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Durch die Marienschlucht am Bodensee

27 April 2012 Ein Kommentar

Auch für diesen Ausflug haben uns die Wetterfrösche wieder beste Bedingungen prophezeit. Und sie sollten auch diesmal Recht behalten, denn nur zwischen den engen Felsen der Marienschlucht war es am Mittag noch angenehm kühl.
Pünktlich zum 1. Mai kommt der Frühling nun also wirklich mit Riesenschritten..!

Wir wussten wieder mal nicht so recht wohin: Dem Frühling entgegen ja, aber bitte nicht schon wieder in die Rheinebene!
Vielleicht statt dessen mal an den Bodensee..?
Jipp..!„, meinte Claudia dazu spontan. „Wie wär’s denn mit der Marienschlucht..?
Das hörte sich auch für mich gut an, zumal ich dort bisher überhaupt noch nie gewesen bin! Und da wir ja gerade für den kommenden Donnerstag planten, also für einen Werktag, sollte dort wohl auch noch nicht zu viel los sein.

Im Internet recherchiere ich die Tour und schlage Claudia spontan den Blütenweg, von Bodmann aus und zurück vor. Die gesamte Strecke, von Sipplingen aus, über Ludwigshafen und Bodmann, erscheint mir etwas weit, da wir von der Marienschlucht aus leider nicht mit dem Schiff nach Sipplingen zurückkehren können. Aus irgendwelchen Gründen fährt die weiße Flotte nämlich ausgerechnet an diesem Donnerstag nicht.

Nein..!„, meint da plötzlich Claudia. „Klaus Gülker (Moderator von SWR4 – „Raus mit Klaus“) hat gemeint, die schönste Strecke in die Marienschlucht führt von Allensbach aus, über Freudental und Langenrain..!
Nun, in manchen Situationen sollte man Claudia lieber nicht widersprechen. (Aber viel Asche auf Dein Haupt, Klaus – für so viel Asphalt in dieser Frühlings-Sonne..!)

Wir Parken unten in Allensbach (Park & Rail) und suchen dann nach dem richtigen Aufstieg, hinauf zum Bodanrück. Mit der Beschilderung ist man hier etwas sparsam umgegangen, aber wir finden den Weg trotzdem schnell. Und bald sind wir dann auch kräftig am Schnaufen, denn dieser Aufstieg ist nicht nur steil, sondern leider auch durchgehend asphaltiert.

Wo wir die letzten Häuser von Allensbach passieren, dreht sich Claudia noch einmal um und ruft dann völlig verzückt: „Rainer.., schau mal..!
Als ich mich ebenfalls umdrehe, sehe ich die phantastische Aussicht dann ebenfalls. Sie reicht hinüber, bis zu den Schweizer Alpen. Laut Wetterbericht haben wir heute eine Fönlage, und so ist die Luft auch entsprechend klar. Und das beschert uns von hier oben aus natürlich eine phantastische Fernsicht.

Über geteerte Feldwege ziehen wir dann durch blühende Streuobst-Wiesen und sehen dabei sogar einen Storch, der im Gras munter nach Fressbarem sucht. Und kurz darauf sitzt in einem Kirschbaum – direkt über uns – ein Roter Milan, und lässt sich überhaupt nicht stören. Wir sind daher wieder mal völlig fasziniert, von so viel Natur, ganz nah an menschlichen Siedlungen.

An einem Waldrand nehmen wir die Einladung eines Bänkleins an, um unsere Jacken auszuziehen und zu verstauen. Hier sind bereits die ersten Maiglöckchen kurz vor der Blüte. Und auch der Waldmeister ist unmittelbar davor.
Dann lenkt aber ein Rascheln im trockenen Laub meine Aufmerksamkeit auf sich und was ich sehe, ist ein schneller Objektiv-Wechsel allemal wert: Zwei Zauneidechsen sonnen sich direkt hinter dem Bänklein und haben uns bereits ganz nahe an sich heran gelassen. Hätte sich die eine von ihnen nicht bewegt, um etwas zu fressen, dann hätten wir sie ganz bestimmt übersehen.

Übermütig geworden, lassen sie mich sogar bis auf einen knappen Meter an sich heran und noch nicht einmal der Blitz der Kamera veranlasst sie zu fliehen.
Claudia steht ganz fasziniert hinter mir und selbst als ich die Kamera schon wieder weggepackt habe, sind die Beiden noch da.
Danke schön..!„, lache ich ihnen daher noch einmal zu, als wir die Rucksäcke wieder auf den Rücken schwingen und weiterziehen.

Der weiche Weg durch schattigen Wald ist nun sehr angenehm, aber leider nur kurz. Dann hat uns auch schon der Asphalt wieder. Vorbei an Schloss Freudental, ziehen wir unmittelbar neben der Straße nach Langenrain. Wir dachten schon, wir hätten den rechten Weg verloren, als irgendwann dann doch wieder ein Wegzeichen (gelbe Raute) auftaucht. Erst unmittelbar vor dem Weiler führt unser Weg wieder etwas von der Straße weg, und über Wiesen auf die kleine Kirche zu.

Direkt hinter der Kirchen-Mauer wandern wir in den Weiler hinein, und rechter Hand auch sofort wieder hinaus.
Claudia kann sich dann ein Schmunzeln auch nicht verkneifen: „Das hätten sie sich eigentlich auch schenken können..!
Der Weg entlang der Straße wäre tatsächlich deutlich kürzer gewesen. Und nicht zur Strafe, sondern wohl mehr zur Übung der Wege-Planer des SWV, machen wir dann gleich noch einen weiteren, überflüssigen Schlenker, bevor wir endlich dem Wegweiser in Richtung Marienschlucht folgen dürfen. Aber was soll’s..?

Wir schauen nun zu, dass wir schnellstens den Golfplatz erreichen, denn erst dort hat es wieder Schatten. Der Weg? Asphalt natürlich, was sonst..?
Nur ein paar Wildgänse sorgen unterwegs noch einmal für etwas Abwechslung, als sie tief über unsere Köpfe hinweg zur Landung ansetzen, und sich dann mit lautem Gezeter in der Wiese neben der Straße niederlassen.

Wo rechts der Golfplatz beginnt, führt unser Weg dann wieder in den Schatten des Waldes hinein. Schmal und idyllisch windet er sich hier im linken Hang der oberen Schlucht sanft abwärts. Wo das erste Geländer erforderlich wird, erhaschen wir einen allerersten Blick auf das Schwäbische Meer, bevor uns eine Treppe abwärts zum Eingang der Schlucht führt.

Dort genießen wir einen tollen Tiefblick, hinunter zum See. Besonders beeindruckend ist die Kante des Steilabfalles unter Wasser, den man von hier aus deutlich erkennen kann. Er fällt bis auf einhundert Meter Wassertiefe senkrecht ab. Der helle Bereich im Wasser davor, ist die nur knietiefe „Lagune“, durch die man bis zum Abbruch hinauswaten kann..!

Zuerst werden wir nun an einem hübschen Rastplatz mit toller Aussicht vorbeigeführt. Dann beginnt der eigentliche Abstieg durch die Marienschlucht. Über unendlich viele Stufen führt uns ein Steg hinunter zum Seeufer des Überlinger Sees.

Während der Ferien, und auch an Sonn-, und Feiertagen sollte man die Marienschlucht eigentlich lieber meiden, denn sie ist natürlich ein beliebtes Ausflugziel, und zudem auch noch direkt mit dem Schiff zu erreichen.
Wer will, der kann sich oben direkt bis zum Golfclub fahren lassen, dann ganz gemütlich durch die Schlucht hinabsteigen, und sich unten dann vom Schiff wieder hinüber bringen lassen, nach Sipplingen, oder sogar nach Überlingen.

Wir haben den Zeitpunkt aber offensichtlich ganz gut gewählt, denn in der Schlucht ist kaum ‚was los. Nur eine Schulklasse kommt uns von unten entgegen, dann ist auch schon wieder Ruhe. Sonst treffen wir nur noch einzelne Wanderer, die uns beim Fotografieren kaum stören. Und wir haben über die Mittagszeit nun sogar auch weiter unten noch ein ziemlich gutes Licht in der Schlucht, da das Blätterdach der Bäume jetzt noch nicht zu dicht ist.

Dann wird es aber doch fühlbar kühler in der Schlucht, denn das direkte Sonnenlicht bleibt irgendwann völlig zurück. Wir sind im Schluchtschatten angekommen. Hier ist es nun aber nicht nur kühler und feuchter, auch die Geräuschkulisse nimmt plötzlich zu – das Rauschen des kleinen Bächleins unter dem Steg beginnt jetzt zwischen den engen Wänden sogar richtig zu hallen.

Der Steg führt nun immer an einer Schluchtwand entlang und wechselt dabei ständig die Seite – mal steigt man entlang der linken Wand hinab, mal entlang der Rechten. Und auch ohne zu fotografieren: Man muss einfach immer wieder stehen bleiben, um diese vielen Eindrücke wirklich in sich aufnehmen zu können..!

Dann nähern wir uns dem unteren Ausgang der Schlucht. Hier stehen die Wände nun am Dichtesten zusammen und wirken schon recht beeindruckend. Zudem ist es so feucht, dass die Felsen dicht mit Moos und Farnen bewachsen sind. Achtung: Auf dem Holzsteg kann es in diesen Bereich manchmal auch etwas glitschig werden!

Unten angekommen, öffnet sich die Schlucht dann völlig überraschend und wir tretten hinaus, auf den Schiffsanlege-Steg. Nun haben wir das Seeufer erreicht und sind völlig fasziniert, vom Wechsel der Szenerie: Gerade waren wir noch in der Enge der Marienschlucht, und jetzt stehen wir ganz unvermittelt am Ufer des Überlinger Sees und haben freie Sicht hinüber nach Bodmann (links), Sipplingen (Bildmitte) und Überlingen (rechts).

Claudia möchte nun nur noch hinunter, ans Wasser und wäre es zwei Grad wärmer gewesen, dann hätte sie bestimmt auch nichts in der Welt von einem erfrischenden Bad abhalten können. Aber bei 14°C..? So suchen wir uns halt nur einen umgefallenen Baumstamm direkt am Wasser und packen unser Vesper aus.

Inzwischen ist es tatsächlich unglaublich warm geworden..! (Abends erfahren wir in den Nachrichten, dass am Bodensee sogar 28°C gemessen worden sind..!)

Inzwischen habe ich ziemliche Bedenken, den ganzen Weg über den Bodanrück zu wiederholen, um dann drüben wieder an unser Auto zu kommen. Und auch Claudia hat inzwischen erkannt, dass der Weg am Seeufer entlang, nach Bodmann wohl der deutlich angenehmere ist. Außerdem verläuft er über weite Strecken im Schatten!
Allerdings ist mir auch nicht ganz wohl bei dem Gedanken, nun völlig unvorbereitet auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein. Wer weiß, wie die hier überhaupt fahren..?

Ach was! Das wird schon irgendwie klappen..!„, strotzt Claudia nur so vor Zuversicht. Wir haben aber leider nur eine Karte der Tourismusgesellschaft in Allensbach, die nicht gerade sonderlich genau ist. Und auch Bushaltestellen sind in ihr nicht verzeichnet. Na denn..!

Die Entscheidung ist aber gefällt und wir packen zusammen. Ebenerdig folgen wir dem Uferweg nach Westen und sind immer wieder überwältigt, vom Stand des Frühlings: Hier sind sogar die Laubbäume schon grün. Bei uns im Hochschwarzwald tragen sie gerade mal die ersten Knospen. Der Einfluss des milden Bodensee-Klimas ist wirklich unübersehbar.

Links von uns ragen zudem gewaltige Kalkwände auf und nötigen uns so ebenfalls immer wieder zum Anhalten: Das muss man einfach in sich aufnehmen!

Dann wird es wieder etwas sonniger, denn der Weg entfernt sich hier nun immer weiter vom eigentlichen Bodanrück und seinen steilen Wänden. Und irgendwann treffen wir dann auch eine junge Frau mit Kinderwagen – offensichtlich also eine Einheimische – und trauen uns vorsichtig nach den Verkehrsverbindungen zu fragen. Und da bewahrheiten sich dann meine schlimmsten Befürchtungen.

Bei uns ist das leider nicht so besonders gut, mit den Verbindungen..!“ nehme ich wahr. Und auch noch irgend etwas von drei Mal umsteigen, dann bin ich in Gedanken schon auf der Suche nach Plan B..!
Plan B ist: Irgendwie mit jemandem mitfahren, bis nach Allensbach..! Egal wie, hauptsache wir erreichen unser Auto.

Claudia faßt sich kurz darauf ein Herz und fragt ein paar Schweizer Wanderer nach einer Mitfahrgelegenheit. Und sie hat Glück, denn die müssen nach Konstanz und fahren somit direkt an Allensbach vorbei. Ja, meinen sie auch spontan, aber sie haben leider nur Platz für einen von uns. Macht nix, super – Danke!

Ich werde also alleine mitfahren und unser Auto dann nach Bodmann holen, wo Claudia mit unserem Gepäck warten wird. Problem gelöst, wenn auch etwas umständlich!
Wir ziehen nun also mit Schweizer Begleitung vollends hinüber, nach Bodmann und trinken dort noch ein gemeinsames Apfelschorle. Dann nehmen die neuen Wanderfreunde mich mit nach Allensbach, zu unserem Auto. Anschließend kehre ich zurück zu Claudia, und lade mit ihr gemeinsam unser Gepäck ein.

Auf der Fahrt nach Hause verspricht mir Claudia dann, dass sie künftig wirklich besser auf mich hören wird, wenn ich eine Tour bereits ausgearbeitet habe:
Großes Indianer-Ehrenwort..!„, was immer das auch heißen mag.

Unser Fazit:

Wir empfehlen die Tour von Bodmann aus zu starten und auch dort zu parken (Am Ortseingang kostenlos!). So kann man vielleicht eine Strecke über die Ruine Alt Bodmann gehen, und hat somit auch einen abwechslungsreiche Wegführung. Die Tour von Sipplingen aus zu gehen, empfiehlt sich nur bei Rückfahrt mit dem Schiff.

Wer lieber unsere Tour nachwandern möchte, der sollte am Besten mit zwei Autos unterwegs sein.

Strecke: 17,2 Kilometer – 337 Höhenmeter – Dauer: ca. 6,0 Std.

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Ein Kommentar »

  • Ulrike sagt:

    Hallo Rainer & Claudia,

    ich war heute zum ersten Mal in der Marienschlucht es war ein Erlebnis.
    Start war für mich Wallhausen – Hafen von dort aus bin ich die Schlucht hinauf gelaufen, die meisten laufen sie runter. Dann den Rundweg nach Wallhausen zurück. Die Wanderung war sehr schön. Gute Verbindung mit Zug und Bus.

    Viele Grüße

    sendet Ulrike

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