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Feldberg: Eine Schlechtwetter-Lösung..!

10 Juni 2011 Kein Kommentar

Es gibt viele, traumhafte Wander-Pfade am Feldberg, oft schmal und abenteuerlich. Wenn es aber so richtig nass ist, dann sollte man sie lieber meiden: Man würde beim Vorbeigehen sonst das ganze Wasser von den Sträuchern abstreifen und wäre daher auch bald selbst patsch-nass!
Und auch gestern hat es im Schwarzwald mal wieder kräftig geschüttet, teilweise sind sogar mehr als 50 Liter Regen pro Quadratmeter herunter gekommen!

In der Nacht hat es ebenfalls noch weiter geregnet und so wissen wir beim Frühstück immer noch nicht so recht, wo wir heute eigentlich hin wollen. Auf jeden Fall an den Feldberg, so viel steht fest! Aber wohin dann dort? Und auf welcher Route..?

Ich selbst habe keine große Lust, den ganzen Tag mit meiner Regenhose, und hoch über den Kopf erhobenen Händen, durch den Wald zu streifen. Daher schlage ich als Ausgangspunkt auch spontan den Rinken vor.

Claudia sieht mich zuerst etwas überrascht an, kombiniert dann aber sofort weiter:
„Und von dort zur Zastler Hütte und dann über den Immis-Berg zur St. Wilhelmer Hütte..?“
„Jipp.., genau!“, schmunzle ich nur. Sie kennt mich halt!

Diese Tour verläuft zwar überwiegend auf etwas breiteren (und von uns sonst nicht so besonders geliebten) Wirtschaftswegen, das hat aber heute auch noch den zusätzlichen Vorteil, dass diese überwiegend gut drainiert sind, und daher auch nicht gleich so tief verschlammen!

Und plötzlich geht bei uns alles deutlich flotter! Die Vesperbrote sind rasch zubereitet und auch der Tee ist schnell in die PET-Flaschen umgefüllt. Diesbezüglich sind wir inzwischen natürlich längst ein gut eigespieltes Team. Und kurz darauf sitzen wir dann auch schon im Auto und sind unterwegs, zum Feldberg-Nordhang.

Auch diese Seite ist natürlich längst durch schmale Straßen zu den einzelnen Hütten erschlossen, trotzdem ist sie für uns immer noch die urwüchsigste und naturbelassenste Region am Feldberg. Wir parken unser Auto am Rinken-Parkplatz, unmittelbar vor der Schranke, und ziehen los.

Auch jetzt, morgens um Zehn, ist hier oben noch alles grau in Grau und am Baldenweger Buck hängen sogar noch tiefe Wolkenfetzen zwischen den Tannen. Die Wegränder links und rechts der Straße stehen jetzt aber gerade voller Lupinen und es ist natürlich klar, dass die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und selbst an einem so nassen Tag wie heute, herrscht hier oben schon wieder ein unglaubliches Vogelkonzert.
Wir passieren die Rinken-Klause und das Jägerheim und folgen dem geteerten Fahrweg in Richtung Berg. Aber schon hier kommen wir erneut kaum vorwärts, denn der rechte Wegrand ist gesäumt von Knabenkraut. Wunderschöne, einheimische Orchideen in den verschiedensten Farben – sogar völlig Weiße sind dabei.

An der Wegespinne, wo der geteerte Weg weiter nach links zieht,  halten wir uns dann auf dem breiten Wirtschaftsweg rechts hinunter, in Richtung Zastler Hütte. Bei Trockenheit hätten wir natürlich einen ganz anderen Route dorthin gewählt, aber unter diesen Wetter-Bedingungen ist unsere Entscheidung wohl sicher richtig – der Weg ist zwar nass, aber nirgends steht Wasser.

An der einzigen Abzweigung halten wir uns links und können das große Schild zur Zastler Hütte auch schon gar nicht mehr übersehen – nur noch einen Kilometer ist es bis dorthin.
Schon nach kurzer Zeit passieren wir dann die Abzweigung zur Baldenweger Hütte und dem Naturfreunde-Haus und sehen links über uns auch das Skiheim des Skiclubs Freiburg. Unmittelbar vor uns liegt nun die Zastler Hütte, die Donnerstag aber Ruhetag hat.

Von hier aus können wir nun auch wieder direkt zum steilen Nordhang hinaufsehen, wo im Winter immer die große Gipfelwechte hängt. Ihre Lawinenschneise ist von hier aus auch kaum zu übersehen. Hier unten reicht sie sogar bis an unseren Wanderweg heran.
Im ersten Knick, wo der Hang sichtbar steiler wird, können wir von hier aus auch den Pfad erkennen, über den wir am Sonntag vom Gipfel herunter gekommen sind. Wer ihn im Winter ebenfalls benutzen möchte, der braucht aber schon echtes Gottvertrauen und sollte sich vorher unbedingt einmal die Lawinenbahn genauer ansehen: In ihr wächst nämlich kein einziger Baum..!

Aber auch links und rechts unseres breiten, weiterführenden Wanderweges sehen wir noch die Spuren von Lawinen-Abgängen. Sogar etwas unterhalb von ihm sind die jungen Ebereschen niedergedrückt! Die Lawinen gehen hier im Winter also auch über diesen Wanderweg hinweg!

In diesem Bereich wird es nun wieder etwas nebliger, weil hier immer noch Wolkenfetzen zwischen den Bäumen hängen. Aber auch diese Stimmung „hat ‚was“!
Wir genießen diese Atmosphäre und erreichen bald darauf den Waldrand. Hier oben am Immisberg, dem kaum bekannten, kleinen „Bruder“ des Feldbergs  (mit immerhin 1.373m!) befinden wir uns jetzt bereits nahe an der Baumgrenze, genau oberhalb des Hüttenwasen.
Wir folgen dem Weg links herum und vollends hinauf, zum völlig unscheinbaren Gipfel des Immisbergs, von wo aus wir nun auch den eigentlichen Feldberg-Gipfel vor uns liegen sehen. Nur noch gute 100 Höhenmeter trennen uns nun von ihm.

Aber vorher umrunden wir den „alten Mann“ nun zuerst einmal rechts herum, auf dem Wanderweg in Richtung St. Wilhelmer Hütte und bewundern unterwegs unzähligen Stauden des Gelben Enzians. Noch ist er nicht völlig aufgeblüht, aber in wenigen Tagen dürfte hier oben wohl ein großes, gelbes Blütenmeer die Hochweiden überziehen!

Nachdem der Gelbe Enzian – durch das Schnapsbrennen aus seinen Wurzeln – schon fast völlig ausgerottet war, gedeiht er hier oben, im Naturschutzgebiet inzwischen wieder prächtig! Noch nicht einmal das Jungvieh will hier nämlich etwas von dem Bitterling! Aber auch viele, dottergelbe Arnika-Blüten  sehen wir zwischen den Stauden auf den Weiden leuchten.

Wir erreichen kurz darauf die St. Wilhelmer Hütte und statten hier natürlich erst einmal Gabi und Baldur den obligatorischen Besuch ab. Ich gönne mir zur Abwechslung mal ein Hefeweizen vom Fass und plaudere dann nebenher mit Baldur. Bei dem Wetter hat auch er es mal etwas ruhiger und nimmt sich daher auch die Zeit dafür.

Dann steigen wir vollends noch die letzten Meter hinauf, zum Höchsten und treffen hier selbst bei dem unbeständigen Wetter, auf einige Spaziergänger und Wanderer. Wir reservieren uns im Gipfel-Roundell eines der Bänkchen und gönnen uns dann erst mal ein gemütliches Vesperbrot. Nebenher beobachten wir die schnell wechselnde Fernsicht zwischen den tief hängenden Wolken – ein fast unglaubliches Schauspiel.
Anschließend machen wir uns wieder auf den Weg, hinüber zum Baldenweger Buck. Drüben sehen wir schon den Seebuck mit dem alten Fernseh-Turm und links davon das Bismarck-Denkmal. Von hier aus wollen wir heute nun aber – vorbei am Mittelbuck – über den Baldenweger Buck, hinüber queren, zum Naturfreundehaus und zur Baldenweger Hütte, und dann von dort aus wieder dem geteerten Weg hinunter folgen, zum Parkplatz am Rinken.

Kurz vor dem Erreichen der „Talsohle“ am Rinken, gehen wir dann in der scharfen Rechtskurve geradeaus und werden hier von einem schmalen Wanderpfad hinunter geführt, zu der Wegespinne, die wir auch schon heute Morgen passiert haben. Inzwischen ist alles so weit abgetrocknet, dass diese Abkürzung nicht mehr problematisch ist und der Rest des Weges ist ohnehin kaum mehr erwähnenswert – wären da nicht wieder die unzähligen Orchideen (Knabenkraut) direkt am Wegesrand, bis hinüber zur Wendeplatte am Jägerheim..!

Dort steigen wir dann wieder in unser Auto und sind – einmal mehr – satt und zufrieden: Satt von der unglaublich schönen Natur, die wir hier oben am Feldberg auch heute wieder erleben durften. Und zufrieden mit uns selbst, weil wir auch aus diesem triesten Tag, wieder einmal das Beste gemacht haben..!

Unser Fazit: Eine ganz tolle Tages-Tour, mit der man dem Regen zwar nicht entgehen, aber vielleicht das Beste aus einem triesten Tag herausholen kann. Die Strecke ist mit einer normalen Grundkondition von jedem problemlos zu bewältigen.

Strecke: 10,4 Kilometer mit 376 Höhenmeter im Anstieg. Dauer: ca. 5 Std. (gemütlich!)

 

Start/Ende: Parkplatz am Rinken (kostenlos). Zufahrt über Hinterzarten-Alpersbach. Alle beschriebenen Wege sind durchgehend und hervorragend beschildert! Die dargestellte Tour ist jedoch nicht als solche beschrieben!

Einkehr: Unterwegs am Rinken, Baldenweger Hütte, Naturfreunde-Haus, Zastler Hütte, St. Wilhelmer Hütte. (Ruhetage der einzelnen Hütten beachten!)

Achtung: Unbedingt an Wetterschutz denken! (Dazu gehört hier oben auch ein Sonnenhütchen!)

 

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3.

Empfohlener Wanderführer: Faszination Feldberg (5,-€). Zu erhalten im Haus der Natur (auch am Wochenende geöffnet) oder im Buchhandel. ISBN-13: 978-3-9810632-1-9

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Über den FeldbergsteigVom Feldsee über den Felsenweg

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