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Donnerstag – 5. Wandertag im Rothauser Land

22 Juni 2012 Kein Kommentar

Als der Garmin piepst, scheint es im Zimmer heller zu sein, als morgens bisher gewohnt und ein kurzer Blick unter dem Vorhang hindurch, zeigt mir dann auch einen blauen, wolkenlosen Himmel.
Endlich! Die Sonne scheint mal wieder – Balsam für die Seele!

Deutlich schneller als sonst sind wir gerichtet und gehen hinunter, zum Frühstück. Was so ein bisschen Sonnenschein doch in einem auslösen kann…

Claudia greift kurz zum Müsli mit ein paar frischen Erdbeeren und steht anschließend erneut auf. Kurz darauf kehrt sie mit einem Teller Rühreier zurück.
Hat gestern doch ziemlich lange vorgehalten..!„, meint sie und schenkt sich einen Kaffee ein.

Nebenher lasse ich uns zwei Flaschen Tee richten. Für heute haben wir erneut einen Insider-Tipp von Anita erhalten, den wir unbedingt unter die Füße nehmen wollen.
Der Einfachheit halber hat sie uns den Wegverlauf – schon gestern – einfach mit Bleistift in die Karte eingezeichnet. So sollte es wohl kein großes Problem sein, dieser Route zu folgen.
Direkt vom Hotel weg, führt sie uns rasch in den Wald hinein und immer nach Norden. Zwischenziele sind Balzhausen und Sommerau. Von dort aus dann über die Steinahölzlehütte und den Kapellenweg wieder nach Süden, zum Schlüchtsee.
Unten, am Schlüchtsee werden wir wieder einmal auf den Schlühüwana-Weg treffen und ihm bis nach Rothaus folgen. Dabei erhoffe ich mir gutes Licht, um zumindest einige, der kunstvoll geschnitzten Holzfiguren entlang des Weges, fotografieren zu können.
Wir verabschieden uns einmal mehr von Anita, die uns noch letzte Tipps für unterwegs gegeben hat. Dann folgen wir dem Zäpfle-Weg vom Brauerei-Gelände weg. Ich nutze das trockene Wetter, um Claudia nebenher wieder mal etwas im Orientieren mit der topographischen Karte zu trainieren.

Am Waldrand hält sie kurz an und nordet die 50.000er Karte souverän nach markanten Geländepunkten ein. Inzwischen hat sie wirklich schon ziemlich viel gelernt und zeigt mir nacheinander alle wichtigen Punkte aus der Karte, auch vor uns in der Landschaft.
Und wo geht’s jetzt weiter..?„, will ich von ihr wissen.
Dort..!„, zeigt sie mir spontan mit dem Zeigefinger und deutet über die Straße. Auf der anderen Seite führt der Steinahölzleweg in den Wald hinein.

Wir folgen dem breiten Forstweg und erreichen schon wenig später die Steinahölzlehütte, eine wunderschöne Schutzhütte. Unmittelbar davor steht eine der größten Weißtannen des Schwarzwaldes. Sie ist so gewaltig, dass man wohl mindestens drei Claudias bräuchte, um sie vollständig zu umfassen.

Nun ist es nur noch ein Katzensprung bis Balzhausen, dann zieher wir schon wieder über Viehweiden rechts hinunter.
Jetzt stehen gerade überall junge Kälbchen auf den Weiden, von denen wohl manche erst in den letzten 24 Stunden geboren worden sind. Man kann teilweise noch Reste der Nabelschnur erkennen und sie tragen auch noch nicht alle Ohrmarken.

Unser Weg wird schmaler und führt uns einige Zeit lang zwischen Elektrozäunen abwärts, so dass wir uns schon bald fragen, ob wir eigentlich „innen“, oder „außen“ sind.
Dann wird meine Aufmerksamkeit aber plötzlich auf Schmetterlinge gelenkt. Hier sonnen sich nämlich auffallend viele Exemplare des Großen Fuchs im Gras. Ich wechsle extra das Objektiv, um vielleicht ein schönes Foto von ihnen zu ergattern, aber leider sind die Edelfalter – auch wenn sie gerade irgendwo sitzen – stets so unruhig, dass keines davon wirklich scharf ist. Schade!

Der Weg führt uns durch ein idyllisches Wiesental abwärts und teilt sich dann kurz darauf. Hier beratschlagen wir kurz, welchen Weg wir wählen sollen und entscheiden wir uns für den Rechten. Er führt uns durch eine nach links geneigte Waldhalde, stetig abwärts und ist sehr angenehm zu gehen.
Die Regenfälle der letzten Tage haben den Boden noch zusätzlich weich werden lassen, so dass wir immer wieder das Gefühl haben, über einen weichen, dicken Teppich zu gehen.

Beide Pfade werden später in Sommerau wieder zusammen treffen. Der von uns gewählte führt jedoch überwiegend durch dichten Wald, während der andere (später asphaltiert) dem Bächlein durch das enge Wiesental folgt.
In Sommerau halten wir uns dann gleich rechts und folgen dem schmalen Sträßlein aufwärts. Dass wir in diesem Bereich nun vorübergehend auf Asphalt gehen müssen, wird durch eine phantastische Aussicht über offene Weiden wieder mehr als wett gemacht.
Ein Bänklein rechts der kaum befahrenen Straße ist uns herzlich wilkommen, um hier ein paar Minuten zu verweilen. Man hat es wohl extra für uns frei gemäht, bilden wir uns ein..!

Wieder im Wald, erreichen wir bald die Eberbacher Hütte. Ein Traum von Schutzhütte, sogar mit Ofen! Aber leider – wie so oft – ist sie aufgebrochen worden und man hat nach der letzten Party auch gleich alles da gelassen, wie uns die leeren Whisky-Flaschen zeigen. Trotzdem machen wir davor eine weitere, kurze Pause – auch um einige Fotos zu schießen.

Inzwischen ziehen wir schon wieder in Richtung Süden und haben es nicht mehr weit bis zur Straße Rothaus – Ebnet. Kurz davor werden wir aber noch von einem ganzen Feld Schachtelhalm aufgehalten. Daran komme ich natürlich nicht vorbei. Zumindest nicht, ohne ein Foto von Claudia darin zu schießen!

Dann überqueren wir die Straße und folgen dem Kapellenweg in Richtung Schlüchtsee. Nur kurz darauf finde ich dann ein ausgefallen schönes Exemplar von geflecktem Knabenkraut. Es ist die allererste einheimische Orchidee, die wir sehen, seit wir nun im Rothauser Land unterwegs sind. Anscheinend sind sie hier nicht so häufig, wie in anderen Regionen des Hochschwarzwaldes.

Kurz darauf passieren wir linker Hand noch ein großes Feld blühender Lupinen und schießen auch davon noch ein paar Fotos. Mit dem Tele hole ich Claudia nahe heran und erreiche durch die so entstehende „Verdichtung“ den Eindruck, sie würde mitten zwischen den Blüten stehen. (Das ist jedoch nicht der Fall, sie steht nämlich auf dem Weg..!)
Dann erreichen wir endlich den Schlüchtsee und setzen uns ein paar Minuten in den Biergarten des Kiosks. Ein schnelles Tannenzäpfle für mich und ein Eis für Claudia, dann ziehen wir weiter.

Hier am Schlüchtsee blühen gerade gelbe Schwertlilien, Seerosen und Teichrosen. Leider sind sie alle etwas außerhalb der Reichweite meines kleinen (250er) Teles und selbst aufgelegt gelingen mir keine völlig scharfen Aufnahmen.Trotzdem möchte ich Euch die Blüten hier gerne zeigen, denn nur wenige wissen, dass Seerosen (mitte) und Teichrosen (rechts) völlig verschiedene Pflanzen sind.

Der nordwestliche Teil des Sees ist abgegrenzt und zum Naturschutzgebiet erklärt. Wir folgen dem rechts daran entlang führenden Naturlehrpfad und stoßen auch bald auf die ersten toll geschnitzten Holzfiguren, des Schlühüwana-Parkes (Schlüchtsee-Hüsli-Wald-Natur-Park). Hier haben nicht nur Kinder viel Freude, sondern auch Mama und Papa mit der Kamera.

Irgendwann teilt sich der Weg dann: Rechts führt er zum „Hüsli“, das als Museum erhaltene Schwarzwald-Haus, in dem Prof. Brinkmann eins für die Dreharbeiten zur Serie „Schwarzwald-Klinik“ gewohnt hat. Links herum stoßen wir hingegen auf einen pfiffig angelegten Barfuß-Park.

Nun ist es nicht mehr weit, bis hinein nach Rothaus. Inzwischen haben wir auch beide ziemlich Durst und freuen uns auf ein kühles Tannenzäpfle, im Biergarten der Brauerei-Gaststätte.
Nur wenige Minuten später können wir uns diesen Wunsch erfüllen, während ich noch ein schnelles Foto von uns am Brünnele im Hof schieße. Es sind dann auch diese seltenen Augenblicke, für die ich das Stativ den ganzen Tag mit mir rumschleppe. Aber die sind es dann auch allemal wert..!

Als wir nach oben gehen, um zu Duschen, angelt sich Claudia im Vorbeigehen (vom für uns reservierten Tisch) die Speisekarte. Und während ich mir schon mal meinen Bauch tätschle und sie erwartungsvoll ansehe, sagt sie nur: „Oh-je..!
Kein Zweifel, wir werden auch heute – trotz des Kalorien-Verbrauchs durch unserer ausgedehnten Wanderung – den Kampf um die Fett-Pölsterchen gegen die Rothaus-Küche verlieren. Und den Rest werden dann wohl auch noch das eine, oder andere Tannenzäpfle dazu beitragen:

Menü 

Bunte Salate vom Buffet
angemachte Gemüsesalate
und gartenfrische Blattsalate,
hausgemachte Dressings,
Bauernbrotkracherle und Sonnenblumenkerne

***

Aus dem dampfenden Suppentopf

Tomatenkremsuppe
mit Sahnehäubchen
und Gewürz-Käsestange

***

Hauptgerichte zur Wahl

Rothauser Rehragout
in Wachholdersoße
mit frischen Pilzen in Kräuterrahm,
Preiselbeerapfel, Rotkohl und Mandelbrokkoli,
dazu Schupfnudeln

oder

Paniertes Schweineschnitzel
mit Gemüse vom Freiburger Markt
und Pommes frites

***

Unsere vegetarische Alternative

Frische Champignons und Austernpilze
mit Tomatenwürfel in Kräuterrahm,
dazu hausgemachte Semmelnködel

***

Zum Abschluss etwas Süßes

„Crepes Schwarzwaldmädel“
mit warmen Kirschen gefüllt,
kremiges Vanilleeis, Schokoladensoße
und Schlagrahm

Aber unsere Stamm-Leser werden den Spass mit dem Zweikampf zwischen der Küche und uns bestimmt verstehen und daher auch wissen, dass ich mir die Arbeit mit dem Abschreiben der Speisekarten nicht gemacht hätte, wenn ich nicht völlig überzeugt dahinter stehen würde. Das Essen hier ist nämlich einfach Klasse!
Schon ein kurzer Blick auf den Teller lässt einen immer ein paar Dinge finden, die gar nicht unbedingt sein müssten. Dass sie aber trotzdem auf dem Teller sind zeigt einem, dass hier mit Liebe zum Detail gekocht wird! Und genau das ist der Stil von Reinhold Götte – und der Grund, warum ich mir diese Mühe gemacht habe..!

Unser Fazit zum 5. Wandertag:

Tolle Rundwanderung durch eine Typische Hochschwarzwald-Landschaft! Dichte Waldgebiete wechseln sich immer wieder mit offenen Weideflächen ab. Und wer sich die Mühe macht, ab und zu mal etwas genauer hinzusehen, der wird ganz bestimmt nicht nur Walderdbeeren finden..!

Strecke: 12,5 Kilometer mit insgesamt 277 Höhenmeter Anstieg. Dauer: 5 Stunden (Plus/Minus).
Sehenswert ist der Schlühüwana-Park, so wie das Heimat-Museum „Hüsli„.

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