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Frühlingserwachen am Feldberg

24 Mai 2013 3 Kommentare

IMG_1982Ach nein..!„, schimpfte Claudia laut, als sie den Wetterbericht für heute hörte: Teilweise starker Regen, in den Bergen Schnee!
Es ist aber auch seit Wochen wie verhext. Immer wenn ihr freier Tag näher kommt, ist prompt Sauwetter angekündigt! So beschlossen wir einfach das Beste daraus zu machen und unsere neuen Regenklamotten zu testen. In drei Wochen steht ja bereits unsere diesjährige, große Trekking-Tour an und es kann schließlich kein Fehler sein, schon mal vorab erste Erfahrungen mit der Ausrüstung zu sammeln.
Also ab, an den Feldberg..!

IMG_1905Als der Wecker klingelt stehe ich auf und schaue unter dem Schlafzimmer-Vorhang hindurch.
Ich glaub’s ja nicht..!„, rutscht mir da unwillkürlich über die Lippen. „Die Sonne scheint..!
Willst Du mich veräppeln..?„, fragt Claudia ungläubig nach, und öffnet vorsichtig nur ein Auge. Dann ist sie aber auch schon aus dem Bett und ebenfalls am Fenster.

Nun geht alles flott: Ich mache uns Kaffee und einen Liter gesüßten Tee für unterwegs, während Claudia schon die Wanderklamotten hinrichtet. Da sie vor wenigen Tagen noch eine kleine Haut-OP hatte, wird sie heute keinen Rucksack tragen. Also, heute alles zu mir: Regenhosen, Ponchos, Tee, Stativ, Teleobjektiv, und den ganzen restlichen Kram. Dann noch die Fototasche und den Garmin geschnappt, und ab. Trage-Trraining für den Urlaub..!

IMG_1925Wir parken unser Auto auf dem großen Parkplatz am Haus der Natur und marschieren dann die paar Meter hinüber, zur Talstation der Seilbahn, wo wir unsere 4,- Euro für das Parkplatz-Ticket löhnen. Von dort aus unterqueren wir noch die Seilbahn und halten uns dahinter gleich links aufwärts.
Ich bin schon sehr gespannt, wie ich mit meinen neuen Hanwag-Stiefeln im Anstieg zurecht kommen werde. Der Tatra Top Wide GTX wurde mir mit Hinblick auf unseren bevorstehenden Abenteuer-Urlaub zum Testen zur Verfügung gestellt. Der Goretex-Stiefel hat einen viel höheren Schaft, wie normale Wanderstiefel und ist daher auch deutlich höher geschnürt. Ob er bergauf wohl an den Schienbeinen reiben wird?

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Der Wanderweg führt nun steil aufwärts und ist seit einigen Jahren mit Treppenstufen aus Granit gepflastert. Nur so konnte man der starken Erosion in den steileren Wegstücken noch Einhalt gebieten. Auf halber Höhe führt dann ein unscheinbarer Weg rechts in den Wald hinein, der Beginn des Felsenweges.
IMG_1942Der Hanwag macht sich gut. Er hat ein etwas breiteres Fußbett, wie der gewohnte Meindl, was ich als sehr angenehm empfinde. Überhaupt gibt einem der Schuh für den Fuß ein deutliches Gefühl der „Geborgenheit“. Mit dem braucht man nun nämlich keine Angst mehr zu haben, sich den Fuß (einschließlich Schienbein) irgendwo zu stoßen. Und Reiben..? Fehlanzeige!

Wir folgen dem Felsenweg und müssen schon bald erste Schneefelder überwinden. Die halten sich hier im Schatten der Nordflanke natürlich noch bis weit in den Frühling hinein. Dann kommt aber endlich die Stelle, von der aus man zum Feldsee hinuntersehen kann und Claudia ist glücklich! Jetzt im zeitigen Frühjahr verwehrt auch noch kein dichtes Blattwerk den phantastischen Tiefblick, und am Talende sieht man sogar den Raimartihof.

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Der Pfad ist hier sehr schmal und macht seinem Namen Felsenweg alle Ehre. Trotzdem ist er selbst bei Nässe gut zu gehen, richtiges Schuhwerk vorausgesetzt. Halbschuhe oder Trekking-Sandalen haben hier oben nichts mehr verloren, schon weil der vollgesaugte Boden teilweise sehr tief wird! Mit meinem Hanwag bemerke ich davon überhaupt nichts. Alles ist weich, warm und trocken und er fühlt sich auch nicht so an, als ob ich ihn noch groß einlaufen müsste!

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Der Weg führt uns jetzt im Uhrzeigersinn hoch oben durch die Wand des Feldsee-Kars. Davon bekommt man aber nur wenig mit, so dass man sich ruhig Zeit nehmen kann, um vielleicht mal etwas mehr auf die Vegetation zu achten. Denn die ist hier oben wirklich beachtenswert! Selbst jetzt, im zeitigen (Feldberg-)Frühjahr blühen hier schon Schlüsselblumen, wilde Narzissen und echter Seidelbast. Nicht zu vergessen die überall gelb leuchtende Sumpfdotterblume. Und wer genauer hinsieht, der findet sogar noch ganz andere Kleinode, denn vereinzelt treibt hier schon das gefleckte Knabenkraut aus, eine einheimische Orchidee.

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In diesem Bereich sind – etwas später im Jahr – aber auch noch ganz andere Raritäten zu finden: Hier gedeihen nämlich auch Sonnentau und gemeines Fettkraut, gleich zwei Fleischfressende Pflanzen – und die erwartet nun hier oben am Feldberg doch kaum einer, oder?

IMG_1977Kurz darauf erreichen wir ein Wege-Kreuz und den Fernski-Wanderweg Schonach-Belchen. Hier ist immer ein nasses Sumpfloch und der Weg daher mit Stirnholz-Scheiben ausgelegt (Vorsicht, Rutschgefahr!)

Wir halten uns nun links und folgen dem Weg weiter aufwärts. Noch immer ist kein Regen in Sicht und wir sind inzwischen schon fast guten Mutes, vielleicht doch noch um unsereren „Regenklamotten-Test“ herum zu kommen.
Bald verlassen wir dann den Wald und erreichen nun die freie Fläche des Feldberg-Kammes. Hier pfeift immer ein strammer Wind und daher ist es selbst im Sommer meist angenehm kühl. Jetzt, Mitte Mai, liegt hier aber noch ein ordentlicher Schneerest, der teilweise über einen Meter dick ist. (Siehe Titelbild, ganz oben!).

Kaum ist das Schneefeld überwunden, schwenkt der Weg nach Westen, in das Quellgebiet der einstigen Urdonau. Heute entspringt hier ein kleines Rinnsal, das über das Feldseekar hinunter stürzt, zum Feldsee. Dann durchfließt es als „Seebach“ noch den Titisee, bevor es seinen Namen zuerst in Gutach, und später dann in Wutach ändert. Die wütende Ach mündet später bei Waldshut-Tiengen in den Rhein.

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Hier oben ist davon jedoch noch nichts zu ahnen. Der Wanderer macht lediglich einen großen Schritt über das Rinnsal, um keine nassen Füße zu bekommen. Claudia watet einfach hindurch und gibt mir so Gelegenheit, für einen tollen Schnappschuß mit dem (alten) Feldbergturm im Hintergrund.

IMG_2002Kurz darauf erreichen wir den Grüble-Sattel und halten uns an der Wegespinne gleich rechts, hinauf zum Höchsten (Feldberggipfel). Die paar Höhenmeter machen wir nun mit Links und unterhalten uns nebenher mit ein paar Westweg-Wanderern. Zwei taffe, junge Mädels, die bereits seit Pforzheim zu Fuß unterwegs sind.
Am Gipfel machen wir nur kurz Rast und trinken einen Schluck Tee. Da das Panorama heute (wetterbedingt) nicht viel hergibt, ziehen wir gleich wieder auf der anderen Gipfelseite hinunter, zur St. Wilhelmer Hütte. Dort wollen wir Gabi und Baldur, den Herdern endlich mal wieder einen Besuch abstatten. Sie sind nämlich nicht nur für die Hütte und die Bewirtung, sondern auch für das ganze Jungvieh verantwortlich, das den ganzen Sommer über hier oben am Feldberg ist.

Nach einer ordentlichen Rast mit Hefeweizen und Schmalzbrot (lecker!), scheint dann endlich unser Tagesziel erreicht zu sein, denn draußen hat es inzwischen doch tatsächlich begonnen, zu schneien! Nun, der Feldberg ist eben immer für eine Überraschung gut und ganz davon abgesehen, genau so war es doch eigentlich auch angekündigt gewesen..!

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Wir entschließen uns denoch dazu, vorläufig auf die Ponchos zu verzichten und ziehen nur die Regenhosen an. So kann kommen was will, denn die Ponchos haben wir notfalls schnell übergeworfen!
Guten Mutes ziehen wir dann wieder die paar Meter hinauf zum Gipfel, wo wir ordentlich „durchgelüftet“ werden! Ein strammer Wind fegt inzwischen, einen Graupelschauer nach dem anderen, waagerecht über den Feldbergkamm. Das kann uns aber nicht viel anhaben, die Ponchos bleiben im Rucksack. Dafür legen wir aber einen Zahn zu, schließlich geht es nun immer nur noch bergab.
Eine gute Stunde später stehen wir dann wieder am Auto. Aus dem Test mit den Regenklamotten ist nun leider doch nichts mehr geworden, aber die neuen Stiefel, die würde ich am liebsten gleich anlassen..!

Unser Fazit: Bei etwas stabilerem Wetter eine ganz tolle Feldberg-Wanderungen, die selbst jetzt schon viele, interessanten Pflanzen zu bieten hat! Naturfotografen kommen hier voll auf ihre Kosten!

Strecke: 10,1 Kilometer mit 427 Höhenmeter in An-, und Abstieg. Nicht mit dem Kinderwagen machbar, Rückentrage hingegen ideal. Im Bereich des Felsenweges ist Trittsicherheit erforderlich, Wanderstöcke sind empfehlenswert! Wir empfehlen zudem dringend Wanderstiefel, Halbschuhe sind nur bedingt tauglich!
Einkehr: In der St. Wilhelmer Hütte, oder der Todtnauer Hütte möglich. Abschließend empfiehlt sich auch noch ein Besuch im Haus der Natur, wo einem Flora und Fauna des Hochschwarzwaldes sehr anschaulich nahegebracht werden.

Empfohlene Wanderkarte:*
LGL BW 50 000 Freizeit Freiburg im Breisgau / Kaiserstuhl: Naturpark Südschwarzwald

Empfohlener Wanderführer:*
Schwarzwald, Süd: 50 ausgewählte Wanderungen im Südschwarzwald. Die schönsten Wanderungen zwischen Freiburg und Basel

Empfohlene Hintergrund-Karte für den Garmin:*
Garmin Freizeit- und Wanderkarte Topo Deutschland 2012 Pro Gesamt

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3 Kommentare »

  • Matthias Haller sagt:

    Hallo – tolle Seite, mein Kompliment. Bei uns im Ahrntal sieht es heute so ähnlich aus. Gefühlte 0 Grad und der Schnee blickt von den Bergen runter. Es könnte der 02. Dezember sein. LG Matthias

  • Maria R sagt:

    Klingt trotz des schlechten Wetters nach einer tollen Wanderungen! Wenn man die richtige Kleidung trägt, macht es beim Wandern dann doch nicht mehr so viel aus, höchstens bei der Sicht muss man Abstriche machen. Wir waren letztes Jahr im Wanderland Schweiz wandern und mussten auf unseren Wanderwege auch mit dem Wetter kämpfen. Aber am Ende war es doch eine sehr schöner Urlaub fürs Wandern und wir haben einige neue empfehlenswerte Wanderwege Schweiz entdeckt!

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Maria – ja, stimmt schon, es gibt kein schlechtes Wetter! Und alles in Allem war das eine richtig tolle Tour gewesen!

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