Home » Allgemein

Feldberg-Aufstieg aus dem St. Wilhelmer Tal

25 Juni 2011 Kein Kommentar

Unsere Tochter Manuela hat sich für Fronleichnam angekündigt. Gemeinsam mit ihrem Freund Ronny möchte sie uns gerne wieder mal auf eine Feldberg-Wanderung begleiten. So suchten wir natürlich auch nach einer ganz besonderen Tour für die Beiden: Schön sollte sie sein und natürlich abwechslungsreich, aber gleichzeitig auch nicht zu anstrengend.
So entschieden wir uns für den Gipfelaufstieg aus dem St. Wilhelmer Tal, eine nicht zu lange und wirklich kurzweilige Rundwanderung.

Nach dem Frühstück fahren wir durch’s Höllental nach Kirchzarten und von dort in Richtung Notschrei. An der Abzweigung folgen wir dann der schmalen Straße ins St. Wilhelmer Tal und parken ganz hinten, am Gasthaus „Linde“.

Zu Fuß geht’s nun noch etwas weiter diesem Sträßlein entlang, bis sich das Tal zum Napf öffnet, einem der wohl wildesten und urwüchsigsten Seitentälern, der ganzen Feldberg-Region. Gleich hier, unmittelbar neben der Straße, treffen wir bereits auf blauen Eisenhut, der wohl giftigsten Pflanze Mitteleuropas. Ihr Saft ist so giftig, dass er (durch die gesunde Haut hindurch) bereits beim Pflücken zu schwersten Vergiftungs-Erscheinungen führen kann. Und kurz dahinter stehen dann auch gleich noch ein paar Stauden von gelbem Eisenhut, der dem Blauen in – seiner Giftigkeit – in nichts nachsteht! Man nannte ihn früher nicht zu Unrecht „Wolfstöter“, denn mit seinem Saft wurden einst Wolfs-Köder vergiftet!

Wir schießen ein paar Fotos und folgen dann dem schmalen Weg, steil links hinauf. Man sollte gleich hier schon etwas trittsicher sein, denn nach längeren Regenfällen, oder zur Zeit der Schneeschmelze kann es einem passieren, dass man hier im felsigen Grund eines Bächleins aufwärts stolpert, das den Weg gerade mal wieder für sich in Anspruch nimmt.
Wir haben jedoch Glück, der steinige Pfad ist trocken. Nur ein winziges Rinnsal ist noch zu erahnen.

Der steile Weg bietet aber Manu und Ronny gleich mal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was weiter oben noch kommen wird und ich muss unwillkürlich schmunzeln, als ich höre wie ihnen Claudia spontan Klaus Gülker zitiert: „Manchmal bergrunter, manchmal berghoch – also fast nur berghoch..!“
Mit diesem Spruch werden bei SWR4 schon seit Jahren seine Wander-Reportagen eingeleitet. Unser Lachen lässt dann auch alle den Übergang in die plötzliche Anstrengung kurz vergessen und bald verschnaufen wir ohnehin schon wieder vor einem kleinen Gebirgsbach. Wir treffen ihn unmittelbar oberhalb des zweiten Querweges.

Neben ihm blühen gerade einige wunderschöne Stauden von Wald-Geißbart und verbreiten so ihren betörenden Duft. Mitten durch sie hindurch führt unser Pfad dann weiter aufwärts und wird dabei nochmal schmaler. Kurz darauf stehen wir dann oben, auf dem letzten Wirtschaftsweg und Manu studiert interessiert die einzelnen Wegweiser.
Mit der Imitation ihrer Kinderstimme von früher und: „Isch’s no weeiiit..? Simma baald dahaa..?“, bringt sie uns nicht nur spontan zum Lachen, sondern erinnert Claudia und mich auch wieder einmal an längst vergangene Tage.

Dann raffen wir uns aber auf und folgen nun dem schmalen Pfad links hinauf. Er führt hier erst einmal an einigen hübschen Kerzen von rotem Fingerhut vorbei und schneidet im weiteren Verlauf eine steile Halde. Klar, dass das sofort zu engen Serpentinen führt, wo immer er auch seine Richtung wechselt.
In diesem Bereich hat der Pfad nun teilweise wirklich Steig-Charakter und ist daher sehr kurzweilig zu gehen. Überall liegen gefallene Bäume – überwiegend große Tannen – die hier natürlich niemand wegräumt.
Bald werden die Baumkronen dann jedoch wieder lichter und auch am Boden wird es wieder etwas grüner. Vor allem Farne siedeln sich in diesem Bereich an.

Nach kurzer Strecke erreichen wir nun die Royal-Engineers-Hütte (Hüttenwasen-Schutzhütte), die links des Weges den unteren Rand des Hüttenwasens begrenzt.
Bei ihr verschnaufen verschnaufen wir kurz, dann ziehen wir hinauf, auf die große Wiese. Gleich links, am Waldrand, hat es hier ein paar beeindruckende Nadelhaufen von Waldameisen. Zudem blühen auf der großen Blumenwiese gerade der gelber Enzian und die dottergelbe Arnika in großen Mengen. Rechts, etwas im Schatten der Bäume, sehen wir sogar ein paar hübsche, wilde Orchideen stehen – Waldhyazinthen!

Ein idylischer Wiesenweg führt uns unmittelbar an ihnen vorbei, hinauf zum Kamm zwischen Tote Mann (links) und Immisberg (rechts). Auf der freien Fläche der Hüttenwasen-Wiese sind wir nun aber schlagartig auch dem Wind ausgesetzt und je höher wir kommen, umso kälter wird uns. Daher überlegen wir auch nicht lange, sondern ziehen hier unsere Jacken an.
Während ich noch ein paar Fotos vom Umziehen schieße, fällt mir schon eine weitere Rarität ins Auge: Hexenspucke – das Schaumnest der Wiesen-Schaumzikaden! Auf den ersten Blick sieht es wirklich so aus, als ob da nur jemand ins Gras gespuckt hätte, aber dem ist nicht so. Trotz des schlechten Lichtes gelingt mir eine Makroaufnahme davon.
Dann ziehen wir aber vollends hinauf, zum Wegekreuz, genau in unserem Rücken den Schauinsland mit dem Notschrei.

Oben orientieren wir kurz: Links geht es hinauf zum Tote Mann und dann weiter zum Stollenbacher Hof, geradeaus zur Zastler-Hütte. Wir halten uns jedoch rechts hinauf, direkt in Richtung Feldberg-Gipfel. Dort wollen wir rasten.
Inzwischen sind wir wieder im Windschatten der Bäume und fangen – es geht immer noch ordentlich aufwärts – schon wieder an zu schwitzen. Trotzdem lassen wir die Jacken lieber an, denn irgendwann werden wir oben an die Baumgrenze kommen und spätestens am Gipfel auch das Lee verlassen. Und dann wird sofort wieder der kalte Wind von vorhin wieder da sein!

Aber vorerst genießen wir noch den Aufstieg über einen schmalen Trampelpfad, der durch teilweise hüfthohe Heidelbeeren führt. In stetigem Wechsel überwinden wir hohe und tiefe Hindernisse: Hohe Wurzeln, über die wir immer wieder mal aufwärts steigen und dann auch wieder tief ausgetretene Hohlwege, die unsere ganze Aufmerksamkeit erfordern!

In unserem Bericht: „Feldberg – eine Schlechtwetter-Lösung“ habe ich auf schmale Pfade aufmerksam gemacht, die bei Regen „widerlich“ sind, weil man dann das ganze Wasser von den Stauden und Büschen abstreift und so schnell (bis zu den Hüften!) patschnass ist. Unser augenblicklicher Weg ist geradezu ein Paradebeispiel dafür! Wehe dem, der hier von Regen überrascht wird..! Schaut Euch die Bilder an, man hat kaum eine Chance, auszuweichen!

Kurz vor der Abzweigung, wo es geradeaus hinunter geht zur Zastler Hütte und rechts hinauf zum Gipfel, sehe ich plötzlich etwas ganz Besonderes: Hier ist wohl ein junger Baum in einen Liegenden hinein gewachsen und wird nun von diesem mit versorgt! Ganz deutlich sieht man nämlich noch die inzwischen abgestorbenen Wurzeln des Aufsitzenden.

Am Wegedreieck macht Ronny noch ein Familienfoto von uns, dann ziehen wir weiter, in Richtung Gipfel. Und wie erwartet ist oben dann auch der eiskalte Wind wieder da! Und diesmal ist es Manuela, die bei der Mama (erfolgreich) nach Handschuhen fragt!
Umso belustigender wirken auf uns dann natürlich wieder mal einige Wanderer, die in kurzen Hosen am Gipfel stehen und den anderen eine 1A Gänsehaut präsentieren! Richtige Kampfwanderer halt..!

Wir sehen uns am Gipfel nur rasch um und ich erkläre Manuela und Ronny noch die umliegenden Gipfel, dann auch noch ein schnelles Foto zur Erinnerung und wir verziehen uns in den Windschatten des Gipfel-Roundells.
Direkt unterhalb hat man eine große, massive Holzbank aufgestellt, auf der wir uns nieder lassen und unser Vesper auspacken. Mit direktem Blick auf den alten Fernsehturm am Seebuck und aufs Bismarck-Denkmal, genießen wir Claudias leckere Brote und unseren mitgebrachten Tee.
Gleichzeitig sehen wir aber auch die Menschenlawine immer größer werden, die sich über die „Nato-Straße“ von der Liftstation herüberwälzt: Höchste Zeit zu gehen..!

Wir überschreiten den Gipfel endgültig und folgen auf der anderen Seite dem Weg abwärts. Hier sind wir nun vollends dem Wind ausgesetzt und Manuela zieht Claudias Handschuhe an. Im zügigen Abwärts-Schreiten erkläre ich Manu und Ronny noch die auffallenden Totholz-Inseln im Napf und drüben den Stübenwasen, dann streben wir nur noch der St. Wilhelmer Hütte entgegen. Uns ist allen nach einem heißen Kaffee!

Baldur und Gabi haben die Hütte zwar voll, freuen sich aber trotzdem, uns zu sehen! Vor allem Manuela haben sie ja erst einmal – im Winter vor zwei Jahren – gesehen, als wir mit ihr auf Schneeschuhen zu ihnen gekommen sind!

Nach einer ausgedehnten Rast brechen wir wieder auf und umrunden den Feldberg im Westen bis zur Abzweigung, die über die Hochweiden links hinunter führt, zur Royal-Engineers-Hütte. Wir folgen dem schmalen Pfad über die Weiden und Claudia ist einmal mehr fasziniert, von den unzähligen gelben Enzianen, die hier wachsen. Sie fangen alle gerade an zu blühen.

Hier nimmt uns nun wieder ein abenteuerlicher Pfad auf, der uns oberhalb des Napf durch die Waldhalde führt. Immer wieder genießen wir dabei herrliche Tiefblicke, hinab ins St. Wilhelmer Tal und in den Kessel des Napf. Auffallend ist aber auch hier wieder die immense Menge an Totholz, abgestorbene Fichten, die allesamt wohl nur auf den nächsten Sturm warten.
Aus diesem Grund sollte man diesen Weg auch keinesfalls während eines Sturmes begehen. Die Gefahr, vielleicht durch herabfallende Äste verletzt, oder gar durch umfallende Bäume erschlagen zu werden, ist einfach zu groß!
Für uns ist das heute aber kein Problem, da diese Seite des Feldbergs nun bereits wieder im Windschatten des Stübenwasen liegt.

Bald erreichen wir dann wieder die Royal-Engineers-Hütte, womit sich der Kreis unserer Rundwanderung schließt. Nun folgen wir nur noch dem bereits bekannten Pfad hinab, ins Tal zur Linde, wo unser Auto parkt.
Einmal mehr geht damit ein phantastischer Wandertag zu Ende, der teilweise sogar ein wenig abenteuerlich war und somit auch Manuela und Ronny gut gefallen hat! Und die beiden haben außerdem gelernt, dass es im Schwarzwald doch nicht fast immer nur bergauf geht und dass das Bergab-Gehen, manchmal sogar noch viel anstrengender ist..!

Unser Fazit: Ein wunderschöner, ruhiger Feldbergaufstieg, den nicht jeder kennt. Kostenlose Wander-Parkplätze im St. Wilhelmer Tal, hinter dem Gasthof „Linde“. Für eine Wanderung abseits dem „Rummel“ sehr zu empfehlen! 

Strecke: Rundwanderung mit 10,4 Kilometer Strecke und 658 Höhenmetern (jeweils im Anstieg und Abstieg). Durch die Steilheit des Aufstieges ist eine gute Grundkondition erforderlich! Trittsicherheit, keine Chance für Kinderwagen – mit Kindertrage möglich!
Achtung: Im unteren Bereich Vorsicht nach starken regenfällen oder während der Schneeschmelze! Dann kann der Weg zu einem Bachbett werden! Vorsicht bei Sturm im Totholz-Bereich oberhalb des Napfes!

Kleidung: Neben Regenjacken und Regenhosen gehört dazu am Feldberg – neben einem Pulli – auch immer ein Sonnenhütchen! Wer in kurzen Hosen loszieht, der sollte unbedingt auch eine lange Hose zum Wechseln einpacken. Am Feldberg gibt es auch im Sommer – vor allem nach Gewittern – teilweise heftige Temperaturstürze!

Einkehr: Gasthof Linde bei Start und Ziel, so wie in der St. Wilhelmer Hütte unterhalb des Gipfels.

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3.

Empfohlener Wanderführer: Faszination Feldberg (5,-€). Zu erhalten im Haus der Natur (auch am Wochenende geöffnet) oder im Buchhandel. ISBN-13:978-3-9810632-1-9

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



Größere Kartenansicht 


Von Oberried über den Feldberg-GipfelVom Höllental zum Feldberggipfel

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.