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Der Amolterer Kräuterpfad am Kaiserstuhl

7 Mai 2012 Kein Kommentar

Auch wenn wir in diesem Wanderjahr noch ziemlich viel vor haben, im Hochschwarzwald gehen uns nun langsam die Frühlings-Themen aus!
So trieb uns das augenblickliche April-Wetter dann auch an diesem Wochenende noch einmal hinunter, an den Kaiserstuhl. Mal sehen, wie weit die Natur dort inzwischen auf dem Amolterer Kräuterpfad ist..!

Der Amolterer Kräuterpfad ist ein gutes Beispiel dafür, dass beim Wandern nicht ausschließlich die Quantität auf Qualität schließen läßt: Denn auch mit nur 3,75 Kilometer Länge kann einen dieses Weglein durchaus einmal für dreieinhalb Stunden beschäftigen – vorausgesetzt, man hat eine Kamera dabei und interessiert sich für Frühjahrs-Blüten und Maikäfer!

Das Wetter lädt heute aber auch am sonnenverwöhnten Kaiserstuhl nicht gerade zu großen Touren ein. Der Himmel ist grau, mit nur vereinzelten blauen Streifen und ein unregelmäßiger Wind erinnert mit seinen Böen an die Wettervorhersage vom Morgenradio: Am Nachmittag teils „heftige Gewitter“..!
Nun, das mögliche Wasser von oben ist uns eigentlich egal – wir sind ausgerüstet und Regenhosen und Regenjacken stecken immer griffbereit im Rucksack! Was für uns eigentlich viel ärgerlicher ist, sind das relativ schlechte Licht bei diesem Wetter und der Wind, der alle Blüten ständig in Bewegung hält. Schlechtes Licht bedeutet beim Fotografieren nämlich automatisch längere Belichtungszeiten. Und das natürlich ausgerechnet dann, wenn alle Blüten ohnehin ständig in Bewegung sind!

Wir parken in Amoltern direkt oben, am Friedhof und folgen dann einfach den Schildern. Sie werden uns – im Gegenuhrzeiger-Sinn – einmal um das lieblich daliegende Städtchen herum führen.
Schon beim Aufstieg steigt uns dann betörender Geruch in die Nase – der wilde Knoblauch (Bärlauch) blüht hier gerade überall zwischen den Bäumen.

Aber auch andere Blumen erregen ganz spontan unsere Aufmerksamkeit, denn selbst der Wiesen-Salbei steht hier schon in voller Blüte – Claudia kann es kaum fassen.
Zwischen dem frischen Grün der Weinreben wandern wir nun stetig aufwärts, und eigentlich lohnt es sich kaum noch, die Kamera nach dem Fotografieren einzupacken – Motiv folgt hier nun auf Motiv..!

Alleine schon die bereits wieder prächtig austreibenden Weinstöcke üben eine unglaubliche Faszination auf mich aus. Ihre knorrigen Stämme bieten unzählige Foto-Motive. Und überall dazwischen fliegen unzählige Maikäfer herum. Ihnen gilt natürlich meine ganz besondere Aufmerksamkeit, aber bisher war keiner von ihnen fotogen genug, um ihn ablichten zu können. Kaum sehe ich einen irgendwo sitzen sehen, schwirrt er auch schon wieder davon..!
Dann fesselt aber plötzlich etwas anderes meine Aufmerksamkeit: Zartgelb wiegt es im Gras hin und her – Wiesen-Bocksbart..!

Eine Blüte hat sich frisch geöffnet, steht aber frei im Wind. Schon der leiseste Hauch genügt daher, damit sie sich bewegt und das ist natürlich gar nicht gut, für Makro-Aufnahmen. Da hilft dann eben nur warten. Aber irgendwann habe ich dann Glück und kann während einer kurzen Windstille sogar eine ganze Serie schießen. Das beste Bild davon seht Ihr oben!
Inzwischen ist aber Claudia schon wieder am Rufen. Ich sehe sie vor irgend etwas Blauem stehen und wild gestikulieren. Leider kann ich aus der Distanz noch nicht erkennen, was es ist.

Erst beim Näherkommen sehe ich die Blüten dann etwas genauer: Es sind blaue Schwertlilien! Überall stehen sie hier direkt am Wegrand und warten nur darauf, fotografiert zu werden. Leider sind ihre Blüten schon etwas über dem Zenit und der Regen der letzten Nacht hat ihnen auch nicht besonders gut getan – sie schließen sich dann nämlich. Trotzdem schieße ich Bild um Bild.

Inzwischen sind wir am höchsten Punkt unserer Runde angekommen und haben eine tolle Aussicht, hinunter in die Rheinebene und auch hinüber, in die Vogesen. Als ob Föhn herschen würde, ist die Luft heute ungemein klar, so dass sich selbst die „hinteren“ Berge der Vogesen deutlich zeigen. Selbst die HautKœnigsbourg können wir von hier aus gut ausmachen!Man mag bei dieser Fernsicht kaum glauben, dass wir uns nur knapp einhundert Meter über dem Rhein-Niveau befinden!
Dann nimmt uns aber die Natur erneut in „Beschlag“. Inzwischen habe ich das 250er bereits standardmäßig auf der Kamera und verzichte auch darauf, sie nach jedem Bild wieder wegzupacken. Es ist nämlich sinnlos, da ich sie ein paar Meter weiter dann ohnehin schon wieder auspacken kann – soll – muss – darf – möchte..!

Inzwischen bin ich auch noch auf ein paar andere Bewohner dieser Landschaft aufmerksam geworden, die ich hier eigentlich schon fast vermisst habe: Zauneidechsen! Sie sind aber leider so scheu, dass ich mit der Kamera keine Chance habe. Dafür finde ich dann endlich ein anderes „Opfer“: Ein Maikäfer sitzt nämlich sehr fotogen auf einem Weinblatt und lässt mich zudem auch noch lange und nahe genug heran kommen, um nun doch noch die Fotos von ihm zu bekommen, die ich mir für heute gewünscht habe!

Und auch Claudia hat sich inzwischen den Maikäfern gewidmed, wenn auch nur indirekt: Sie fotografiert nämlich mich beim Maikäfer-Fotografieren – auch nicht schlecht..!

Irgendwann verspüren wir dann auch Hunger und Durst, und da kommt uns ein Bänklein mit tollem Blick hinunter, auf Amoltern natürlich gerade recht! Und als nun auch noch kurz die Sonne heraus kommt, wäre unser Glück fast perfekt – wäre da nicht dieser verdächtig dunkle Bereich am Himmel: Von den Vogesen her scheint nun nämlich doch das angekündigte Gewitter heran zu ziehen!

Im Augenblick stört uns das aber noch nicht besonders, wir genießen erst mal die wohlverdiente Pause und Claudias tolle Vesperbrote. Aber kaum sitze ich auf dem Hintern, bin ich auch schon wieder aufgestanden! Es gibt hier einfach viel zu viel zu fotografieren, um wirklich still zu sitzen und wer weiß, wie lange nun das Licht noch hält?

Und auch Claudia hält es nicht lange auf dem Bänklein aus: Sie hat nämlich etwas ganz seltenes entdeckt: Wild wachsender Spargel, direkt am Wegrand!
Dazu muss man vielleicht wissen, dass Claudia ein absoluter Spargel-Freak ist. Für Spargel lässt sie wohl so ziemlich alles stehen und liegen! Und wer hat denn schon einmal gesehen wie Spargel aussieht, wenn er so wächst, wie er gerne will?

An unserem Pausen-Plätzchen ist aber noch weitaus mehr zu bewundern: Zum Beispiel herrlich blühender Klatsch-Mohn, der inzwischen obligatorische Wiesen-Salbei und auch noch ein paar verspätet blühende Kaiserstuhl-Anemonen. Natur-Fotografen kommen hier wirklich voll auf ihre Kosten.
Während es am Himmel, rechts hinter uns verdächtig anfängt zu grummeln, mache ich die letzten „Pflicht-Aufnahmen“.

Dann schieben sich immer dickere Wolken vor die Sonne und beenden so die Foto-Session: Das Licht ist jetzt endgültig weg und erste, kräftige Windböen erreichen uns! Das Wetter kommt jetzt wohl geradewegs auf uns zu und dann höre ich auch Claudia plötzlich nur noch: „Oh-oooh..!„, rufen.
Ein kurzer Blick, entlang ihrer ausgestreckten Hand genügt mir, um zu wissen was los ist: Das Unwetter kommt nämlich viel schneller auf uns zu, als wir es erwartet haben und ist zudem wohl auch deutlich kräftiger als gedacht! Gut sichtbar, schüttet es dort drüben nämlich schon wie aus Kübeln, und das Ganze kommt nun auch schnur-stracks auf uns zu..!

Wir orientieren uns noch kurz im Gelände, um zu sehen, ob sich vielleicht doch noch irgendwo eine Unterstell-Möglichkeit findet, aber „nada„..! Na gut, so ziehen wir dann eben – ein Auge immer auf die gut zu erkennbare Regenfront gerichtet – erst einmal weiter dem Kräuterpfad entlang, hinunter in Richtung Amoltern.

Irgendwann nehmen die Windböen dann aber derart zu, dass wir unsern Schritt unwillkürlich beschleunigen und uns im Windschatten einer Hecke rasch „wetterfest“ machen: Regenhose und Regenjacke an, die Kamera-Tasche kommt nun in den Rucksack!

Als mir dann fast der Hut wegfliegt, ziehe ich nur noch die Kapuze hoch und mache sie enger.
Komm doch, Du Feigling..!„, lästert Claudia inzwischen schon wieder hinüber, zum Unwetter und grinst frech. „Oder hast Du etwa ein Problem damit..?„, will sie dann etwas scheinheilig von mir wissen.
Neiiiiiiin..!„, beeile ich mich da nur noch zu sagen. Aber eigentlich hätte ich viel lieber weiter fotografiert.

Spass beiseite: Ich habe natürlich auch keine Angst vor einem kräftigen Wolkenbruch! Wer so oft und so lange draußen unterwegs ist wie wir, der muss natürlich auch derart gut ausgerüstet sein, dass er jedem Wetter begegnen kann. Aus diesem Grund sind unsere Rucksäcke ja meistens auch etwas größer, als die von „normalen“ Wanderern. Nach vielen Touren haben wir einfach immer wieder einmal Dinge als Standard hinzu gepackt, auf die wir (in bestimmten Situationen) nicht noch einmal verzichten wollen. Reine Erfahrungssache eben!

Und irgendwann hat sich Petrus dann wohl auch lange genug von Claudia locken lassen und öffnet die Schleusen über uns! Aber eigentlich kommt das Regenwetter nun – wie ein D-Zug – direkt von vorne auf uns zugerauscht und ich habe sogar noch genügend Zeit, mich von ihm wegzudrehen und den Kopf einzuziehen.
Dann habe ich nur noch das Gefühl, als ob mir jemand einen Eimer Wasser über den Rücken schütten würde! (Was heißt hier einer..?)

Trotzdem höre ich Claudia neben mir im rauschenden Regen plötzlich laut singen: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern..!
Weine nicht, weine nicht, Claudia..!„, falle ich da prompt fröhlich ein und wir lachen herzhaft über uns selbst.
Dazu muss ich vielleicht erklären, dass es auch für uns immer wieder ein unglaubliches Erlebnis ist – mit wasserdichten Wanderstiefeln, Regenhosen und Goretex-Jacken gut geschützt – durch einen derartigen Platz-Regen zu spazieren, ohne dabei auch nur im Geringsten nass zu werden. Lediglich die Brille hat unter der Kapuze mal wieder ein paar Spritzer vom Wind abbekommen.

Dann ist der Spuk aber plötzlich genauso schnell vorbei, wie er begonnen hat. Ich ziehe langsam die triefende Kapuze herunter und schiele vorsichtig nach oben. Ob’s das wohl war?
Vorsichtshalber lassen wir die Regenklamotten aber vorläufig noch an und pilgern so vollends hinunter, nach Amoltern .
Bist Du irgendwo nass geworden..?„, will Claudia dann wissen. Aber das kann ich getrost verneinen. Alles ist warm, trocken und gemütlich! Sogar die Brille ist schon wieder von alleine abgetrocknet.

In Amoltern werden wir dann gleich wieder links hinauf geleitet und finden ganz zum Schluss – nach einer etwas längeren Suche – sogar auch noch unsere Maiglöckchen, die wir uns als Fotomotiv für heute genauso sehr gewünscht haben, wie die Maikäfer.

Leider sieht es da aber schon wieder so aus, als ob nun gleich der nächste Guss von oben käme. Und beim Fotografieren bemerkt man das natürlich am ehesten, weil das Licht schwindet: Makroaufnahmen aus der Hand, mit 1/15 sec. werden nämlich nichts mehr.
Dann hallt auch schon ein erster, krachender Donner über das Tal und gleichzeitig öffnet der Himmel oben erneut seine Schleußen.
Wir stehen – nur etwa 100m von unserem Auto entfernt – noch einmal kurz unter und lernen dabei ein nettes Wanderer-Pärchen in unserem Alter kennen, das gemeinsam mit uns Schutz sucht. Sie sind hier aus Amoltern und laden uns schon nach wenigen Minuten zu sich nach Hause, zum Kaffee ein – weil es dort gemütlicher ist. Dankeschön, das war toll! So schön kann wandern sein..!

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