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„Frühlings-Erwachen“ am Kaiserstuhl

13 April 2010 Ein Kommentar

Karfreitag. Der Winter war toll gewesen und wir haben ihn natürlich ausgenutzt. Aber nun, nach vielen, herrlichen Schneeschuh-Touren, war auch uns zunehmend nach Sonne, Wärme und Frühling  zumute.

So beschlossen wir einfach, dem Frühjahr etwas entgegen zu gehen und einen Ausflug zum Kaiserstuhl zu unternehmen. Und wie Euch unsere Bilder zeigen, war diese Entscheidung wohl wieder mal genau die Richtige gewesen…

Wir parkten unser Auto zwischen Altvogtsburg und Oberbergen, direkt unterhalb des Badberges. Hier, am Schwimmbad (Wassertrete-Stelle) ist ein idealer Ausgangspunkt für verschiedene Touren innerhalb(!) des Kaiserstuhl-Kraters. Wer hingegen lieber direkt auf dem Kamm (Kraterrand) wandeln möchte, der sollte das Auto vielleicht eher in Oberrotweil, oder am Vogelsang-Pass abstellen.

Beim Aussteigen zeigte uns das Thermometer 14,0°C an. Immerhin ganze 10°C mehr, als eben noch zu Hause, im Hochschwarzwald. Genau so hatten wir uns das eigentlich gewünscht und als wir beim Aussteigen auch noch einen Kuckuck rufen hörten, wussten wir, dass der Entschluss, hierher zu kommen, richtig gewesen war. Denn dieser Frühlings-Bote, kehrt allgemein erst einige Wochen später, so gegen Ende April, oder Anfang Mai, aus seinem Winterquartier in Afrika zurück. Aber wir sollten bald noch weitere Anzeichen, für den Frühlings-Einzug finden.

Der Kaiserstuhl wird nicht umsonst als deutsche Toskana bezeichnet und Ihringen ist sogar die wärmste Stadt in ganz Deutschland.

Aber schon unterwegs, etwa ab Freiburg, nahm die Anzahl der in voller Blüte stehenden Kirsch-, und Mandelbäume, stetig zu. Hier am Kaiserstuhl blühen zusätzlich noch die unzähligen Schlehen-Büsche in leuchtendem Weiß.

Wir wandten uns nach rechts und folgten dem breiten Wanderweg, am Fuße des Badbergs. Hier wurden wir von Wanderfreunden, vor kurzem auf mehrere, ungefaßten Thermalquellen aufmerksam gemacht, deren Wassertemperatur wir heute nun doch einmal genauer nachmessen wollten. Das Thermometer schwankte dabei zwischen 26,4°C und 26,7°C, und das ist immerhin angenehme Schwimmbad-Temperatur!

Wir unterhielten uns beim Weitergehen noch über das Thermal-Wasser, als es neben uns, am Grashang raschelte: eine große Smaragdeidechse saugte die Wärme der Aprilsonne in sich auf und blieb auch dann noch still liegen, als ich eine ganze Fotoserie von ihr schoss – danke schön!

Aber nur wenige Meter weiter, kurz vor den ersten Häusern von Altvogtsburg, wurde unsere Aufmerksamkeit gleich erneut in Anspruch genommen: hier wuchs ein schönes Exemplar einer Morchel, direkt neben dem Weg . Und diesen wertvollen Speisepilz findet man heute ja leider auch nicht mehr alle Tage!

In der kleinen Ortschaft angekommen, folgten wir dann dem geteerten Weg, links hinauf in die Weinberge, Richtung Schelinger Kreuz. Nach kurzer Strecke verlassen wir den Weg aber wieder nach rechts und folgen kurz dem Wanderzeichen in Richtung Vogelsang. Die Grasmatten sind hier übersät mit abertausenden, von gelben Schlüsselblumen, ein unglaublicher Anblick! Und selbst zwischen den Weinstöcken findet sich ein wahres Blütenmeer!

Wo ein weiteres Wanderzeichen wieder nach Altvogtsburg hinunter leitet, verlassen wir den geteerten Weg und folgen dem Pfad über die Grasmatten bergauf, vorbei an hunderten von Raupen eines, nicht näher zu bestimmenden, Widderchens. Unser Ziel ist der Kammweg, unterhalb des Eichelspitzturms.

Und oben, am höchsten Punkt des Buckels angekommen, werden wir dann gleich erneut überrascht: hier blühen nämlich unzählige Küchenschellen! Was früher eine „Allerwelts-Pflanze“ war, wurde inzwischen zur geschützten Rarität und wohl vergleichbar selten, wie die einheimischen Enzian-Arten. Sie hatte eben das Pech, im Frühjahr eine der ersten, blühenden Blumen zu sein und wurde entsprechend häufig gepflückt. Dabei ist die Pflanze so giftig, dass schon der normale Umgang mit ihr, zu Blasenbildung und allergischen Reaktionen führen kann.

Hier oben bläst ein recht frischer Wind, was die herrliche Aussicht aber nicht trübt. Fast im Zentrum des Kaiserstuhls stehend, sieht man nahezu den gesamten Kraterrand, rund um uns herum. Im Osten erkennt man Freiburg und die umliegenden Schwarzwald-Gipfel, im Westen reicht der Blick über Altvogtsburg und Oberbergen, bis nach Oberrotweil und zu den Vogesen. Claudia und ihre Cousine Stefanie sind jedenfalls bester Dinge.

Am Kammweg angekommen, wenden wir uns nun erst kurz nach Norden, in Richtung Katharinenkapelle, biegen dann jedoch an der Kuppe gleich wieder links ab, nach Westen und folgen dem Wiesen-Pfad zum Schelinger Kreuz. Hier laden Bänke und Tische zur Rast, mit tollem Blick auf Schelingen, bevor es gleich steil hinauf geht. Links könnte man nun aber auch abkürzen, direkt wieder hinunter nach Altvogtsburg.

Auf vielen Tafeln werden hier die ökologischen Besonderheiten des Kaiserstuhls erklärt und man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, sie zu lesen.

Nach kurzem, aber „heftigen“ Anstieg haben wir dann auch bald den höchsten Punkt unserer Kaiserstuhl-Runde erreicht. Von nun an geht es in vergnüglichem Auf und Ab über den Kamm der Grasmatten, bis wir die ersten Reben, oberhalb von Oberbergen, erreichen. Hier entscheiden wir uns an der Wege-Gabelung für den oberen Weg zurück. Er führt immer auf halber Höhe durch den Hang und bringt uns schließlich über einen steilen Abstieg wieder hinab, zum Schwimmbad.

Unterwegs sehen wir aber noch mehr Küchenschellen und sogar noch einige Smaragdeidechsen. Aber auch unzählige Fangtrichter des Ameisenlöwen, im Lehm der sonnigen Halde, und natürlich viele, viele Veilchen.

Hier sind noch weitere, empfehlenswerte Wanderwege beschrieben: Themenpfade am Kaiserstuhl (8)

Unser Fazit: Eine wunderschöne Flucht in den Frühling und wer aufmerksam ist, wird bestimmt sehr viel Interessantes entdecken! Vorsicht, wenn es nass ist – Rutschgefahr! Wanderstöcke sind aber auch bei trockener Witterung sehr zu empfehlen! Leider kein Geheimtipp mehr, aber die hier beschriebene Tour ist eine der Schönsten, am ganzen Kaiserstuhl..!

Hunde bitte unbedingt an die Leine nehmen und auch die Kinder vielleicht etwas intensiver „betreuen“, dem Naturschutz zu Liebe! (Viele Bodenbrüter! Zudem ist gerade Paarungszeit der Smaragdeidechsen!) Aber auch an die Giftigkeit der Küchenschelle denken!

Mit dem Kinderwagen sehr anstrengend, bis unmöglich! Kindertrage wäre wieder mal ideal! Bei warmer Witterung an Getränke denken!

Achtung: Mit dem Fahrrad verboten! (NSG, kann sehr teuer werden!)

Google-Maps

Ein Kommentar »

  • Annerose und Rainer sagt:

    Hallo Rainer und Claudia,
    wieder ein sehr gelungener Beitrag für alle Wanderfreunde, die die nähere Heimat erkunden möchten. Zeigt dieser Beitrag doch wie vielfältig der Kaiserstuhl ist. Der Beitrag hat mich an ein Heimatgedicht von Hermann Landerer aus Rothweil erinnert, weil es all das wiedergibt, was auch Du Rainer in Deinem Beitrag aufzeigst.
    Sunnig Rääbland
    Mi Kaiserschduahl: Ä handvoll Bärgli.
    Linigstreut wiä Zwärgli.
    Zwische Rhiin un schwarzem Wald,
    Vum große Unbekannte – ürürald.
    An sine Häng: in dr Breit un in dr Läng:
    Rääbterrasse…
    Un drzwische hohli Gasse..

    Mi Kaiserschduahl: Sunnigwarme Goddesgarte.
    Hesch Wii mit bsundere Eigeaarte:
    Kriäse, Nuss un Mirabälle
    Un in dr Gäärte Harnmelschälle.
    Vulkanisch wirkt di Spotburgundr
    Ufs Inneläbe so mitundr –
    Un dr Silvanr, liäbi Lit,
    Wird gsüpfelt scho zuar Zniini-Zitt

    Mi Kaiserschduahl: Dine Fraie, dini Manne,
    Sin wuurzelstark wiä Wäddrdanne.
    Vulkanisch, wiä unvrgorne Wii-
    Un jo, sage sie nit glii!
    Wär dert vrläbbt ä Rääblandsummr
    isch Rheuma los mitsamtm Kummr-
    Sürpfelt duurschdig er am Sunnepfuhl,
    Am herrligscheene Kaiserschduahl

    Auf noch viele schöne Wanderberichte
    Annerose und Rainer

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