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Frühling im Illwald (Elsass)

1 April 2011 Kein Kommentar

Es regnete, und so war es dann wieder einmal eine ganz spontane Entscheidung beim Frühstück, die uns ins Elsass führte.
Wenn schon Regen, dann sollte er zumindest etwas „wärmer“ sein, als bei uns im Hochschwarzwald und das konnten wir bei der aktuellen Wettervorhersage eigentlich nur in der Rheinebene erwarten. Außerdem wollten wir dem Illwald, südöstlich von Selestat, schon immer mal einen Besuch abstatten.

Achtung: Bei einem Hochwasser des Rheins sind diese Wege komplett überflutet!

Zum ersten Mal in diesem Jahr packen wir also unsere Regenhosen ein und fahren nach Sasbach, wo wir den Rhein überqueren.

Ab der Grenze ist unser Ziel gut beschildert und leicht zu finden: Über Marckolsheim nach Selestat.  Irgendwann führt die D 424 dann durch ein kurzes Waldstück (Illwald) und knickt an dessen Ende etwas nach links. Dann, kurz vor dem Erreichen des Städtchens, zweigt ein geteerter Fahrweg, rechts, im 45° Winkel von der Straße ab. Gut zu sehen ist schon von weitem die weiße, nur 2m hohe Durchfahrtsbegrenzung, die Wohnmobilen und Lkws die Einfahrt auf den Rastplatz (Tische und Bänke) verwehrt. Hier stellen wir unser Auto ab. Das Wetter: Leichter Regen bei 14,5° C.

Nach dem Überqueren der Straße folgen wir (abweichend vom Rother Wanderführer) dem Fahrweg direkt gerade aus, nach Süden. Wir haben beschlossen, den Rundweg lieber im Uhrzeigersinn zu durchwandern. Er ist durchgehend gut beschildert und nicht zu verfehlen. (Weißes Schild mit rotem Ring).

Anfangs über eine Wiese führend, knickt er nach etwa 500m leicht nach links und erreicht dann kurz darauf den Rand des Illwaldes. Da es inzwischen ununterbrochen nieselt, sind wir froh endlich die Bäume zu erreichen. Auch ohne Laub geben sie uns doch etwas Schutz, indem sie zumindest den Wind abhalten. Außerdem ist es hier im Wald nun auch deutlich wärmer, ja schon fast subtropisch: Als ob man in eine Waschküche hinein gekommen wäre – wir können es kaum fassen!

Wir ziehen die Kapuzen herunter und genießen den unvergleichlichen Frühlingsduft des Illwaldes. Der wird natürlich sanft untermalt, vom leichten Knoblauchduft des hier massenhaft vorkommenden Bärlauchs, der aber (Gott sei Dank!) noch nicht blüht.

Bald erreichen wir das erste Altwasser, die Rau (Schiffwasser). Mit sanfter Strömung zieht sie durch den Auwald. Um ein Foto zu machen muss ich den Weg etwas verlassen und bin froh, „wasserdicht“ angezogen zu sein: Der ganze Waldboden, abseits der Wege ist vom Regen völlig aufgeweicht und ziemlich „tief“!

Die Wanderwege selbst sind in diesem Bereich jedoch hervorragend drainiert und daher recht angenehm zu gehen. Lediglich die Innenseiten der Regenhosen zeigen unten bald die üblichen Schlamm-Spuren. Aber das ist leicht zu waschen.

Bald erreichen wir eine Schutzhütte, in der man selbst heute trocken vespern könnte. Tische und Bänke stehen geschützt unter einem dichten Kunststoff-Dach.
Hier teilt sich der Weg in eine „längere“ und eine „kürzere“ Variante. Wir folgen dem längeren Weg, in Richtung Oberriedgraben, denn dort sind die beiden Hängebrücken, die wir natürlich unbedingt überschreiten wollen.

Bald haben wir die Erste erreicht und Claudia muss natürlich gleich ihre Stabilität „testen“. Erst einmal in Bewegung gesetzt, ist dann an Fotos (bei dem heutigen, schlechten Licht) nicht mehr zu denken! Also noch einmal, und mit etwas mehr Bedacht, dann gibt es schließlich doch noch ein paar hübsche Bilder!

Wer in diesem Bereich unterwegs ist, dem wird wohl bald auffallen, dass in den Ästen der Bäume, unmittelbar am Wasser, überall Reste von Plastiktüten und Papier hängen. Sie zeigen uns an, wie hoch der Wasserspiegel bei einem richtigen Hochwasser steht: Alle Brücken und Wanderwege sind dann überflutet! Daran bitte unbedingt denken, wenn man diesen Ausflug plant!

Diese regelmäßige Überflutung sorgt auch für eine optimale (natürliche) Düngung, was man den Pflanzen hier sofort ansieht: Irgendwie scheint hier alles größer, kräftiger und grüner zu sein und Wassermangel kennen diese Pflanzen wohl ganz bestimmt auch nicht.
Was ebenfalls auffällt, ist die große Menge an Totholz. Das ist nicht nur sehr schön anzusehen, sondern steckt auch voller Leben!

Überall liegen Baumstämme, die dick mit Moosen und anderen Pflanzen bewachsen sind. Immer wieder muss man da einfach auch mal genauer hinsehen und natürlich – fotografieren.

„Wenn wir heute Sonnenschein hätten…“, schmunzelt Claudia irgendwann, „dann bräuchten wir für diese Tour ganz bestimmt dreimal so lange..!“ Ich muss ihr beipflichten, denn Naturfotografen kommen hier wirklich voll auf ihre Kosten. Nur besseres Licht sollte man dazu haben, und vielleicht etwas weniger Wasser..!

Bald überschreiten wir dann die zweite Hängebrücke über den Oberriedgraben. Das hier ist nun der Scheitelpunkt der Rundwanderung, der am weitesten vom Auto entfernte Punkt. Ab hier geht es nun wieder zurück, in Richtung Norden.

Und auch die Wege haben sich inzwischen verändert: Inzwischen sind wir auf schmalen Trampelpfaden unterwegs, die ziemlich schmierig und rutschig sind! Und immer sind wir völlig umgeben von Bärlauch! Wenn der erst mal richtig blüht, dann muss man Knoblauch wohl schon sehr lieben, um es hier überhaupt noch auszuhalten!

Ein Beinahe-Sturz, den ich gerade noch mit einem Wanderstock abfangen kann, holt mich in die Realität zurück! Obwohl hier alles topfeben ist, reicht schon eine leichte Schräge um kräftig zu rutschen! Der Schwemmboden ist nass nämlich glatt wie Schmierseife!
Apropos „eben“: Laut Garmin hat die Tour gerade mal 42(!) Höhenmeter im Anstieg, was also nicht einmal erwähnenswert ist! Trotzdem ist diese Tour mit einem Kinderwagen nicht zu bewältigen. Die beiden Hängebrücken, so wie auch einige Trampelpfade sind einfach zu schmal dafür! (Kindertrage wäre ideal!)

Auch die breiteren Wanderwege sind in diesem Bereich teilweise ziemlich schlammig und „tief“! Dem entsprechend sehen natürlich auch bald unsere Schuhe und Regenhosen aus!
Gott sei Dank, ist das Claudia aber egal! Sie gehört nicht zu den Frauen, bei denen man immer aufpassen muss, um sich ja nicht schmutzig zu machen! „Das kann man alles wieder waschen!“, ist ihr Motto! Und wer dies nicht so recht glauben mag, der kann sich ja mal ihr spitzbübisches Grinsen anschauen, während sie im tiefen Schlamm „wandelt“ (Foto unten)!

Über mehrere kleine Wasserarme führt unser Weg nun erstmal direkt nach Westen und erreicht schließlich die Ill. Entlang ihres Verlaufes wandern wir dann jedoch weiter, in Richtung Norden und damit auch wieder in Richtung Auto.
Inzwischen hängt uns beiden der Magen ziemlich in den Kniekehlen und wir beschließen, eine kurze Rast einzulegen. Zwei knorrige Eichenstämme am Wegrand bieten sich dafür geradezu an, denn sie sind völlig trocken. So stärken wir uns mit den mitgebrachten Vesperbroten und etwas Tee, und sehen nebeher hinüber, auf die ruhig dahin fließende Ill.

Wir haben den Wald jetzt wieder verlassen und folgen einem Wirtschaftsweg über ausgedehnte Wiesen. Dann ziehen aber plötzlich große, weiße Vögel meine Aufmerksamkeit auf sich und ich bleibe stehen. Noch sind sie ziemlich weit entfernt, aber ich bin mir bereits jetzt sicher, dass es Störche sind. Gleich mehrere haben sich auf der Wiese neben der Ill nieder gelassen und staksen dort durch’s Gras! Claudia hat sie inzwischen ebenfalls bemerkt und ist daher völlig aus dem Häuschen!

Auf dem gegenüber liegenden Ufer der Ill, vielleicht 500m weit von uns entfernt, sehen wir nun auch mehrere, abgebrochene Bäume stehen, die ebenfalls von den Störchen besetzt sind: Ihre Nistplätze! Bestimmt 10 Nester sind bereits von hier aus zu erkennen!

Unsere Konzentration völlig auf die Störche in der Wiese vor uns gerichtet, gehen wir weiter und begegnen zwei französischen Wanderer, von denen einer die abgeworfene „Geweih-Stange“ eines  Damhirsches in der Hand trägt. Er hat sie direkt am Wegrand gefunden, erzählt er uns stolz. Sie ist tatsächlich so frisch, dass die Bruchstelle noch blutig ist. Damwild, damit hätten wir hier, im Elsass, natürlich überhaupt nicht gerechnet!

Nach einer kurzen, aber sehr freundlichen Unterhaltung und einem Foto, gehen wir weiter und fixieren unsere Aufmerksamkeit nun wieder auf die Störche voraus. Dreizehn Tiere können wir bereits von hier aus zählen und inzwischen haben sich auch noch drei Rehe zu ihnen gesellt. Leider werden diese dann aber vor einem Auto vertrieben, das unseren Fahrweg entlang kommt.
Schade, aber wir kommen auch nicht nahe genug an die Störche heran, um wirklich beeindruckende Fotos von ihnen zu machen. Und auch das Licht ist schon viel zu schlecht, um noch gute Tele-Aufnahmen aus der Hand zu schießen.
Zu allem Überfluss beginnt es dann auch wieder stärker zu regnen, daher begnüge ich mich mit einigen wenigen, abschließenden Schnappschüssen, in der Hoffnung, dass vielleicht doch etwas „Brauchbares“ dabei ist.

Unser Fazit: Eine wunderschöne, kleine Rundwanderung ohne nennenswerte Anstrengung. Trotzdem sollte (besonders bei Nässe) Trittsicherheit vorhanden sein! Naturfotografen kommen hier voll auf ihre Kosten!
Leider nicht mit dem Kinderwagen machbar, Kindertrage wäre hingegen ideal! Achtung Naturschutzgebiet, Hunde bitte unbedingt an die Leine nehmen!

Rundwanderung – 12,4 Kilometer mit 42(!) Höhenmeter!

Empfohlene Wanderkarte: Club Vosgien, Carte 4/8 Strasbourg/Mont St. Odile/ Donon/ Haut-Koenigsbourg 1:50.000

Empfohlener Wanderführer: Rother/Elsass  ISBN 978-3-7633-4313-3

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

 



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