in die „Falllinie“! Nun geht es richtig steil aufwärts und wir sind einmal mehr darüber froh, Wanderstöcke zu haben, weil wir uns an ihnen nun doch auch etwas „hinauf-ziehen“ können. Eine deutliche Entlastung für die Beine! Nachdem dieser Steilstich überwunden ist, zieht der Trampelpfad in kleinen Serpentinen zum Höllkopf-Gipfel hinauf, an dem ich fast vorbei gelaufen wäre.

Claudia auf dem Höllkopf - beim "Auftanken"!

Claudia auf dem Höllkopf-Felsen, beim "Auftanken"!

Ein wirklich herrliches Fleckchen Erde, mit einem wunderschönen Blick, hinab ins Haslachtal. Wir machen hier die längst verdiente Rast und sehen dabei lange einem Pärchen Segelfalter bei ihrem lebhaften Spiel zu.

Von hier aus geht es nun in vergnüglichem Auf und Ab hinüber, zum Schultiskopf. Dabei bewegen wir uns die ganze Zeit über oben, auf dem Bergkamm! Der Weg ist inzwischen zum richtigen Kamm-Pfad geworden, der sich vom Höllkopf aus, bis hinüber zum Schultiskopf, genau auf dem Bergrücken hält. Ohne wirklich steil zu sein, fällt das Gelände links und rechts des Weges ab. Kein Problem für Menschen mit Höhenangst, da es keine richtig ausgesetzten Passagen gibt und der Blick ganz hinunter (leider!) meist durch Bäume verwehrt ist. Aber die Tour bleibt anstrengend, denn der Pfad bewegt sich nun in allen drei Dimensionen- rechts, links – hoch, runter – vor und zurück. Hier werden Muskeln gefordert, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie haben! Aber das erfährt man ja erst am nächsten Tag. Irgendwann musste ich an das rotgepunktete Bergtrikot der Tour de France denken und schmunzle. Wer hier oben ankommt, der hätte es sicher verdient!

Höllkopf - Schultiskopf - Ibichkopf Höllkopf - Schultiskopf - Ibichkopf Höllkopf - Schultiskopf - Ibichkopf

Auf den drei Bildern oben ist sehr schön zu sehen, wie der Pfad über den Kamm des Bergrückens verläuft und die Hänge, links und rechts, sanft abfallen. Man sollte sich jedoch nicht vom ebenen Weg auf den Fotos  täuschen lassen, denn so richtig kräftezehrend ist das immer wiederkehrende, steile Auf und Ab dazwischen. Bei diesen „Zwischensprints“ war ich ständig versucht, Vergleiche mit dem Berg der Berge des Schwarzwaldes anzustellen: dem Farrenkopf! Dieser hier haut nämlich durchaus vergleichbar „rein“! Und der Zustand des Pfades verdeutlicht es: hier sind nicht viele Wanderer unterwegs. An manchen Stellen muss man ihn schon richtig suchen, so „renaturiert“ ist er.

Claudia beim Eintrag ins "Gipfelbuch" am Schultiskopf

Claudia beim Eintrag ins "Gipfelbuch" am Schultiskopf

Hinter dem Schultiskopf geht es dann wieder in der bereits gewohnten Weise hinab. Höhe vernichten bis zur Passhöhe, um sie dann, auf der anderen Seite, hinauf zum Ibichkopf, sich wieder erneut zu erarbeiten. Irgendwann frage ich mich dann schon: „Was tust Du da eigentlich..?“ Aber was soll’s?

Wir überschreiten einen breiten Forstweg und ignorieren die Zeichen des Schwarzwaldvereins. Noch einmal geht es hier steil hinauf, in Richtung Ibichkopf. Dieser Anstieg ist jedoch nicht wirklich schön. Die Natur hat nur mit Mühe den Rauhbau von Waldarbeitern mit ihren Maschinen verdecken können. Erst weiter oben, auf dem Plateau kann man den Wald wieder richtig genießen. Hier blüht gerade der rote Fingerhut in erstaunlicher Zahl. Der Weg ist beidseitig von ihnen gesäumt. Man kommt aber kaum

Im Ibichbach-Tal, Claudia kämpft sich durch mannshohes Springkraut

Im Ibichbach-Tal, Claudia kämpft sich durch mannhohes Springkraut

zum Verschnaufen, denn schon wieder geht es steil hinab, bis  zu einem breiten Waldweg, der uns nun gemütlich talabwärts, zum Ibichhof führt. Hinter dem Gehöft folgen wir einfach dem Trampelpfad entlang des Ibichbaches, durch das gleichnamige, sehr idyllische Tal zurück, nach Ibendörfle. Der Weg ist teilweise mannshoch mit indischem Springkraut zugewachsen, so dass wir uns regelrecht durchkämpfen müssen. (Achtung vor den vielen Bienen, an den Blüten!)

Unser Fazit: eine sehr interessante, aber gleichzeitig auch recht anstrengende Kamm-Wanderung über drei Schwarzwald-Gipfel hinweg. Sie sollte nur von trittsicheren Wanderern mit guter Grundkondition angegangen werden! Dann jedoch eine sehr abwechslungsreiche Tour, die auch Wanderer mit Höhenangst sicher bewältigen können. Am Anfang ist etwas Orientierungs-Vermögen erforderlich.

An einen Kinderwagen ist auf der Tour nicht zu denken, selbst eine Kindertrage dürfte (aufgrund des ständigen Auf und Ab) sehr anstrengend werden! Wir empfehlen zudem dringend Wanderstöcke!

Karten-Empfehlung: 1:50.000, Nr. 505 / „Freiburg“ (Landesvermessungsamt Baden Württemberg)

Googlemaps 

Ein Kommentar »

  • Richard Krieg sagt:

    Gratulation, Claudia und Rainer!
    Euer Bildbericht ist phantastisch. Ich selbst finde den Weg über den Grat einen der schönsten und rassigsten und will ihn im nächsten Jahr bei einer Tour als Naturführer Rohrhardsberg wieder einmal anbieten. Eure Artikel, in denen ich jetzt kurz geblättert habe, sind einfach famos. Man spürt es: Begeistert wandern!
    Nun meine Frage: Darf man Eure Bilder weiter verwenden, wenn ich Tourenblätter ertelle. Das Bild mit der schönen Ausicht ins Simonswälder Tal gefält mir nämlich sehr und würde in meinen Flyer passen. Falls ich nicht zwichenzteilich ohnhin dort hin komme, wäre mir das Schönwetterbild sehr hilfreich.

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