Home » Allgemein

Ein Besuch beim „Balzer Herrgott“

27 Juli 2009 5 Kommentare
Nach mehr als 120 Jahren hat die Buche den steinernen Christus fest umschlossen

Nach mehr als 120 Jahren hat die Weidbuche die spätgotische Christusfigur fest umschlossen

Der „Herrgott im Baum“ ist über zwei völlig unterschiedliche Touren zu erreichen – sehr leicht, aber auch recht anspruchsvoll.

Die deutlich anspruchsvollere Route führt von der „Hexenlochmühle“ in Dreistegen aus, über teilweise abenteuerliche Trampelpfade, steil hinauf und überwindet auf den drei Kilometern gut 250 Höhenmeter. Recht anstrengend zwar, dafür aber auch so richtig klasse! Die andere Möglichkeit, ein breiter, bequemer Waldweg, kommt direkt vom Parkplatz im Norden und leitet uns nach nur einem Kilometer ebenfalls zur Herrgotts-Buche. Diese Variante eignet sich für den Sonntags-Spaziergang mit Kinderwagen genauso, wie für ältere Menschen, die vielleicht nicht mehr ganz so trittsicher sind. Genauso aber auch für Biker, die sich nur mal für zwei Kilometer die Füße vertreten wollen.

Von der Seite ist deutlich noch die Form des Korpus zu erkennen

Von der Seite ist die Form des Korpus gut zu sehen

Der Sage nach hat ein Sturm vor etwa 120 Jahren ein hier aufgestelltes Kreuz umgeworfen. Ein Bauer stellte die steinerne Gottesfigur daraufhin an die Weidbuche, die wohl damals schon über 100 Jahre alt war. Inzwischen hat sie dem Korpus längst Arme und Beine abgesprengt und ihn völlig umschlossen. Um wenigstens den Kopf der Christus-Statue als Besucher-Attraktion sichtbar zu halten, muss dieser seit vielen Jahren künstlich frei gehalten werden. Aber selbst wenn man ihn auch gar nicht mehr sehen könnte, wäre er schließlich immer noch da – meinen die Einheimischen!

Beim Balzer Herrgott 200920090726-Beim Balzer Herrgott 022 20090726-Beim Balzer Herrgott 017

Bleibt nur noch die Entscheidung, über welchen Weg wir ihn besuchen. Wer sich für die abenteuerliche Variante, vom „Hexenloch“ aus entscheidet, parkt am Besten bei der „Hexenlochmühle“, einem wirklich empfehlenswerten Ausflugslokal, in Dreistegen. Der Trampelpfad führt unmittelbar hinter dem Lokal, steil den Hang hinauf. Wer sich dabei stets bergauf hält, muss noch nicht einmal auf Wanderzeichen achten. Mit dem Erreichen des breiten, quer verlaufenden Wanderweges halten wir uns dann links und folgen immer der gelben Raute.

"Oberläufige" Mühlräder der Hexenlochmühle

"Oberläufige" Mühlräder der Hexenlochmühle

Nach einer Linkskurve, unter der man ein Bächlein plätschern hört, führt dann ein anfangs völlig verwachsener Trampelpfad rechter Hand, steil bergauf. (Achtung: unbedingt auf das markante Plätschern des Bächleins achten, die Abzweigung ist sonst leicht zu übersehen!) Schon nach wenigen Minuten stehen wir dann oben, vor der „Herrgotts-Buche“. Wer aber Hin-, und Rückweg nicht über den gleichen Pfad gehen möchte, kann an der Abzweigung nach dem Bächlein auch einfach geradeaus weitergehen, bis er auf ein nicht zu übersehendes Schild trifft, das nach rechts oben weist. (Die Aufschrift Balzer Herrgott 4,0 km stimmt natürlich nicht, denn es sind nur ein paar hundert Meter!) Auf diese Weise nähern wir uns dem „Herrgott im Baum“ von der anderen, südwestlichen Seite und steigen anschließend wieder über den schon bekannten, ersten Aufstieg zum „plätschernden“ Bächlein hinab. Ein kleiner Umweg, der sich aber wirklich lohnt, weil er durch viel Hochschwarzwald-Romantik entschädigt. (Siehe Bild unten!)20090726-Beim Balzer Herrgott 010

Über den anderen, einfachen Weg, vom Parkplatz im Norden aus, gibt es nicht viel zu sagen. Ein leichter, angenehmer Sonntagsnachmittags-Spaziergang, für die ganze Familie – auch mit Kinderwagen. Der direkteste Weg zum Ziel, dem Balzer Herrgott.

Aber erlaubt uns auch noch eine kleine, ganz persönliche Bitte zum Schluss: viele Besucher verharren vor dem „Herrgott im Baum“ in einem stillen Gebet. Bitte nehmt darauf gegebenen Falls Rücksicht!

Unser Fazit: Entweder ein toller, recht leichter Ausflug für die ganze Familie, oder auch eine doch sehr anspruchsvolle, romantische Hochschwarzwald-Tour. Der „Balzer Herrgott“ bietet für jeden etwas! Die drei steileren Kilometer von der Hexenlochmühle aus, sind aber auch für den Wander-Neuling, ohne große Kondition zu bewältigen und daher vielleicht ein schöner „Einstieg“ in das neue Hobby! Und zum Abschluss kehrt man dann einfach in der Hexenlochmühle ein und lässt sich so richtig, kulinarisch verwöhnen…

Balzer Herrgott

5 Kommentare »

  • Alex sagt:

    Guter Artikel! Und der Balzer Herrgott ist wirklich einen Ausflug wert. Das kann ich nur bestätigen.

  • Ulrike sagt:

    Hallo Rainer & Claudia,

    ich habe gestern die Wanderung zum Balzer Herrgott untenommen. Allerdingst von St. Peter aus über den Panoramaweg vorbei an der Vogesen und Kapfenkapelle,durch das Möderloch zum Balzer Herrgott dann durch das Hexenloch noch Neuhäusle zum Bus. Eine sehr schöne und anspruchsvolle Wanderung.

    LG Ulrike

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Ulrike, schön dass endlich mal wieder jemand bei dem „alten Mann“ war..! 😉

  • Sigrid Beyer-Ziegler sagt:

    Als ich vor vielen Jahren damit begonnen habe, den Schwarzwald zu Fuß zu erkunden, war ich auch an der Hexenlochmühle. Diese war zu der Zeit noch in einem sehr urtümlichen Zustand. Es gab lediglich den Souvenirladen und noch kein Verpflegungszelt hintenangestellt und überhaupt nur wenig besucht. Die Straße war in einem schlechteren Zustand.. kurzum, es war damals romantischer weil eben noch nicht so überrannt.
    Aber der schmale Pfad hinter der Mühle, der nach einigen „Aufstiegsmühen“ zum Balzer Herrgott führt, bestand da auch schon. Und so habe ich durch Zufall diesen schönen Platz gefunden – ohne zu wissen, daß es ihn gibt.
    Diese Faszination kann ich gar nicht beschreiben!
    Übrigens, im Örtchen Glashütte, das auf dem Weg zur Hexenlochmühle von St. Märgen her durchfahren wird, gibt es ein sehr empfehlenswertes Gästedomizil, das „Felsenstüble“ mit sehr gutem Essen, Kuchen etc. (ein bißchen Werbung muß jetzt mal sein 🙂 )in deren Gastraum Repliken des Balzer Herrgott hängen. Leider weiß ich nicht, wer der Künstler ist, aber diese Abbildungen sind wirklich gelungen. So kann auch der „Fußkrankeste“ mal den Herrgott bewundern.

    LG Sigrid

  • Christiane Jung sagt:

    Hallo Sigrid,
    durch Zufall bin ich auf der Seite von Rainer&Claudia gelandet und habe deinen Kommentar gelesen. Mit dem „unbekannten Künstler“ der Balzer Herrgott Nachbildung im Gasthaus Felsenstüble kann ich dir weiterhelfen. Der Künstler ist mein Vater Josef Rombach, Holzbildhauer. Er wohnt in der Nähe des Balzer Herrgotts und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte des Naturdenkmals. Seine Werkstatt (Teich 1, Gütenbach) kann gerne jederzeit besucht werden. Neben vielen Zeichnungen und Zeitdokumenten zum Balzer Herrgott steht im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens die 5-teilige Skulpturengruppe Balzer Herrgott. Sie zeigt die Geschichte des Naturdenkmals vom Anfang bis zum möglichen Ende. Für interessierte Besucher des Naturdenkmals lohnt sich ein anschließender Besuch in der Werkstatt auf jeden Fall.
    LG Christiane

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.