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Durch die wilde Rötenbachschlucht

4 Mai 2011 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 4 von 4 in der Serie Abenteuer Wutachschlucht

Im Nachhinein wissen wir gar nicht mehr, warum wir eigentlich so lange mit der Begehung der Rötenbachschlucht gewartet haben. Immer wieder war sie uns von Freunden und Bekannten empfohlen worden und jeder hat uns vorgeschwärmt, wie schön sie doch sei. Und wie wild..!

Inzwischen sind wir nun ebenfalls dort gewesen und können alle Empfehlungen nur bestätigen, denn die Rötenbachschlucht hat wirklich alles: Sie ist wild, urwüchsig und zudem auch noch wunderschön! Da sie jedoch nur wenig bekannt ist, steht sie völlig im Schatten der großen Schwester, der Wutachschlucht. So wird sie wohl immer ein wenig deren kleine Stiefschwester bleiben, mit allem Drum und Dran..!

Da Claudia zuvor noch einiges zu erledigen hatte, starten wir diese Tour für unsere Verhältnisse ungewöhnlich spät: Es ist bereits Mittagessenzeit, als wir unser Auto in Rötenbach, am Rathaus parken. Und: Es ist der erste Mai..!
Genau gegenüber unserem Parplatz finden wir dann gleich einen recht ausgefallenen Wegweiser, den man sich vielleicht etwas genauer betrachten sollte – und eigentlich auch mit etwas „Ehrfurcht“: Er ist nämlich in den Stamm einer 300jährigen(!) Tanne geschnitzt!

Von hier aus folgen wir dem schmalen Sträßlein aus dem Städtchen hinaus, in Richtung Schotterwerk und immer entlang des hier noch völlig unscheinbaren Rötenbaches. Bald passieren wir linker Hand einen alten Steinbruch, dann führt uns ein Wegweiser auch schon rechts hinunter, über ein erstes Brücklein. Ein Schaukasten informiert hier über das Naturschutzgebiet Wutachschlucht.

Hier fängt die Rötenbachschlucht nun ganz sachte an, aber noch ist sie weit von dem entfernt, was man sich so allgemein unter einer „Schlucht“ vorstellt!
Wunderschön – ja fast anmutig – führt uns ein lieblicher Wiesenpfad in ein urwüchsiges Tal hinein. Er federt jeden unserer Tritte ganz weich ab und ist daher wirklich traumhaft zu gehen – wie auf einem dicken Teppich.

Und was dann kommt, das ist „Außenstehenden“ eigentlich nur ganz schwer zu vermitteln. Aber es ist wohl genau das, was Wanderer und Naturfreunde immer wieder suchen, um im Kopf „sauber“ zu werden. Denn nun kommt schlagartig alles auf einmal und alle Sinne werden gleichzeitig völlig ausgelastet – Augen, Ohren, Nase, und sogar das Fühlen, über die Haut:

Wir vernehmen das Zwitschern vieler Vögel und das Summen und Sirren unzähliger Insekten. Gleichzeitig fühlt man, wie die ohnehin schon sehr angenehme Wärme der Frühlingssonne auf der Gesichtshaut, noch zusätzlich von einem sanften Wind gestreichelt wird. In der Nase haben wir den fast betörenden Duft von allen möglichen Blüten, und die Augen..? Ach die werden doch ohnehin schon längst völlig überfrachtet, von den fast unglaublichen Eindrücken einer gerade so richtig erwachenden Natur, mitten im Frühling!

Habe ich vielleicht doch noch etwas vergessen? Ach ja, unsere Sorgen! Aber (sorry!) für die haben wir hier nun gerade wirklich überhaupt keine Kapazitäten mehr frei..!
Und das alles unter einem einzigen Begriff zusammengefasst, möchten Claudia und ich hier einfach nur vom „Lustwandeln“ sprechen!

Ganz langsam verändert sich nun aber der Charakter des Tales. Der schmale Pfad schmiegt sich zuerst auf seiner rechten Seite an, und folgt so der sich hebenden Talseite aufwärts. Auf diese Weise bemerkt man fast kaum, wie ganz langsam eine Schlucht entsteht, bis man sich plötzlich schon mitten in ihr befindet. Das geschieht jedoch in einem mehrfachem Auf und Ab, sehr langsam – und zieht sich auch über mehrere Kilometer hin.
Eigentlich wird uns diese schleichende Veränderung erst richtig bewusst, als Claudia – an einer etwas freieren Stelle – plötzlich über ihre Höhenangst „stolpert“: „Uuups..!“, meint sie da nur kurz und hat sich dann auch schon wieder im Griff!

Wir sind derart fasziniert, von so viel naturbelassener Urwüchsigkeit, dass wir Bild um Bild schießen und darüber die Zeit völlig vergessen! Erst als uns ein Blick zum Himmel erste Gewitterwolken in der Ferne zeigt, schauen wir auf die Uhr und erkennen, wie spät es inzwischen schon ist: kurz vor 17.00 Uhr – um diese Zeit sind wir sonst meist schon wieder an unserem Auto!

Aber wir möchten hier gerne auch noch auf einen weiteren Aspekt aufmerksam machen, der uns die Zeit derart vergessen ließ: Die Ruhe und die Einsamkeit in der Rötenbachschlucht! Selbst heute, am Maifeiertag, sehen wir nur ganz selten andere Wanderer. Wenn Ihr also wirklich Ruhe und Erholung sucht, hier findet Ihr sie noch!

Langsam nimmt die Rötenbachschlucht dann aber doch einen richtigen Schlucht-Charakter an und – wir möchten das hier ausdrücklich betonen – der steht dem der Wutachschlucht kaum nach! Über unzählige Brücklein wechseln wir jetzt immer wieder die Schluchtseite und erreichen dann irgendwann eine urige Schutzhütte. Claudia und ich sind völlig fasziniert von ihrem, dick mit Moos bewachsenen Dach und halten natürlich auch das wieder im Bild fest: die Rötenbach-Schutzhütte!

Auch hier zieht der schmale Pfad nun immer wieder mal steil hinauf, in die Schluchtwand und erfordert oben dann schon etwas Trittsicherheit. Vor allem auf feuchte Wurzeln und Steine, sollte man dabei achten, denn die können manchmal verdammt rutschig sein!
An einer kleinen Brücke macht uns der Rötenbach dann deutlich, dass er tatsächlich mit der Wutach (Wütende Ach) verwand ist: Ein großer Haufen Baumstämme, die das Hochwasser der Schneeschmelze hier zusammengetragen hat, türmen sich vor hier zu einer beachtlichen Höhe auf! (Siehe Foto!)

Noch einmal geht es anschließend hoch hinauf, in die rechte Schluchtwand, dann führt uns der Pfad wieder sanft hinunter und wir erreichen auf halber Höhe, die ersten Wasserfälle. Die Szenerie ist leider nur sehr schwierig auf einem Foto festzuhalten, da hier unten natürlich das erforderliche Licht fehlt und die Wasserfälle zudem auch noch recht schwer zu erreichen sind.

Je weiter die Rötenbachschlucht sich nun der Mündung in die Wutachschlucht nähert, umso ähnlicher wird sie ihr auch. Noch einmal passieren wir zwei schöne Gefällstufen, dann etabliert sich der Pfad etwas weiter unten, auf dem Niveau des Rötenbaches. Bald erreichen wir dann den Zusammenfluss, wo uns ein letzter Steg zu einem Grillplatz mit zwei Vesperbänken führt.

Claudia steht abschließend vorne, direkt auf der Landzunge zwischen dem Rötenbach und Wutach und sagt leise: „Sei‘ mal ganz ehrlich, hättest Du diese Tour so schön erwartet..?“

Nein, das habe ich wirklich nicht! Die Rötenbachschlucht war auch für mich eines der wahren Highlights, dieses Wanderfrühlings!
Wir packen unsere Vesper aus und beraten kurz über den weiteren Verlauf unserer Tour, in erster Linie natürlich, was das Wetter betrifft. Wir machen uns da aber nur wenige Sorgen, da wir mit unseren Goretex-Jacken und den Regenhosen ganz gut ausgerüstet sind.

Der weiterführende Weg verläuft nun durch die Wutachschlucht abwärts, vorbei am E-Werk, der Stallegger Tanne und dem Räuberschlössle. Kurz dahinter führt er uns dann hinauf auf die Hochfläche, und Göschweiler wieder zurück nach Rötenbach. Das ist zwar noch ein ordentliches „Stück“, aber nun gibt es ja auch nicht mehr so viel zu fotografieren, da wir die Wutachschlucht ja schon ausführlich dokumentiert haben.

Hier, in der Wutachschlucht erwarten wir nun aber auch deutlich mehr „Betrieb“, schließlich ist die Wutachschlucht am 1. Mai ein erklärtes Wanderziel. Claudia vermutet den Großteil der Ausflügler aber im Bereich zwischen Schattenmühle und Wutachmühle, wo sie uns überhaupt nicht tangieren würden. Und sie sollte damit Recht behalten.

Nach einem kurzen Vesper brechen wir wieder auf und erreichen nun zügig – nach nur ein paar wenigen Fotos an der Stallegger Tanne – das Räuberschlössle. Erst hier begegnen wir dann wieder den ersten „Menschen“, einem netten, älteren Ehepaar das sich ebenfalls so alleine auf der Welt fühlt, dass sie ihre Jacken einfach draußen, mitten auf dem Weg deponiert haben, bevor sie ins Räuberschlössle herein kommen!

Nach einem kurzen, freundlichen Wortwechsel ziehen wir weiter und erreichen oben auf der Hochfläche dann die Abzweigung nach Göschweiler.
Achtung: Diese Abzweigung ist nicht ausgeschildert! Es ist ist gleich der erste Weg, den man oben auf den Feldern erreicht! Hier führt der Schluchtensteig nun nach rechts, in Richtung Schattenmühle. Wir folgen hingegen dem neuen Weg jetzt nach links, auf die Hügel zu!

Wo man dann das geteerte Sträßchen erreicht, ist an einer Scheuer ein Pfeil nach rechts und das Wort „Göschweiler„! Kurz darauf sehen wir dann auch schon wieder die erste gelbe Raute und folgen ihr nun, über Göschweiler, bis nach Rötenbach!
Am ersten Wegweiser schlucken wir dann aber doch leicht, da steht nämlich „Rötenbach 6,0 km„. Aber bald führt unser Pfad wieder über Wiesen und durch Waldstücke und ist sehr angenehm und kurzweilig zu gehen. Langsam hegen wir auch wieder Hoffnung, dass wir unser Auto vielleicht doch noch trocken erreichen, die Wolken kommen nämlich immer noch nicht näher.

Kurzum: Wir haben es tatsächlich noch trocken geschafft und sind dann am Auto auch so richtig happy! Nicht nur, weil wir nun doch nicht mehr nass geworden sind, sondern auch deshalb, weil wir wieder einmal eine ganz tolle Wanderung erleben durften, die wir so (hinter der heutigen Tour) niemals erwartet hätten..!

Unser Fazit: Eine ganz tolle Rundwanderung, die wirklich für jeden etwas zu bieten hat! Eine gute Grund-Kondition und Trittsicherheit sind erforderlich. Nicht für Kinderwagen geeignet, mit Kindertrage jedoch machbar! Unbedingt genügend Getränke und Vesper einpacken! Zudem an Wetterschutz denken – ist man erst mal in der Schlucht drin, dann muss man auch durch!

Strecke: 16,5 Kilometer, 371 Höhenmeter im Anstieg – Dauer: 5 – 6 Stunden.

Verlauf: Rötenbach – Rötenbachschlucht – Rötenbachmündung – Räuberschlössle – Göschweiler – Rötenbach.

Einkehr: Nur in Rötenbach und Göschweiler möglich!

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 506, Titisee-Neustadt – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000

ISBN 978-3-89021-599-0

Empfohlener Wanderführer: – keiner –

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Abenteuer Wutachschlucht: 3. Etappe

2 Kommentare »

  • Patrik Föhrenbach sagt:

    Hallo, als Rötenbach freut es mich natürlich das auch die Rötenbachsschlucht Beachtung findet. Sie ist wirklich wie oben beschrieben sehr sehr schön. Das gilt auch für dir weitere Wegstrecke mit Stallegg, dem Räuberschlössle usw.
    Früher gabe es dann Richtung Schattenmühle noch den Weg direkt an der Wutach, der wird aber leider schon lange nicht mehr gepflegt. Hintergrund ist hier sicher der Naturschutz und das ist auch gut so, aber trotzdem schade.
    Der eine oder andere kennt ihn noch und findet den Einstieg vom Räuberschlössle her.

    Grüße und Danke für den tollen Bericht.

    Patrik

  • Schulte, H.D. sagt:

    Hallo Ihr Wanderer, habe Euren Wanderbericht über die Rötenbachschlucht gelesen, möchte diese Wanderung auch machen, habe aber mit Höhenangst zu kämpfen. Ist diese Wanderung für mich geeignet? Danke für eine kurze Nachricht.

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