Home » Allgemein

Fröhliche Belchen-Gipfelrunde

10 Oktober 2011 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 3 von 5 in der Serie Unsere schönsten Belchen-Aufstiege

Wir sind dabei, unsere schönsten Belchenaufstiege zu dokumentieren, als sich Töchterlein Manuela mit Freund Ronny ankündigt. Sie wollen sich uns am Tag der Deutschen Einheit gerne anschließen, um mal wieder mit uns zu wandern.
Da der Belchen aber nur wenig leichte Touren zu bieten hat, entscheiden wir uns ganz spontan für eine fröhliche Gipfel-Runde, mit Start und Ziel am Jägerstüble, neben der Talstation.

Da wir auch heute, am Feiertag, wieder mit einem ähnlichen Besucheransturm auf den Belchen-Gipfel rechnen wie gestern, haben Claudia und ich gleich morgens etwas zur Eile gedrängt. Wenn wir erst einmal unseren Parkplatz an der Talstation der Belchen-Seilbahn haben, dann wird sich der Rest schon finden. Aber diese Stellplätze sind sehr rar und wer hier zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Es ist gerade 9.00 Uhr, als wir aussteigen und uns anziehen. Über uns spannt sich ein tiefblauer, wolkenloser Himmel.
„Puh..!“, meint Claudia mit einem kritischen Blick nach oben, während sie sich streckt. „Das wird gegen später wohl wieder richtig heiß werden..!
Die Seilbahn läuft schon, als wir sie gegenüber dem Jägerstüble unterqueren und dem breiten Grasweg folgen, der uns von der Ostseite her, zum Gipfel führen wird.
Der breite, recht angenehm zu gehende Weg ist ziemlich steil und führt im Anfang rechts der Seilbahn-Trasse aufwärts. Später zieht er in S-Schlägen mehrfach unter der Seilbahn hindurch, bevor er oben dann das Belchenhaus erreicht.
Achtung: Im Winter dient dieser Weg als Skipiste und es ist empfehlenswert, ihn dann (auch auf Schneeschuhen) lieber zu meiden!

Unser Aufstieg beginnt am Parkplatz auf 1.100 m über dem Meer und überwindet hinauf, bis zum Belchenhaus (1.360 m) gleich mal die ersten 260 Höhenmeter. Bis dorthin ist man also schon mal gut auf Betriebstemperatur gekommen, bevor man dann auch noch die restlichen 55 Höhenmeter, bis zum eigentlichen Belchengipfel (1.414 m), bewältigt.

Schnell gwinnen wir an Höhe und genießen – wo wir die Schneise der Seilbahn-Trasse queren – immer wieder tolle Tiefblicke, hinunter zur Talstation. Durch ein Gatter überwinden wir den elektrischen Zaun einer Viehweide und gehen dahinter auf die bereits wiederkäuende Rinderherde zu. Erst kurz bevor wir sie erreichen, biegen wir links wieder auf einen schmalen Pfad ein. (Achtung: Dieser ist leicht zu übersehen, da der breite Weg zum Geradeaus-Gehen verleitet!)
Hier lotse ich Manu und Ronny auch noch schnell auf einen unscheinbaren Aussichtspunkt, unmittelbar neben dem Weg.

Irgendwann überqueren wir dann noch einmal die alte (gesperrte) Belchenstraße und sehen kurz darauf auch schon die Bergstation der Seilbahn. Unmittelbar dahinter ragt das Belchenhaus hervor (Einkehr möglich), welches wir wenige Minuten später erreichen.

Manu und Ronny sind bereits etwas am Schnaufen, da sie solche Anstiege natürlich nicht gewohnt sind und Manu ahmt sich im Spass mal wieder selbst nach:
„Sin ma bald daahaaa..?“. Und die Erinnerung an Manu’s Kindheit bringt Claudia und mich natürlich ebenfalls spontan zum Schmunzeln.

Nur ein kurzes Foto, dann drängle ich hinauf zum Gipfel. Schon jetzt quellen nämlich bunt gemischte Touristen-Gruppen aus den Gondeln der Seilbahn. Wanderer sehe ich darunter keine, dafür aber allerlei, für den Belchen-Gipfel völlig ungeeignete Schuhe – bis hin zu teuren Pumps..!
„Ob die den Gipfelrundweg wohl überstehen werden..?“, frage ich Claudia grinsend und zeige mit dem Kinn hinüber.
Die lacht nur und geht dann neben mir, während ich Manu und Ronny erkläre, was wir nun mit ihnen vorhaben.
Ein Belchenbesuch, ohne auch dem Gipfel selbst kurz die Ehre zu geben, ist für uns natürlich nicht denkbar. Außerdem wollen wir den Beiden ja auch noch die einzigartige Gipfel-Rundumsicht zeigen, die dem Belchen den Beinamen König des Schwarzwaldes eingebracht hat. So folgen wir dem Rundweg (im Uhrzeigersinn) erst einmal links hinauf und befinden uns dann auch bald hoch über dem kleinen Wiesental, der wohl schönsten Seite des Belchen.

Manu und Ronny sind von dieser Landschaft ebenfalls überwältigt und Claudia zeigt ihnen von hier aus auch gleich noch unseren weiterführenden Weg, über den Hohkelch-Sattel, den Heideckfelsen, bis hin, zum gut zu erkennenden Wanderweg, durch die sonnendurchflutete Südhalde des Belchen.

Aber zuerst ziehen wir vollends hinauf, zum Gipfel. Dort, wo der Weg nach rechts knickt, sehen wir unter einer dicken Inversionsschicht sehr schön die Rheinebene daliegen. Aber auch der Blauen hat sich inzwischen – samt seinem Gipfelturm und dem Hotel – aus dem Frühdunst geschält.

Langsam wird es nun aber immer voller, und damit auch schwieriger, noch ungestört zu fotografieren. Daher drängle ich auch schon bald wieder weiter. Ich möchte oben unbedingt noch ein Foto vom Gipfelkreuz machen, ohne dass dieses gleich zu einem Gruppenfoto ausartet!

Der Rundumblick vom Belchengipfel beeindruckt dann auch Manu und Ronny. Am Gipfelkreuz wird natürlich schon kräftig fotografiert, daher verzichte ich auf dieses Bild und schicke Claudia statt dessen ein paar Meter in die Wiese, in Richtung Süden.
Auch dort ist die Dunstglocke der Inversionsschicht deutlich zu erkennen und verhindert damit heute leider auch jede Alpensicht.
Schade, denn dieses Erlebnis hätte ich den Jungen für eigentlich schon noch gegönnt!
Es werden inzwischen aber immer mehr Menschen auf der Gipfelkuppe. Von beiden Seiten des Rundweges drängen die Besucher herauf und auch die Dame mit den Pumps ist inzwischen hier oben angekommen. Claudia kann sich dann ein Auflachen auch nicht mehr verkneifen, als sie deren Zustand sieht.
Nun..“, meint sie fast schadenfroh, „..mit denen wird sie wohl nicht mehr oft ausgehen..!“ und fügt dann noch leise hinzu: „Aber vielleicht kommt sie auf ihnen ja wenigstens wieder halbwegs hinunter, ohne unterwegs auch noch barfuß gehen zu müssen..!
Die scharfkantigen Steine auf dem Gipfelrundweg haben das Leder der Pumps-Absätze nämlich bereits völlig aufgerissen!

Um den heraufströmenden Menschen zu entkommen, zeigen wir nun auch Manu und Ronny unseren Joker von gestern. Gleich vom Gipfel-Kreuz aus ziehen wir nämlich mit ihnen in die Belchen-Nordflanke hinunter und verlassen den Gipfelrundweg somit. Dieser Pfad (Franz-Schlageter-Weg) führt uns dann später ebenfalls wieder zum Belchenhaus zurück, er ist jedoch nicht nur viel ruhiger, sondern auch deutlich wilder!
Aber das ist auch kein Wunder, schließlich führt er durch die teilweise gefährlich-steile Belchen-Nordseite, die im Winter wegen Lawinengefahr gesperrt ist. Ein Schild warnt zudem deutlich: Nur für geübte Wanderer! Wer auf ihm unterwegs ist, der sollte also wirklich trittsicher sein und besser auch keine Pumps tragen..!

Nach kurzer Zeit erreichen wir dann wieder das Belchenhaus und diesmal verzieht sogar die Stuttgart-erprobte Manuela das Gesicht: Hier herrscht inzwischen nämlich eine richtige Jahrmarkt-Stimmung und nach der Stille von gerade eben, tut uns das nun schon fast physisch weh!
Nichts wie weg hier..!„, lacht sie nur und sieht mich – nach dem Weg fragend – an.

Diese Flucht ist inzwischen aber gar nicht mehr so einfach, denn immer mehr Besucher strömen jetzt auch in die schmalen Pfade hinein, die in Richtung Hohkelch-Sattel führen. Und da uns natürlich auch immer wieder Spaziergänger und Wanderer entgegen kommen, macht uns dieser Bereich nun wenig Freude. Alle paar Meter treten wir höflich zur Seite, um andere Wanderer durch zu lassen, was in dieser steilen Halde aber gar nicht immer so einfach ist..!
An der ersten Abzweigung wird es dann jedoch etwas besser, weil sich der Strom hier teilt.

Claudia hat aber ebenfalls bald genug von dieser Drängelei und fragt, ob wir an den Felsen über dem Hohkelch-Sattel vielleicht eine kurze Vesper-Pause einlegen könnten. Nur allzu gerne stimmen wir dem zu und suchen uns dort ein sonniges Plätzchen zwischen anderen Wanderern, die hier ebenfalls schon rasten.

Nach kurzer Strecke nimmt uns dann anschließend, zunehmend Waldschatten auf, was wir bereits am Vormittag als angenehm empfinden: Die Sonne sticht inzwischen nämlich schon gewaltig vom Himmel und dort ist auch kein einziges Wölkchen zu sehen. Was für ein Herbsttag – Altweiber-Sommer..!

Lasst es uns einfach genießen..!„, ruft Claudia dazu von vorne. „Wer weiß, wie lange es noch hält..!

Am Hohkelch-Sattel treffen wir dann wieder auf ganze Trauben anderer Wanderer, da hier mehrere Wege zusammentreffen. Wir kommen durch das erste Vieh-Gatter auf die Wiese und verlassen diese dann aber auch ganz schnell wieder, durch das zweite Gatter.
Hier wird es nun deutlich ruhiger, anscheinend sind nur wenige Wanderer unterwegs zum Heideck-Felsen und in die Südflanke. Dabei ist das doch eine der allerschönsten Wander-Passagen, in der ganzen Belchenregion.

Schattig führt uns hier ein schmaler Pfad durch die steile Waldhalde abwärts. An einigen besonders abenteuerlichen Stellen, ist der Pfad aber sogar mit Geländern gesichert. Man sollte sich diese aber stets etwas genauer ansehen, bevor man sich völlig auf sie verlässt, da nicht alle unser Vertrauen verdienen!
Bald mündet unser Abenteuer-Pfad dann aber auch schon wieder auf einen etwas breiteren Weg, dem wir nun rechts hinunter folgen. Vorbei an einem alten Grenzmäuerle (links im Wald), erreichen wir schon nach kurzer Strecke eine weitere Wegekreuzung und halten uns dort links. Dieser erst kürzlich verbreiterte Weg führt uns nach kurzer Strecke zu einigen Sitzbänken, direkt oberhalb dem Heideck-Felsen.

Nach einem kurzen Besuch des Felsens (tolle Aussicht!) wenden wir uns dem weiterführenden Weg durch die Südflanke des Belchens zu. Er verläuft nun fast immer auf gleicher Höhe und ist völlig entspannt zu gehen. Allerdings macht uns hier nun wieder die kräftige Oktober-Sonne zu schaffen, denn Schatten gibt es in diesem Bereich kaum. Es dauert dann auch nicht lange, bis sich Claudia in einer der vielen Viehtränken mit eiskaltem Quellwasser abkühlt!

Die ganze Zeit über genießen wir von diesem Weg aus ein phantastisches Belchen-Panorama und sehen sogar bis ganz hinauf, zu den Besuchern auf den Wegen knapp unterhalb des Gipfels.
Ganz schön ‚was los..!„, meint Claudia dann auch nur, nach einem kurzen Blick nach oben.

Und auch zum Hohfelsen können wir von hier aus direkt hinaufsehen und dort ganze Menschentrauben erkennen, die ihn belagern.
„Nein..!“, erwidere ich Claudias fragenden Blick dann auch. „Das müssen wir uns heute nicht mehr antun!
Eigentlich wollten wir mit Manu und Ronny noch einmal – über den Hohfelsen – zum Belchenhaus hinaufsteigen, aber unter den gegebenen Umständen schenken wir uns das und wandern statt dessen direkt zurück, zum Jägerstüble und unserem Auto.

Unser Fazit: Eine sehr schöne, nur wenig anstrengende Gipfel-Runde, die man auch noch über den Hohfelsen ausdehnen kann. Allerdings sollte man Tage, wie diesen – an denen jeder noch einmal „raus“ möchte – für diese Wanderung lieber meiden.
Rundwanderung: 11,1 Kilometer mit 506 Höhenmeter im Anstieg.
Dauer: ca 5 Stunden (gemütlich, incl. Pausen!).

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

 



Größere Kartenansicht 


Von Zell (i. Wiesental) zum Belchengipfel„Altweiber-Sommer“ am Belchen

2 Kommentare »

  • Rainer Motte sagt:

    Hallo, Rainer und Claudia!

    Herrlich, der neue Bericht über Eure „fröhliche Belchen-Gipfelrunde“!

    Ich kann das alles sehr gut nachempfinden, da ich fast den gleichen Weg schon zweimal gemacht habe (und auch das Glück eines guten Blickes auf die Schweizer Alpen hatte). Allerdings habe ich mir den Aufstieg von der Talstation aus gespart, sondern habe die Gondel genutzt. Dafür war ich dann beim ersten Mal ganz allein, beim zweiten Mal mit nur zwei weiteren Personen auf dem Gipfel (es war nicht am Wochenende).

    Dann lieber im weiteren Verlauf die Tour noch ausweiten oder irgendwo ein Stück dranhängen (z.B. zusätzlich den Aufstieg über die „Krinne“ versuchen, wenn man unbedingt kraxeln will).

    Der Weg durch die Belchen-Südflanke ist m.E. an Schönheit kaum zu toppen!

    Danke nochmals für den schönen Bericht!

    Viele Grüße, Rainer

  • Rainer sagt:

    Hallo Rainer! Aus Deinem berufenen Munde ist das natürlich ein ganz besonderes Kompliment, danke vielmals!

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.