Home » Allgemein

Herbstliche Belchenrunde

26 Oktober 2012 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 5 von 5 in der Serie Unsere schönsten Belchen-Aufstiege

Der Wetterbericht verspricht für heute nochmal einen letzten, sonnigen Hebst-Tag mit Temperaturen um die 20°C. Bereits morgen soll dann aber Schluß sein mit dem Altweibersommer und für das Wochenende sind sogar schon die ersten Schneefälle angekündigt. Klar, dass wir diese Chance noch einmal ergreifen um dem Belchen einen Besuch abstatten.

Als um Sieben der Wecker klingelt, zeigt das Thermometer in Waldau (Titisee-Neustadt) 5,6°C an. Eine angenehme Herbsttemperature also, auf knapp 1.000m Höhe. Noch immer herrscht leichter Fön-Einfluss, wodurch es oben „wärmer“ ist, als unten in den Tälern. Naja, zumindest um ein paar Grad.

Nachdem wir ein Vesper gerichtet und kräftig gefrühstückt haben, packen wir die Rucksäcke und fahren in Richtung Belchen. Es geht über Neustadt, vorbei am Titisee und über den Feldbergpass, dann wieder hinunter ins Wiesental. Von dort aus wieder hinauf, zum Belchen.
In den Tälern ist es bereits ungemütlich kalt und neblig, in Neustadt hat es sogar nur noch +1°C. Am Feldbergpass dann aber schon wieder +9°C und an der Talstation der Belchen-Seilbahn sogar ganze +13°C.
Der kostenlose Parkplatz am Jägerstüble ist um diese Zeit völlig leer. Es ist also noch ruhig am Berg und entspechend aufgehellt ist auch unsere Stimmung. Nachdem die Stiefel geschnürt sind, werfe ich mir gutgelaunt den Rucksack mit der Fotoausrüstung auf den Rücken und starte die Track-Aufzeichnung des Garmin. Dann ziehen wir unter der Seilbahn hindurch aufwärts.

Der breite Weg – er ist im Winter eine Ski-Abfahrt – führt uns gleich von Anfang an steil aufwärts. Unser Ziel ist nun zuerst einmal das Belchenhaus, gleichzeitig Bergstation der Seilbahn. Bis dort hinauf sind es knappe 300 Höhenmeter, die wir inzwischen schon fast traditionell zu Fuß gehen. Erst ein einziges Mal sind wir bisher mit der Seilbahn (hinunter) gefahren, und damals waren wir dazu eingeladen.

Etwa auf halber Höhe überqueren wir die alte (für den verkehr gesperrte) Belchenstraße und werden dann über schmale Waldpfade weiter aufwärts geführt.
Aber noch einmal unterschreiten wir kurz darauf die Trasse der Seilbahn und haben von hier bereits einen phantastischen Fernblick, hinüber zum Feldberg.
Wir können den gesamten Kamm überblicken, vom Gipfel (links) mit der Wetterstation und dem Sendemast, über den etwas tiefer gelegenen Grüblesattel, bis hinüber zum Seebuck mit dem alten Fernsehturm, ganz rechts.

Der schmale Pfad führt uns aber im Wald auch weiterhin steil aufwärts, bevor er wieder zur Seilbahntrasse hinüber schneidet und uns dort erneut phantastische Tiefblicke gewährt: Diesmal jedoch nach Süden, und auch hinunter, zur Talstation.

Inzwischen ist uns ordentlich warm geworden und Claudia zieht bereits ihren dünnen Fleece-Pulli aus. Unterdessen sehe ich mir die nahen Schwarzwald-Gipfel im Süden an. Deutlich zu erkennen ist vor allem der Zeller Blauen.
Dann ist Claudia aber mit dem Umziehen fertig und wir folgen wieder unserem Pfad, der nun erneut nach rechts zackt. Noch ein weiterer Schlenker und wir sehen das Belchenhaus mit der Bergstation schon ganz nahe vor uns liegen. Und von hier oben aus nun auch endlich das geschlossene Wolkenmeer im Süden. Dahinter – im gleißenden Dunst der Ferne gerade noch zu ahnen – die Kette der Schweizer Alpen. Whow – genau so haben wir uns das für heute gewünscht!

Oben angekommen, zieht es mich dann direkt auf die Westseite: Ob sich dieses Wolkenmeer wohl auch über die Rheinebene, bis hinüber zu den Vogesen erstreckt? Bevor ich es selbst ausmachen kann, höre ich Claudia aber schon jubeln und ein älteres Ehepaar, das auf der Terrasse des Belchenhauses gerade einen Kaffee genießt, schmunzelt dazu:
Da darf man ja auch laut jubeln, bei dieser Aussicht..!„, pflichten sie Claudias Gefühls-Ausbruch bei.

Wir folgen dem Rundweg zum Gipfel im Uhrzeigersinn. Oben, am Belchen-Gipfel (1.414m) trifft Claudia dann auf ein junges Pärchen mit großen Rucksäcken.
Westweg..?„, fragt sie recht salopp und bekommt auf englisch Antwort. Es sind zwei italienische Wanderer, die sich tatsächlich (nur mit Schlafsäcken und Biwaksäcken ausgestattet) auf dem Westweg von Pforzheim nach Basel befinden. Und als sie ihnen dann auch noch erzählt, dass wir ihn ebenfalls schon mit dem Zelt absolviert haben, ist das Eis zwischen uns natürlich sofort gebrochen.

Im strahlenden Sonnenschein unterhalten wir uns noch eine Weile mit ihnen, dann wende ich mich jedoch wieder dem Fotografieren zu. Schließlich brauchen wir ja auch noch einige Fotos, für diesen Bericht und zudem wird es nun langsam auch deutlich voller am Gipfel.
Da man hier mit der Seilbahn fast bis ganz herauf fahren kann, ist der Belchen natürlich längst ein beliebtes Ausflugsziel geworden. Vor allem dann, wenn es unten neblig ist. Und es fasziniert uns auch heute wieder, welche Arten von Schuhwerk bei den Ausflüglern hier oben anzutreffen sind. Nur soviel sei dazu erwähnt: Die Wanderstiefel sind doch deutlich in der Unterzahl..!

Am Gipfelkreuz wenden wir uns nach Norden und folgen dem schmalen Pfad, der hier in den schattigen Nordhang führt. Steil, und sich in einigen Serpentinen windend, führt er uns ein paar Meter hinunter auf den tollen Wanderweg, der vom Wiedener Eck herüber führt. Auf diesem umrunden wir den Gipfel dann vollends im Uhrzeigersinn und erreichen auf (sehr!) schmalen Pfaden rasch die Belchen-Ostseite.

Dieser Teil der Belchenrunde ist ein echtes Highlight und für uns bei einer Belchen-Umrundung daher auch stets ein absolutes „Muss“! Die Runde führt uns hier nämlich nur noch über einen sehr schmalen Pfad (Hebel-Wegle) durch die unglaublich steile Belchen-Ostflanke, die im Winter sogar völlig gesperrt ist. Und wer nicht ganz schwindelfrei ist, der hat hier oben nun vielleicht sogar ein paar Probleme. (Siehe Bild oben rechts!) Dafür wird man dann aber auch mit ein paar unglaublichen Tiefblicken belohnt!

Kurz darauf erreichen wir dann im Süden wieder die Bergstation und gleich dahinter das Belchenhaus. Hier ist es inzwischen mächtig laut geworden.

Wenn die alle so wandern würden, wie sie hier oben Pause machen können, dann wären wohl alle Wanderwege völlig überfüllt..!„, schmunzelt Claudia verstohlen, während wir an der bereits gut besuchten Terrasse des Belchenhauses vorbei schlendern.
Nichts wie weg..!„, lache ich nur zur Antwort und ziehe auch schon los.

Wir haben den Belchengipfel auf dem Gipfelrundweg nun einmal völlig umrundet. Oben sind wir dann jedoch ein paar Meter nach Norden abgestiegen, anstatt dem üblichen Rundweg weiter nach Osten (am Gipfelkreuz vorbei) zu folgen. Unsere Variante verläuft in diesem Bereich etwas tiefer, wie der übliche Rundweg, dafür ist sie aber auch nicht ganz so übervölkert, und auch die Wanderstiefel sind wieder deutlich in der Überzahl!

Nun wählen wir an der Abzweigung den unteren Weg und folgen ihm in die westliche Belchenflanke hinein. Als schmaler Pfad führt er hier durch die steile Halde und gewährt uns erneut ein unglaubliches Panorama (siehe Titelbild, ganz oben!). Ganz links liegt das kleine Wiesental und uns direkt gegenüber thront unübersehbar der Blauen mit dem hohen Sendemast und dem Blauenhotel. Unmittelbar rechts davon schließt sich dann wieder das Wolkenmeer der Rheinebene an, aus dem drüben nur noch die Vogesen heraus ragen.

Bald erreichen wir eine weitere Abzweigung, die rechts aufwärts führt. Hier halten wir uns nun links abwärts und passieren kurz darauf den Rapsfelsen, ein hübscher Rastplatz mit bestechender Aussicht. Und auch heute sind die einzelnen Felsen bereits wieder von rastenden Wanderern bevölkert.
Wir ziehen weiter abwärts und kommen bald in ein kleines Wäldchen, das uns nun etwas Schatten spendet. Und erst jetzt bemerke ich, wie die Herbstsonne heute sticht. Claudia ist im Gesicht sogar schon leicht gerötet – also aufpassen!

Dann erreichen wir den den Sattel zum Hohen Kelch (1.264m). Hier sind (an der Krinne) ein paar Bänke aufgestellt, so dass dieses Plätzchen ebenfalls sehr zum Rasten einlädt. Aber Claudia hat sich dazu für heute den Heideckfelsen ausgesucht, den wir bereits von früheren Touren kennen. Und dort ist es meistens auch etwas ruhiger, wie hier. So folgen wir dem Weg erst mal weiter, durch die Westflanke abwärts und haben schon bald wieder die Sonne im Gesicht. Ein schmaler, sehr idyllischer Pfad führt uns nun nämlich wieder nach Süden, in die sonnendurchflutete Südhalde des Belchen.

Wenn sich in diesem Bereich Wanderer entgegen kommen, dann muss meistens eine Partei stehen bleiben, um die andere vorbei zu lassen. Der felsige Pfad ist nämlich erneut recht schmal und bietet auch nicht überall ausweichstellen. Dafür wartet er aber bald noch mit zwei weiteren, tollen Aussichtsfelsen auf, die tolle Tiefblicke bieten.

Kurz darauf erreichen wir dann den breiten Wanderweg, der uns hier an einer alten Grenzmauer entlang führt. An der folgenden Wegespinne halten wir uns scharf links und sind dabei nicht völlig von der Statik einer großen, hohen Holzbeuge überzeugt, die Waldarbeiter hier aufgetürmt haben. Aber es hilft nichts, wir müssen trotzdem unter ihr durch!
Nun, das Teil hält und kurz darauf stehen wir dann nebeneinander auf dem Heideckfelsen und sehen zurück, zum Belchengipfel. Deutlich können wir von hier aus die Wanderer auf den schmalen Pfaden in der Belchenhalde sehen.
Mann..!„, meint Claudia dann auch ziemlich beeindruckt. „Herrscht da oben inzwischen ein Betrieb..!

Und sie hat Recht. Wer den Belchen als Wanderer wirklich genießen möchte, der sollte unbedingt (sehr!) früh dran sein. Denn wer hier zu spät kommt (und dann vom Touristen-Rummel eingeholt wird!), den bestraft das Leben..!
Wir nehmen nun erst einmal die Rucksäcke ab und packen unser Vesper und den Tee aus – die wohlverdiente Pause!

Frisch gestärkt folgen wir danach dem phantastischen Weg durch die sonnendurchflutete Südflanke des Belchen. Auch wenn wir diese Seite schon oft besucht haben, sind wir auch heute wieder begeistert von ihr. Denn während dort oben am Gipfel einmal mehr der „Bär tanzt„, herrscht hier unten eine fast unglaubliche Ruhe. Nur zwei Wanderer begegnen uns auf dem Weg bis zu der Abzweigung, zum Hohfelsen.

Eigentlich wären wir ebenfalls  sehr gerne noch einmal zu ihm gestiegen, und dann weiter zum Gipfel. Dieser Weg ist ebenfalls sehr idyllisch, und auch die Tiefblicke sind unterwegs immer wieder beeindruckend.
Aber der Betrieb dort oben hält uns dann davon ab. Auch wenn ich gerne noch ein paar Fotos vom Hohfelsen geschossen hätte, entscheiden wir uns, doch lieber unten zu bleiben und durch die Ruhe des Waldes zum Auto zurück zu wandern. So folgen wir nun fast eben den Wegweisern zur Jägerhütte und marschieren so zur Oberen Stuhlsebene, um dort links abzubiegen, und durch den bunten Herbstwald wieder hinunter, zum Parkplatz.

Fazit: Eine richtig tolle Belchenrunde, die nicht übermäßig viele Kilometer, dafür aber doch einige (steile) Höhenmeter zu bieten hat. Am Gipfel morgens unbedingt früh dran sein!

Strecke: 11,8 Kilometer – Anstieg/Abstieg: jeweils 566 Höhenmeter – Dauer: ca. 6 Std.

Insbesondere bei Fönlage bietet der Belchen vom Gipfel aus eine phantastische Alpensicht! (Siehe dazu auch die Übersichts-Seite: Unsere schönsten Belchenaufstiege)

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


Größere Kartenansicht 


„Altweiber-Sommer“ am Belchen

2 Kommentare »

  • BergischesLandFan sagt:

    Wow, die Aussichten eurer Wanderwege sind wunderschön. Bei uns im Bergischen Land gibt es auch schöne Wanderwege.

  • Belchen-Gipfelaufstieg | Wanderausfluege sagt:

    […] auch im Bericht von Rainer&Claudia, den ich mir mal vorsichtshalber ausgedruckt hatte, ging auch ich hier im Uhrzeigersinn hinauf zum […]

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.