Home » Allgemein

Freitag – 6. Wandertag im Rothauser Land

23 Juni 2012 Kein Kommentar

Mit dem Piepsen des Garmin beginnt unser letzter Tag im Rothauser Land. Aber noch ist unser Wanderurlaub nicht völlig vorbei, denn wir haben auch heute eine spannende Tour vor uns: Noch einmal wollen wir nämlich – von Rothaus aus – hinunter zur Schlücht wandern. Heute jedoch über das Schwarza-Tal.

Schon gestern Abend haben wir das meiste gepackt und verstauen nun nur noch unsere Schlafanzüge und das Waschzeug in den Taschen. Dann gehen wir hinunter ins Restaurant, zum finalen Frühstück.

Auch heute wird Anita noch einmal gemeinsam mit uns zum Schlücht-Tal fahren, damit wir dort unser Auto am Ende der Wanderung parken können. Wir wollen es an der selben Bushaltestelle am Mittelweg abstellen, die wir bereits am Montag bei unserer gemeinsamen Wanderung mit Anita angesteuert haben. Dieses Mal werden wir dem Mittelweg aber von der anderen Seite kommend, zum Ziel folgen, und so vom Schwedenfelsen herunter kommen.
Inzwischen sind wir beide mächtig gespannt auf diese Tour, denn ich habe sie einfach anhand der Karte zusammengestellt. Dazu bin ich nur mit dem Finger den interessantesten Höhenlinien, und den vielen Felsformationen gefolgt, die in diesem Bereich verzeichnet sind.
Ganz bestimmt wird es aber die Anspruchsvollste Wanderung dieser Woche werden, denn wir erwarten deutlich über zwanzig Kilometer Strecke und auch ordentlich Höhenmeter. Mal sehen also, wie die bloße Theorie nun in der Praxis aussehen wird.
Wir sind gerade fertig mit dem Frühstück, als Anita erscheint. Sie ist auch heute wieder überpünktlich und bedauert sehr, uns nicht begleiten zu können.

Rasch ist unser Gepäck im Auto, und die Getränkeflaschen mitsamt den Veperbrötchen in den Rucksäcken verstaut. Dann verabschieden wir uns noch von Oliver, dem Service und der Küchen-Crew, und fahren mit zwei Autos, in Richtung Schlücht-Tal.

Wieder in Rothaus zurück, werden wir zum Abschied natürlich auch noch von Anita fest gedrückt, bevor wir unsere Rucksäcke schultern und loskommen. Inzwischen ist es bereits kurz nach Zehn und damit eigentlich schon viel zu spät, um eine derart große Tour zu starten.
Wir ziehen daher gleich zügig los, und folgen in Rothaus erst mal wieder dem Mittelweg, hinunter nach Brünlisbach. So sind wir auch am Montag mit Anita gestartet, heute folgen wir der roten Raute aber ohne Abstecher und passieren schon bald darauf die Schaffhauser Säge. Erneut wandern wir ab hier das lange Stück Asphalt hinauf, bis zum Wanderparkplatz, links der Straße. Dort schwenkt der Mittelweg nach links und folgt der Mettma bis hinunter, zum Schlücht-Tal.

Wir hingegen folgen nun der Straße noch etwa 200 Meter weiter aufwärts, und verlassen sie dann nach rechts, über einen breiten Wanderweg (gelbe Raute). Der Kapellenweg führt uns über Lanzenfurt, eine hübsche, kleine Kapelle links des Weges, nach Schönenbach.

Wir durchqueren das Dorf und kühlen uns an einem Brunnen Handgelenke und Gesicht. Inzwischen ist es ordentlich warm geworden und wir trinken ziemlich viel, um zu verhindern, dass der Körper unnötig Wasser zurück hält (einlagert).
Diesen Bereich unserer heutigen Tour haben wir noch in guter Erinnerung, von unserer letztjährigen Südsteig-Wanderung (1. Schwarzwald-Wanderidee). Auch damals war es brütend heiß, als wir hier durchgekommen sind!

Als wir die letzten Häuser dann endlich hinter uns haben und oben, am Waldrand ankommen, sind wir wieder ziemlich geschafft und nehmen uns erst mal eine kurze Auszeit, auf einer Bank im Schatten. Der Asphalt hat sich inzwischen schon unglaublich aufgeheizt und strahlt diese Hitze nun bereits wieder ab.

Jetzt geht es aber erst mal wieder in den schattigen Wald hinein und über wildromantische Pfade hinunter, in Richtung Schwarza-Becken. Dieser Abschnitt ist nun wieder mal so ganz nach unserem Geschmack!

  Kurz darauf erreichen wir dann den aufgestauten See und setzen uns an seinem Ufer erst mal für ein paar Minuten ins schattige Gras. Die Talsperre produziert wohl gerade Strom, denn das Wasser unterhalb des Kraftwerkes ist richtiggehend am Kochen. Dort läßt man im Augenblick also sehr viel Wasser vom Speichersee herunter. So viel übrigens (bis 86 Kubikmeter/Sek.!), dass wir dabei zusehen können, wie der Wasserspiegel des Sees sachte ansteigt! Ganz langsam verschwinden nämlich einige Hahnenfuß-Blüten nacheinander im bewegten Wasser des Schwarza-Beckens.

Wir umrunden den See am Kraftwerk vorbei und erreichen wenige Meter dahinter die Staumauer. Hier müssen wir nun drüber, um auf die andere Seite zu gelangen.
Während ich auf der Suche nach Motiven bin, ruft Claudia plötzlich ganz aufgeregt: „Rainer, schau mal, da..!“ und deutet mit ausgestrecktem Arm hinaus, aufs Wasser.
Dort, in der rechten Ecke des Sees hat sich ein großer Strudel gebildet, der nach und nach immer mehr Treibholz anzieht. Deutlich ist inzwischen sogar eine Senke im Wasserspiegel zu erkennen, die bestimmt um gute zwanzig Zentimeter tiefer liegt, als die Wasseroberfläche.

Junge, Junge..! Da möchte ich aber nicht hinein geraten..!„, fügt sie dann leise hinzu und wohl mehr an sich selbst gerichtet.
Erst vor ein paar Tagen hatten wir noch genau diese Diskussion über Sinn, oder Unsinn von Badeverboten in Stauseen nämlich im Beisein von Anita, unten am Mettma-Stausee. Da wollte meine Wasserratte Claudia nämlich überhaupt nicht verstehen, dass so etwas wirklich gefährlich sein könnte. Nun hat sie aber genau diese Gefahr plötzlich einmal bildhaft vor Augen geführt bekommen..!

Drüben sind wir dann auf dem Schwarzatalweg, der uns nun über mehrere Kilometer talabwärts führt, bis wir irgendwann über den Hutweg wieder hinauf steigen werden, nach Berau. Bis dorthin ist es aber noch ein gutes Stück. Eine Alternative zu dem schattigen Weg hier unten, wäre der Aufstieg zu den Felsenpfaden über uns.

Irgendwo direkt über uns muss nun bereits der Kuchelfelsen sein, etwas weiter vorne werden wir dann auch noch unter dem Rappenfelsen hindurchkommen, den wir noch am Mittwoch mit Oliver besucht hatten.
Leider ist aber von hier unten aus nicht viel von ihnen zu sehen, da alles ziemlich zugewachsen ist. Lediglich ganz vereinzelt sieht man einige hellere Felswände zwischen den Baumkronen durchscheinen, ansonsten präsentieren sich uns hier unten überwiegend Geröll-, und Blockhalden.

Dafür führt unser Weg hier unten angenehm kühl durch den Talgrund und da wir ohnehin spät dran sin, widerstehen wir der Versuchung, noch hinauf zu steigen.
Aber auch hier unten erleben wir immer wieder die eine, oder andere Überraschung. So mag ich anfangs kaum meinen Augen trauen, als ich plötzlich lauter ockergelbe Punkte auf dem Weg sehe. Mitten auf dem geschotterten Wirtschaftsweg wachsen hier unten Pfifferlinge!

Irgendwann müssen wir dann erneut auf eine geteerte Straße wechseln, die hier unten durch den Wald führt. Aber zumindest verläuft sie überwiegend im Schatten und hat auch nur ein kaum erwähnenswertes Verkehrsaufkommen.
Inzwischen bin ich aber ziemlich konzentriert, um ja den richtigen Aufstieg nach Berau nicht zu verpassen. Jetzt nur kein Verlaufen mehr, so spät wie wir dran sind! Aber der Hutweg ist – obwohl es sich nur um einen ganz schmalen Pfad handelt – gut beschildert und daher auch nicht zu verfehlen.

Steil führt er, als verwachsener Trampelpfad, durch die Berauer Halde links hinauf. Dann hängt Claudia hinter mir plötzlich ab und erst als ich schon etwas besorgt stehenbleibe und nach ihr sehe, erkenne ich den Grund der Verzögerung: Walderdbeeren! Reif und ausgefallen groß, wachsen sie einem hier schon fast in den Mund. Claudia ist mit beiden Händen am Pflücken und futtert ganz genüßlich vor sich hin!

Dieser Aufstieg führt nun über einen erwähnenswert, schönen Pfad. Teilweise recht abenteuerlich und das eine, oder andere Mal zudem auch etwas ausgesetzt, folgt er hier immer den Konturen des Hanges. Und je weiter wir ihm folgen, umso mehr wird aus dem verwachsenen Trampelpfad von weiter unten, nun plötzlich ein schmaler Felsenpfad, der uns völlig überaschen zu einem recht beeindruckenden Wasserfall führt. Damit hätten wir oben wirklich nicht gerechnet!

Dann wird der schmale Pfad wieder zum Wanderweg und führt uns an einer exponierten Stelle aus dem felsigen Gelände heraus. Hier haben wir noch einmal eine tolle Aussicht, hinüber auf das Hochplateau jenseits des Schwarza-Stausees, der inzwischen genau unter uns liegt. Leider können wir aber auch von ihm nur wenig sehen, da er sich von uns aus gesehen, ebenfalls hinter dichten Baumkronen verbirgt.

Nun erreichen wir zügig Berau und halten uns dort gleich an der Straße wieder rechts hinunter. Nach wenigen hundert Meter treffen wir dann an einem Wanderparkplatz wieder auf den Mittelweg, der uns nun direkt hinunter führen wird, zu unserem Auto.

Hier stoßen wir plötzlich auf unzählige, große, weiße Glockenblumen, die nun in der Abenddämmerung fast zu glühen scheinen. Claudia kann sich kaum satt sehen und ich kämpfe mit dem schwindenden Licht um ein letztes, gutes Foto.
Dann ziehen wir hurtig hinunter, in Richtung Tal. Hier sind wir nun im Klettergebiet am Falkenstein und riskieren ein paar vorsichtige Blicke. Aber mit Fotografieren ist nun nicht mehr viel.

Wir statten auch dem Schwedenfelsen, einem exponierten Aussichtspunkt, noch einen kurzen Besuch ab, bevor wir uns endgültig auf den Weg machen, hinunter zum Auto. Die letzten Meter sind dann aber noch einmal richtig abenteuerlich: Nachdem ich unser Auto bereits – relativ weit unten – habe stehen sehen, frage ich mich nämlich immer häufiger, wie wir wohl so schnell, so weit hinunter kommen sollen. Etwa über eine Leiter?
Die Antwort kommt in Form eines unglaublich steilen Steiges, der mir nun auch noch die allerletzten Reserven aus den Beinen saugt! Dann bleibt Claudia aber plötzlich stehen und flüstert schon fast: „Rainer, Rainer..! Schau mal..! Gämsen..!


Ich drehe mich um und sehe sie dann ebenfalls: Auf der gegenüberliegenden Seite des Mettma-Tals steht eine Gämse mit zwei Kitzen und schaut aufmerksam zu uns herüber!
So stehen wir eine ganze Weile ruhig da und sehen uns gegenseitig an, dann dreht sich eines der Jungen um und entschwindet aus unserer Sicht. Die anderen folgen ihm kurz darauf.

Was für ein toller Abschluss unserer Wanderung. Wenige Minuten später erreichen wir dann unser Auto, wo ein unglaublich schöner Wanderurlaub endet..!

Unser Fazit für heute: Eine ganz tolle Streckenwanderung für Wanderer mit guter Grundkondition! 25,1 Kilometer mit 802 Höhenmeter im Anstieg und 1.220 Höhenmeter im Abstieg! Unbedingt genügend Flüssigkeit und Vesper mitnehmen. Wir empfehlen dringend, diese Tour mit zwei Autos zu unternehmen und nicht so spät zu starten, wie wir! Variante über den Rappenfelsen bitte nur für erfahrene Wanderer mit guter Kondition!


Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


Größere Kartenansicht 

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.