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Gipfel-Überschreitung vom St. Wilhelmer Tal

4 Januar 2011 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 7 von 13 in der Serie Die schoensten Schneeschuh-Touren am Feldberg

Es war eindeutig der Wetterbericht, der über unsere heutige Tour entschieden hat: Bedeckter Himmel, vereinzelt Schneefälle – das bedeutete im Klartext: Oben keine Fernsicht!
Wenn „oben“ aber sowieso nichts zu versäumen ist, dann könnten wir ja vielleicht auch mal ganz „unten“ anfangen und erst mal sehen, wie es sich oben entwickelt..!

So, oder ganz ähnlich, waren wohl unsere Gedanken, als wir uns für den Start im St. Wilhelmer Tal entschieden haben.

Diese Tour beeindruckt aber nicht nur mit 677 Höhenmetern im Aufstieg und 9,0 Kilometer Länge, sie wird auch unsere erste Streckenwanderung des Winters werden und das ist auf Schneeschuhen etwas ganz besonderes – vor allem am Feldberg: Einmal unterwegs, muss man nämlich durch, oder notfalls eben abbrechen und wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren! Daher sollte man Strecken-Wanderungen auch immer ganz besonders sorgfältig planen und dabei stets ein sehr wachsames Auge auf das Wetter und die Schnee-Verhältnisse haben. Fragt Euch bitte lieber zweimal, ob Ihr Euch die vorgenommene Strecke (bei den aktuellen Schneeverhältnissen) auch wirklich zutraut!

Um Streckenwanderungen zu organisieren, benötigt man entweder zwei Autos, oder man greift zusätzlich auf öffentliche Verkehrsmittel zurück. Dabei ist es von Vorteil, das Auto schon direkt am Ziel zu parken und dann mit dem Bus zum Startpunkt zu fahren. So kann man später nicht in Zeitdruck, wegen irgendwelcher Fahrpläne, kommen.
Streckenwanderungen sollte man schon aus Sicherheitsgründen nie alleine unternehmen, denn dabei handelt es sich noch um tatsächliche „Outdoor“-Erlebnisse. Und bei solchen Abenteuern sind natürlich niemals alle Eventualitäten zu kalkulieren! Auf gar keinen Fall aber ohne Karte und Kompass los ziehen!

Wir stellen unser Auto auf dem Parkplatz am „Haus der Natur“ ab und lassen uns von Freunden ins St. Wilhelmer Tal bringen. Die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmittel wäre hierher zu schlecht.
Am Gasthof „Linde“ schultern wir die Rucksäcke und tragen unsere „Lightnings“ erst mal die geräumte Straße entlang, in Richtung „Napf“ / Stübenwasen-Gasthaus. Nach etwa 500 Metern zieht der Wanderpfad dann links hinauf, zum Hüttenwasen und wir legen die Schneeschuhe an.

Der Weg ist gut zu erkennen und eigentlich bräuchte man hier noch keine Schneeschuhe, aber sie verhindern auch jedes Rutschen. Kurz darauf müssen wir uns einen Weg durch Schnee suchen, um die Harschkrallen zu schonen: Der steinige Pfad selbst ist völlig schneefrei, da ihn „warmes“ Quellwasser offen hält.

Wir überqueren insgesamt drei Waldwege und passieren einen kleinen Wasserfall, dann zieht unser Pfad schmal und steil durch eine Halde aufwärts. Da es längere Zeit nicht geschneit hat, ist er ziemlich ausgetreten und daher leicht zu verfolgen. Trotzdem sind wir inzwischen froh, mit den MSR-Lightnings einen sicheren Tritt zu haben. Wer hier abrutscht, der wird wohl eine Weile brauchen, um wieder zum Stehen zu kommen.
Aber so wollten wir es ja haben, daher können wir dieses kleine Abenteuer nun auch genießen und sind einfach nur entsprechend vorsichtig. Langsam folgen wir den Serpentinen aufwärts.

Claudia angelt sich hinter mir die Thermoskanne aus einer Außentasche meines Rucksacks und schenkt sich einen heißen Tee ein.
„Gut ausgesucht..!“, grinst sie und meint damit die heutige Tour in Bezug auf das Wetter. Hier unten, in der Halde des „Napf“ ist es jetzt völlig gleichgültig, ob gerade die Sonne scheint, oder nicht. Im Gegenteil: Der feine Nebel gefriert an den kalten Nadeln der Fichten zu langen, filigranen Eisblumen – wunderschön anzusehen.

Immer wieder bleiben wir stehen, um sie uns näher anzusehen aber sie sind so zierlich, dass schon ein unvorsichtiger „Hauch“ beim Ausatmen ausreicht, um sie schmelzen zu lassen.

Schon eine ganze Weile hören wir den kleinen Bach unter uns rauschen und wissen, wenn wir mit ihm erst mal auf „einer Höhe“ sind, dann ist die „Royal-Engineers-Hütte“, die Hüttenwasen-Schutzhütte erreicht. Dort möchten wir gerne kurz verschnaufen und auch eine Kleinigkeit essen, bevor wir uns an den Schluss-Anstieg, hinauf zum „Höchsten“ machen.

An der Abzweigung angekommen dreht Claudia vor mir nach links und lässt sich fotografieren, während sie einen Schritt über das kleine Bächlein macht. Dann nehmen wir die Rucksäcke ab und stärken uns auf dem Holzbänkchen vor der Hütte.

Ab hier ändert die Route nun ihren Charakter deutlich. Nur wenige Schritte trennen uns noch von der großen Wiese des Stübenwasen, über die wir rechter Hand hinauf steigen wollen, zum Immisberg. Von links ist sehr schön eine andere Route zu erkennen, die vom Stollenbacher Hof – über den Toten Mann – hier herauf zieht. Auch diese Streckenwanderung haben wir noch auf unserem Plan, wollen mit ihr aber unbedingt auf schöneres Wetter und ein paar Zentimeter Neuschnee warten.

Inzwischen ziehen ziemlich dunkle Wolken von Nordwesten heran und nötigen uns zur Eile. Wir wollen unbedingt noch den Weg vom Immisberg zur St. Wilhelmer-Hütte erreichen, bevor diese Wetterfront Einfluss auf unsere Tour nehmen kann. Von dort aus werden wir dann auch im dichtesten Nebel zu Baldur und Gabi, den Hüttenwirten finden.

Claudia lacht: „Für einen Jagertee würdest Du Dich dort wohl auch einschneien lassen, oder..?“ „Klar..!“, grinse ich zurück und Claudia ist zufrieden.

Unterdessen gibt sie vorne aber ordentlich „Gas“. Nur mit ein paar Skitouren-Gehern, die am Fuße des Immisberges gerade ihre Steigfelle anlegen, wechselt sie noch ein paar Worte zum Wetter. Dann klappt sie die Steighilfen ihrer MSR Lightning Ascent hoch und dreht direkt in die Fallinie.

Als ich kurz verschnaufen muss, ziehe ich die Kamera heraus um die Zeit sinnvoll zu nützen. Während Claudia zügig durch die Falllinie aufsteigt, queren die Skitouren-Geher immer von links nach rechts und zurück. So ist ihr Aufstieg zwar länger, aber auch deutlich flacher. Mir gelingt ein Foto, auf dem diese Unterschiede deutlich zu erkennen sind.

Zur Erklärung: Schneeschuhe sind viel breiter, als Skier. Daher ist es auch nur selten möglich, sie beim Queren eines Hanges „waagerecht“ in den Schnee zu drücken. Vor allem bei älterem, verharschtem Schnee, muss man sie meistens an den Hang „anlegen“, was das Gehen sehr anstrengend macht! So ist es in steilem Gelände meistens deutlich leichter, den Bügel der Steighilfe hoch zu klappen und dann direkt in der Falllinie aufzusteigen. Der Bügel verhindert dabei, dass man beim Steigen zu viel Kraft aus der Wade holen muss. Statt dessen steigt man – ähnlich einer Treppe – überwiegend aus dem Oberschenkel!

Auch hier sind wir von unseren Lightnings wieder angenehm überrascht: Sie haben eine unglaubliche Traktion über die gesamte Fläche. Selbst bei den augenblicklichen, sehr schlechten Bedingungen am Hang, rutscht da kaum noch etwas. Man fühlt sich jederzeit sicher!

Oben am Immisberg angekommen drehen wir heute dann einmal nach rechts, in Richtung St. Wilhelmer-Hütte. Auch der Pfad dort hinüber ist inzwischen völlig ausgetrampelt und nicht mehr zu verfehlen. Nach wenigen Minuten haben wir sie erreicht und parken Lightnings und Stöcke vor der Hütte.

Drinnen gibt es dann natürlich das bereits erwartete, große „Hallo“: Wir haben Gabi und Baldur schließlich seit dem Herbst nicht mehr gesehen! Baldur verfrachtet uns gleich an den Stammtisch, was alleine schon eine große Ehre ist! (Da kann seine Hütte nämlich noch so voll sein, an den Stammtisch kommen wirklich nur Stammgäste!) Mit „Busi links“ und „Busi rechts“ wird Claudia ein gutes neues Jahr gewünscht (Gabi holt das etwas später bei mir nach!), und natürlich werden wir von ihm höchst persönlich bedient.

Kurz darauf erklärt er Claudia dann auch noch sehr überzeugend, warum ich mit einem Jagertee auf gar keinen Fall zum „Höchsten“ aufsteigen kann, bevor er mir einen Zweiten hinstellt! (Das Zeug schmeckt hier aber auch wirklich teuflisch gut!)

Irgendwann machen wir uns dann wieder auf die Socken und ich bin mir plötzlich völlig sicher, dass Baldur Unrecht hatte: Mit nur einem Jagertee wäre der Aufstieg zum „Höchsten“ auch zu bewältigen gewesen (Vielleicht sogar etwas besser, aber das würde ich hier natürlich  niemals zugeben!)!

Am Gipfel angekommen haben wir heute keinen Grund, noch einmal zu rasten. Auch das Wetter lädt nicht wirklich dazu ein. So ziehen wir weiter, in Richtung Grüblesattel und dann den breiten Wanderweg (Schneeschuh-Trail) hinunter, in Richtung „Haus der Natur“. Heute sind wir mal nicht über den Seebuck zurück gekehrt, dafür ziehen wir rechts noch einmal durch den Wald, immer entlang des neuen Schneeschuh-Gipfeltrails. Wir überqueren den Skilift und die folgende Abfahrtspiste, dann bringt uns der Winterwanderweg vollends hinab, zum „Haus der Natur“, unserem Tages-Ziel.

Unser Fazit: Streckenwanderung mit 9,0 Kilometer Länge und 677 Höhenmetern im Anstieg. Eine tolle Tour, die mit einer Dauer von ca. 4,5 Std. auch mit durchschnittlicher Kondition (abhängig von der Schneebeschaffenheit!) zu schaffen ist.

Ist der Anstieg zum Höchsten erst geschafft, dann geht es nur noch bergab. Bei schlechter Sicht oder viel Neuschnee sollte man auch diese Tour lieber verschieben, da sie dann nicht nur sehr anstrengend wird, sondern für Ungeübte auch leicht Probleme mit der Orientierung bieten kann.  Bitte unbedingt die Besonderheiten für Streckenwanderungen beachten! (Im Text!)

Besonderheiten: Im Winter bitte unbedingt die Wildruhezonen im Naturschutzgebiet beachten (siehe unten)! Den Plan bekommt Ihr als Faltblatt im Haus der Natur, Preis -,50 €.

Empfohlene Hintergrund-Karte für den Garmin: Topographische Karte Süddeutschland, 1:25.000

Empfohlene Winter-Wanderkarte: Faltblatt Wintersport im Naturschutzgebiet Feldberg (siehe oben) und Freizeitkarte 505, Freiburg i. Br./Kaiserstuhl, 1:50.000 ISBN-13:978-3-89021-598-3

Hier geht’s zu den derzeit verfügbaren Feldberg-Webcams

Hier findet Ihr die aktuellen Schneeberichte

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



Größere Kartenansicht 


Phantastische Neujahrs-Runde über den „Höchsten“Vom Stollenbacher Hof zum Feldberg-Gipfel

2 Kommentare »

  • Baldur sagt:

    Hallo Rainer + Claudia ,hatte gestern abend endlich Zeit den grossteil euerer Touren mal durchzusehen.Da sind ja wirklich tolle Sachen dabei.Bin jetzt auch schon 5Jahre am Berg aber zu solchen tollen Touren bin ich noch nie gekommen.Werde mir aber die eine o.andere auf jeden Fall mal vornehmen (im Ruhestand ??).Macht weiter so mit eueren Tourenbeschreibungen.
    Liebe Grüsse vom Höchsten
    Gabi + Baldur

  • Manu sagt:

    Hallo Ihr 2! ich finde es immer wieder faszinierend, was für tolle Sachen man in den Berichten sehen und lesen kann. Das Bild von der Fichte ist echt irre. Ich hoffe, ich darf, auch wenn ich immer etwas hinterher hinke, noch viele dieser schönen und interessamten Berichte lesen!! HEL, Manu

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