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Große Rinken-Runde über den „Höchsten“.

15 Juni 2011 Kein Kommentar

Pfingstmontag – Der Wetterbericht im Radio verheißt im Hochschwarzwald Regen und Gewitter!
„Bla, bla, bla – als ob uns das aufhalten könnte..!“, äfft Claudia den Moderator nach und streicht nebenher gelassen unsere Vesperbrote zu Ende. Wir haben unsere heutige Tour natürlich längst auf dieses Wetter ausgerichtet:

Vom Rinken aus wollen wir – über den Naturlehrpfad – zur Zastlerhütte, und dann den direkten Weg hinauf nehmen, zum Höchsten. Von dort aus dann weiter zum Grüblesattel und über den Fernskiwanderweg wieder zurück, zum Rinken.

Aber klar, dass auch wir die Regenhosen bei dieser Wettervorhersage griffbereit haben. Und so sitzen wir kurz darauf im Auto, in Richtung Rinken.
Dort ist wohl gerade kollektive  Abreise, als wir am Jägerheim vorbei gehen: Morgen sind in einigen Bundesländern die Pfingstferien vorbei und die Gäste müssen daher wieder nach Hause. Einige wünschen uns per Zuruf noch eine schöne Wanderung und wir hoffen nicht sarkastisch zu klingen, wenn wir freundlich zurückwinken und ihnen eine gute Heimreise wünschen..!

Das Wetter ist wirklich ziemlich trist und die Straße ist sogar noch teilweise nass, als wir in Richtung Wegekreuz ziehen. Dort folgen wir erst mal ein paar Meter dem Pfad zur Zastler Hütte, halten uns dann auf dem schmalen Pfad aber gleich wieder rechts (gelbe Raute mit Pfeil).
Dieser Abschnitt gehört zum Naturlehrpfad des Schwarzwaldvereins und ist sehr informativ mit Schildern ausgestattet! Er führt oberhalb des breiten Wirtschaftsweges zur Zastler Hütte durch den wald und hält sich dabei immer in der steilen, felsigen Halde. Erst unmittelbar vor der Zaster Hütte kehrt er dann wieder auf diesen zurück.

Dieser Pfad ist aber so idyllisch angelegt, dass wir das Wetter fast völlig vergessen und uns mit Hingabe dem Fotografieren widmen.

Natürlich muss man auch hier wieder etwas umsichtig sein, wenn es nass ist, aber das sind wir inzwischen ja schon gewohnt. Nur ein paar wenige Stellen erfordern wirklich unsere ungeteilte Aufmerksamkeit! Die meiste Vorsicht müssen wir den nassen Sträuchern widmen, um im Vorbeigehen nicht all zu viel Wasser von ihnen abzustreifen – denn noch tragen wir ja keine Regenhosen.
Und dafür gibt es bisher auch keinerlei Anlass, im Gegenteil: Das Wetter scheint sich sogar zu fangen, denn immer öfter kommt inzwischen mal kurz die Sonne durch.

Dann kommt uns ein junges Pärchen entgegen, das uns freundlich grüßt und auf einen Baum hinweist, der etwas weiter vorne über dem Weg liegen soll.
„Ist nicht ganz einfach zu überwinden..!“, meint die junge Frau zu Claudia, aber die schmunzelt nur: „Ach, das werden wir schon schaffen..!“

Fünf Minuten später steht sie dann aber selbst vor dem Hindernis und überlegt laut: „Ich glaube, ich gehe da lieber drunter durch..!“
Davor kann ich sie abhalten (schließlich ist der Weg nass), aber die beiden hatten Recht, denn der Baum ist wirklich ein richtiges Hindernis und liegt wohl auch nicht erst seit gestern da, so abgewetzt wie sein Stamm inzwischen ist.

Ich zeige Claudia die beste Möglichkeit, das Hindernis (obendrüber) zu überwinden und schieße auch noch ein Foto von dieser „Aktion“, dann ziehen wir weiter.

Der schmale Pfad mausert sich nun immer mehr zum wahren Lustwandler und hat uns einiges zu bieten: Felsige Passagen wechseln sich mit stark verwurzelten Stellen ab. Seine Halde zieht links teilweise richtig steil hinauf und auch rechts geht es immer mal wieder ordentlich hinunter.

Trotzdem ist er leicht zu gehen und hat uns auch sonst ein paar Überraschungen für uns übrig: Ganz unvorbereitet kommen wir hier nämlich am „Methusalem“, einem uralten Bergahorn vorbei!
„Whow..!“, rutscht mir da nur heraus. Ich wusste von Fotos und Berichten, dass es ihn hier, irgendwo am Feldberg gibt, aber nicht genau wo. Und nun stehen wir plötzlich vor ihm – Klasse..! Sein Alter wird immerhin auf 300 bis 400 Jahre geschätzt!

„Dann kommen wir bestimmt auch gleich noch an der „Dromedarfichte“ vorbei..!“, teile ich Claudia mit und erkläre ihr, was es mit diesem Namen auf sich hat.
Der ursprüngliche Stamm der Fichte ist irgendwann einmal durch Naturgewalten abgebrochen und ein seitlich herauswachsender Ast hat dann diese Funktion übernommen. Dabei hat er sich nach oben gebogen, was zu der Form eines Dromedar-Rückens führte und ihm so später diesen Namen verlieh.
Beide Informationen stammen übrigens aus dem Führer „Faszination Feldberg“, den man im Haus der Natur für 5,-€ erwerben kann. (Und hätte ich ihn genauer studiert, dann wäre mir natürlich auch nicht entgangen, dass beide Bäume hier stehen!)

Bevor wir die Dromedarfichte jedoch erreichen, ergattern wir noch ein paar tolle Fernsichten, hinüber zum Hinterwaldkopf und dahinter sogar bis zum Kandel.

Hinter der Dromedarfichte führt unser schöner Pfad dann aber leider gleich wieder auf den breiten Wirtschaftsweg, hinüber zur Zastler Hütte.
Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass man hier die Zastler Hütte nun einmal von „unten“ erreicht! Sonst ist man eigentlich eher gewohnt, zu ihr „abzusteigen“!

Der Feldberg-Nordhang ist ja auch sonst immer etwas „ruhiger“ und deutlich weniger bewandert, als die andere Seite. Aber heute ist uns bisher (außer dem jungen Pärchen) noch gar niemand begegnet! Das kommt auch sehr selten vor! Nur aus dem Gastraum der Zastler Hütte schaut jemand verstohlen hinter dem Vorhang heraus, sonst ist hier keine Menschenseele zu sehen.

Wir halten uns hinter der Hütte gleich links und ziehen den schmalen Weg hinauf, in Richtung Gipfel. Kurz darauf erreichen wir wieder den Steg, an dem ich vor ein paar Tagen das schöne Knabenkraut fotografiert habe. Hier begegnet uns nun auch der allererste, einsame Wanderer.
Wir ziehen jetzt den schmalen Pfad hinauf, der die Lawinenschneise vom Höchsten kreuzt und ich mache mir erste Gedanken über das Wetter. Inzwischen habe ich beim Fotografieren nämlich feine Tröpfchen auf das Objektiv bekommen und ein Blick hinauf, bestätigt meine Befürchtungen, der Gipfel ist völlig in Nebel gehüllt. Dabei handelt es sich aber um diesen nassen, ekelhaften Nebel, der immer dann entsteht, wenn es sehr fein nieselt!

„Bla, bla, bla..!“, äffe ich Claudias Bemerkung von heute morgen nach und ihr Grinsen zeigt mir, dass sie ganz genau weiß, worauf ich damit anspiele.
„Wollten wir nicht ohnehin mal endlich die neuen Regenhosen ausprobieren..?“, fragt sie mich dann todernst zurück. Ich verkneife mir diesmal die Antwort, nehme mir aber vor, sie später – beim Anziehen der neuen Hose – erst mal zappeln zu lassen! (Es sind nämlich welche mit durchgehendem, langen Reisverschluss, außen an den Beinen. Und damit hatte sie sogar zu Hause, im Wohnzimmer, schon so ihre Probleme..!)

Wir steigen erst mal weiter auf, in Richtung Gipfel und mit jedem Meter, den wir uns ihm nun nähern, scheint dieser ekelhafte Niesel noch dichter zu werden. Zudem verlassen wir – durch unseren Aufstieg – nun auch langsam das Lee des Zastler-Loches, womit hier auch der Wind fühlbar zunimmt.
Das bedeutet: Sprühnebel von rechts – immer auf die gleiche Seite!

„Wenn wir jetzt nicht reagieren, dann sind wir oben schon klatschnass..!“, rufe ich Claudia zu und sie pflichtet mir bei.
Im Windschatten der letzten Bäume vor dem Gipfel, nehmen wir die Rucksäcke ab und legen den „Taucheranzug“ an: Regenhose, Regenjacke (Kapuze oben) und die Raincover für die Rucksäcke!
Bei mir geht das mit der Hose recht flott, da ich das System von den französischen Springer-Kombis kenne, die wir beim Bund immer getragen haben. Aber auch Claudia hat das mit den Reißverschlüssen inzwischen kapiert.
„Du gönnst mir aber auch gar nichts..!“, frotzle ich daher mit einem Grinsen und bekomme auch gleich die passende Antwort:
„Nö..! Nicht wenn ich dabei nass werde..!“
„Spielverderber..!“

Wieder unterwegs muss ich dann Claudia aber sogar auch noch Tribut zollen: Die neuen Regenhosen (die sie in Eigenregie aus einem tollen Sonderangebot gekauft hat!) sind nämlich derart atmungsaktiv, dass wir beim Aufstieg noch nicht einmal ins Schwitzen kommen! Das wäre mit unseren alten „Plastiktüten“ undenkbar gewesen!

Zur Info: Bisher habe ich dem Thema „Regenhosen“ eigentlich noch nie besonders große Bedeutung beigemessen – die sollten halt den Regen abhalten. Dass man dabei dann etwas mehr schwitzt, habe ich immer in Kauf genommen, kommt ja auch nicht so oft vor! Nun muss ich meine Meinung revidieren: Das war falsch!

Dafür gibt mir Claudia nun Recht, weil ich mich so früh für das Anziehen der Regenhosen entschieden habe: Unterwegs zum Gipfel wird es jetzt nämlich immer nasser! Inzwischen wäre es längst viel zu spät, zum Umziehen! Außerdem wären wir hier oben dabei auch völlig ungeschützt gewesen!
Je höher wir kommen, umso wüster und grauer wird es nun. Bald sehen wir die Landschaft um uns herum nur noch ganz schemenhaft – auch die Brillengläser sind natürlich längst völlig nass!

Oben am Gipfel begegnen wir dann aber doch tatsächlich auch noch anderen Wanderern. Ein Ehepaar ist mit kurzen Hosen unterwegs und muss – so ausgerüstet – nun sogar noch zurück, bis zum Notschrei!
„Als wir losgezogen sind, kam gerade die Sonne heraus und es war richtigwarm..!“, versuchen sie uns ihre Situation zu erklären. Aber sie haben es inzwischen wohl auch selbst bemerkt: Dafür gibt es keine Erklärung. Am Feldberg könnte es in einer solchen Situation – Anfang Juni – nämlich durchaus auch mal kräftig schneien!
Merke: Wer am Feldberg abseits der großen „Pisten“ wandert, der muss sich auch auf den Feldberg einstellen und immer mit dem Schlimmsten rechnen! Durch das schnell wechselnde, lokale Feldbergwetter kommt dem Rucksack hier nämlich wieder eine ganz andere Bedeutung zu, als nur „Vesperbeutel“ zu sein!

Wir weisen den beiden noch den Weg zur nächsten Hütte und wünschen ihnen viel Glück, dann verabschieden wir uns und ziehen ebenfalls wieder hinab, in Richtung Grüblesattel.
„Brrrr…!“, schüttelt sich dann Claudia irgendwann neben mir. „Mich friert es schon, wenn ich nur daran denke, dass die arme Frau nun so angezogen auch noch zurück muss, bis zum Notschrei..!“
Sie hat Recht! Wir ärgern uns nämlich schon, weil wir letzthin unsere Handschuhe aus den Rucksäcken heraus genommen haben! Es ist inzwischen wirklich saukalt geworden und alle Wanderer, die uns nun noch entgegen kommen, haben ihre Hände entweder tief in den Taschen vergraben, oder in den Ärmeln zurück gezogen!

Am Grüblesattel lichtet sich der Niesel dann aber wieder etwas und auch die Sicht wird wieder etwas besser. Wir sind hier nun wieder im Schutz der Leeseite des Feldberges angekommen.

Hier schwenken wir nach links, und passieren das Quellgebiet der Ur-Donau. Natürlich entspringt hier oben nicht die Donau, dafür aber ein ganz anderer, ebenfalls recht bekannter Fluss: Die Wutach!

Als kleiner Bach stürzt sie weiter vorne über die Karwand hinunter, zum Feldsee und fließt dann als kleiner Seebach weiter, zum Titisee. Ihn verlässt sie dann aber bereits als Gutach und wird etwas später, durch die Vereinigung mit der Haslach, zur „Wütenden Ach“, der Wutach!

Sehr schön ist das Quellgebiet von hier aus zu sehen, wenn man es nur weiß! Aber natürlich ist es auch immer etwas sumpfig, weswegen Bohlen ausgelegt sind, über die man trockenen Fußes gehen kann.
Im Winter führt hier der Skifernwanderweg vom Rinken herauf, jetzt im Sommer folgen wir einem idyllischen Wanderpfad, durch den Wald abwärts. Hier geht es nun buchstäblich wieder über Stock und Stein und einige kleine Bohlen-Brücken helfen uns über rauschende Bächlein. Dieser Bereich ist sehr kurzweilig.
Irgendwann kommen wir dann an aber das Wegekreuz, wo sich Feldbergsteig und Felsenweg schneiden und müssen uns nun etwas orientieren: Wir gehen (noch vor der Kreuzung scharf links!) und folgen nur der Markierung des Fernskiwanderweges. Unser weiterführender Pfad ist nun nämlich kein offizieller Feldberg-Wanderweg mehr und wird daher vom Schwarzwaldverein auch nicht mit der gelben Raute gekennzeichnet! Aber keine Angst: Wir dürfen ihn natürlich ganz offiziell begehen. (Auf dem Foto zeigt Euch Claudia, wo es weiter geht!)

Auch dieser Weg ist nun wieder ein recht romantischer Wurzelpfad, der recht idyllisch abwärts führt. Dabei verläuft er – noch oberhalb des Westweges  – ebenfalls nach Norden, schwenkt aber dann später nach Westen ein und erreicht daher den breiten Wirtschaftsweg – vom Raimartihof zum Rinken- auch deutlich später.

Erst einmal unten, passieren wir noch den Zustieg des Feldbergsteiges, in Richtung Baldenweger Hütte, und erreichen dann rasch wieder das Wegekreuz am Rinken. Hier schließt sich nun auch wieder unsere große Rinken-Runde und wir gehen die letzten Meter zum Auto auch ganz gemütlich. So haben wir sogar noch die Muse, ein paar schöne Fotos von herrlichen Waldhiazynthen zu machen, die sich hier auf der Wiese – zwischen vielen anderen Orchideen (Knabenkraut) – verstecken.

Man muss es ihnen lassen, die Hochschwarzwald-Touristik-GmbH hat mit ihrem Slogan den Nagel wirklich auf den Kopf getroffen: Zum Kuckuck ist das schön hier..!

Oder könnt Ihr das vielleicht noch toppen?

Unser Fazit: Für routinierte Wanderer eine traumhaft schöne Tages-Tour, mit der man dem Trubel am Feldberg problemlos entgehen kann! Die Strecke ist mit einer normalen Grundkondition von jedem zu bewältigen, allerdings ist etwas Trittsicherheit erforderlich!

Strecke: 9,3 Kilometer mit 357 Höhenmeter im Anstieg. Dauer: ca. 4-5 Std. (gemütlich!)

 

Start/Ende: Parkplatz am Rinken (kostenlos).

Einkehr: Unterwegs in der Zastler Hütte, oder im Jägerheim am Rinken. (Öffnungszeiten und Ruhetage beachten!)

Achtung: Unbedingt an Wetterschutz denken! (Dazu gehört auch ein Sonnenhütchen!)

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3.

Empfohlener Wanderführer: Faszination Feldberg (5,-€). Zu erhalten im Haus der Natur (auch am Wochenende geöffnet) oder im Buchhandel. ISBN-13:978-3-9810632-1-9

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Vom Feldsee über den FelsenwegVon Oberried über den Feldberg-Gipfel

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