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Dienstag – 3. Wandertag im Rothauser Land

19 Juni 2012 Kein Kommentar

Sauwetter..!“ schimpfe ich, nach einem ersten Blick aus dem Fenster. Es regnet kräftig, denn auf den Pfützen im Hof bilden sich ständig neue Ringe.
Lass mich erst mal duschen und Frühstücken, dann sehen wir weiter!“ meint Claudia gelassen, die neben mir ans Fenster getreten ist.
Duschen..?“ frotzle ich zurück. „Und zum Frühstück bringst Du gleich auch noch den Kaffee mit ins Restaurant..? Als antwort höre ich sie im Bad lachen.

Ihre Haare wieder vorsätzlich zur „Kommegeradeausdembett“-Frisur hindrapiert, steht sie dann einige Minuten später erneut neben mir und fragt salopp: „Fertig..?
Nun, die Frage ist eigentlich überflüssig, da sie ja als Erste im Bad war, und es auch die ganze Zeit über nicht verlassen hat. Aber so wird eine Ehe eben auch nach 37 Jahre nicht wirklich langweilig!

Kurz darauf gehen wir dann hinunter zum Frühstück und dort trennen sich auch heute wieder unsere Wege: Während Claudia sich ein Glas O-Saft einschenkt und sich erst mal dem Müsli-Buffet widmet, lachen mich erneut die Spiegeleier mit Speck an.
…, wenn sie Papa essen tut..!“ ergänze ich den gestern dazu begonnenen Satz und Claudia schmunzelt. Sie kennt diese dummen Sprüche noch gut aus meiner langen Bundeswehrzeit.

Während des Frühstücks beobachte ich draußen die Pfützen. Noch immer bilden sich ständig neue Ringe auf ihnen, der Regen hat also nicht nachgelassen.

Irgendwann gesellt sich dann auch Anita wieder zu uns. Sie hat heute leider keine Zeit, um uns zu begleiten, da sie einige Brauerei-Besichtigungen führen muß.
Wollt Ihr bei dem Wetter wirklich losziehen..?“ fragt sie vorsichtig. Es ist vereinbart, dass sie uns nachher mit dem Rothaus-Bus nach Waldhaus begleitet, dem Ziel unserer heutigen Tour. Dort wollen wir auch heute unser Auto abstellen. Danach wird sie uns nach Höchenschwand bringen, von wo aus wir unsere heutige Wanderung beginnen wollen.

Eigentlich verspüre auch ich bei diesem Wetter keine große Wanderlust, da es mich immer etwas Überwindung kostet, in den Regen „hinein“ zu laufen. Aber gut ausgerüstet, ist das halb so wild.
Klar..!„, erwidert Claudia da aber schon ihrerseits, noch bevor ich überhaupt Luft geholt habe. Und sie hat natürlich Recht: Wir haben insgesamt nur sechs Tage zur Verfügung, um die schönsten Wanderrouten im Rothauser Land abzugehen. Und diese Tage sind bereits völlig verplant.

Heute steht der Felsenweg auf dem Programm, auf den ich mich persönlich eigentlich sehr gefreut habe, der tollen Foto-Motive wegen. Aber inzwischen gehe ich bereits davon aus, dass das mit der Canon heute wohl wieder nichts werden wird. Der Regen ist dafür einfach zu stark und ich möchte die teure Kamera nicht auf’s Spiel setzen. Also wird es mal wieder „nur“ Lumix-Fotos geben – schade!

Der Felsenweg ist Bestandteil des Mittelweges und führt – teilweise etwas ausgesetzt – hoch über dem Schwarza-Tal durch die Felswand. Über schmale Fels-Bänder, die teilweise mit Seilen gesichert sind, wird man dabei manchmal recht abenteuerlich durch die Schwarzahalde geführt.
Die Tour beginnt am Kreuzstein (Parkplatz mit Bushaltestelle) westlich von Höchenschwand und führt dann – immer im Uhrzeigersinn – abwärts um das Hochplatteau herum, zur Fohrenbach Mühle. Dort werden wir uns dann wieder rechts-aufwärts halten und den Wegweisern nach Waldhaus folgen.
Wir parken unser Auto in Waldhaus am Sportplatz, direkt hinter der Brauerei-Gaststätte. Dann bringt uns Anita zurück nach Höchenschwand.
Schon beim Aussteigen ziehe ich die Kapuze hoch und bin damit fast „wasserdicht“. Nur die Hände werden (beim Gebrauch von Wander-Stöcken) noch nass, woran man sich aber schnell gewöhnt.

Und es gibt auch noch einen kleinen Trick, um selbst das zu verhindern: Besorgt Euch beim nächsten Tanken jeweils zwei der blauen „Diesel-Handschuhe“. Die sind zwar nicht besonders schön, aber praktisch und bei dem Wetter sieht das nun ja ohnehin keiner mehr..!

Erst mal drinn, und (warm und trocken gehalten) vor jeder Wetterunbill geschützt, macht das Wandern dann sogar bei einem solchen Wetter richtig Spass! Es herrscht nun nämlich wieder eine ganz besondere Atmosphäre im Wald. Der Regen scheint plötzlich alle gewohnten Geräusche zu verschlucken und man hört nur das monotone Prasseln der Regentropfen auf der Kapuze.
Zudem herrscht nun ein fast unglaublich intensiver Geruch nach Wald und Pilzen vor. Die Luft ist angenehm kühl, feucht und absolut rein von Staub und Pollen, so dass nun nichts davon mehr den Geruchsinn zu reduzieren vermag. Sie wirkt daher so frisch, dass man das Gefühl hat, sie würde plötzlich doppelt so viel Sauerstoff enthalten, was natürlich Blödsinn ist. Wer das aber zum ersten Mal erlebt, der wird wohl ganz genauso überrascht sein, wie wir seiner Zeit. Und er wird anschließend wohl auch diesen abgedroschenen Spruch, dass es eben kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gäbe, aus einer völlig neuen Perspektive betrachten..!

Der Weg wird immer wieder zum schmalen Pfad und ist auch bei diesem Wetter angenehm zu gehen. Nur vereinzelt umgehen wir Pfützen. Mehr Aufmerksamkeit bedürfen da nun die nassen Felsen, über die unser Waldweg führt. Und noch mehr die Wurzeln, die aus ihm herausragen. Sie sind nun glatt wie Schmierseife und wer einfach drauftritt, riskiert damit leichtsinnig Stürze! Also: Aufpassen..!

Der Felsenweg selbst ist bei Nässe nicht wesentlich gefährlicher, als bei Trockenheit. Lediglich auf der kleinen Holzbrücke sollte man Acht geben, denn die ist etwas geneigt und bietet nun höchstens noch mit Spikes Halt! Ansonsten hat man überall das Sicherungsseil in Reichweite und sollte sich daher auch nicht scheuen, es zu nutzen.

Wer unsere Artikel regelmäßig liest weiß, dass Claudia mit Höhenangst belastet ist. Sie hatte auf dieser Tour aber diesbezüglich nie Probleme. Wir empfehlen daher für die Wanderung lediglich Trittsicherheit und zusätzlich vielleicht Wanderstöcke. Sie geben zusätzliche Sicherheit. Kinder hingegen sollte man aber stets etwas an der „kurzen Leine“ halten!

Nach einiger Zeit wird aus der senkrechten Wand dann wieder eine Halde, in der man völlig entspannt Lustwandeln kann. Wir passieren einen Rastplatz mit Tisch und Bänken, und erreichen kurz darauf einen herrliches Plätzchen, an dem man ebenfalls auf einer Bank verweilen kann.
Hier hatte man früher eine tolle Aussicht hinüber, auf die andere Seite des Schwarzatales. Inzwischen wächst diese aber langsam zu. Trotzdem ein richtig toller Rast-Platz, zumindest bei trockenem Wetter!

Heute ziehen wir aber lieber weiter. Vom letzten Jahr her wissen wir ja noch, dass demnächst eine richtige Schutzhütte kommen wird, in der man auch bei diesem Wetter trocken verweilen kann.
Kurz davor passieren wir aber noch ein liebevoll aufgebautes Brünnele, dessen Zulauf gerade etwas von Sand verstopft ist. Nach einer kurzen Reparatur fließt dann das Wasser dann wieder und Claudia schmunzelt:
Mein Mann..!

Als wir die Hütte erreichen bemerke ich, dass meine Zehen in den Schuhen bereits nass werden. Auch wenn die Stiefel selbst dicht sind, durch das viele Gehen in hohem, nassen Gras sickert inzwischen ein wenig Wasser durch die Schwachstelle, die „Zunge“. Ich werde sie zu Hause neu imprägnieren, nehme ich mir vor. Dann widme ich mich wieder meiner Teeflasche und lasse das Vesper stecken. Nicht nur Dank Reinhold Götte, dem Küchen-Chef im Brauerei-Gasthof Rothaus, werde ich deswegen wohl nicht gleich vom Fleisch fallen und eigentlich habe ich auch überhaupt keinen Hunger. Die Spiegeleier mit Speck vom Frühstück halten erstaunlich lange vor!

Kurz darauf brechen wir auf, um die letzte Etappe unserer Runde über den Felsenweg zu absolvieren. Nun geht es noch einmal auf lieblichen Pfaden hinunter, zur Föhrenbach Mühle.
Dort halten wir uns dann gleich wieder rechts und folgen dem breiten Wirtschaftsweg aufwärts, in Richtung Waldhaus. Vorbei an einer weiteren, tollen Schutzhütte (Mit Rosengärtchen!) folgen wir dem Flöschbächle.

Die restlichen Kilometer dieser Tour sind dann rasch erzählt: In ununterbrochenem Dauerregen geht es nun über breite Forstwege, kontinuierlich aufwärts, bis wir den Waldrand in Waldhaus erreichen. Dort halten wir uns dann rechts und überqueren die B500. Kurz darauf stehen wir vor unserem Auto und ziehen erst mal alles aus, was nass ist: Meinen Hut, die Jacken, Regenhosen, Schuhe und Strümpfe. Dann ziehe ich die Hosenbeine der Wanderhose (die ganz unten, wo sie auf den Schuhen aufstehen, natürlich ebenfalls nass sind) links herum über die Knie hoch und schlüpfe in meine Crocks. Ein Griff zum Vesper und zur Trinkflasche, dann sitze ich trocken auf dem Fahrersitz und bin zufrieden. Und auch Claudia lacht schon wieder fröhlich:
Whow..! Was für eine tolle Tour..!“ meint sie nur, während sie in Ihren Apfel beißt.
Dann fahren wir zurück, nach Rothaus und werden von einer gutgelaunten Anita empfangen.

Hey..!“ lacht sie uns entgegen. „Ihr seht ja richtig gut aus, für dieses Wetter..!“ Dann erzählt sie uns, dass gerade vorhin eine Wanderin im Hotel angekommen ist, die wohl den Südsteig mit ihrem Hund wandert (1. Schwarzwald-Wanderidee). Sie muss anscheinend völlig durchgeweicht gewesen sein. (Wir lernen sie später kennen!)

Heute gehen wir aber erst mal aufs Zimmer, um unsere nassen Klamotten zu versorgen und zu duschen. Claudia entfernt noch rasch die Einlagesohlen der Wanderstiefel und stopft sie dann innen fest mit Zeitungspapier aus. So zieht man Wasser und Feuchtigkeit immer noch am Schnellsten aus den Schuhen. Dann gehen wir unter die heiße Dusche und anschließend zum Kaffee-Trinken, hinunter ins Restaurant.

Kurz darauf zischt dann bereits wieder das erste Tannenzäpfle aus dem Fass. Wo bekommt man das denn auch schon so frisch wie hier, direkt an der Rothaus-Theke?
Wir unterhalten uns dann noch lange mit Oliver Rumpf, dem Geschäftsführer der Brauerei-Gaststätte, über den heutigen Tag, und natürlich auch mit Anita. Morgen wird uns Oliver persönlich auf eine Wanderung begleiten und wir hoffen natürlich inständig, dass wir dafür dann besseres Wetter haben!
Anita ist jedoch recht guter Dinge, denn der Wetterbericht verspricht Besserung! Wir werden sehen..!

Dann rüsten wir uns für die nächste Runde gegen Reinhold Götte und sein Küchenteam, und die durch ihr Wirken auf unseren Hüften entstehenden Pölsterchen. Heute morgen musste ich den Gürtel meiner Wanderhose bereits zum ersten Mal etwas weiter machen. Die ersten beiden „Runden“ gehen also (trotz des Kalorienverbrauchs durch unser tägliches Wandern!) eindeutig an sie. Aber heute essen wir einfach mal etwas weniger, beschließen wir..! (Ob dieser Vorsatz wohl lange halten wird..?)

Wohl kaum, denn schon ein erster Blick in die Tages-Karte mach mir klar, dass wir wohl auch diese Runde wieder verlieren werden..:

Menü

Bunte Salate vom Buffet
angemachte Gemüsesalate
und gartenfrische Blattsalate,
hausgemachte Dressings,
Bauernbrotkracherle und Sonnenblumenkerne

***

Aus dem dampfenden Suppentopf

Schwarzwälder Festtagssuppe
mit Kräuterflädle, Griesklöschen,
Fadennudeln und Maultäschle
in kräftiger Rinderbrühe

***

Hauptgericht zur Wahl

Geschmorte Rinderroulade
mit klassischer Füllung aus Senf,
Speck, Zwiebeln und Gurke
in Badischer Spätburgundersoße,
mariniertes Apfelrotkraut und Speckböhnchen,
geschmelzter Kartoffelkloß

oder

Schweinefiletmedallions vom Qualivo Schwein
mit Pilzen in Rahmsoße,
Gemüse vom Freiburger Markt
und geschmelzte Spätzle

***

Unsere vegetarische Alternative

Gebackene Kartoffeltaschen
mit Frischkäse-Kräuterfüllung
auf buntem Rahmwirsing
und fruchtiger Tomatensoße

***

Zum Abschluß etwas Süßes

Karamellköpfle
mit Früchten der Saison und Haselnusssahne

Lasst mich hier bitte auch einmal erwähnen, das der Brauerei-Gasthof Rothaus zum erlesenen Club der der Naturparkwirte Südschwarzwald gehört!
Gemäß der Formel „Höchste Qualität und Landschaftspflege mit Messer und Gabel“ verbinden die Naturparkwirte Südschwarzwald Gaumenfreuden mit der Erhaltung der abwechslungsreichen Schwarzwaldlandschaft und  weisen durch die Verwendung regionaler Produkte nicht nur auf die Besonderheit der Region hin, sondern unterstützen damit auch ganz gezielt die Landwirte im Südschwarzwald.

Nach dem Essen platzen wir dann erneut wieder aus allen Nähten und auf meinen Kommentar, dass wir ja dieses Mal eigentlich etwas weniger essen wollten, um die dritte Runde nicht ebenfalls zu verlieren, erwidert Claudia nur lässig:

Was geht mich denn mein blödes Geschwätz von vorhin an..?

Unser Fazit des 3. Tages:

Unser heutiges Erlebnis zeigt, dass man durchaus auch bei (Dauer-)Regen wandern kann, und eine solche Tour dann vielleicht sogar zu einem tollen Erlebnis wird – richtige Regenkleidung natürlich vorausgesetzt!

Der Felsenweg ist ein echtes Highlight unter den Wandertouren im Rothauser Land und jedem zum Nachwandern empfohlen! Bei schönem Wetter wird man sich dort dann wohl noch deutlich länger aufhalten als heute, um die einmalige Landschaft zu genießen.

Wir empfehlen, das Auto am Wanderparkplatz Kreuzstein zu parken und dann von Waldhaus aus mit dem Bus hierher zurück zu kehren.

Streckenwanderung: 13,0 Kilometer, 386 Höhenmeter im Anstieg, 572 Höhenmeter im Abstieg. Dauer: 5 bis 6 Stunden.


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