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Crêtes des Vosges – 18. Etappe

27 September 2012 Kein Kommentar

Die Nacht war zeitweilig etwas unruhig gewesen. Jäger haben wohl einen kapitalen Hirsch geschossen und diesen dann – mit vereinten Kräften und viel guter Laune – auf die Ladefläche eines anderen Autos umgeladen. Danach herrschte auf dem benachbarten Waldparkplatz wieder Ruhe.

Um Sieben piepst der Garmin und ich mache uns Kaffee. Wie immer gibt es Pulverkaffee und Brote mit Philadelphia-Käse. In den warmen Schlafsäcken sitzend, frühstücken wir. Danach richte ich uns noch drei Liter Tee für unterwegs und ziehe mich an. Draußen dann noch eine schnelle „Katzenwäsche“, bevor ich damit beginne ich die Rucksäcke zu packen. Unterdessen packt Claudia im Zelt die warmen Schlafsäcke, die Thermarest-Matten und die dünnen Isomatten zusammen.

Diese Kombination hat sich inzwischen bestens bewährt, denn gefroren haben wir, so nach unten isoliert und gepolstert, im Zelt noch nie. Selbst wenn das Thermometer nachts mal etwas unter den Gefrierpunkt sank. Claudia hat gestern Nacht sogar zum ersten Mal die Socken ausgezogen, weil ihr damit im Schlafsack zu warm gewesen ist! (Bei +3,0°C)

Nach und nach reicht sie mir nun alle Utensillien aus dem Zelt heraus, wo ich dann alles vorsichtig in den Rucksäcken verstaue, um die Müllsäcke nicht zu beschädigen, die unsere Ausrüstung darin noch zusätzlich vor Wasser schützten. Seit unsere Schlafsäcke nach einem Tag Dauerregen – trotz zusätzlicher Raincover – einmal völlig nass gewesen sind, schützen wir unsere Rucksackinhalte auf diese Weise noch zusätzlich vor Wasser. Mit Erfolg, denn seither hatten wir dieses Problem nicht mehr!

Erst zum Schluss bauen wir dann gemeinsam das Zelt ab. Es ist inzwischen schon fast wieder trocken, nur die Innenseite des Außenzeltes ist vom Kondenswasser unserer Atemluft noch etwas beschlagen. Aber das stört uns nicht weiter,wir packen es trotzdem ein. Etwas kleiner zusammengefaltet als von Salewa empfohlen, passt es komplett in die beiden zusätzlichen Außentaschen an meinem Deuter-Rucksack.
Nachdem ich auch noch den Müll eingepackt habe, orientiere ich mich noch kurz, um den weiterführenden Weg zu finden.

Gleich vom Zeltplatz weg, geht es dann stramm aufwärts. Fast 500 Höhenmeter müssen wir nun überwinden, bis hinauf zum Vogelstein auf 1188m. Die Wege sind jedoch wieder Klasse und lassen das Gehen einmal mehr zum Lustwandeln werden. Schmal, schneiden sie durch die steilen Flanken der bewaldeten Bergrücken und führen uns so auch immer wieder durch steile Geröllfelder. Aber selbst dort sind die Pfade hervorragend präpariert. Man muss dem Club Vosgien hier für seine Arbeit wirklich ein großes Lob aussprechen!

Dann wird es aber plötzlich alpiner. Ein schmaler Felsenpfad führt uns, etwas ausgesetzt und recht weit oben, durch eine fast senkrecht abfallende Felswand. Der Steig ist jedoch hervorragend versichert und selbst Claudia hat auf ihm keinerlei Probleme mit ihrer Höhenangst. Rasch ist die Passage überwunden und wir sind wieder auf den geliebten Waldpfaden.
Einen über dem Weg liegenden Baumstamm nimmt Claudia dankbar für eine kurze Pause an. Weit zurückgelehnt, kann sie so den Rucksack ebenfalls aufstellen und die Rückenmuskulatur dadurch kurz entlasten. Längst ist ihr so warm geworden, dass sie Mütze und Softshell-Jacke wieder ausgezogen hat.

Oben, am Thanner Hubel, erreichen wir dann wieder die freien Hochweiden und genießen erneut tolle Fernsichten, hinunter in die Rheinebene, aber auch hinüber zum Schwarzwald, dessen Silhouette sich im Morgendunst gerade noch ausmachen lässt.
Vorbei an einer Ferme Auberge, die bereits geschlossen hat, drehen wir nach links und folgen dann dem Zaun der verweisten Viehweide steil hinauf, in Richtung Vogelstein.

An einem markannten Felsen halten wir an und als ich die vielen Wanderer, drüben am Vogelstein (Aussichtspunkt) sehe, beschließen wir, doch lieber gleich hier eine Pause einzulegen. Die Rucksäcke plumpsen ins weiche Gras und ich ziehe Schuhe und Strümpfe aus. Was für eine Wohltat!
Hier genießen wir nun erst mal das tolle Wetter im trockenen Gras, und erholen uns eine knappe, halbe Stunde lang.

Auf der anderen Seite des Vogelstein geht es dann gleich wieder kräftig bergab. Etwa 250 Höhenmeter gilt es hier nun bis zum Col de Rimbach abzubauen, bevor wir uns diese dann auf der anderen Seite gleich wieder zurückholen müssen! Und leider hat auch die Ferme Auberge am Belackerkopf wegen Umbauarbeiten geschlossen.
Das ist nun ziemlich übel für uns, weil wir uns auf die vielen, in der Karte verzeichneten Alp-Hütten verlassen hatten. Wir benötigen inzwischen nämlich dringend Wasser!
Ab sofort werden wir daher mit etwas mehr Bedacht trinken müssen. Und ich hoffe sehr, vielleicht doch noch irgendwo zwischen hier und der kleinen Abri, in der wir eigentlich gerne übernachten wollen, eine Quelle zu finden. Die sind auf dieser Höhe aber natürlich eher selten, und sollte uns das nicht gelingen, dann wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als bis zum Ballon d’Alsace durchzulaufen. Diesen heftigen Aufstieg wollten wir heute aber eigentlich vermeiden..!

Claudia macht mich darauf aufmerksam, dass sich in meinem Gesicht und auf den Armen langsam eine deutliche Rötung zeigt. Die Septembersonne brennt hier oben ordentlich und wir sind froh, kurz darauf wieder im Waldschatten verschwinden zu können. Spontan wird es um uns herum wieder feuchter, und damit auch deutlich kühler.

Dann begegnen wir einem deutschen Ehepaar, etwa in unserem Alter. Und natürlich kommt man hier im „Ausland“ miteinander ins Gespräch. So erfahren wir, dass sie bereits seit zweieinhalb Monaten (mit dem Zelt!) unterwegs sind und von den Pyrenäen kommen! Sie wollen nun noch nach Freiburg (Brsg.) und dann wieder mit dem Zug zurückkehren, nach Bremen!
Und sie verraten uns, dass wir wohl in etwa einer Stunde eine Quelle passieren werden, die sich direkt am Wegrand befindet.
Die könnt Ihr garnicht verfehlen..!„, lacht sie noch freundlich zum Abschied und winkt ein letztes Mal. Claudia ist sichtlich beeindruckt und kriegt sich dann vor Bewunderung auch garnicht mehr ein!

Nun folgt der Weg innerhalb des Waldes immer der rechten Flanke und führt sehr lebendig auf und ab, bis wir uns verlaufen!
Ohne es zu bemerken, verlassen wir den Kammweg irgendwo und befinden uns dann plötzlich auf einem immer schmaler werdenden Wildwechsel, ohne jede Markierung. Umkehr..!
Erst als wir dann wieder das erste Wegzeichen sehen, wird uns klar, wie das überhaupt geschehen ist: Hier fehlt nämlich ein Richtungspfeil, der auf den scharf nach links oben abknickenden Weg aufmerksam macht. Und da außer uns wohl bereits unzählige Wanderer ebenfalls geradeaus gegangen sind, führt der Pfad inzwischen auch „optisch“ schon geradeaus weiter! Bis er sich dann langsam in immer dichter werdendem Gestrüpp verliert.
Für uns ist das eigentlich nur deswegen ärgerlich, weil wir durch den Umweg fast eine dreiviertel Stunde verlieren, die uns später natürlich fehlen wird! Laut Garmin ist der Sonnenuntergang zwar erst um 19.17 Uhr, aber in den Bergen verschwindet die Sonne nämlich schon deutlich früher hinter dem Horizont und dann wird es im Wald eben rasch duster!

Wir erreichen den Lac des Perches du Sternensee und erhaschen ein paar beeindruckende Tiefblicke, zu ihm hinunter. Wie ein Karsee liegt er in einem fast kreisrunden Kessel, den wir nun auf schmalen Pfaden umrunden werden. Hier rechne ich jetzt irgendwo mit der versprochenen Quelle, denn die ist längst überfällig und unser Teevorrat ist seit etwa einer halben Stunde aufgebraucht. Aber leider haben wir auch weiterhin Pech!

Dann erreichen wir jedoch eine Abzweigung, die uns links zum „Blaustrich“, einem weiteren Fernwanderweg der Vogesen, hinunter führen würde. Und dort steht nun ein unscheinbares Schild neben dem Pfad, mit der Aufschrift: Source 50m.

Endlich, die Quelle! Claudia ist schon unterwegs, um sie zu erkunden, während ich den Rucksack abnehme, um mich kurz zu erholen.

Erst nach einer ganzen Weile, ich habe inzwischen schon angefangen mir Sorgen zu machen, kommt sie zurück und setzt sich neben mich.
Überraschung..!„, grinst sie breit. „Dort unten ist nämlich nicht nur eine Quelle, sondern zudem auch eine wunderschöne Abri. Bitte lass uns heute Nacht hier bleiben..!

Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass es bereits kurz nach 18.00Uhr ist. Warum also nicht? Wir können die restliche, eigentlich noch für heute geplante Wanderstunde, auch an den morgigen, letzten Tag anhängen!

Ich schultere also den Rucksack wieder, dann ziehen wir gemeinsam hinunter zur Blockhütte und ich bin ebenfalls spontan von ihr begeistert. Sie hat zwar keinen speziellen Dachboden, auf dem man schlafen könnte, dafür aber einen isolierenden Holzboden. Ein Betonboden wäre weitaus weniger schön gewesen.

Wir stellen die Rucksäcke vor der Hütte ab und füllen an der Quelle gleich alle Flaschen. Das dauert eine Weile, da nur ein kleines Rinnsal über eine Holzrinne in die Viehtränke der Weide mündet. Zum Befüllen der Flaschen entferne ich das Brettchen vorübergehend, um wirklich sauberes Wasser zu erhalten. Dann füge ich es wieder ein und wir ziehen mit 6 Litern Wasser zurück, zu unserem Nachtquartier, um uns dort behaglich einzurichten.
Dort angekommen, stelle ich mit dem Gaskocher gleich einen Liter davon auf, denn heute brauchen wir nicht zu sparen. Dann waschen wir uns ausgiebig das Salz von der Haut und als ich Claudia dafür auch noch richtig warmes Wasser hinstelle, ist sie völlig aus dem Häuschen. Was für ein Luxus!

Dann ist aber draußen, vor der Hütte plötzlich ziemlich viel Bewegung und ein Blick hinaus zeigt mir, dass nun wohl alle Rinder von der Weide heraufkommen, zur Hütte. Draußen freunden wir uns schnell mit ihnen an. Vor allem ein sehr zutrauliches, schwarz-weißes Kälbchen hat es Claudia angetan und es gibt nun viele Streicheleinheiten..!
Etwas später dann, als wir schon längst wieder in der Hütte sind, lacht Claudia plötzlich laut los und deutet mit ausgestrecktem Arm auf ein Fenster: Zu allen drei Fenstern sehen jetzt nämlich plötzlich neugierige Kühe zu uns herein. Was für ein Bild!

Nachdem wir uns dann gewaschen und auch unseren Wasserhaushalt wieder ins Lot gebracht haben (Ich verputzte innerhalb von 20 Minuten einen ganzen Liter Tee!), bereite ich uns eine heiße, asiatische Nudelsuppe zu. Heute gibt es sogar mal die doppelte Portion, denn wir haben beide richtig Kohldampf. Wahrscheinlich spielt da aber auch die tolle Atmosphäre eine große Rolle, denn in der Hütte herrscht natürlich eine ganz andere Geborgenheit, als sonst im Zelt.

Nach Einbruch der Dunkelheit sitzen wir dann noch eine ganze Weile im Schein einer kleinen Kerze, mit der ich Claudia überrascht habe. Das ist schöner, als im kalten Licht der Stirnlampen. Anschließend werfen wir draußen auch noch einen langen Blick hinunter, ins Tal. Denn dort leuchten inzwischen unzählige Lichter in der Weite der Rheinebene.
Dann legen wir uns in unsere Schlafsäcke und schlafen den Schlaf der Gerechten. Was für ein toller Abenteuer-Urlaub..!

Crêtes des Vosges – 18. Etappe: Zeltplatz hinter Thann – Thanner Hubel – Strittkopf – Lac des Perches du Sternsee

Strecke 15,6 Kilometer – 8,5 Stunden. 959 Höhenmeter im Anstieg, 465 Höhenmeter im Abstieg.

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


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